Reformation fängt mit Träumen an

Ich habe einen Traum.
Von einer Kirche, die Wahrheit als Person versteht, nicht als Konzept.
Von Gläubigen, die Leidenschaft und Schönheit mehr nachjagen als ihrem eigenem Komfort.
Von Glaube, wild, ungezähmt, authentisch, und unbeirrbar Gott-zentriert.
Von Liebe, die alle Angst überwindet.
Von Hoffnung, größer als Institutionen und kleiner als falsch verstandene Würde.
Von Sehnsucht, die verrückt-kreative Lösungen sucht.
Von Menschen, die nicht von ihrer Unzulänglichkeit davonlaufen, sondern dem Ruf ihres Meisters folgen.
Von geliebten Kindern Gottes, die innerlich frei Gott und ihr Leben feiern.
Von einer Kirche, die alles tut, um das Tun Gottes zu begleiten und zu unterstützen.
„Gott ist in der Mitte, alles in uns schweige, und sich innigst vor ihm beuge.“

Vielen Dank, Fabian Vogt, für deine Vorträumereien. Dein Roman hat mal wieder alle meine Erwartungen übertroffen.

Die narratorische Apotheke

Was könnte das nur sein? Eine Apotheke, in der es Heilmittel gegen seltsame Krankheiten wie „rezidivierender Materialismus“ oder „fortschreitende geistliche Hybris“ gibt? Es handelt sich um ein Antiquariat im Roman „Das Haus der Geschichten“ von Thomas Franke. Und eigentlich ist es eine Geschichten-Sammlung: Geschichten, durch die sich kleine Wahrheitsstrahlen in unser Herz schmuggeln. Und so begleiten die Leser Marvin, der durch solche Geschichten und menschlichen Begegnungen Schritt für Schritt sein Herz für ein neues Abenteuer öffnet. Was wäre, wenn es doch einen Gott geben könnte? Warum will ich zwar gut handeln, krieg es aber nicht so wirklich hin? Und was ist das, was im Leben wirklich zählt?

Ein feinfühliges Buch, das meine Leidenschaft verstärkt: auch ich möchte mit meinen Geschichten Herzen berühren, Perspektiven aufzeigen. Wenn jemand eine narratorische Apotheke aufmachen möchte, liebend gerne würde ich als sein Lehrling anfangen!

(Buchbesprechung von Titus Müller auf YouTube)

Zeitsparer

Wie kann es sein, dass wir immer mehr Zeit sparen, aber immer weniger Zeit übrig haben? Oder, wie es die Kinder in „Momo“ formulieren: „Zeit spahren? Aber für wehn?“

Ich möchte Zeit verschenken, wer will sie haben?

.

Strength is for service, not status.

(Romans 15:2 The Message)

Paul Williams Young: Die Hütte

Love extravagantly. Love as if your life depended on it – because it does. (1. Korinther 14, 1)

Natürlich ist die Hütte nicht die Bibel. Es ist ein Roman, und von der besten Sorte: es hat einen wahren Kern. Besonders beeindruckt hat mich, wie er ausmalt dass „Gott Beziehung ist“ – „Drei-Einigkeit“. Es hat in mir eine Dringlichkeit hinterlassen, wie wichtig es ist, zu lieben – und wie schal demgegenüber unsere Welt geworden ist. Verantwortlichkeiten und Politik sind nur ein blasses Abbild von echter Fürsorge. Du sagst, „Nur die Liebe zählt“, das geht nicht in solch großen Gruppen wie einer Nation? Da magst du Recht haben, ich bin ja auch nicht für Anarchie. Ich sage nur, dass politische Strukturen an sich nicht die Lösung sein können, selbst wenn sie „demokratisch“ heißen.

Ich denke, das Buch ist auch wegen solcher Querschüsse bekannt und in Verruf geraten. Ich meine, was soll das heißen, zu glauben, ohne religiös zu sein? Aber gerade darum habe ich die Lektüre genossen: es fordert heraus, und es lädt ein, anders zu denken. Bunter, lebendiger. In einer Welt, in der Gott im Mittelpunkt steht.

So ein Buch will ich auch mal schreiben.

Adrian Plass: Der Besuch

In diesem kurzem Roman geht es um die Frage, was wäre, wenn Jesus in die heutige Zeit kommen würde. Würden wir ihn erkennen? Was hat er zu uns „modernen“ Menschen zu sagen? Der Erzähler, Vorstehender einer Kirchgemeinde, begleitet Jesus als Manager und Freund, und kämpft dabei vor allem mit seinem eigenen Gottesbild. Dass Jesus doch nicht der nette, brave, „gezähmte“ Jesus ist. Sondern: verplant (aus Sicht des Erzählers jedenfalls), unvorhersehbar, und vor allem: radikal liebend. Ein Homosexueller möchte mit ihm sprechen, aber statt fand nicht, wie der Erzähler erwartete, ein Seelsorgergespräch, sondern ein Billiardspiel. Und als er in einer Gemeinde zum Predigen eingeladen war, entdeckt ihn plötzlich ein Kind im Publikum (ein geistig behindertes Kind, mit dem Jesus schon viel Zeit verbracht hat), und läuft voller Freude zur Kanzel. Und er geht – zur Entrüstung der Anwesenden – nachdem er sie geknuddelt und der Mutter zurückgebracht hat, einfach zur Tür heraus. „Jesus! Die Leute haben eine richtig gute Predigt erwartet!“ – „Sie haben eine noch bessere bekommen.“

Ja, ja, das fasziniert mich auch immer. Jesus, der Lehrer, der eigentlich mehr Fragen stellt, als Antworten zu geben. Der Menschen einlädt, nicht nur mitzudenken, sondern auch mitzumachen. Wenn Jesus sagt: „Lass alles stehen und liegen, und komm mit mir!“ ist das eine Form von Interaktivität, die unsere Vorstellung von interaktiven Gottesdienstgesprächen weit in den Schatten stellt. Gut, vielleicht wirkt es auch nur so, weil die Bibel wahrscheinlich hauptsächlich die besonders wichtigen Momente erzählt (so wie die Leute im Film immer nie aufs Klo müssen), aber er schaffte es so oft, Leben zu verändern, indem er sich voll auf sie eingelassen hat.

Sehr empfehlenswert: typischer Adrian-Plass-Humor, viele Gedankenanstöße, und dank der erzählerischen Form leicht zu lesen.

John & Stasi Elredge: Gott erzählt eine Liebesgeschichte, und das Bühnenbild dazu ist Krieg

„Sie haben ein Päckchen.“ Mit Vorfreude holte ich es ab, doch als ich das Buch „Love & War“ hervorholte, las ich: „Finding the marriage you’ve dreamed of“ und „What the Elredge bestellers Wild at heart did for men and Captivating did for women, Love & War will do for married couples everywhere.“ Das entäuschte mich ein wenig, da ich weder verheiratet noch suchend bin; mich hatte der Titel eher an das monumentöse „Krieg und Frieden“ von Tolstoi erinnert. Aber gut, dachte ich mir, wenn das Buch schon den weiten Weg von Amerika zu mir gemacht hat, will ich es wenigstens kennenlernen, und ich ließ es herein. Und auf eine Tasse Tee erzählte es mir von seiner Lebenserfahrung.

Wow. Man könnte das Buch auch „Ehe mit Vision“ nennen: Leben mit dem Kopf im Himmel und den Füßen auf der Erde. Weiterlesen

Narnia: Träume, die real sind

Zusammen mit einem Einwohner von Narnia (Trauerpfützler) sind die Kinder in den unterirdischen Grotten der Zauberin gelandet. Diese versucht, sie mithilfe ihrer Magie untertänig zu machen, so wie sie es schon mit allen anderen dort lebenden Gnomen gemacht hat. Schließlich schafft sie es, die Kinder und Trauerpfützler zu überzeugen, dass es weder Sonne, Wiese noch Aslan (der Gott von Narnia) jemals gegeben hat. Aber Trauerpfützler, der für seine pessimistische Tendenz bekannt ist, kommt wieder zu sich:

Es soll mich nicht wundern, wenn alles, was Ihr gesagt habt, seine Richtigkeit hätte. Ich bin eine Person, die immer gern das Schlimmste annimmt und dann das Beste daraus macht. Deshalb will ich von dem, was Ihr gesagt habt, nichts abstreiten. Aber trotzdem ist da etwas, was ich sagen muß. Weiterlesen

Narnia: Des rêves réelles

Les enfant, ensemble avec un habitant de Narnia (Puddlegum), sont dans des grottes souterraines, où règne une sorcière. Comme elle l’a fait auparavant avec ses sujets, elle essaie de les rendre serviable à travers sa magie. Finalement, elle réussit à les convaincre qu’il n’y a ni soleil, ni Aslan (le Dieu de Narnia), mais la créature pessimiste de Narnia, revenu à lui grâce au feu qu’il avait éteint à la main, s’exclama:

– Un mot, madame, dit-il en s’écartant du feu pour revenir vers elle en boitant, à cause de la douleur. Un mot. Tout ce que vous avez dit est tout à fait vrai, c’est bien possible. Je suis un gars qui a toujours voulu voir les choses en pire, pour ensuite faire aussi bonne figure que possible. Alors, je ne vais rien contester de tout ce que vous avez dit. Mais, quand même, il y a une chose qu’il faut ajouter. Weiterlesen

Les Misérables: Ein Buch für ganz normale Weltveränderer

Les Misérables (Die Elenden) zu lesen, ist eine Reise in ein fernes, unbekanntes Land: wer kennt Paris von 1800-1835, und vor allem, wer kennt die Geschichte des unpriviligierten Volkes? Victor Hugo entführte mich in eine Welt von Dieben, Bischhöfen, Bettlern, Obdachlosen, Polizisten – die ganz normale Welt. Und weil sie so normal ist, geschieht auch Außergewöhnliches: ein Galerensklave wird Bürgermeister, ein für seine Gesetzestreue bekannter Polizist lässt Gnade walten, eine verzweifelte Frau gibt ihr Kind ab, um arbeiten gehen zu können, ein junger Student träumt von der Republik.

Und inmitten dieser (Un)Möglichkeiten ist Gott: obwohl nur selten erwähnt, spürt man, dass Er Herzen verändert, Schicksale lenkt, Befreiung anbietet. Der Erzähler erzählt nicht nur; er philosophiert und beschreibt, er psychologisiert, zieht Lehren und vor allem: stellt den Leser vor Rätsel und Entscheidungen. Denn die Frage zwängt sich auf: was ist gut? welches Leben ist lebens-wert? wie hätte ich reagiert, diesen Konflikt gelöst?

Ein Buch für Menschen, die mitten im normalen Leben die Welt verändern wollen. Ihr seid Helden.