Interaktion zwischen Computer und Menschen

Für die, die sich dafür interessieren, was ich in meinem Studium so mache, habe ich einen Blog angefangen: Computer für Menschen. Langfristig soll das ein Gruppenprojekt von uns Studenten werden.

Was mich an diesem Thema so fasziniert: ich möchte Computer, die sich den Menschen anpassen, und dem Menschen dienen – nicht andersherum, dass sich der Mensch anpassen und sozusagen dem Computer dient. Und mein Studium beschäftigt sich damit, in welchen Bereichen eine solche Anpassung nötig ist und wie sie aussehen kann. Der Artikel Die Frage der Übersetzbarkeit beschäftigt sich beispielsweise damit, wie der Computer eigentlich eine eigene „Sprache“ spricht, in der man sich verständlich machen muss. HCI gibt einen kleinen Überblick, um was es noch alles gehen kann.

Und noch ein kleiner Comic dazu (von Twittch):

Konstruierte Wahrheit?

Erst dreht sich die Sonne um die Erde, dann war es andersherum, und jetzt dreht sich das ganze Universum um das Individuum. (So wie der Mathematiker eine Kuh einzäuhnt: er spannt den Stacheldraht um sich selbst, und definiert, er sei außen.)

Dabei begann alles mit einer simplen Frage: ist die Realität tatsächlich so objektiv-eindeutig, ist zuschauen an sich nicht schon interpretieren? Geht es also mehr um Bedeutungszuweisung als um Wahrheit? Leider ist diese These (Konstruktivismus) genauso wenig beweisbar wir ihr Gegenteil (Positivismus). Auch ihre Auswirkung ist nur selbst-bestätigend: Je komplexer das gesellschaftliche System, desto komplexer halten wir es, desto komplexer ver-halten wir uns. Darum Luhmann’s Theorie, dass der hauptsächliche Sinn von Organisationen ist, irgendeinen Konsens zu finden, um die Komplexität und damit die Unsicherheit unserer Umwelt zu verringern. Träumen wir nicht alle von einer Welt, in der genau das passiert, was wir uns vorstellen?

Es ist Nostalgie, Utopie, und vielleicht gar keine schöne. Denn: man müsste selbst perfekt und gut sein, um die Welt perfekt und gut zu regieren. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: entweder ich gebe den Anspruch auf, die Welt Stück für Stück zu verbessern, in verschiedenen Formen: Agnostik („Ich weiß, dass ich nichts weiß“), Hedonismus („Hauptsache, es geht mir gut.“) oder Determinismus („Was geschehen soll, wird geschehen“) – oder ich definiere mein Leben um, als Mond, der nicht selbst gut ist, sondern Güte widerspiegelt. „Ich weiß es nicht, aber ich muss es auch nicht wissen.“ Und damit stehe ich dem Konstruktivismus sogar näher als dem Positivismus, der Wissenserwerb als Fleißaufgabe sieht („Je genauer und aufwändiger, desto wahrscheinlicher, dass eine Gesetzmäßigkeit erkannt wird.“ Darum auch der Fortschrittsoptimismus). Ich vertraue meinem Vater & Freund, er hat mich bis hierhin geführt, und er wird es weiter tun.
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You love me again today, Lord?
Is there no depth to the well that is you?
There is no depth to the well of need that is me.

– Sheila Walsh, „Outrageos Love“

Das Babbage-Prinzip

(oder: Warum verrichtungsorientierte Arbeitsteilung die Produktionskosten senkt)

Eines Tages in der Zoo-Handlung.
– Guten Tag, mit was kann ich ihnen behilflich sein?
– Ich hätte gerne ein Tier.
– Eine Katze? Ein Hund?
– Naja, ich weiß nicht genau. Also streicheln möcht ich es können. Eier soll es legen. Und meinen Essenreste darf es auch aufessen.
– Alles auf einmal? Sie wollen also ein Katzhuhnschwein?
– Wenn Sie es sagen, Sie sind der Experte. Wieviel kostet es?
– Das müsste ich ihnen erst züchten. Die heutige Technik macht alles möglich … aber so um die 2000 Euro werden sie schon zahlen müssen.
– 2000 Euro! Für nur ein Tier!
– Das ist eine Maßanfertigung, sie verstehen. Ich könnte Ihnen aber auch ein Sonderangebot machen: eine Katze, ein Huhn und ein Schwein zusammen für nur 999 Euro.
– Das braucht mehr Platz.
– Dafür können sie aber die Anzahl der Eier besser regulieren: einfach weitere Hühner dazukaufen. Für ein weiteres Katzhuhnschwein würden Sie nochmal 2000 Euro zahlen, selbst wenn Sie nur mehr Eier möchten.
– Das stimmt. Kann man denn alle drei Tiere in einem Stall halten?
– Na klar! Nehmen Sie einfach diesen Ratgeber dazu: „Harmonie und Effektivität im Interanimalischen Raum.“ Nur 9,99 Euro.
– Okay, vielen Dank.

„Dass, nachdem das Werk in mehrere Prozesse geteilt ist, deren jeder verschiedene Grade von Geschicklichkeit oder Stärke erfordert, der Fabrikherr sich in den Stand versetzt sieht, von beiden Eigenschaften genausoviel in Anspruch zu nehmen, als jeder Prozess verlangt; wenn dagegen ein einziger Arbeiter das Werk vollenden sollte, so müsste er so viel Geschicklichkeit und so viel Kraft besitzen, dass er einerseits dem schwierigsten und andererseits dem mühsamsten der verschiedenen Prozesse gewachsen wäre.“
(Charles Babbage 1835: 175; zitiert in Kieser/Ebert „Organisationstheorien“)

(Das mit dem Managementtechniken aufs Korn nehmen kann Gunther Dueck viel besser als ich.)

Vermisst: Einfachheit

(English, plz …)

Ich hasse es zu suchen. Jedenfalls, wenn es um phyische Gegenstände geht: wo hatte ich meinen Schlüssel nochmal hingelegt? „Die Büroklammer ist in dem großen Schrank im Büro“. Jetzt könnten meine Besucher einwenden, „In dem Chaos (und ihre Augen schweifen in meinem Zimmer umher) möchte ich auch nicht leben …“ aber das entspricht nur halb der Wahrheit; nach jedem Aufräumen finde ich erstmal weniger als vorher. Ich hab wohl etwas von den Messies geerbt.

Andererseits, wenn es um innere Dinge geht, bin ich sehr ordnungsliebend. Weiterlesen

Ein Tag ohne Strom

(english, please…)

Auf Plinky wurde gefragt: Heute bist du dran, du darfst die Regeln festlegen. Und ich dachte an manche Länder, die regelmäßig Katastrophenübungen machen, und ich dachte, warum nicht? Und ich legte fest:

Einen Tag lang keinen Strom, für alle. Na gut, Krankenhäuser und so bekommen eine Ausnahmegenehmigung.

Und ich wäre so freundlich und würde den Stromausfall so einen Monat vorher ankündigen, so dass sich alle darauf vorbereiten können. (Einen Generator kaufen zählt nicht!) Stell dir nur vor: kein Internet, keine Banken, keine Flüge, keine Kaufhäuser … keine Ampeln, keine Kameras, kein Nintendo, kein Todesrisiko wenn man auf Strommasten klettern … und Milliarden CO2 gespart! Das wäre ein kleines Experiment, vielleicht entdecken wir so Ecken und Winkel, an denen wir lächerlicherweise von Strom abhängig sind. Und wer weiß, vielleicht könnte unser gesamter Stromverbrauch dann ausnahmsweise mal sinken?

Und dann möchte ich nicht nur, dass die elektrischen Schiebetüren zu bleiben, sondern auch, dass die Haustüren aufgehen. Ich meine, was soll man zu Hause machen, nicht einmal der Ferseher geht noch! Spieleabend organisieren sich spontan; die glücklichen Gasherdbesitzer laden die Nachbarn ein, bei ihnen zu kochen; der Stapel der irgendwann-zu-lesenden Bücher wird kleiner; die ausstehende Steuererklärung wird erstellt, zur Not zieht man den Nachbarn zu Rate (anrufen kann man ja keinen); und Kinder und Hunde sind glücklich, weil sie ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen.

P.S. Dass ich als Techniker Technik skeptisch gegenüber stehe, habe ich ja schon geschrieben.

Technik und der Mensch

Was Technologie angeht, bin ich ein Zweifler. Sie gehört für mich in dieselbe Kategorie wie Naturkatastrophen: man kann sie nicht vorhersehen, nur erahnen; und die letztendlichen Auswirkungen werden erst sichtbar, wenn es zu spät ist. Das soll nicht heißen, dass Technik grundsätzlich schlecht ist, der Elektroherd hat unsere Küche revolutioniert; was ich meine, dass ich gegen die allgemeine Technik-Faszination sieht, die alle neuen Trends erst einmal mitmacht.

Das Thema „Verantwortung der Wissenschaftler“ wurde schon von vielen behandelt. Mich erinnert es an „Die Physiker“ (Dürrenmatt), wo das offensichtliche Beispiel Atombombe behandelt wird; ich möchte nur herausstellen, wie aktuell dieses Thema ist. Was ich der heutigen Technologie konkret vorwerfe:

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