Interaktion zwischen Computer und Menschen

Für die, die sich dafür interessieren, was ich in meinem Studium so mache, habe ich einen Blog angefangen: Computer für Menschen. Langfristig soll das ein Gruppenprojekt von uns Studenten werden.

Was mich an diesem Thema so fasziniert: ich möchte Computer, die sich den Menschen anpassen, und dem Menschen dienen – nicht andersherum, dass sich der Mensch anpassen und sozusagen dem Computer dient. Und mein Studium beschäftigt sich damit, in welchen Bereichen eine solche Anpassung nötig ist und wie sie aussehen kann. Der Artikel Die Frage der Übersetzbarkeit beschäftigt sich beispielsweise damit, wie der Computer eigentlich eine eigene „Sprache“ spricht, in der man sich verständlich machen muss. HCI gibt einen kleinen Überblick, um was es noch alles gehen kann.

Und noch ein kleiner Comic dazu (von Twittch):

Bildung ist Herzenssache

Wie jeder bayrische Schüler habe ich die Verfassung bei mir zu Hause rumliegen. Außer der formell vorhandenen Todesstrafe (die inzwischen abgeschafft wurde, siehe 123recht und Focus) fand ich immer schon interessant, wie sie Bildung definiert:

Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.

Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungs­gefühl und Verantwortungs­freudigkeit, Hilfs­bereitschaft, Auf­geschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungs­bewußtsein für Natur und Umwelt.

(BayV Art. 131 Abs. 1-2)

Natürlich wurde das zu einer Zeit der religiösen Rückbesinnung geschrieben, die Präambel sagt: „Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden des zweiten Weltkrieges geführt hat …“. Und es ist auch fraglich, inwieweit unser heutiges Bildungssystem diese Ziele widerspiegeln.

Und dennoch rückt es Bildung in ein glänzendes Licht: es geht eben nicht nur um Wissen (dafür gibt es ja jetzt Wikipedia und, wenn das nicht hilft, Google), sondern persönliche Charakterentwicklung. Wie aber lehrt man „Erfurcht vor Gott“, oder „Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne“? Indem man es vor-lebt, und die Schüler einlädt, es auch zu er-leben. Wie ein Kunst-Lehrer, der eine Museums-Exkursion plant.

In Frankreich gibt es kein Religionsunterricht, nur „Philo“ (Philosophie/Ethik). Sie lernen mehr Theorien kennen als wir, aber persönlich auseinandersetzen tun sich damit nur die, die selbst daran interessiert sind. Zum Bestehen reicht Auswendiglernen, und Diskussion im Unterricht wird auch kaum gefördert.

Mein bester Lehrer ist immer noch Gott selbst … 🙂

Empathie mit Asylbewerber

Ich wusste schon manches über das Flüchtling-Sein, aber selbst einer zu sein, wenn auch nur in einem Spiel, ist plötzlich nochmal etwas anderes. Man lernt, irgendwie zu überleben, und verschiebt die Hoffnung auf ein gutes Leben auf später. Nachts aufzuwachen, schwitzen, die Erinnerungen bleiben.

Und dann: wer sagt, „Willkommen in Deutschland“? „Komm, ich helf dir, zeig dir die Welt…“ „Wann immer du willst, komm auf ein Kaffee vorbei …“ Eine einfache Freundschaft ist plötzlich soo wertvoll.

Together.

Paul Williams Young: Die Hütte

Love extravagantly. Love as if your life depended on it – because it does. (1. Korinther 14, 1)

Natürlich ist die Hütte nicht die Bibel. Es ist ein Roman, und von der besten Sorte: es hat einen wahren Kern. Besonders beeindruckt hat mich, wie er ausmalt dass „Gott Beziehung ist“ – „Drei-Einigkeit“. Es hat in mir eine Dringlichkeit hinterlassen, wie wichtig es ist, zu lieben – und wie schal demgegenüber unsere Welt geworden ist. Verantwortlichkeiten und Politik sind nur ein blasses Abbild von echter Fürsorge. Du sagst, „Nur die Liebe zählt“, das geht nicht in solch großen Gruppen wie einer Nation? Da magst du Recht haben, ich bin ja auch nicht für Anarchie. Ich sage nur, dass politische Strukturen an sich nicht die Lösung sein können, selbst wenn sie „demokratisch“ heißen.

Ich denke, das Buch ist auch wegen solcher Querschüsse bekannt und in Verruf geraten. Ich meine, was soll das heißen, zu glauben, ohne religiös zu sein? Aber gerade darum habe ich die Lektüre genossen: es fordert heraus, und es lädt ein, anders zu denken. Bunter, lebendiger. In einer Welt, in der Gott im Mittelpunkt steht.

So ein Buch will ich auch mal schreiben.

Freeze!

„Freuen dürfen sich alle, die im Herzen rein sind – sie werden Gott sehen.“ (Matthäus 5, 8 Gute Nachricht)

Es gibt Momente, die es wert sind, eingefroren zu werden: Freeze, wie ein Foto oder Standbild. Gestern bei Ikea war ich an der Kasse, und zahlte 9,98 – nur gab die Kassierin mir nicht 2 Cent, sondern 2 Euro zurück. Als ich sie darauf hinwies, zögerte sie einen Moment. Dann sah sie mir in die Augen – Freeze!

Was sie in diesem Moment gedacht hat? Ärger über sich selbst, „oh mann, hoffentlich werd ich bald abgelöst“? Erleichterung, „das ist aber gerade noch gut gegangen“? Oder Überraschung: „Wow, es gibt tatsächlich noch Menschen, die ehrlich sind!“?

Sie sagt „Danke“, fast emotionslos, und wechselt die Münze in meiner Hand. Und schon kommt der nächste Kunde dran.

Ein reines Gewissen ist viel mehr wert als 2 Euro.

Adrian Plass: Der Besuch

In diesem kurzem Roman geht es um die Frage, was wäre, wenn Jesus in die heutige Zeit kommen würde. Würden wir ihn erkennen? Was hat er zu uns „modernen“ Menschen zu sagen? Der Erzähler, Vorstehender einer Kirchgemeinde, begleitet Jesus als Manager und Freund, und kämpft dabei vor allem mit seinem eigenen Gottesbild. Dass Jesus doch nicht der nette, brave, „gezähmte“ Jesus ist. Sondern: verplant (aus Sicht des Erzählers jedenfalls), unvorhersehbar, und vor allem: radikal liebend. Ein Homosexueller möchte mit ihm sprechen, aber statt fand nicht, wie der Erzähler erwartete, ein Seelsorgergespräch, sondern ein Billiardspiel. Und als er in einer Gemeinde zum Predigen eingeladen war, entdeckt ihn plötzlich ein Kind im Publikum (ein geistig behindertes Kind, mit dem Jesus schon viel Zeit verbracht hat), und läuft voller Freude zur Kanzel. Und er geht – zur Entrüstung der Anwesenden – nachdem er sie geknuddelt und der Mutter zurückgebracht hat, einfach zur Tür heraus. „Jesus! Die Leute haben eine richtig gute Predigt erwartet!“ – „Sie haben eine noch bessere bekommen.“

Ja, ja, das fasziniert mich auch immer. Jesus, der Lehrer, der eigentlich mehr Fragen stellt, als Antworten zu geben. Der Menschen einlädt, nicht nur mitzudenken, sondern auch mitzumachen. Wenn Jesus sagt: „Lass alles stehen und liegen, und komm mit mir!“ ist das eine Form von Interaktivität, die unsere Vorstellung von interaktiven Gottesdienstgesprächen weit in den Schatten stellt. Gut, vielleicht wirkt es auch nur so, weil die Bibel wahrscheinlich hauptsächlich die besonders wichtigen Momente erzählt (so wie die Leute im Film immer nie aufs Klo müssen), aber er schaffte es so oft, Leben zu verändern, indem er sich voll auf sie eingelassen hat.

Sehr empfehlenswert: typischer Adrian-Plass-Humor, viele Gedankenanstöße, und dank der erzählerischen Form leicht zu lesen.

Das Bergdorf und sein Bürgermeister

But me He caught — reached all the way
from sky to sea; He pulled me out
Of that ocean of hate, that enemy chaos,
the void in which I was drowning.
They hit me when I was down,
but God stuck by me.
He stood me up on a wide-open field;
I stood there saved — surprised to be loved!

(2. Samuel 22, 17-20 The Message Bible)

Ja, er hat mich „erwischt“. Wider aller Verzweiflung, Depression, Aggression, Chaos; trotz aller Theorien, Modelle und modernem Gedankengut; und nicht aufgrund von Freunden, Familie und sogar der Kirche. Er selbst war es, der die Fragen meines Herzens ins Licht rief; und nur er konnte auf diese eine zufriedenstellende Antwort geben. Er ist die Antwort.

(Ui, das war lyrisch. War das auch verständlich? Eher nicht. Probieren wir es mal mit Prosa.)

Es war wie … (Kinder, kommt mal alle her, ich möchte eine Geschichte erzählen! Hört mal gut zu.)
… ein Dorf in einer Ebene. (So mit Kühen und Bauern und Marktplatz und so. Nein, es gibt keine lila Kühe, wir können ja mal einen Ausflug machen.) Keiner interessierte sich für dieses Dorf, aber immer wieder fegten Kriege über es hinweg: es lag an einer Handelsstraße. Aber über die Jahre wurden die Berge um das Dorf immer höher und unbegehlicher. So wurde es isoliert, und nicht viele bekamen die wichtige Änderung mit: es bekam einen Bürgermeister. Nein, bisher lebten die Dorfeinwohner größtenteils friedlich, aber jeder für sich alleine vor sich hin; sie waren der Meinung, dass ein Vorsteher nicht nötig sei, denn Überleben lässt es sich auch so. Eines Tages jedoch kam ein Fremder über die Berge, fragte nach einem Gästehaus – wie, er möchte länger hier bleiben?? – und da der Stammtisch meist leer war, traf er die Bewohner, wo sie waren: auf dem Feld, zu Hause, beim Brunnen … Sie verstanden seine Worte nicht. Leben, was ist das? Wir sind doch nicht tot, wir leben doch! Und dennoch ließ er sich davon nicht frustrieren, und nach und nach gelang es ihm, einen Hauch der Ewigkeit in ihnen zu pflanzen. Durstig nach mehr kamen sie immer wieder auf ihn zu, und wieder verstanden sie kein Wort, aber fühlten sich innerlich gestärkt.
Weiterlesen →

Why Do We Dream?

Asking for the roots of dreaming seems like asking „why do we eat“ or „why do we need friends“ – we’re meant to live this way. In my opinion, the real question is: Is a dream significant, is it meaning something?

I would say, in this case the radical constructivist approach makes sense: you create its meaning by believing in it. If you believe, dreaming is nonsense, then you will rarely remember „special dreams“. If you think, dreaming is processing reality on another (subconscious) level, then you actively allow this processing to happen. And if you think, dreams are forecasting reality in some way, you will look back and actually find similarities.

Maybe the difference between dreams and day dreams is not as big as we may think. Both refer to our innermost values and attitudes, so deep inside we often don’t even realize them. And both can cause humans to break out of their tracks, beginning to write a new history.

If you really want my personal opinion on that: dreaming is like living in another world, with different laws of gravity. And sometimes it’s scary to see how much and how little at the same time is depending on my personal will in this world. Sometimes I feel like a supreme king, sometimes like a chased cat. But most of the time, I feel like a child receiving a present and playing with it freely. It’s like eating: without it, I would gradually starve.

So do dreams have meaning? They can. Are they reflections of day experiences? Sometimes. And sometimes, even God can speak through them, bringing new ideas and behaviours.

Farewell, dreamer!

Der Tag, als die Sonne nicht aufging (Teil 3)

(Teil 1 – Teil 2)

Plötzlich pumperte es an der Tür. „Soll ich aufmachen?“
– „Sei vorsichtig!“ Ich stand also auf. „Ach du bists, Christopher, komm rein.“
– „Hallo Papa! Du, Papa, schau mal, da…“
– „Christopher! Da bist du ja! Wir haben uns schon Sorgen um dich gemacht! Lass dich umarmen. Wo hast du so lange gesteckt?!“
– „Der Schulbus kam nicht, und dann bin ich mit zu Paul gefahren, und wir haben gespielt.“
– „Aber dein Handy war nicht an!“
– „Ich glaub das hab ich zu Hause vergessen. Ich wollt euch ja anrufen, als der Bus nicht kam…“
– „Komm erst mal rein, mein Sohn.“ Er pfefferte sein Ranzen in die Ecke. Weiterlesen →