Hast du schon mal einen Vogel gesehen, der sich Sorgen macht?

Eines Nachts wachte Friedegard auf. War da nicht ein Geräusch? Könnte das ein Marder sein? Es hat doch geknackt! Sie lauschte in die rabenschwarze Dunkelheit. Nichts.

Unsere Frau Spatz schloss die Augen wieder, und versuchte, wieder einzuschlafen. Aber es ging nicht. Bestimmt schlich der Marder gerade um den Baum, auf dem sie sich niedergelassen hat, und suchte nach dem besten Weg, innerhalb von Sekunden zu ihr zu springen. Sekunden?! Sie war in Gefahr! Intensiv horchte sie weiter. Sie konzentrierte sich und versuchte, irgendetwas zu erkennen. Nichts.

Eine Stunde später war immer noch nichts passiert. Ihr Puls hat sich wieder verlangsamt, aber an Schlafen war nicht zu denken. Und so wanderte ihre Fantasie zu dem Nest, das sie sich bauen will, eines Tages, wenn Mr. Perfect sie endlich entdecken würde! Glücksgefühle durchströmten ihren ganzen Körper. Aber Moment, sie wollte ja ihr Nest weiterplanen. Es sollte das schönste und größte Nest im ganzen Wald werden. Dreistöckig, komplett aus Eiche, aber sie wusste noch nicht so richtig, welche Federn sie wählen sollte. Extra-flauschig sollen sie sein. Nicht zu groß und nicht zu klein. Mit einem schönen Muster. Kompliziert.

Und natürlich, billig wird das alles nicht. Allein schon der Baum, auf dem das Nest gebaut wird, wird schon Hunderte von Eicheln kosten, je nach Lage. Und das nur für eine Saison! Alles ist teurer geworden! Sie wird eben noch mehr sparen müssen, um sich diesen Traum erfüllen zu können.

Da schoss ihr ein anderer Gedanke durch den Kopf: Wie sah sie denn eigentlich gerade aus?! Vor lauter Grübeln hatte sie sich unterbewusst den Kopf am Ast gerieben, und jetzt war bestimmt alles zerstrubbelt. Wenn jetzt Mr. Perfect sie sehen würde! Aber wie sollte sie das auch nachschauen, es war ja mitten in der Nacht! Sie mochte Nächte nicht. Ach so, der schläft ja jetzt bestimmt. Naja. Trotzdem.

Das Leben war so schrecklich. Die Preise stiegen, die Würmer versteckten sich immer besser … oh mann, daran hatte sie ja noch gar nicht gedacht! Wenn sie dann ihr Nest baut, hat sie ja viel weniger Zeit nach Würmern zu fahnden! Wie soll sie denn da überleben! Und wenn sie hungrig ist, wird sie auch nicht produktiv sein können! Und wer weiß, vielleicht wird sie sogar krank!

Alles wird immer schrecklicher! Und jetzt auch noch dieser Marder, der rücksichtslos hilflose Spatzen überfällt! Ihre Freundin wäre um ein Haar gefressen worden. Dabei wollte sie doch alt werden, ihre Enkelkinder sehen, ach was, ihre Ururenkel! Vielleicht sollte sie sich doch einen Bodyguard zulegen.

Irgendeine Möglichkeit gibt es immer. Naja, wenn man reich genug dafür ist. Friedegard, du schaffst das schon irgendwie. Musst dich halt ein bisschen anstrengen.

Oh manno, die Sonne geht gleich auf. Eigentlich würde sie ja gerne noch ein bisschen schlafen. Aber es gibt noch so viel zu tun! Und zu durchdenken!

Macht euch keine Sorgen! … Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen, und euer Vater im Himmel ernährt sie doch.
(Matthäus 6,25-26)

(Photo von Peter Trimming, CC BY-SA 2.0, farblich bearbeitet)

Theologischer Anhang (oder: wie die Geschichte entstanden ist)

In Matthäus 6,19-34 werden drei Sorgen beschrieben:

  • Habe ich genug, um zu überleben? (Essen + Trinken, Geld, Vorräte)
  • Wie seh ich denn aus? (Kleidung, Schönheit)
  • Wenn es heute schon so schrecklich ist, wie wird es dann erst morgen werden? (Zukunftsangst)

Kernaussage des Textes: Sorgt euch nicht (6x)! Sondern: Vertraut! „Ich habe einen guten Vater. Er wird mich versorgen. Er weiß, was gut für mich ist. Ich brauche Hilfe, und das ist ok – er hilft gerne.“

Mein Leben ist eine besondere Geschichte (deins auch!)

Viele dieser Gedanken sind meine Reflektionen über das, was ich in diesen Buch lerne: John Ortberg: Die Tür ist offen – Ergreife Gottes Chancen.

Ich schreibe gerne Geschichten. Ich liebe es, beim Schreiben kreativ Möglichkeiten auszuprobieren. Auch mein reales Leben ist eine Geschichte, die ich schreibe – eine ganz besondere Geschichte.

In jedem Moment habe ich tausende kreative Möglichkeiten – gut, vielleicht nicht ganz so viele wie in fiktiven Geschichten. Ein paar Zentimeter über den Boden schweben, das ist etwas, was in meiner Fantasie besser funktioniert. Aber ich habe in meinem Leben viele Wahlmöglichkeiten: was ich in meiner Freizeit mache, worüber ich nachdenke, welche Gefühle ich festhalte und welche ich loslasse, mit wem ich kommuniziere …

Das Leben ist eine Geschichte, die ich nicht alleine schreibe

In fiktiven Geschichten kann ich den Kontext so gestalten, wie ich es will. In realen Geschichten verändere ich mein Umfeld, und das Umfeld verändert mich – Interaktion. Viele Begegnungen suche ich mir gar nicht aus, sie kommen einfach zu mir! Aber welche Einstellung ich in diesen Begegnungen habe, das kann ich mir aussuchen. Viele Herausforderungen, globale und individuelle, sind plötzlich da und warten auf meine Antwort. Da kann ich kreativ werden. Da wird meine Lebens-Kunst gefragt. Die Kunst, all das, was ich bisher gelernt habe, gezielt einzusetzen.

Das Leben ist eine Geschichte, in der ich eine wichtige Rolle spiele

Ich habe die Verantwortung für meine eigenen Entscheidungen. Ob andere sich verändern, das müssen sie selbst entscheiden. Ich kann erstmal nur meine eigene Haltung und mein eigenes Verhalten verändern. Meine Freunde, meine Kinder, meine Arbeitskollegen … sind andere Personen. Ich kann zwar mit ihnen kommunizieren – meine Bedürfnisse, Wünsche, Ideen äußern – aber wofür sie sich entscheiden, das ist ihre Verantwortung. Sie können Erwartungen äußern, welche Rolle ich in ihrem Leben spielen soll, aber ob ich mitspiele, bleibt meine Entscheidung. (Allerdings ist es nicht einfach, seine Rolle zu verändern.)

Das Leben ist eine Geschichte, die ein Ziel hat

In meinem Leben gibt es viele Dinge, die nicht unter meiner Kontrolle sind. Und doch ist meine Geschichte nicht einfach nur Zufall. (Manche nennen diese Umstände, die mir begegnen, „Schicksal“ – weil sie eben nicht an Zufall glauben.) Gerade diese Umstände werden handverlesen durch den großen Autor der Geschichte. Gottes Ziel ist, dass wir lernen, ihm in Allem zu vertrauen. Dieses Vertrauen ist immer wieder eine Entscheidung.

Das Leben ist eine Geschichte, in der wir Vertrauen lernen können

Egal, wie viel Vertrauen in Gott (= Glauben) wir bereits gelernt haben, Gott schenkt uns ständig Gelegenheiten, es zu vertiefen. Das klingt frustrierend für mich – dann bin ich ja nie „fertig“ / perfekt? Genau. Aber es klingt auch ermutigend. Gott ist ein guter Vater, der nicht von uns erwartet, einen 100-Meter-Lauf zu rennen, wenn wir gerade erst wackelig auf unseren Füßen stehen. Glaube in Reiskorn-Größe reicht vollkommen aus.

Das Leben ist eine Geschichte, über die Gott den Überblick hat

Alle Umstände, auch die schmerzhaften, sind handverlesen von Gott – heißt das, dass er uns Schmerzen bereitet? Das ist eine berechtigte, aber schwierige Frage. Ich vermute, sie ist so schwierig, weil sie eine versch(r)obene Perspektive hat. Sie klingt so wie, „Es gibt Dinge die mich glücklich machen, und Dinge, die ich schmerzvoll / schwierig / hart finde. Was glücklich macht, ist gut, und was schmerzlich ist, ist schlecht. Wenn Gott gut ist, warum erlebe ich dann schlechte Dinge?“

Kann ich definieren, was gut und was schlecht ist? Ist Schmerz schlecht? Ich komme ja oft deswegen schmerzhaft an meine Grenzen, weil … nun ja, weil ich Grenzen habe. Manche Grenzen wollen akzeptiert werden (z.B. „Ich werde eines Tages sterben“), und manche Grenzen können überwunden werden (z.B. „Ich kann nicht Schwimmen und werde es nie können.“). Und woher weiß ich, welche Grenze ich als gottgegeben akzeptieren soll? Tja, auch das ist eine Kunst. In der Bibel heißt diese Kunst: Weisheit.

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Reinhold Niebuhr

Das Leben ist eine Geschichte, in der ich lerne, was Weisheit ist

Unsere Weisheit ist die Summe unserer Erfahrungen. Aber in der Bibel wird echte Weisheit erstaunlicherweise tiefer definiert (Sprüche 9,10): Weisheit ist vor allem der direkte Draht zum Autor unserer Geschichte. Das ist ja praktisch, könnte man meinen, der Autor kann uns ja schon mal verraten wie die Geschichte weitergeht. Nur – das macht er recht selten. Er erzählt uns nur das, was wir für unseren nächsten Schritt brauchen. Er macht uns Mut, unser ganzes Herz in das zu investieren, was wir tun.

Und er erzieht uns, seine Werte (sein „Königreich“) in der Welt sichtbar zu machen: Gott liebt, also will ich lernen, zu lieben. Gott ist geduldig, also will ich geduldig vertrauen wie er. Gott verändert kreativ – und so möchte ich mein Mögliches tun, um mich und meine Umwelt zu verändern. Diese Verbindung zu Ihm zu pflegen und zu vertiefen – das ist Weisheit.

Mein Leben ist eine schöne Geschichte. Weil mein Papa der Autor ist.

(Photo by Aaron Burden on Unsplash)

Wer bist du? (Identität)

Jeder Mensch ist eine Person, jeweils mit einer Persönlichkeit, einem Charakter, mit Gaben (ich weiß, klingt selbstverständlich). Unsere Identität hat auch noch viele andere Aspekte: Herkunftsfamilie, Name, Aussehen, Stimme, …

(Moment, meine Herkunftsfamilie ist auch ein Teil meiner Identität? Ich finde schon. In der westlichen Kultur stellen wir vor allem die Frage, „Was unterscheidet mich von Anderen?“ (Individualität), und übersehen dabei viellleicht den immensen Einfluss, den die Familie und die Kultur auf uns hat, auch gerade in unserem Erwachsen-werden. In Gruppenkulturen ist dies selbstverständlich, da ist Identität immer auch „ein Teil von einer Familie, Stamm, …“ zu sein.)

Unsere Gaben und unser Charakter können sich im Laufe unseres Lebens verändern. Da stellt sich die Frage:

Gibt es einen Kern der Identität, der nicht veränderlich ist?

Das ist vor allem eine Frage der Weltanschauung. Als Christen glauben wir, dass Gott es ist, der uns ins Leben gerufen hat. Seine Berufung für uns verändert sich nicht – und damit meine ich sowohl die allgemeine Berufung für alle (z.B. ein Sohn / eine Tochter Gottes sein) als auch die spezielle Berufung für jeden Einzelnen (z.B. für Josua: „Du sollst diesem Volk das Land als Erbe austeilen.“, Josua 1,6) In der Bibel sieht man auch, wie der Name schon stark etwas darüber aussagt, wer das ist, z.B. „Israel – Du hast mit Gott gekämpft“ (1. Mose 32,38). Dies sind also Komponenten, die unerschütterlich sind – egal wie wir uns fühlen.

Wenn man alles Religiöse aus seiner Weltanschauung rausschmeißen will, gibt es solche unerschütterlichen, unveränderlichen Anteile der Identität nicht mehr. In der Postmoderne gibt es ja keine objektive Wahrheit mehr, nur subjektive Realitäten. Also auch keine Wahrheit mehr darüber, wer ich bin, unabhängig von anderen Dingen, wie z.B. meinen Gefühlen, den Erwartungen meiner Eltern, meinem sozialen Stand, etc. Was mich definiert ist dann also: was ich tue, wie ich mich fühle …

In diesem Sinne kann ich es auch nachvollziehen, warum manche Menschen sagen: „Wenn ich mich als Frau fühle, dann bin ich eine Frau.“ Das ist irgendwie konsequent.

Wie Gott uns sieht

Ich schreibe das nicht, um einen postmodernen Lebensstil zu verteidigen. (Wie gesagt, ich würde Identität anders beschreiben.) Was mir wichtig ist: Gott hat offene Arme für alle Menschen. Jesus wurde von seinen Feinden beleidigend „ein Freund der Zöllner und Sünder“ genannt (Lukas 7,34). Er wusste, wer er ist, und fühlte sich nicht bedroht von anderen Lebenskonzepten, von ansteckenden Krankheiten oder von Sünde (ist die auch ansteckend?). Er konnte Menschen wertschätzen, selbst wenn sie ihm nicht nachfolgen.

Als Jesus einmal auf einem Business-Meeting mit einigen Pharisäern war, kam ohne Vorwarnung eine Frau in den Raum und salbte ihm die Füße mit wertvollem Öl (Lukas 7,36-50). Die Pharisäer waren schockiert: „Wenn Jesus wüsste! Die ist eine Sünderin!“ Und für diese Benennung hatten sie sicher „gute Gründe“. Nur – Jesus sah die gleiche Frau an und erklärte: „Ich sehe sie als eine Frau, die eine riesige Liebe für mich hat.“

Diese göttliche „Um-Benennung“ sehen wir an vielen Stellen in der Bibel. Als z.B. Gideon gerade im Geheimen sein Weizen drosch, kommt Gott vorbei und sagt zu ihm: „Gott ist mit dir, du tapferer Held!“ (Richter 6,12) Es ist wahr, dass Gideon sich an dem Punkt noch nicht sehr tapfer verhalten hatte. Aber Gott sieht in sein Herz und sieht das Potential, das er in Gideon hineingelegt hat. Für ihn ist die Identität Gideons ein „tapferer Held“. Auch wenn er sich gerade nicht so fühlt.

Wer bist du – in seinen Augen?

Photo by Ximena Nahmias on Unsplash

Möglichkeiten

(English version)

Welche Möglichkeit soll ich wählen? Jetzt, da ich verheiratet bin, hängt die Antwort auf diese Frage oft auch mit der Liebe zu meiner Frau zusammen. Wie kann ich den Bedürfnissen meiner Frau begegnen und gleichzeitig auch meine eigenen Bedürfnisse respektieren?

Dies geht oft nur mit kreativen Lösungen … und um diese zu finden, brauchen wir ein tieferes Verständnis voneinander. Als fiktives Beispiel: „Dein Traum ist also mit mir Urlaub in Hawaii zu machen …“

  • „Wie könnte das aussehen?“
  • „Warum ist dir das wichtig?“
  • „Was würde dir das geben (emotional)?“

Und, wie David and Nancy Harper es schön formulierten: Über diese Möglichkeiten zu träumen kann uns auch in unserer Beziehung zu Gott herausfordern. Denn er hat immer Optionen für uns. Und was brauchen wir, um uns darin zurecht zu finden? Vertrauen. Und Geduld. Das sind genau die Disziplinen, die Gott unseren Herzen beibringen will.

Vielleicht ist das ja der Grund, warum er meine Fragen manchmal nicht sofort beantwortet!

Options

(Deutsche Version)

Which option should I choose? Now that I am married, the answer to this question often involves my love to my wife. How can I meet my partner’s needs while respecting my own needs?

Often, this is only possible with creative solutions … and in order to develop these, we need a deeper understanding of each other’s heart. For example: „So you dream to travel to Hawai …“

  • „How could this look like?“
  • „Why is it important to you?“
  • „What would this give you (emotionally)?“

And as David and Nancy Harper emphasized: Dreaming about these options can stretch us also in our relationship with God. Because He always has options available for us… What do we need to navigate these? Trust. And patience. Exactly the disciplines that he wants to grow in us.

Maybe that’s why he sometimes doesn’t answer my questions immediately!

Trost für Jerusalem

Predigt vom 03.04.2022 im Jesus-Haus, Herrnhut:

Benjamin Pick: Trost für Jerusalem (03.04.2022)

Mein geliebtes Jerusalem!
Ob du es hören willst oder nicht:
du bist schön.
Ich habe einen neuen Namen für dich:

Man hat dich „Verlassen“ genannt. → Ich nenne dich: „Geliebt“.
Man hat dich „Wüste“ genannt. → Ich nenne dich: „Bewässertes Land.“

Ja, ich heirate dich.
Ja, ich freue mich an dir!
Du wirst funkeln wie eine Krone.
Dein Licht wird strahlen zu allen Menschen.
Ich weiß, es ist ungerecht –
Fremde essen die Ernte auf, die du gesät hast
Fremde trinken den Wein, für den du gearbeitet hast
Aber das wird nicht so bleiben.
Halte durch. Ich schaffe Gerechtigkeit. Vertraue mir.
Du denkst, du wurdest von allen verlassen.
Nicht von mir. Ich werde dich retten.
Und alle Welt wird es sehen:

Das ist mein Volk. Das ist meine Stadt.

Man wird nach dir fragen:
Wo ist dieses Jerusalem, von dem wir schon so viel Gutes gehört haben?
Ob du es hören willst oder nicht:
du bist schön.
Die schönste Belohnung für mich
bist Du.

(Nach Jesaja 62)

Gottes Botschaften an Hochsensible

Ich finde es gut und wichtig, von psychologischen Erkenntnissen zu lernen, aber auch, sie kritisch zu reflektieren. Vieles in der heutigen psychologische Forschung ist stark humanistisch geprägt, das bedeutet: der Mensch steht im Mittelpunkt. Klingt erstmal ganz gut, aber …

Du schaffst das!

Humanistische Psychologie hat die Botschaft: „Wenn du nur genug übst, kannst du es schaffen. Du kannst dein Leben verbessern.“ Das klingt ermutigend und gut, kann aber auch diejenigen verzweifeln lassen, die schon jahrzehntelang versuchen, ihre Lebensqualität irgendwie zu verbessern. Diese Botschaft gibt es übrigens auch in „christlicher“ Sprache: „Wenn du nur genug glaubst, würde dich dieses Problem nicht mehr plagen. Du kannst perfekt werden, und da, wo du es noch nicht bist, musst/darfst du noch mehr Glauben lernen.“ Für meine Ohren klingt das nach Leistungsdruck, Manipulation und letztlich bring es Heuchler hervor, die ihre Schwächen unter den Teppich kehren müssen. Selbstoptimierung ist nur sehr begrenzt möglich.

Du bist wertvoll!Christliche Psychologie (die als Grundlage ein Menschenbild verwendet, das von der Bibel geprägt wird), dagegen drückt aus: „Der Retter ist Jesus, nicht du selbst. Er hat dich erkauft, ohne seine Hilfe bist du aufgeschmissen.“ Im Zentrum der Überlegungen steht hier nicht der Mensch und seine Fähigkeiten, sondern Jesus, und wir in der Beziehung zu ihm. Der Mensch ist wertvoll, weil Gott ihm diesen Wert zuspricht – egal was dieser Mensch kann und macht. Beziehungen und Begegnungen sind wertvoll, weil Gemeinschaft auf Gottes Herzen liegt und wir dadurch das einüben, was bei ihm ganz normal ist. Angelehnt an Martin Buber („Der Mensch wird am Du zum Ich“): ohne die Initiative und das göttliche Gegenüber könnte der Mensch gar nicht leben und erleben, wer er selbst ist. Manchmal, so habe ich das Gefühl, führt Gott uns sogar bewusst in Situationen, die ohne ihn unmöglich zu bewältigen sind. Humanistisch macht das keinen Sinn. In seiner Beziehungslogik schon: so lernen wir, seine Hilfe anzunehmen.

Was sagt Gott besonders zu hochsensiblen Menschen?

Oder: Welche christliche Botschaften sind für hochsensible Menschen besonders wichtig?

Hier eine Liste, was ich darüber bereits gelernt habe:

  1.  „Gott hat dich wunderbar gemacht.“ Weil Gott dich so akzeptiert wie du bist, kannst auch du das akzeptieren, was in dir ist. Diese Grundbotschaft vermittle ich in meinen Seminaren implizit – indem ich praktische Beispiele erzähle, wie ich mit mir selbst und mit anderen umgehe.
  2. „Gott hat die Menschen mit vielfältigen Gaben ausgestattet. Deine Gabe ist wichtig.“ Es ist gut, wenn hochsensible Menschen solche wertschätzenden Worte immer wieder hören. Die vielfältigen Gaben sind so wichtig: ein Gimli und ein Legolas brauchen einander!
  3. „Das schwächere Gefäß ist besonders wertvoll.“ In der Bibel bekommen die Kleinen, Armen, Traurigen, Hilfsbedürftigen, … Gottes besondere Aufmerksamkeit und Zuneigung. Gott beschützt sie. Ich finde diese Botschaft für Hochsensible besonders relevant, weil sie oft mit Selbstzweifeln kämpfen, wenn sie nicht die gleiche „Leistung“ wie „normale“ Menschen bringen können. Dabei können gerade sie ganz besondere Dinge hervorbringen … z.B. Warum Hochsensible gut mit Krisen umgehen können
  4. „Gott trocknet deine Tränen ab.“ Es ist Gottes Herzensanliegen, die Wunden der Vergangenheit zu heilen. Inmitten von Krisen und schwierigen Zeiten hilft mir das, seine Hoffnung für mein Leben wahrzunehmen. Wer zerbrochen ist, kann sein Erbarmen noch tiefer erleben – und weitergeben (2. Korinther 1,4).
  5.  „Vergebung ebnet den Weg zur Veränderung.“ Versöhnung braucht die Bereitschaft von beiden Beteiligten, aber Vergebung ist immer wieder eine individuelle Entscheidung. Nämlich die Entscheidung zu vertrauen: „Ich lasse das Grummeln in mir los. Das Endergebnis liegt nicht in meiner Hand, sondern in Gottes Hand.“ Und so hat man seine Hände wieder offen für Neues. (Soll man vergeben oder konfrontieren? Erst vergeben, dann konfrontieren. Dann geht es dir beim Konfrontieren nämlich nicht mehr um „Ich habe Recht, sieh das doch endlich ein!“, sondern dann kann man mutig und neugierig austauschen, welche Gefühle und Bedürfnisse sich hinter dem Konflikt versteckt haben.)

Diese Liste ist sicher unvollständig … schreibt mir gerne eure Gedanken dazu! 😉

Herrnhut – Die kleine Stadt, die die Welt veränderte

Seit ein paar Jahren lebe ich hier in Herrnhut und bin immer wieder begeistert, wie diese kleine Stadt damals im 18. Jahrhundert entstand. Sie waren wenige, aber ihre Herzen waren einfach darauf ausgerichtet, Gott anzubeten – im Gebet, in der Arbeit, in der Mission, im Zusammenleben … in vielem wurden sie ein Vorbild für andere. Dabei waren die ersten Jahre nach der Gründung ziemlich holprig. Aber Zinzendorf gab nicht auf, und schließlich veränderte Gottes Liebe die Einwohner für immer …

Hier kannst du eine Zusammenfassung der Geschichte Herrnhuts lesen:

Geschichte Herrnhuts

(Das Jesus-Haus Herrnhut ist ein Gebetshaus in Herrnhut, für das ich arbeite.)

Kostbar

Söhne und Töchter gibt es, weil es Eltern gibt.
Jerusalem gibt es, weil sie geliebt wird.

Du wirst eine PRACHTVOLLE KRONE in der Hand des Herrn sein, ein KOSTBARES DIADEM in der Hand deines Gottes. (Jesaja 62, 3)

Siehst du den Stolz in den Augen des Vaters auf dem Foto?
Die Freude in den Augen des Kleinkindes?
Der Vater hält seinen Sohn fest. Er beschützt ihn.
Weil sein Sohn ihm unglaublich kostbar ist.

Der Bräutigam spricht (Jesaja 62, 4):

Meine Wertvolle
Ich habe Gefallen an dir
Meine Braut

Das sind Worte, die wir immer wieder hören müssen
Damit sie in unseren Herzen Wurzeln schlagen
Und Freude übersprudelt

Meine wunderschöne Prinzessin
Mein starker und mutiger Prinz

Warum bist du so begeistert von mir?
Habe ich irre viele Macken und Schwächen?

Rechnest du mir meine Fehler nicht an?
Genau.
Seine Liebe ist stärker.
Er macht sein Geldbeutel auf und sagt:

Lass das mein Problem sein.
Ich zahle für dich.

Und so sieht er uns wohl tatsächlich
als seine prachtvolle Krone
als sein kostbares Diadem
als sein geliebtes Kind.

(Foto von Kelly Sikkema)

Der Esel, der sich selbst zerteilte

Zwei Heuhaufen, dazwischen ein Esel, der in der Mitte zerteilt ist (Buridans Esel)

Ein Esel trottete so vor sich hin, als plötzlich sein linkes Auge links, und sein rechtes Auge rechts gleichzeitig einen super-dupa-leckeren Heuhaufen entdeckten.

Jetzt ging der Streit los. Die linke Gehirnhälfte sagte: „Komm, wir gehen zum linken Heuhaufen, das ist näher.“ Die rechte Gehirnhälfte erwider: „Wie bitte? Du willst behaupten, dein Haufen sei besser ?!“ und zog der linken Gehirnhälfte mit einer Pfanne eine über den Schädel.

Die Nase stand daneben, und würde gerne sagen: „der rechte Heuhaufen gammelt schon, nehmen wir den anderen“, aber niemand hörte ihr zu. Der Bauch schrie dazwischen: „Nehmen wir die goldene Mitte!“

Schließlich beschlossen die Beine: „Das schauen wir uns nicht länger an.“ Und so gingen sie davon:

  • das linke vordere Bein nach vorne links,
  • das rechte vordere Bein nach vorne rechts,
  • das linke hinter Bein nach hinten links
  • und das rechte hintere Bein nach hinten rechts.

Zunächst verblüfft folgten Viele, Viele diesem Beispiel, nur noch das Herz blieb übrig. Es sagte nachdenklich: „Wer kann uns zusammenfügen, wenn nicht der, der uns geschaffen hat?“

(Frei nach Buridans Esel und 1. Korinther 12,12-26)