Das zerbrochene Gefäß

Kintugi - Zerbrochenes wurde wieder heil

Zerbrochen.
Zersplittert in Tausend Einzelteile.
Das lebendige Nass versickert, nur kleine Reste bleiben auf den Scherben und warten darauf, von der Sonne aufgeleckt zu werden.
Warum? Wie kam es dazu? Wie kann es sein, meine Berufung ist doch, Dinge in mich aufzunehmen und an andere zu verteilen? Wie soll das gehen?
Es tut so weh.

Warten.
Man sagt, Gott kommt niemals zu spät. Das mag sein. Wo ist er denn jetzt?
Hätte er das nicht alles verhindern können?
Man sagt, er ist gut, er weiß schon was er tut. Das mag sein. Aber ich sehe keine Güte.
Gott, kannst du nicht Strg+Z drücken?
Es ist, wie es ist.

Erwarten.
In mir keimt Hoffnung.
Gott hat versprochen, immer bei mir zu sein. Er hat versprochen, für mich zu kämpfen.
Ich sehe nichts davon, aber er ist da.
Vielleicht ist es das, was ich lernen soll?

Aufatmen.
Der Schmerz lässt nach.
Ohne dass ich es bemerkt hätte, ist einiges wieder zusammengewachsen, was zusammen gehört.
Als hätte ein Töpfer tatsächlich die Scherben wie Puzzle-Teile wieder zusammengefügt.
Und wenn ich es berühre, merke ich: es hält.
Sogar besser als vorher.
Aber: die Verheißung steht noch aus.

Wie oft bin ich diesen Prozess gegangen.
Wie oft ist Gott mit mir diesen Prozess gegangen.
Ist er schön? Nein. Er ist anstrengend.
Aber vielleicht ist er lebens-notwendig.
Ohne Schmerzen gibt es kein Wachstum.

Meine Narben erzählen von deiner Güte.

“To love at all is to be vulnerable. Love anything and your heart will be wrung and possibly broken. If you want to make sure of keeping it intact you must give it to no one, not even an animal. Wrap it carefully round with hobbies and little luxuries; avoid all entanglements. Lock it up safe in the casket or coffin of your selfishness. But in that casket, safe, dark, motionless, airless, it will change. It will not be broken; it will become unbreakable, impenetrable, irredeemable. To love is to be vulnerable.
― C.S. Lewis: The Four Loves (dt. Was man Liebe nennt)

Lieben – egal auf welche Art – heißt verletzlich sein. Liebe irgend etwas, und es wird dir bestimmt zu Herzen gehen, oder gar das Herz brechen. Wenn du ganz sicher sein willst, daß deinem Herzen nichts zustößt, dann darfst du es nie verschenken, nicht einmal einem Tier. Umgib es sorgfältig mit Hobbies und kleinen Genüssen; meide alle Verwicklungen; verschließe es sicher im Schrein oder Sarg deiner Selbstsucht. Aber in diesem Schrein – sicher, dunkel, reglos, luftlos – verändert es sich. Es bricht nicht; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar. Lieben heißt verletzlich sein.

(Photo: Kintugi von Haragayato CC BY-SA 4.0 )

Ein Gedanke zu „Das zerbrochene Gefäß

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