David und Saul: Echte Freunde vergeben

Diese Theaterstücke sind für ein Camp zum Thema „Wer ist ein echter Freund?“ entstanden, darum der Schwerpunkt auf David (+ Jonathan).

Personen: Saul, später: David, noch später: Jonathan, 1 Statist („jemand“)
Requisiten: Fahrtenmesser, Stück Stoff das David bei Saul abschneiden kann mit sicherheitsnadel angeheftet,
Programm: Lobpreis-Lieder, evt. Bilder Jubiläum
Text: 1. Samuel 24,4 – David trifft Saul in der Höhle
Kerngedanke: Freunde vergeben und machen einen neuen Anfang

Als das Programm anfängt: Saul ist wütend, sucht David überall. (David-Schauspieler nicht anwesend.) Saul verschwindet, um woanders zu suchen.

Nach dem Programm: Kinder sollen sich für Nachtwanderung bereit machen. Währenddessen taucht David auf und treibt zur Eile: „Wir müssen hier weg! Wir sind in Gefahr! Ihr seid ja meine Freunde, deswegen seid ihr auch in Gefahr!! Saul will mich umbringen, und er ist schon ganz in der Nähe!“ Aus der Ferne hört man Saul ein Shofar blasen – David erklärt: der Krieg hat begonnen. Sucht sich bestimmt ganz viele Kämpfer, die mit ihm kämpfen.

Nachtwanderung – wir verstecken uns beim Hutberg im Wald. Saul ist manchmal von der Ferne zu hören, er kommt immer näher. Schließlich ist er in Sichtweite und „pinkelt“ (Wasserflasche mit Loch im Deckel), jemand fordert David auf, „Hast du dein Messer dabei? Das ist deine Chance! Jetzt kannst du dem Ganzen ein Ende bereiten! Gott ist so gut, er hilft dir!“ David holt sein Messer heraus, zögert aber.

[ Hier Cut – helleres Licht? David zieht seinen Umhang aus. „Bevor die Geschichte weitergebt, möchte ich erzählen, wo ich etwas ähnliches erlebt habe.“ (ein Zeugnis über Vergebung … ggf. statt hier nach dem Theaterstück) ]

David schleicht sich an Saul heran, streckt das Messer aus, schneidet aber nur ein Stück vom Umhang ab. Leise zu seinen Männern: „Wehe, ihr tut Saul irgendetwas!!“

Saul ist fertig mit pinkeln und bricht wieder auf und geht aus dem Wald raus.

David ruft: „Hey, Saul!“

Saul dreht sich um, versucht David in der Dunkelheit zu erkennen … „Ist das nicht David? Wo bist du, zeig dich, wenn du dich traust!“

David bleibt im Wald: „Saul, ich hab da etwas in der Hand, was von dir ist …“

Saul läuft in Richtung Wald. David tritt heraus und zeigt den Stoff-Zipfel. Saul erstaunt: „Das … ist ja ein Stück Stoff, genauso wie der Umhang, den ich gerade anhabe! Wo hast du den denn her?!“

David: „Von deinem Gewand abgeschnitten!“

Saul: „Tatsächlich … da fehlt ein Stück … aber … warum?!“

David: „Saul, Saul, Saul (beruhigend) … Warum glaubst du, dass ich dir etwas Böses tun will? Ich hätte dich umbringen können, aber ich habe es nicht getan. Gott hat dich zum König gemacht, und darum werde ich deine Königsherrschaft nicht beenden. Ich habe dir vergeben. Du wolltest mich umbringen, aber ich werde dich nicht umbringen. Warum verfolgst du mich? Ich bin doch nur so ein kleiner Hund, der draußen im Garten wohnt.“

Saul: „David? Ist das wirklich mein Sohn David? Du bist ein echter Freund. Du hättest mich umbringen können, aber du hast es nicht getan. Du hast gezeigt, dass ich dir wichtig bin. Wow.“

Saul und David umarmen sich.

Saul: „Ich weiß, Gott hat dich zum König berufen. Versprich mir, dass du meine ganze Familie und mich niemals umbringen wirst!“

David: „Klar. Das verspreche ich dir gerne. Freunde für immer!“

Saul: (zögert) „Ja. Freunde für immer.“ Saul verschwindet.

Jemand sagt an: Jetzt können wir ja zum Ratsfeuer gehen. Zeit zum Entspannen/lockeres Zusammensein.

Jonathan gesellt sich später zum Feuer dazu. David erzählt Jonathan (mit Hilfe der Kinder), was passiert ist.

„Das sind echte Freunde. Wir sind mal sauer – aber wir versöhnen uns. Wir kämpfen nicht gegeneinander – sondern miteinander. Und das können wir nur, wenn wir uns immer wieder das vergeben, was wir falsch machen. Freunde für immer …“

David: „Aber warum bist du eigentlich gekommen?“

Jonathan: „Ach, ich wollte dich einfach ein bisschen aufmuntern. Ich weiß, dass man manchmal Ermutigung braucht … und Stärkung.“ (Holt Gummibärchen hervor – verteilen aber noch nicht essen!)

David: „Ermutigung? Oh, ja, die brauche ich.“

Jonathan: „Ich finde es so toll, dass du so viel Zeit mit mir verbracht hast, du hast mir so viel vertraut, obwohl das mit Saul nicht immer einfach war. etc.“

David: „Wow. Aber ich finde auch, dass du ein echt toller Freund bist … etc.“

Ab.

Reflektion / Anwendung:

  • Leider hält das Versprechen von Saul nicht lange an. Echte Freunde sind treu und stehen zu dem, was sie versprochen haben.
  • Ermutigung ist so wichtig … Zu zweit: ein gutes Wort über den anderen aussprechen. Segnen (Gutes beten)

  • Regeln: Nur Gutes, Ernstgemeintes sagen. Und dafür das Gummibärchen verschenken.

  • Ggf. Beispiel auf der Bühne, einer wertschätzt eine anderen Mitarbeiter

David und Ahimelech: Gott hilft in der Not

Diese Theaterstücke sind für ein Camp zum Thema „Wer ist ein echter Freund?“ entstanden, darum der Schwerpunkt auf David (+ Jonathan).

Personen: Ahimelech, später David
Requisiten: „Schaubrote“ (Brötchen)
Text: 1. Samuel 21 – David ist auf der Flucht
Kerngedanke: Gott ist ein echter Freund. Er hilft in der Not.

Während dem Frühstück (optional): Ahimelech befragt aller Kinder, ob sie rein sind. (Nach den Torah-Kriterien, s. 3. Mose 15ff: hast du jemanden beerdigt oder ein totes Tier berührt? Oder etwas berührt, was etwas Totes berührt hat? Hast du deine Notdurft außerhalb des Lagers vergraben? Hat du Fleisch mit Blut gegessen? Hast du beim Abernten etwas für die Armen übrig gelassen? etc. – ob du auch auf die sexuellen Reinheitsgebote eingehst bleibt dir überlassen, vielleicht je nach Alter der Kinder die du fragst 🙂 Dürfen ruhig auch anachronistische Anweisungen sein – „wie, ihr vergrabt das nicht? was ist denn ein Klo?“) Wenn er gefragt wird, warum, sagt er nur, „Das ist mein Job. Ich überprüfe, ob alle rein sind, das ist ganz wichtig.“ (o.ä. – er braucht also nichtmal verraten dass er Priester ist?). Der David-Schauspieler ist nicht beim Frühstück dabei („versteckt“).

Anspiel:

David: Ahimelech, genau dich habe ich gesucht. Meine Leute (zeigt auf Publikum) machen erstmal Pause, aber sie haben alle Hunger. Die sind schon so viele Kilometer gelaufen, die ganze Nacht lang!

Ahimelech (Skeptisch): Aber sind sie auch wirklich rein?

David: Na klar sind die rein. Wir sind ja die ganze Zeit unterwegs gewesen, da hatten sie gar keine Zeit von etwas abgelenkt zu werden … Und ich habe kein Geld dabei, und meine Männer brauchen jetzt dringend was zum Essen!

Ahimelech: Aber ich versteh das immer noch nicht. Ich meine, warum rennst du zum Tempel, kannst du nicht Bäcker Paul fragen ob er dir ein paar Brote schenkt?

David: Das, was ich gerade mache, ist super geheim! Keiner weiß etwas davon, und ich will dass so wenig Leute wie möglich überhaupt mitbekommen dass ich hier vor Ort bin. Geheime Mission!

Ahimelech: Aber warum wendest du dich dann gerade an mich?

David: Weil ich weiß, dass du Gottes Willen tun willst. Du bist doch ein Priester, und du weißt, wie wichtig es ist, die Bibel zu kennen und das zu tun, was da drin steht. Und ganz ehrlich, im Moment kann mir nur Gott bei dieser Sache helfen. Deswegen bin ich zu dir gekommen.

Ahimelech ist ermutigt: Wow, das hat mir noch keiner so gesagt.

David: (Pause) Kannst du mir jetzt helfen oder nicht?

Ahimelech: Hm … Also, wenn du und deine Leute wirklich rein sind (schaut nochmal skeptisch ins Publikum … David nickt beschwichtigend), … ja, tatsächlich, zufällig haben wir gerade ein paar heilige Brote, weil die gerade ausgetauscht wurden. Die dürfen normalerweise nur die Priester essen. Aber ok, wenn das wirklich so wichtig und geheim ist, wie du das sagst, dann … machen wir das halt so. Für Lebensgefahr sind Ausnahmeregelungen ok.

Reflektion / Anwendung:

  • Leider war zu der Zeit gerade ein Verräter im Tempel (Doeg) und er hat diese Information benutzt, um sich bei Saul einzuschleimen – und Ahimelech wird dafür bestraft, dass er David geholfen hat, dabei hat er gar nichts falsch gemacht. Ziemlich ungerecht, oder? Hat es sich trotzdem gelohnt, David zu helfen? Warum?

  • Wenn du David wärst, wo hättest du dich versteckt? Wo hättest du um Brot gebeten?

  • Was tut Gott in dieser Geschichte (unsichtbar)?

  • Jonathan kann David gerade nicht helfen, obwohl er sein Freund ist. An wen wendet sich David? (Nicht wirklich Ahimelech, sondern Gott)

  • Zeugnisse (Alle Mitarbeiter, evt. auch Kinder fragen): Was bedeutet es für dich, ein Freund von Gott zu sein?

David und Jonathan: Ein echter Freund verzichtet

Diese Theaterstücke sind für ein Camp zum Thema „Wer ist ein echter Freund?“ entstanden, darum der Schwerpunkt auf David (+ Jonathan).

Falls mehr als 3 Theaterstücke benötigt werden, könnten folgende Texte weiter ausgearbeitet werden:

  • 1. Sam 14 – Jonathan und der Waffenträger: Jonathan vertraut auf Gott. Aber er macht es nicht alleine. (Also Freundschaft auf beiden Ebenen – eignet sich gut als Intro oder Abschluss)
  • 1. Sam 18 – Jonathan + David werden Freude. (Rückblick auf Goliath – „das war so mutig! Warum hast du das gemacht?“)
  • 1. Sam 19 – Verbündete Jonathan + Michal: Saul will David töten, aber er wird vorgewarnt.

Personen: David und Jonathan
Benötigte Requisiten: keine
Text: 1. Samuel 20,1-23 – David und Jonathan verabschieden sich und schließen einen Bund
Kerngedanke: Freundschaft bedeutet, das Beste für den Anderen zu suchen, selbst wenn es mich etwas kostet.

Vor dem Theaterstück, z.B. während dem Abendessen (optional): David und Jonathan (in Kostüm) setzen sich zu den Teams und flachsen über die Vergangenheit: wie sie sich kennengelernt haben (Goliath), über Davids Musik-Talent, über sein Hirten-Sein – aber ihre Namen halten sie noch geheim.

Jonathan kommt hereingestürmt, sucht David (Publikum fragen … „ich habe ihn schon tagelang nicht mehr gesehen! Aber er ist doch mein Freund, geht es ihm gut?“).

Da kommt David (geheimnis-tuerisch) zu Jonathan und fragt etwas verletzt-wütend: „Ich versteh das einfach nicht? Warum will dein Vater mich umbringen? Hab ich ihm irgendwas getan?“

Jonathan ist überrascht und weiß nicht, wovon David redet. David: „Aber du weißt doch, er hat schon mal versucht, mich umzubringen. Zweimal! Und jetzt ist er wieder wütend, einfach so!“

Jonathan verteidigt sich: „Das kann nicht sein. Saul erzählt mir doch immer alles, was er vorhat, wenn er dich umbringen will, hätte er mir das zumindest angedeutet!“

David atmet tief durch. Ruhiger: „Wir brauchen uns jetzt nicht darüber streiten. Ich bin ja auch dankbar, für das, was dein Vater schon für mich und meine Familie getan hat. Aber ich versteh ihn einfach nicht! Warum mag er mich nicht?“

Jonathan: „Aber du weißt doch … er ist neidisch, weil du öfter im Krieg gewinnst als er! Aber das ist doch kein Grund abzuhauen, wir sind doch immer noch Freunde!“

David: „Ich hatte total Angst vor ihm, deswegen habe ich mich erst mal versteckt. Und wahrscheinlich hat er es dir deswegen nicht gesagt, weil er gewusst hat, dass du es mir verraten hättest! “

Jonathan: „Hm. Also ich kann mir immer noch nicht so ganz vorstellen, dass er so etwas vorhat. Aber gut, vielleicht hast du Recht. Wie kann ich dir helfen? Wie können wir herausfinden, ob er mich denn nun umbringen will oder nicht?“

David: „Ich hab da schon eine Idee. Dein Papa hat uns doch morgen alle zu einer Übernachtungs-Party eingeladen, so wie er es immer wieder mal macht. Ich werde nicht zur Party kommen und mich weiter verstecken. Und wenn er dich fragt, warum ich nicht gekommen bin, sagst du ihm einfach, ’er muss gerade seine Familie besuchen gehen’. Wenn dein Papa das ok findet, dann wird wohl alles in Ordnung sein. Wenn ihn das wütend macht, dann wirst du merken, dass er in seinem Herzen schon beschlossen hat, mich zu töten …“

Jonathan: „Wow, David, du hast immer so weise Ideen. Woher kriegst du nur immer diese Weisheit her?“

David: „Tja … ich würde ja gerne sagen, ich bin einfach clever – aber das stimmt nicht. Ich habe auch so oft keine Ahnung, was ich machen soll. Aber dann frage ich Gott, und er zeigt mir dann wieder eine neue Möglichkeit, was ich machen kann. Ich meine, ich bin mir auch nicht sicher, ob das so funktioniert, aber ich habe den Eindruck, das könnte so von Gott sein.“

Jonathan: „Ok, das machen wir so.“

David: „Noch was … also mal angenommen, Saul ist wütend auf mich und will mich umbringen – wer gibt mir dann Bescheid, dass ich schnellsten verschwinden sollte? Wenn du es mir einfach so sagst wirst du womöglich noch mitumgebracht, weil du mir geholfen hast!“

Jonathan: „Hm … Also erst einmal, egal was die Antwort von Saul ist, ich verspreche dir, dass ich dir Bescheid gebe. Du bist doch mein Freund! Aber du hast recht, das könnte gefährlich werden. Also … ich gehe doch sowieso jeden Tag Bogenschießen üben, da fällt es nicht auf. Wir machen es so: … drei Pfeile … wenn ich rufe, ’Die Pfeile liegen näher bei mir’, dann kannst du aus deinem Versteck kommen. Wenn ich aber rufe: ’Die Pfeile liegen weiter weg’, dann musst du auch weit weg … (schluckt) Ich werde dich vermissen … Ich weiß, eigentlich bin ich der Prinz der bald König werden würde. Aber Gott hat einen anderen Plan: er hat dich erwählt, König zu werden. Darum, wenn du irgendwann König bist: sei gut zu mir und meiner Familie!“

David: „Ja, das verspreche ich dir. Jonathan, ich finde es so toll, dass du bereit bist, deinen Thron aufzugeben. Gott hat schon so viel in deinem Herzen gemacht. Ich verspreche dir feierlich: Freunde für immer!“

Jonathan: „Freunde für immer!“ (Freundschafts-Check o.ä.)

Gemeinsame Reflektion / Anwendung:

  • Wer weiß, wie die Geschichte aus geht, hatte David recht? (Flucht noch nicht erzählen)

  • Was ist das Besondere an der Freundschaft von David und Jonathan?

  • Was kannst du machen, um ein solcher Freund für jemanden zu sein? Beispiel-Situation aus der Schule konstruieren – was würdest du da machen?

  • Erlebnispädagogik: Wenn ich es alleine schaffen will, habe ich keine Chance. Ich muss die anderen um Hilfe bitten, damit wir als Gruppe gewinnen können.

Das Abenteuer ruft

BackpackingAuf geht’s, zum größten Abenteuer überhaupt. Du weißt nicht, wovon ich rede?

Ich meine nicht: einen Drachen zu bezwingen, neue Kulturen zu entdecken oder als Spion Dokumente zu entwenden. Das sind nur nette Fantasien einer Abenteuer-hungrigen Gesellschaft – die zwar Abenteuer will, aber solche, die nichts kosten. Sorry, das gibt es nicht.

Wenn ich mich in meiner Lebenswelt umgucke, sehe ich so manche echte Abenteuer: Kinder erziehen zum Beispiel. Was für ein Mut! Was für eine Geduld! Egal wie oft das Kind den Löffel runter wirft, wird Mama dem Kind nochmal erklären, dass der Teppich gerne auf diese unerwartete Begegnung verzichten würde – ok, vielleicht erklärt sie nicht nur mit Worten. Gibt es Momente, wo sich Eltern unglaublich reich belohnt fühlen? Oh ja! Und doch fühlt sich der Alltag oft zermürbend an. Gibt es Tage, an denen sie lieber keine Eltern wären? Definitiv! Und trotzdem denken sie gar nicht daran, aufzugeben.

In welchen Abenteuern steckst du gerade? Wofür würdest du kämpfen bis zu deinem letztem Atemzug?

Da gibt es noch ein riesiges Abenteuer: eine reife Persönlichkeit zu werden. Eine Person, die ihre Stärken und Schwächen kennt. Sie spürt ihre Bedürfnisse und spricht sie an. Sie gestaltet ihre Beziehungen und kommuniziert Wertschätzung. Sie wagt es, schnell zu vergeben und einen neuen Anfang zu wagen, und gibt Bitterkeit und Resignation kein Recht in ihrem Leben. Wenn diese Person Fehler macht, steht sie einfach wieder auf: mitten im Alltag behält sie ihr Ziel im Auge. Sie dient gerne und lässt es zu, dass andere ihr dienen. Wow, ein solcher Mann möchte ich werden.

Aber es gibt ein noch größeres Abenteuer. Noch größer? Ja, das Wichtigste im Leben. Der Sinn, der Anfang und das Ziel. Oh, warum plötzlich diese religiös-philosophische Sprache? Weil unsere Worte da an ihre Grenzen kommen. Du kannst dein ganzes Leben damit verbringen, dich vor diesem Abenteuer zu drücken – oder einfach den Rucksack auf den Rücken schwingen und aufbrechen. Wohin? Ins Unbekannte, so funktioniert eine Abenteuer-Reise nun mal. Sie wird dich alles kosten, dein ganzes Leben. Kinder erziehen, eine reife Persönlichkeit werden, … könnte ein Teil dieser größten Reise sein. Nur ein Teil. Wohin? Was lohnt sich so sehr, dass ich alles andere dafür aufgeben würde, wenn es sein muss?
.
.
.
.
.
.
.
.

(Denke erst mal selbst nach: Was ist das größte Abenteuer? Welchen Schatz willst du entdecken, egal wie lange es dauert?)

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Hier ist meine Antwort. Das größte Abenteuer überhaupt: von ganzem Herzen zu lieben.

Zu lieben. Von ganzem Herzen.

Und damit meine ich alles, die Liebe zum Partner, die Liebe zu Kindern, die Liebe zu Freunden, die Liebe zu Fremden, die Liebe zu Feinden, die Liebe zu sich selbst, und die Liebe zu Gott.

Wie soll das gehen? Ganz ehrlich, manchmal bin ich da ziemlich ratlos. So lieben, wie Jesus geliebt hat?

Ja. Genau dafür habe ich ein Leben lang Zeit. Zum Üben.

Das Abenteuer ruft. Kommst du mit?

(Foto von Kate Brady, CC BY-NC-SA)

Wo kann ich mir Weisheit kaufen?

Einkaufswagen

Eines Tages ging Max Müller in einen Supermarkt und fragte:

* Ich würde gerne ein Kilogramm Weisheit kaufen. Wo finde ich sie?
– Ein Kilogramm? Das ist aber ziemlich viel. Mal sehen … Sie sind sicher, dass es Weisheit ist, was sie brauchen? Also ich würde ihnen hier diese Schokolade empfehlen, „Ewiges Glück“. Oder hier, ein Kalender: „In 10 Schritten zum Erfolg“. Wir hätten auch „Zeitsparer“, die sind in der Drogerieabteilung. Mögen Sie Tee? Dann ist „Ausgeglichenheit“ etwas für Sie. Außerdem, da hinten im Regal gibt es „Wissen“ in 10-Kilo-Säcken … Oder was halten Sie davon: „Reichtum“, das ist sogar gerade im Sonderangebot.
* Das klingt alles nicht schlecht, vielleicht nehm ich sogar ein bisschen davon, aber … wissen Sie, Weisheit, so echte Weisheit schmeckt einfach nochmal viel besser.
– Sie wollen also wirklich Weisheit? Hm … nein, die führen wir hier nicht. Fragen Sie doch mal drüben beim Gartenbau nach.

Und so ging er in den Gartenbaumarkt gegenüber und fragte wieder:

* Ich würde gerne ein Kilogramm Weisheit kaufen. Wo finde ich sie?
– Ein Kilogramm? Nein, das gibt es hier nicht. Weisheit muss man schon selbst ernten.
* Okay, haben Sie denn Pflanzen, bei denen ich Weisheit ernten kann?
– Sie tun so als wäre Weisheit wie Salat oder so … Nein. Weisheit können wir Ihnen nur in Samenform geben.
* (schluckt) Samen? Aber … das dauert ja dann total lange bis ich sie ernten kann!
(Grinst) Genau …
* (Max Müller schluckte noch einmal) Okay … dann hätte ich gerne ein Kit „Weisheit für Anfänger“.
– Kommen Sie mit … Hier, eine Tüte Weisheits-Samen. Die stecken Sie bei Ihnen in den Garten. Und dann täglich gießen.
* Und woran sehe ich, dass sie fertig sind? Wie sieht die Frucht aus?
– Ich denke, sie werden es dann schon spüren, dass es reif ist. Das ist das Besondere an Weisheit: das Aussehen der Früchte ist immer wieder anders, obwohl der Geschmack bleibt. Pflanzen Sie die Samen einfach ein, tun Sie was auf der Tüte steht, und mit viel Geduld …
* (Überfliegt die Anleitung) Aber, wo genau soll ich sie denn in den Garten einpflanzen? Sonne oder Schatten? Und wie viele Samen pro Quadrat-Zentimeter? Und …
– Das sind alles Fragen, die müssen Sie direkt an den Gärtner stellen. Wir können hier leider keine Individual-Beratung anbieten. Der Gärtner, von dem wir die Samen bekommen haben, wohnt direkt hier in der Straße, 2 Häuser weiter. Klingeln Sie da einfach mal …

Daraufhin verschwand der Verkäufer einfach, und Max Müller war wieder sich selbst überlassen. Er hatte zwar die Samen, aber immer noch keine Ahnung, was er mit ihnen machen sollte. Also folgte er zögerlich dem Rat des Verkäufers und klingelte beim Gärtner:

* Guten Tag … ähm … können Sie mir helfen, diese Weisheits-Samen zu pflanzen? Was muss ich dafür wissen?
– Wie schön, dass Sie gekommen sind! Kann ich Ihnen einen Kaffee anbieten? (Da blieb Max Müller der Mund offen. Und so redete der Gärtner einfach weiter:) Wirklich schön, dass Sie da sind. So viele versuchen es einfach so, dabei bin ich immer bereit, dem Antworten zu geben, der mich frägt. Am Besten, ich komme gleich mal mit zu Ihnen nach Hause, dann können wir uns das in Ruhe ansehen.
* Und … was kostet … dieser Service?
– Nichts. Jedenfalls kein Geld.
* Sondern?
– Naja, ich würde es nicht Preis nennen, aber wissen Sie, das Gärtnern macht irgendwie … süchtig. Ich liebe meinen Beruf, und wer auch immer Zeit mit mir verbringt, wird über kurz oder lang von dieser Leidenschaft angesteckt. Sie haben eine gute Entscheidung getroffen, als Sie nach Weisheit gefragt haben. Aber ich vermute, Sie merken schon – das war nur der erste Schritt … Ich kann Ihnen nicht einmal ansatzweise erläutern, welcher Weg noch vor Ihnen liegt. Einer Sache hingegen bin ich mir sicher: es lohnt sich. (Der Gärtner schaute Max Müller tief in die Augen.) Können Sie mir jetzt zeigen, wo Sie wohnen?

„He, ihr Durstigen alle,
kommt her zum Wasser!
Kommt her, auch wenn ihr kein Geld habt!
Kauft und esst!
Ja, kommt, kauft ohne Geld,
kauft Wein und Milch!
Es kostet nichts.“ (Jesaja 55,1)

(Photo von @elusive, Creative Commons BY-NC)

Kind sein erlaubt!

Kind auf Schaukel

„Papa, fang mich!“

Kinder haben eine erstaunliche Zuversicht. Ein naives Vertrauen: Papa ist für mich da. Wenn ich mir weh tue, tröstet er mich. Wenn ich keine Lösung habe, hilft er mir. Wenn ich mich selbst nicht verstehe: er versteht mich.

Und eine solche Beziehung will ich auch mit meinem Papa im Himmel haben. Natürlich wird die Naivität immer wieder erschüttert. Aber das Vertrauen bleibt: Egal was kommt, Gott ist für mich da.

Das ist das Evangelium: Wir dürfen Kinder sein. Einfach so. Papa kriegt das schon hin.

.

There is a light that shines within me
There is a hope that burns inside me
Deep within my soul, my very existence, there is a being waiting to be freed:
A child who knows no fear, pain, or rejection

There is an emotion all-encompassing of excitement, enjoyfulness, gladness and love
The creative potential of laughter / and the undeniable power of an infant’s joy live inside me
Unmeasurable are my limits / for I call you Father
Unimaginable is my potential / for you have called me Son

There is someone inside me, waiting to be unleashed,
Whom you embrace, whom I long to be.

There is an all-consuming fire,
A light that permeates from my very being
You have unlocked me God
The doors you open no man can shut

I will praise you, God, for you are good
You have released me, God, with your love
You are everything

(Ian McIntosh, Album: Awakened, Adoration)

Da ist ein Licht, das in mir scheint
Da ist eine Hoffnung, die in mir brennt
Tief in meiner Seele, meiner Existenz, wartet ein Wesen darauf, befreit zu werden:
Ein Kind, das Angst, Schmerz oder Ablehnung nicht kennt

Da ist ein all-umspannendes Gefühl von Begeisterung, Genießen, Freude und Liebe
Das kreative Potential von Lachen / und die unbestreitbare Kraft von kindlicher Freude leben in mir
Unermesslich sind meine Grenzen / denn ich nenne dich Vater
Unvorstellbar ist mein Potential / denn du hast mich Sohn genannt

Da ist jemand in mir drin, das darauf wartet, entfesselt zu werden,
Jemand, den du umarmst; jemand, der ich so gerne sein möchte.

Da ist ein alles verzehrende Feuer,
Ein Licht das von meinem Inneren nach Außen strahlt
Du hast mich aufgesperrt,
Die Türen, die du öffnest, kann kein Mensch schließen

Ich preise dich, Gott, denn du bist gut
Du hast mich freigesetzt, Gott, mit deiner Liebe
Du bist Alles.

.

Empfehlenswerte Bücher:

  • Mike Mason, The Mystery of Children (Leseprobe) – Mason erzählt viele Stories von seinen Kindern und was er daraus über Gott und Glauben lernen konnte.
  • Brennan Manning, Abba’s Child (dt. Kind in seinen Armen) – Manning veranschaulicht, was es bedeutet, aus dieser Identität als Kind Gottes heraus zu leben.

Photo von Nabok, CC BY-NC-SA

Das zerbrochene Gefäß

Kintugi - Zerbrochenes wurde wieder heil

Zerbrochen.
Zersplittert in Tausend Einzelteile.
Das lebendige Nass versickert, nur kleine Reste bleiben auf den Scherben und warten darauf, von der Sonne aufgeleckt zu werden.
Warum? Wie kam es dazu? Wie kann es sein, meine Berufung ist doch, Dinge in mich aufzunehmen und an andere zu verteilen? Wie soll das gehen?
Es tut so weh.

Warten.
Man sagt, Gott kommt niemals zu spät. Das mag sein. Wo ist er denn jetzt?
Hätte er das nicht alles verhindern können?
Man sagt, er ist gut, er weiß schon was er tut. Das mag sein. Aber ich sehe keine Güte.
Gott, kannst du nicht Strg+Z drücken?
Es ist, wie es ist.

Erwarten.
In mir keimt Hoffnung.
Gott hat versprochen, immer bei mir zu sein. Er hat versprochen, für mich zu kämpfen.
Ich sehe nichts davon, aber er ist da.
Vielleicht ist es das, was ich lernen soll?

Aufatmen.
Der Schmerz lässt nach.
Ohne dass ich es bemerkt hätte, ist einiges wieder zusammengewachsen, was zusammen gehört.
Als hätte ein Töpfer tatsächlich die Scherben wie Puzzle-Teile wieder zusammengefügt.
Und wenn ich es berühre, merke ich: es hält.
Sogar besser als vorher.
Aber: die Verheißung steht noch aus.

Wie oft bin ich diesen Prozess gegangen.
Wie oft ist Gott mit mir diesen Prozess gegangen.
Ist er schön? Nein. Er ist anstrengend.
Aber vielleicht ist er lebens-notwendig.
Ohne Schmerzen gibt es kein Wachstum.

Meine Narben erzählen von deiner Güte.

“To love at all is to be vulnerable. Love anything and your heart will be wrung and possibly broken. If you want to make sure of keeping it intact you must give it to no one, not even an animal. Wrap it carefully round with hobbies and little luxuries; avoid all entanglements. Lock it up safe in the casket or coffin of your selfishness. But in that casket, safe, dark, motionless, airless, it will change. It will not be broken; it will become unbreakable, impenetrable, irredeemable. To love is to be vulnerable.
― C.S. Lewis: The Four Loves (dt. Was man Liebe nennt)

Lieben – egal auf welche Art – heißt verletzlich sein. Liebe irgend etwas, und es wird dir bestimmt zu Herzen gehen, oder gar das Herz brechen. Wenn du ganz sicher sein willst, daß deinem Herzen nichts zustößt, dann darfst du es nie verschenken, nicht einmal einem Tier. Umgib es sorgfältig mit Hobbies und kleinen Genüssen; meide alle Verwicklungen; verschließe es sicher im Schrein oder Sarg deiner Selbstsucht. Aber in diesem Schrein – sicher, dunkel, reglos, luftlos – verändert es sich. Es bricht nicht; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar. Lieben heißt verletzlich sein.

(Photo: Kintugi von Haragayato CC BY-SA 4.0 )

Gottes Liebe ist in 3D

Diagramm: Gottes Liebe ist in 3D

Was war Jesu Botschaft? Wozu hat er diese Jahre auf der Erde verbracht, was war ihm wichtig? Meine Antwort darauf: „Gott liebt dich.“ Wer versteht, dass er geliebt ist, kann ein ganz neues Leben leben.

Diese Liebe hat 3 Dimensionen. Man kann diese Dimensionen nicht voneinander trennen – sie gehören zusammen. Das sagt Johannes in seinem Brief immer wieder auf verschiedene Weisen …

.

MP3-Download

Text der Predigt: 1. Johannes 4,7 – 5,4

Vergeben?! Will ich das wirklich?!

herzManchmal höre ich, „Nein, ich habe ihm/ihr/ihnen noch nicht vergeben …“ Ich fühle den Schmerz dahinter… und nachdem ich ausgiebig zugehört habe, erzähle ich vorsichtig, warum ich Vergebung so wichtig finde.

Vergebung ist oft ein Prozess. Gerade wenn die Verletzung tief war, wird es auch eine Weile dauern, bis sie wieder heil ist. Das Wichtige dabei ist, dass dieser Heilungsprozess nicht aufhört.

Der Heilungsprozess wird verlangsamt oder sogar abgebrochen:

a) Wenn du entscheidest, es ist doch nicht so schlimm, ich will es einfach vergessen. Damit kehrst du die Wunde unter den Teppich, und dort kann sie „schön“ vor sich hin eitern und bricht irgendwann umso stärker aus.

b) Wenn du entscheidest, es ist so schlimm, ich werde niemals vergeben. Das ist so, als würdest du jeden Tag neu den Schorf deiner Wunde aufkratzen, weil du den Schmerz als Erinnerung brauchst. Ja, es tut weh. Ja, du wirst daraus etwas lernen, „Konsequenzen ziehen“. Aber später. Erst einmal, renn zu Jesus und lass dich von ihm trösten.

Denn weißt du, die Gefahr ist folgende: Wenn die Wunde nicht ausheilt, ist sie Jahre später immer noch da. Und sobald dich irgendetwas an die Situation erinnert, in der du verletzt worden bist, wirst du merken, dass sie noch nicht verheilt ist – ein Beobachter würde sagen: diese Reaktion war aber jetzt unverhältnismäßig. Das stimmt – gemessen an der äußeren Situation. Aber gemessen an der inneren Situation ist die Reaktion völlig angemessen. Solange eine Schnittwunde noch nicht ausgeheilt ist, ist für die Haut an dieser Stelle jede Berührung sofort eine Bedrohung – es tut weh. So geht es auch unserem Herzen: es spannt einen Sicherheits-Abstand um den Bereich, der verwundet ist, und bestraft alle, die versuchen, diesen Bereich zu betreten. Wenn du viele solche „Zutritt verboten“-Zonen hast, könnte es für deine Mitmenschen ziemlich anstrengend werden – und für dich ziemlich einsam.

Aber da gibt es eine riesige Chance: Wenn die Wunde verheilt, erlebst du Freiheit. Dann kann das Leben wieder aufblühen.

Darum mache ich dir Mut, diesen Prozess der Vergebung zu gehen. Er ist wie ein Wanderweg: immer einen Schritt nach dem anderen. Manchmal werden schmerzhafte Erinnerungen hochkommen. Dann schau sie dir an und renn damit zu Jesus. Erklär ihm deinen Schmerz, und dann warte auf seine Antwort. Er weiß, was Schmerzen sind. Er weiß, wie man mit ihnen umgehen kann, und trotzdem den Willen Gottes tun kann. Und dann: Lass los.

Und manchmal kommt dann gleich die nächste Erinnerung, und du fragst dich: Hört das denn nie auf? Geht es jetzt alles von vorne los? Hinschauen, mit Jesus verarbeiten, loslassen, … schon wieder? Ja und Nein. Ja, immer wieder, du wirst viel Zeit haben, genau das zu üben. Nein, mit der Zeit werden die Schmerzen weniger. Eigentlich ist es auch gut, dass der Schmerz portionsweise kommt – so kannst du ihn aushalten und verarbeiten.

Und manchmal ruht diese Baustelle eine Weile. Das ist auch ok. Gott hat den Sabbat geschaffen, und drückt damit aus: Dein Leben hängt nicht von deiner Arbeit ab. Ruhe einfach in meiner Liebe. Er wird dich dann schon anstubsen, wenn es weiter geht.

Aber eines Tages wirst du zurückblicken und aufatmen: Jetzt ist es vollbracht. Ich habe vergeben. Und weißt du, es wird dann nicht so sein, wie es vor der Verletzung war. Sondern viel, viel besser. Gerade der Lebensbereich, der durch Verletzung und Heilung gegangen ist, kann oft erstaunlich fruchtbar werden: Dann kann deine Freude auch dort wieder sprudeln. Und dann kannst du den Trost, den du für dich angenommen hast, an andere weitergeben (2. Korinther 1,4).

Gott hat bereits vergeben. Und geduldig hilft er dir dabei, loszulassen. Gib die Hoffnung nicht auf: eines Tages wirst du frei sein.

Dietrich Bonhoeffer: Wer bin ich?

gefaengnisDietrich Bonhoeffer schreibt im Gefängnis:

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest,
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig lächelnd und stolz,
wie einer, der siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
Und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

.


„Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ (Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung)

(Photo von Laura – CC BY-NC-SA)