Was ist Liebe? Folge 1: Die verbotene Praline (Feedback gewünscht)

Echte Liebe ist ein Kunstwerk. Sie ist so schön, aber auch so zerbrechlich. Verändere nur ein Strich davon, und du zerstörst das ganze Bild.
Echte Liebe ist Begegnung. Nicht eine mathematische Realität, die man definieren kann. Nur indem man sie gibt, wird sie sichtbar.
Und darum erzählen viele kleine Geschichten in meinem Leben von der Entdeckungsreise, was Liebe ist – und was Liebe nicht ist.

Die verbotene Praline

Früh morgens wachte ich auf. Blitzidee! Da, in der Süßigkeitenbox war doch eine Praline, die sooo lecker aussieht! Leise kletterte ich aus meinem Hochbett, damit meine Eltern nicht aufwachen (ich war so ca. 8 Jahre alt). Ich schlich mich in die Küche, mühte mich ab, die Blechbox mit den Süßigkeiten geräuschlos zu öffnen, und … da war sie. Mmmh! Golden! Bestimmt mit Schokolade und einer tollen Füllung!

Es gab nur ein Problem. Ich bekam zwar jeden Tag nach dem Mittagessen etwas aus dieser Box, musste aber unbedingt vorher fragen. Das ging jetzt gerade nicht, meine Eltern schlafen ja noch. Überhaupt, sie würden es mir wahrscheinlich eh nicht erlauben, noch vor dem Frühstück … aber ich wollte sie doch jetzt haben! Sie glitzerte doch so schön!

Ich horchte nochmal, ob vielleicht meine Eltern gerade kommen, entfernte vorsichtig die Goldfolie und voller Vorfreude … bäh! die schmeckt ja gar nicht! die ist ja mit Alkohol! Schnell räumte ich alles wieder auf, um keinen Verdacht zu erwecken, und legte mich wieder in mein Bett. Aber ich konnte nicht schlafen! Mein schlechtes Gewissen quälte mich!

Schließlich stand ich auf, holte meinen Geldbeutel mit dem Taschengeld, nahm die größte Münze, die ich besaß (5 Mark), und legte sie (vorsichtig) dorthin, wo die Praline vorher gewesen ist. Ich dachte, so können meine Eltern wenigstens Ersatz kaufen.

Eigentlich wollte ich mir Vergebung kaufen. Aber das eigentliche Problem war ja nicht, dass die Praline jetzt gegessen war, sondern dass ich meinen Eltern ungehorsam war. Und so nahm ich mir vor: das nächste Mal frage ich bestimmt. Auch wenn ich warten muss, bis sie aufstehen.

(Diese Geschichte erzählte ich Jahre später immer wieder den verschiedenen Kindern im Kindergottesdienst. Als ich sie irgendwann auch meiner Mutter erzählte, sagte sie, dass sie davon gar nichts mitbekommen hatte. Wahrscheinlich hatte sie sich nur über die 5 Mark gewundert.)

Was ich gelernt habe: Echte Liebe ist Vertrauen. Wenn ich mir einfach das nehme, was ich gerade will, weil ich es will, schmeckt es gar nicht.


Feedback gewünscht:

Vor ein paar Tagen habe ich entschieden, aufzuschreiben, wo ich in meinem Leben Facetten von der echten Liebe kennengelernt habe – die Liebe, die ich von Gott bekomme, die in mir wirkt, und die ich weitergebe.

Wenn du möchtest, dass ich diese Serie fortführe, schreibe mir bitte!

Das Abenteuer ruft

BackpackingAuf geht’s, zum größten Abenteuer überhaupt. Du weißt nicht, wovon ich rede?

Ich meine nicht: einen Drachen zu bezwingen, neue Kulturen zu entdecken oder als Spion Dokumente zu entwenden. Das sind nur nette Fantasien einer Abenteuer-hungrigen Gesellschaft – die zwar Abenteuer will, aber solche, die nichts kosten. Sorry, das gibt es nicht.

Wenn ich mich in meiner Lebenswelt umgucke, sehe ich so manche echte Abenteuer: Kinder erziehen zum Beispiel. Was für ein Mut! Was für eine Geduld! Egal wie oft das Kind den Löffel runter wirft, wird Mama dem Kind nochmal erklären, dass der Teppich gerne auf diese unerwartete Begegnung verzichten würde – ok, vielleicht erklärt sie nicht nur mit Worten. Gibt es Momente, wo sich Eltern unglaublich reich belohnt fühlen? Oh ja! Und doch fühlt sich der Alltag oft zermürbend an. Gibt es Tage, an denen sie lieber keine Eltern wären? Definitiv! Und trotzdem denken sie gar nicht daran, aufzugeben.

In welchen Abenteuern steckst du gerade? Wofür würdest du kämpfen bis zu deinem letztem Atemzug?

Da gibt es noch ein riesiges Abenteuer: eine reife Persönlichkeit zu werden. Eine Person, die ihre Stärken und Schwächen kennt. Sie spürt ihre Bedürfnisse und spricht sie an. Sie gestaltet ihre Beziehungen und kommuniziert Wertschätzung. Sie wagt es, schnell zu vergeben und einen neuen Anfang zu wagen, und gibt Bitterkeit und Resignation kein Recht in ihrem Leben. Wenn diese Person Fehler macht, steht sie einfach wieder auf: mitten im Alltag behält sie ihr Ziel im Auge. Sie dient gerne und lässt es zu, dass andere ihr dienen. Wow, ein solcher Mann möchte ich werden.

Aber es gibt ein noch größeres Abenteuer. Noch größer? Ja, das Wichtigste im Leben. Der Sinn, der Anfang und das Ziel. Oh, warum plötzlich diese religiös-philosophische Sprache? Weil unsere Worte da an ihre Grenzen kommen. Du kannst dein ganzes Leben damit verbringen, dich vor diesem Abenteuer zu drücken – oder einfach den Rucksack auf den Rücken schwingen und aufbrechen. Wohin? Ins Unbekannte, so funktioniert eine Abenteuer-Reise nun mal. Sie wird dich alles kosten, dein ganzes Leben. Kinder erziehen, eine reife Persönlichkeit werden, … könnte ein Teil dieser größten Reise sein. Nur ein Teil. Wohin? Was lohnt sich so sehr, dass ich alles andere dafür aufgeben würde, wenn es sein muss?
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(Denke erst mal selbst nach: Was ist das größte Abenteuer? Welchen Schatz willst du entdecken, egal wie lange es dauert?)

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Hier ist meine Antwort. Das größte Abenteuer überhaupt: von ganzem Herzen zu lieben.

Zu lieben. Von ganzem Herzen.

Und damit meine ich alles, die Liebe zum Partner, die Liebe zu Kindern, die Liebe zu Freunden, die Liebe zu Fremden, die Liebe zu Feinden, die Liebe zu sich selbst, und die Liebe zu Gott.

Wie soll das gehen? Ganz ehrlich, manchmal bin ich da ziemlich ratlos. So lieben, wie Jesus geliebt hat?

Ja. Genau dafür habe ich ein Leben lang Zeit. Zum Üben.

Das Abenteuer ruft. Kommst du mit?

(Foto von Kate Brady, CC BY-NC-SA)

Das zerbrochene Gefäß

Kintugi - Zerbrochenes wurde wieder heil

Zerbrochen.
Zersplittert in Tausend Einzelteile.
Das lebendige Nass versickert, nur kleine Reste bleiben auf den Scherben und warten darauf, von der Sonne aufgeleckt zu werden.
Warum? Wie kam es dazu? Wie kann es sein, meine Berufung ist doch, Dinge in mich aufzunehmen und an andere zu verteilen? Wie soll das gehen?
Es tut so weh.

Warten.
Man sagt, Gott kommt niemals zu spät. Das mag sein. Wo ist er denn jetzt?
Hätte er das nicht alles verhindern können?
Man sagt, er ist gut, er weiß schon was er tut. Das mag sein. Aber ich sehe keine Güte.
Gott, kannst du nicht Strg+Z drücken?
Es ist, wie es ist.

Erwarten.
In mir keimt Hoffnung.
Gott hat versprochen, immer bei mir zu sein. Er hat versprochen, für mich zu kämpfen.
Ich sehe nichts davon, aber er ist da.
Vielleicht ist es das, was ich lernen soll?

Aufatmen.
Der Schmerz lässt nach.
Ohne dass ich es bemerkt hätte, ist einiges wieder zusammengewachsen, was zusammen gehört.
Als hätte ein Töpfer tatsächlich die Scherben wie Puzzle-Teile wieder zusammengefügt.
Und wenn ich es berühre, merke ich: es hält.
Sogar besser als vorher.
Aber: die Verheißung steht noch aus.

Wie oft bin ich diesen Prozess gegangen.
Wie oft ist Gott mit mir diesen Prozess gegangen.
Ist er schön? Nein. Er ist anstrengend.
Aber vielleicht ist er lebens-notwendig.
Ohne Schmerzen gibt es kein Wachstum.

Meine Narben erzählen von deiner Güte.

“To love at all is to be vulnerable. Love anything and your heart will be wrung and possibly broken. If you want to make sure of keeping it intact you must give it to no one, not even an animal. Wrap it carefully round with hobbies and little luxuries; avoid all entanglements. Lock it up safe in the casket or coffin of your selfishness. But in that casket, safe, dark, motionless, airless, it will change. It will not be broken; it will become unbreakable, impenetrable, irredeemable. To love is to be vulnerable.
― C.S. Lewis: The Four Loves (dt. Was man Liebe nennt)

Lieben – egal auf welche Art – heißt verletzlich sein. Liebe irgend etwas, und es wird dir bestimmt zu Herzen gehen, oder gar das Herz brechen. Wenn du ganz sicher sein willst, daß deinem Herzen nichts zustößt, dann darfst du es nie verschenken, nicht einmal einem Tier. Umgib es sorgfältig mit Hobbies und kleinen Genüssen; meide alle Verwicklungen; verschließe es sicher im Schrein oder Sarg deiner Selbstsucht. Aber in diesem Schrein – sicher, dunkel, reglos, luftlos – verändert es sich. Es bricht nicht; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar. Lieben heißt verletzlich sein.

(Photo: Kintugi von Haragayato CC BY-SA 4.0 )

Gottes Liebe ist in 3D

Diagramm: Gottes Liebe ist in 3D

Was war Jesu Botschaft? Wozu hat er diese Jahre auf der Erde verbracht, was war ihm wichtig? Meine Antwort darauf: „Gott liebt dich.“ Wer versteht, dass er geliebt ist, kann ein ganz neues Leben leben.

Diese Liebe hat 3 Dimensionen. Man kann diese Dimensionen nicht voneinander trennen – sie gehören zusammen. Das sagt Johannes in seinem Brief immer wieder auf verschiedene Weisen …

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Text der Predigt: 1. Johannes 4,7 – 5,4

Gefühle – wie ich entdeckte, sie zu schätzen

Ich bin ein Fühler. Ich bin auch ein Denker, aber ein Denker, dem tiefe Gefühle wichtig sind. Inzwischen. Viele können intuitiv gut mit ihren Gefühlen umgehen – ich musste erst wieder lernen, wozu Gefühle da sind.

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In meiner Schulzeit hatte ich meine Gefühle bewusst unterdrückt, weil es mir zu gefährlich war, sie zu zeigen – um nicht von anderen ausgelacht zu werden, hatte ich mich so unauffällig wie möglich gemacht. Als ich dann Christ wurde, stillte Gott ein Bedürfnis in mir, von dem ich gar nicht wusste, dass ich es habe. Ich dachte, das eigentliche Problem ist: „Was ist der Sinn hinter dem Leben?“ Aber er zeigte mir, dass es ein noch existentielleres Problem gibt: „Bin ich geliebt? Bin ich wertvoll?“ Und indem er mir diese Frage beantwortete, machte er es möglich, dass wieder Spontaneität und fröhliches Lachen mein Leben erfüllte. Ich bin wertvoll. Alles in mir. Er liebt mich – durch und durch.

Zu entdecken, dass auch meine Gefühle wertvoll sind, war eine jahrelange Reise, und so ganz angekommen bin ich immer noch nicht. Aber hier die Zusammenfassung dessen, was ich über den guten Umgang mit meinen Gefühlen gelernt habe:

1. Wer keine negativen Gefühle haben will, hat bald gar keine mehr. Eines Tages habe ich mich wieder geärgert, dass mir mein Zug vor der Nase weggefahren ist – und dann habe ich mich darüber geärgert, dass ich mich geärgert habe. Ich dachte: „Was bringt all dieser Ärger, der nächste Zug fährt sowieso bald, und ich kann es eh nicht ändern.“ Und das Faszinierende: es hat funktioniert. Meine Entscheidung, mich nicht mehr ärgern zu wollen, führte dazu, dass mir die verpassten Zügen gleichgültig wurden. Aber 2 Monate später stellte ich fest: mir sind auch viele andere Dinge gleichgültig geworden. Und ich hatte zwar keinen Ärger mehr, aber auch keine Freude mehr. Also machte ich diese Entscheidung wieder rückgängig, und nach und nach konnte ich das Leben wieder genießen.

2. Was weh tut, ist wichtig. Bei körperlichem Schmerz klingt das verständlich: wenn mein Bein jedes Mal schmerzt, wenn ich auftrete, werde ich es automatisch nicht so stark belasten und ggf. zum Arzt gehen. Schmerz sagt: „Da ist etwas Wichtiges nicht in Ordnung. Du musst etwas ändern.“ So ist es auch bei Gefühls-Schmerz – egal ob Trauer, Ärger, oder Wut. Gefühle sind wie Botschafter: sie drücken aus, was mir wichtig ist. Schmerz deutet auf ein Bedürfnis, das nicht gestillt wird. (Genauso wie Freude oder Glück bestätigen, dass ein Bedürfnis erfüllt wurde.) Also stille ich einfach das Bedürfnis? Leider ist das in der Praxis ziemlich komplex: Ich will das tun, was das Gefühl A sagt, aber auch das, was B und C sagen – und alles gleichzeitig geht nicht. Also muss ich mich entscheiden. Und angenommen ich entscheide mich für C, dann will ich A und B dennoch geduldig zuhören und ihre Bedenken anhören. Und tatsächlich: die Gefühle A und B sind wie Männchen, die sich weniger aufregen, wenn sie sich wertgeschätzt und verstanden fühlen. Darum ist mein Leitsatz geworden: „Ich muss nicht tun, was die Wut mir sagt – aber ich muss ihr zuhören. Sie hat mir etwas Wichtiges zu sagen.“

3. Seinen Gefühlen zuhören ist wie Muskel-Training: es braucht Anspannung und Entspannung. Immer wieder komme ich in Situationen, wo ich mich von der Intensität meiner Gefühle überfordert fühle – Angst, Trauer, Verbundenheit, Aufregung, … Und ich darf lernen: ich bin nicht meinen Gefühlen ausgeliefert. Ich kann sie wieder in den Normalbereich begleiten. Aber wie? Manchmal ist es gut, einfach mal etwas komplett anderes zu machen: in die Natur gehen und auf jedes einzelne Detail achten. Ein gutes, nicht zu emotionales Buch lesen. Auf den Boden legen und 5 Minuten gar nichts machen. Mit Freunden oberflächliche Witze reißen. Weißt du, was für dich entspannend wirkt? Nicht jede Methode funktioniert jedes Mal, achte auf dein Bauchgefühl: was brauchst du gerade? Manchmal ist es aber auch gut, intensiv hinzuschauen. Tagebuch schreiben, meine Gefühle in ein Bild ausdrücken, Musik machen, das Gefühl von vielen verschieden Seiten angucken: analytisch, kreativ, von der Motivation her, von dem Zweck her, was ist deine Botschaft, … Auch Träume helfen mir oft, zu verstehen, welche Gefühle gerade in mir toben und warum. Dieser Prozess, meine Gefühle zu verarbeiten, ist echt anstrengend – wie ein Langstreckenlauf. Aber gerade darum ist es wichtig, sich immer wieder Zeiten der Erholung und Ablenkung zu gönnen: um wieder Kraft zu haben, wieder ein Stück mit seinen Gefühlen mitzurennen. Muskeln können sich nur bilden, wenn Anspannung und Entspannung sich abwechseln. Genauso brauchen wir beides, um unsere Gefühle näher kennen zu lernen. Gefühle sind ein wichtiger Teil von mir … aber eben auch nur ein Teil von mir.

4. Wenn ich meine Gefühle kenne, kann ich mutige, irgendwie reife Entscheidungen treffen. Reife bedeutet: ich weiß, wer ich bin, was ich kann und nicht kann, was ich brauche, dass ich wertvoll bin, dass ich Fehler machen darf, und dass ich meine Grenzen konsequent in meiner Lebensführung mit-berücksichtige. Eine solche Reife kommt nicht von heute auf morgen. Aber sie wächst Schritt für Schritt, Erfahrung für Erfahrung. Was ich emotional erlebe, lerne ich noch tiefer. So oft hat Gott mich schon aus tiefen emotionalen Löchern gezogen. Er wird es auch ein X. Mal tun. Es ist keine Katastrophe, wenn ich wütend, ärgerlich, traurig werde. Es geht vorbei. Und am Ende werde ich zurückschauen und sagen können: es hat sich gelohnt. So kann ich mutig in neue Situationen gehen, obwohl ich gleichzeitig manchmal Angst vor ihnen habe. Ich lasse mich nicht von ihnen einschüchtern. Ich vertraue dem Versprechen, das Gott mir gemacht hat: „Ich lasse dich niemals allein. Du bist mir wichtig.“

5. Gefühle sind ein Teil von dem guten Design, wie Gott mich gemacht hat. Weil er fühlt, fühlen auch wir. Darum sind Gefühle wertvoll, alle Gefühle. Sie helfen uns in der Aufgabe, durch die komplexe Welt unseres Lebens zu navigieren. Wenn sie mit anderen Gefühlen, mit dem Verstand, mit dem Vertrauen, mit Werten usw. wie in einem Team zusammenarbeiten, sind sie unschlagbar. Aber auch: wenn ausschließlich unsere Gefühle unser Verhalten bestimmen, werden sie zu Tyrannen. Denken und Fühlen gehört zusammen.

So schätze ich sie heute als meine wertvollen Verbündeten. Wäre ich auf dem Weg des Nur-Denkens geblieben, wäre meine Lebenswelt heute viel grauer und monotoner. (Ich wäre ein fleißiger Perfektionist, der alle Energie darauf verwendet, die Probleme der Welt zu lösen. Aber es gibt auch Schönheit! Freundschaft! Kreativität! Gefühle machen lebendig.) Aber als Denker, der das Fühlen neu entdeckt hat, kann ich sagen: Auf geht’s! Das nächste Abenteuer wartet schon auf mich.

Photo von @elrentaplats – CC BY-NC-SA

Wer ist der verlorene Sohn? (Gnade ohne Grenzen)

(Teil dieser Predigt, 35min)

„Irgendetwas ist komisch mit diesem Jesus.
Er ist mitten unter diesen …
Ich weiß nicht wie ich sie nennen soll…
Ich trau mich fast nicht es zu sagen, aber dieses Wort passt wohl am Besten …
Er ist mitten unter diesen Pennern.
Ich meine: diesen Obdachlosen, Alkoholikern, Junkies …
diesen Abschaum der Gesellschaft,
diese Müllhalde der Menschen …

Und Jesus fühlt sich da wohl? Und sie fühlen sich wohl bei ihm?
Ich sag euch, da stimmt doch was nicht!

Ich meine, ja, es ist schon gut, dass sie das Evangelium hören,
irgendjemand muss ja da hin gehen und sie missionieren,
aber … er redet ja nicht nur mit ihnen. Jesus geht zu ihnen nach Hause, isst mit ihnen, streichelt ihre Schafe und manchmal spielt er sogar Schach mit ihnen.
Ist das etwa Gott wohlgefällig? Ist das das, was das Gesetz von uns verlangt?
Wir sind doch die Gerechten. Er sollte mit uns Zeit verbringen, nicht mit denen.“

Das sagten sich einige Pharisäer, die Jesus beobachteten.
Sie haben schon viel von Jesus gehört,
und jetzt sind sie persönlich hingegangen, um ihn zu sehen,
und sie sind total verwirrt.
Sie wissen nicht, was sie von ihm halten sollen.
Und deswegen beschließen sie: wir gehen jetzt einfach zu Jesus und fragen ihn.

Verlorener Sohn Teil 1

„Jesus, Rabbi, warum isst du mit diesen Sündern?!“

Jesus drehte sich zu ihnen, sah wieder auf die Volksmenge um ihn herum, und setzte sich hin.
Er muss wohl etwas Wichtiges zu sagen haben.
Alle setzten sich und spitzten die Ohren. Jesus sagte:

„Ich möchte euch eine Geschichte erzählen.
Da war ein Hirte, der hatte 100 Schafe.
1 Schaf davon ging ihm verloren, also hatte er noch 99 übrig.
Als er zu Hause nachzählte und bemerkte, dass ihm ein Schaf fehlt, dachte er sich:
‚Naja, macht nichts, ist ja nur ein Schaf. Ich hab ja noch 99.‘

Nein, natürlich nicht! Er stand auf, ging den Weg zurück, den er gekommen ist,
‚Vielleicht hat sich das Schaf verlaufen,
oder es dachte, das Gras sei grüner auf der anderen Seite des Grabens …
Mein Schaf ist verloren! Ich muss es finden!‘

Und als es Abend wurde, hörte er ein Blöken, das er kannte.
Und er rennt zu dem Busch, befreit das Schaf aus den Dornen,
nimmt es auf den Arm und trägt es nach Hause.
Und als er wieder ankommt, ist er ganz aus dem Häuschen und erzählt allen Nachbarn:
‚Ich hab mein Schaf wieder gefunden! Ich hab mein Schaf wieder gefunden!
Freut euch mit mir, ich hab mein Schaf wieder gefunden!‘

Ja, wirklich, ich sage euch:
so freut sich der ganze Himmel, wenn ein Sünder umkehrt.
Das ist ein Grund zur Freude.
Darüber freut sich der Himmel mehr als 99 Gerechte, die schon immer zu Gott gehört haben.“

Verlorener Sohn Teil 2

Die Pharisäer zuckten zusammen. Hatte Jesus ihnen etwa vorher zugehört? Sie schauten einander an und überlegten, was sie Jesus jetzt antworten könnten. Aber bevor jemand eine gute Idee hatte, redete Jesus weiter.

„Ich möchte euch noch eine Geschichte erzählen.
Da war eine Frau, die hatte 10 Münzen.
Aber als sie nachzählte, merkte sie, dass es plötzlich nur noch 9 sind – 1 Münze fehlte!
Also steht sie auf, durchwühlt den Sandboden, schaut hinter alle Möbel und unter alle Krüge,
und schließlich … da ist sie. Die verlorene Münze.
Sie ist so aus dem Häuschen, sie erzählt allen Nachbarn:
‚Ich hab die Münze wiedergefunden! Ich hab die Münze wiedergefunden!
Freut euch mit mir, ich hab die Münze wiedergefunden!‘

Ja, wirklich, ich sage euch: so freut sich der ganze Himmel, wenn ein einziger Sünder umkehrt.“

Verlorener Sohn Teil 2 copy

Die Pharisäer stöhnten. Das hatten sie doch gerade. Das hat Jesus doch schon mal gesagt, hält er sie etwa für dumm? Aber Jesus redete einfach weiter.

„Ich möchte euch noch eine Geschichte erzählen.
Da war ein Vater, der hatte zwei Söhne,
einen älteren Sohn und einen jüngeren Sohn.
Der jüngere Sohn ging zum Vater und sagte:
‚Wenn du stirbst, werde ich meinen Teil von all dem bekommen, was jetzt dir gehört.
Ich will das Zeug jetzt schon haben.‘

Wie muss sich der Vater wohl dabei gefühlt haben? Dem Sohn war das egal.
Er bestand auf sein Recht, und sobald er konnte, füllte er seinen Geldbeutel mit diesem Erbe.
Und schon ein paar Tage später packte er seinen Rucksack und ging weit, weit weg.
Er machte einfach genau das, worauf er gerade Lust hatte – das Geld dazu hatte er ja.
Eine Zeit lang zumindest. Bis er eines Tages pleite war. Wie sollte er weiterleben?

Er suchte einen Job zum Geldverdienen, aber die Wirtschaft sah gerade echt mau aus,
und schließlich fand er einen Job – aber was für einen.
Schweine hüten (Nase zuhalten).
Und davon konnte er sich nicht einmal satt essen.“

Ein Pharisäer konnte sich nicht mehr zurückhalten und rief: „Geschieht ihm recht! So eine Schande für die Familie!“ Jesus zögerte. Dann fuhr er fort:

„Das war kein schönes Leben. Schweine!
Und so fing der jüngere Sohn an, nachzudenken.
Wie gerne würde er das alles rückgängig machen.
Hätte er doch nicht ganz so verschwenderisch gelebt!
Hätte er sich doch früher darum gekümmert, einen Job zu finden!
Wäre er doch gar nicht auf Reisen gegangen!
Hätte er sich das Erbe doch nicht auszahlen lassen …
Er sagte sich: ‚Jetzt ist es zu spät. Ich hab es voll verbockt.
Aber vielleicht … mein Vater ist ja ein guter Chef.
Vielleicht … vielleicht gibt er mir ja einen besseren Job als das hier. … (Nase zuhalten)
Und so brach er auf. Reich ging er weg, arm kam er zurück.
Ich weiß, verdient hab ich das nicht. Aber ich muss es probieren.
Ich .. werde ihn ganz freundlich fragen, ich werde ihn sogar siezen,
und wenn er mich wegscheucht … keine Ahnung. Aber alles ist besser als das hier.‘ (Nase zuhalten)
Und so brach er auf. Reich ging er weg, arm kam er zurück.

Der Vater sah seinen Sohn von der Ferne.
Und als er ihn sah, fing er an zu rennen, er rannte und rannte und fiel ihm um den Hals.
Damit hatte der Sohn nicht gerechnet. Er spulte die Sätze ab, die er sagen wollte:
‚Vater, ich hab es verbockt, ich bin komplett unwürdig, aber bitte, könnte ich vielleicht…‘
Aber da unterbrach ihn der Vater.
Er sah ihm in die Augen und sagte: ‚Du bist und bleibst mein Sohn.‘

Dann rief er einen seiner Knechte zu sich und sagte ihm:
‚Das ist mein Sohn. Mein Sohn ist wieder da!
Sorg dafür, dass er neue Kleider bekommt!
Schlachte mein Kalb, das beste Kalb das wir haben, und lade das ganze Dorf ein!
Jetzt wird gefeiert! Mein Sohn war wie tot, und jetzt lebt er wieder! Wir müssen ihn feiern!‘

Der ältere Sohn kam erst spät von der Arbeit heim. Er hörte den Partylärm von draußen und fragte nach: ‚Warum wird da gefeiert?‘ Und als er hörte, dass sein jüngerer Bruder der Ehrengast war, wurde er wütend. Er weigerte sich, mitzufeiern. Er blieb einfach stehen.

Der Vater bekam das mit und ging nach draußen,
um mit seinem älteren Sohn zu reden.
‚Warum bist du wütend?‘

– ‚Das ist so ungerecht!
Ich schufte Jahr für Jahr für dich,
und für mich gibst du keine Party.
Und dann kommt da eines Tages dieser dahergelaufene ⚡?⚡
und tut einfach so, als wäre er nie weg gewesen.
Verstehst du das denn nicht? Das ist ungerecht!‘

Der Vater hörte ihm geduldig zu,
und als der ältere Sohn bereit war, eine Antwort zu hören, sagte er:
‚Hättest du es dir von mir gewünscht, hätte ich dir auch eine Party gemacht.
Darum geht es doch gar nicht.
Guck mal: dein Bruder ist zurück! Er war wie tot, und jetzt lebt er wieder!
Müssen wir das nicht feiern?‘ “ …

Verlorener Sohn Teil 2

[Hier hört der Bibeltext einfach auf. Was könnte danach passiert sein?]

Alle Zuhörer schwiegen. Wie wird die Geschichte ausgehen?
Aber Jesus spricht nicht weiter. Stille. …

– „Und so hört die Geschichte also auf?!“
Einer der Pharisäer hatte die Arme verschränkt und forderte Jesus heraus.
„Wer von den beiden Söhnen sollen wir denn bitteschön sein??“
Aber sein Freund neben ihm stupste ihn an und sagte:
„Stell nicht so dumme Fragen!
Komm, wir verschwinden, bevor es noch peinlicher wird …
wenn das Volk versteht, was Jesus da gesagt hat …“

Aber der Pharisäer hob seine Nase noch höher und rief:
„Wie bitte?! Ich soll mich darüber freuen, dass diese Junkies ihren Weg zu Gott finden? Die haben es doch gar nicht verdient! Nie-mals.“ Und er drehte sich um, und ging weg.

Und Jesus schaute ihm hinterher,
wie ein Vater, der gerade seinen Sohn verloren hat.

(Nach Lukas 15)

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Reflexions-Fragen:

  • Wo findest du dich in der Geschichte, wer oder was bist du?
  • Versetze dich in diese Rolle: Vor was hast du Angst? Auf was hoffst du?

Videos über Gnade von den SkitGuys (englisch):

  • Gnade ist … Heimat. (The Prodigal )
  • Gnade ist … Gottes verrückte Liebe zu uns. Jesus gibt Petrus einen Neu-Anfang. (Grace)
  • Gnade ist … Du bist Gottes Meisterstück. Denkst du wirklich, du bist Müll?(God‘s chisel)

Passende Lieder:

  • Reckless Love
  • Good, good, Father
  • Turn your eyes upon Jesus …

Bibliolog:

  • Du bist der ältere Sohn, der gerade von der Arbeit heimkommt und erfährt, dass sein Bruder wiedergekommen ist. Was fühlst du? Was denkst du? Was würdest du an seiner Stelle denken?
  • Du bist der jüngere Sohn, du hast alles verschwendet, Schweine gehütet, und jetzt beschlossen, wieder zurück zu gehen. Zum … „Vater“, nun ja, vielleicht kannst du ja als Knecht bei ihm arbeiten. Als du den Bauernhof von der Ferne siehst, rennt dir der Vater entgegen, er rennt und rennt, bis er vor dir steht und dich einfach ganz fest drückt. Was denkst du? Wie fühlt sich das an?
  • Du bist der Vater. Jahrelang hast du gewartet, und endlich, endlich ist der Sohn wieder bei dir. Du umarmst ihn und willst ihn am liebsten gar nicht mehr loslassen. Aber schließlich lässt du ihn los, gehst einen Schritt zurück, schaut dem Sohn in die Augen und sagst: „Du bist und bleibst mein Sohn.“ Dein Herz fließt über … Was fühlst du? Was hoffst du? Was erwartest du?
  • Du bist der jünger Sohn. Die Party hat begonnen, du bist frisch gebadet und schick angezogen. Da erinnerst du dich plötzlich an deine Zeit bei den Schweinen. Wie siehst du diese Zeit jetzt? Was fühlst du, wenn du an sie denkst?

s.a. Kindergottesdienst-Entwurf

Jesus, der Frauen-Held?!

Eines Tages sind Jesus und seine Jünger auf einer Party eingeladen.
Sie unterhalten sich, und essen, und plötzlich
wird es ganz still. Die Augen richten sich zur Tür, denn bei der Tür ist eine Frau, und jeder weiß: das ist eine Prostituierte. Was macht die denn hier?

Es ist absolut still im Raum.
Fast hört man die Herzen schlagen, denn
alle sind aufgeregt,
aus verschiedenen Gründen:

Zuerst sind da die anderen Gäste auf der Party, die aus der Stadt kommen. Sie sind verwirrt. „Sind wir hier nicht bei einem Pharisäer zu Besuch? Was macht diese Frau hier? Ich meine, auf Parties gibt es schon manchmal Prostituierte, ok, aber bei einem Gottesfürchtigen? Irgendwas stimmt hier nicht.“

Dann der Gastgeber, Simon, der Pharisäer. Er ist entrüstet. „Was sollen denn die Gäste von mir denken? Wie ist die denn hier reingekommen? Womöglich glauben sie, dass ich diese Frau gerufen hat – mein Ruf ist ruiniert.“ Simon weiß gar nicht, was er sagen soll. Am Besten, er hätte Jesus gar nicht erst eingeladen.

Unter den Gästen befindet sich auch ein Reporter, und innerlich reibt er sich die Hände: „Das wird mal wieder so ein richtig schöner Skandal.“ Er zückt den Notizblock und lässt die Frau nicht aus den Augen.

Die Jünger haben Angst, Angst um Jesus. „Ist das schon wieder so eine Falle, in die Jesus tappen soll? Wird er ihnen diesmal auf den Leim gehen?“

Der Einzige, der ganz ruhig bleibt, ist Jesus.
Aber auch Jesus schaut die Frau an. Er nimmt sie wahr.

Und so – alle Augen sind auf die Frau gerichtet, und sie …
sie weiß nicht, ob sie sich trauen soll, was sie sich vorgenommen hat, aber
jetzt ist sie schon hier,
jetzt hat sie es schon so weit geschafft,
jetzt zieht sie es durch.

Langsam
geht sie auf Jesus zu.
Ein Raunen geht durch die Menge: „Hat Jesus … sie gerufen?
Kann das sein?“
Sie schauen Jesus an – aber sein Blick verrät es nicht.
Auch die Frau ist verunsichert
und weiß nicht, ob sie willkommen ist,
in seinen Augen, in Jesu Augen,
aber egal, sie zieht‘s jetzt durch, sie macht das jetzt einfach:

Sie nimmt ein Fläschchen aus ihrer Jackentasche,
und wieder
ist das Publikum schockiert:
Öl! Nard-Öl! Kostbares, teures Nard-Öl!
Was hat sie damit vor?

Die Frau bricht in Tränen aus.
Sie gießt das Öl, alles davon, auf die Füße von Jesus,
und das Parfüm erfüllt den ganzen Raum.
Man würde diesen Duft sogar genießen – wenn es nicht so eine heikle Situation wäre.

Die Männer aus der Stadt wissen immer noch nicht, was sie davon halten sollen.
Hat Simon das jetzt organisiert oder nicht? Oder war es vielleicht Jesus?

Egal, die Frau … die Frau gießt das Öl auf die Füße von Jesus,
und ihre Tränen mischen sich mit dem Öl,
sie küsst seine Füße, wieder und immer wieder,
und dann
sie ist verlegen, sie hat vergessen ein Handtuch mitzubringen.
Sie wollte ihm doch die Füße waschen! Aber jetzt hat sie das Handtuch vergessen!

Egal,
jetzt ist sie hier, jetzt zieht sie‘s durch,
sie macht … sie macht ihr Haar auf
Das gibt‘s doch nicht, sie hat ihr Haar aufgemacht!

Spätestens jetzt hat der Reporter schon 17 Seiten Notizen gemacht,
und Simon, der Gastgeber, ist drauf und dran, sowohl Jesus als auch die Frau rauszuschmeißen,
ein Skandal ist das.
Ein „richtig schöner“ Skandal, wie der Reporter sagen würde.

Sie macht die Haare auf,
und trocknet die Füße von Jesus mit ihren Haaren.
Es ist egal, dass alle Leute zuschauen, sie macht es einfach.

Und an dieser Tat
begreifen alle:
sie hat Jesus lieb.
Das ist das, was sie getrieben hat.
Das ist das, warum sie sich in das Haus geschlichen hat,
warum sie das Öl mitgebracht hat,
warum sie die Blicke der vielen Männer ausgehalten hat,
warum sie zu Jesus hingegangen ist,
warum sie das Öl ausgegossen hat,
warum sie seine Füße küsst, immer noch und immer wieder,
warum sie weint und warum
sie jetzt die Füße – die dreckigen, staubigen Füße von Jesus –
mit ihren Haaren trocken rubbelt.

Der Gastgeber Simon ist total überfordert.
„Was soll das? Weiß Jesus nicht, dass sie eine Prostituierte ist? Warum lässt er das zu?“
Aber er sagt nichts. Er starrt einfach auf eine Traube vor sich auf dem Tisch.

Jetzt ist sie fertig
und steht nur noch da.
Und wartet auf eine Reaktion von Jesus. Sie hat alles getan, was sie tun wollte.
Und ihre Augen fragen Jesus immer noch: „Was soll ich jetzt tun?“
Sie ist bereit, jede Strafe auf sich zu nehmen,
jeden Zorn oder was auch immer,
aber was denkt Jesus von ihr?
Dieser Blick … Jesus sieht sie an. Er verurteilt sie nicht.

Jesus
wendet sich zu dem Pharisäer und sagt:
„Simon, ich muss dir etwas Wichtiges sagen.“

Simon sieht auf und wundert sich. „Ja, Jesus?“

Jesus beginnt zu erzählen:
„Stell dir vor, Simon: ein reicher Mann hat Geld verliehen, an zwei Leute: dem einen hat er 50 Euro gegeben, dem anderen 500 Euro. Und beide können es nicht zurückzahlen. Und weil sie es nicht bezahlen können, ist er großzügig und zerreißt die Schuldscheine, beide. Wer von den beiden wird nun den reichen Mann mehr ehren in seinem Herzen?“

Simon checkt nicht, was das mit der Situation hier zu tun haben soll. Aber Jesus hat ja gesagt, dass es etwas Wichtiges ist. Also antwortet er: „Äh … also … ich vermute mal … der mit den 500 Euro? … Weil ihm mehr Geld erlassen wurde.“

Und ein Lächeln huscht über das Gesicht von Jesus: „Genau richtig. Du hast es kapiert.
Und nun, was die Frau angeht … schau sie dir an. Schau hin, was fällt dir auf?
Du bist doch der Gastgeber.
Warum hast du mir nicht Wasser zum Füße waschen gegeben? Diese Frau hat meine Füße mit ihren Tränen gewaschen.
Warum hast du mir keinen Kuss zur Begrüßung gegeben? Diese Frau hat meine Füße geküsst, wieder und immer wieder.
Warum hast du mir nicht einen Tropfen Öl zur Erfrischung gegeben? Diese Frau hat dieses teure Nardöl für mich dahingegeben.“

Und dann sagt er etwas, was sich wie ein Pfeil in das Herz der Frau gräbt:
„Ihr wurde viel vergeben. Darum liebt sie viel.“
Ihr wurde vergeben?
Ihr wurde vergeben!
Ihr wurde vergeben!

Am liebsten wäre sie Jesus um den Hals gefallen.
Sie ist glücklich. Jesus kennt ihre Geschichte, und er vergiebt.
Und ja, sie liebt Jesus. Sie weiß nicht wohin mit dieser Liebe, aber sie gießt sie einfach aus. Volle Kanne.
Und Jesus freut sich an ihr.
Und das ist alles, was zählt. Jesus freut sich an mir!
Oh Jesus, oh Jesus, ich liebe dich …

Jesus sieht sie immer noch an, und sie schaut zurück. Wenn dieser Moment doch nie aufhören würde. Aber schließlich sagt Jesus: „Meine Tochter, nimm meinen Frieden mit, wenn du nach Hause gehst.“
Und sie versteht das Signal und
erhobenen Hauptes verlässt sie den Raum.
Diesen Abend wird sie nie vergessen.

Das Publikum ist immer noch schockiert.
Der Reporter hat aufgehört zu schreiben,
die Leute aus der Stadt überlegen sich: „Boah! Wenn ich das meinem Nachbarn erzähle!“
Simon denkt sich: „Was?! ‚Ihr wurde vergeben?‘ Das auch noch?! Ist Jesus größenwahnsinnig?“
Und er überlegt hin und her, ob er Jesus und seine Jünger doch noch rauswerfen muss, um seine Ehre zu retten.

Aber Jesus
Jesus fährt einfach fort zu essen, er nimmt sich ein Stück Fleisch
und gibt damit zu verstehen: „Das wars. Es ist alles vorbei, der Vorhang ist gefallen.“
Und langsam kehrt wieder Normalität ein,
alle essen, tuscheln und reden.

Schließlich
geht der Pharisäer zu Jesus und sagt nur diesen einen Satz:

„Du
bist ein besonderer Mann.“

Wer ist Jesus
für dich?

(Nach Lukas 7,36-49)

„Jesus, der Frauen-Held?!“ von Benjamin Pick ist lizenziert Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen.