Junge Liebe

(Englische Version)

Ich bin jetzt seit 9 Monaten verheiratet – und darum identifiziere ich mich mit dem, wie es Josef hier geht (Matthäus 1,19). Mein Herz sehnt sich, meine Braut zu lieben. Jedoch ist es unmöglich, sie aus meiner eigenen Kraft ordentlich zu lieben. Meine guten Vorsätze sind nicht genug.

Nur wenn meine Liebe zu Jesus größer ist als meine Liebe zu ihr, fühlt sie sich wirklich geliebt. Nur wenn ich sie als Geschenk Gottes an mich annehme, kann ich auch ein Geschenk von Gott für sie sein.

Ich will tiefer lernen, was es bedeutet, gut zu leiten. Leiten bedeutet Dienen. Und Dienen ist nur möglich, indem ich Jesus anschaue, was er tut. Vater – bitte lehre mich zu lieben.

(Standbilder von „Die Boten“, Weihnachts-Spezial von Staffel 2 von The Chosen, 04:47-06:50) – bisher nur mit deutschen Untertiteln

Young Love

(Deutsche Version)


I have been married for 9 months now … so, I can totally identify with the situation that Joseph was in (Matthew 1:19). My heart is aching to love my bride well. However, it is not possible to love her well out of my own strength. My good intentions are not enough.

It’s only when my love to Jesus is greater than my love to her, that she feels truly loved. It’s only when I receive her as a gift from God to me that I can be a gift from God to her.

I want to learn deeper what it means to lead her well. Leading is serving. Serving is only possible by looking at Jesus and doing what he tells me. Father – please teach me how to love.

(Stills from „The Messager“, Special Christmas Episode from Season 2 of The Chosen, 04:47-06:50)

Trost für Jerusalem

Predigt vom 03.04.2022 im Jesus-Haus, Herrnhut:

Benjamin Pick: Trost für Jerusalem (03.04.2022)

Mein geliebtes Jerusalem!
Ob du es hören willst oder nicht:
du bist schön.
Ich habe einen neuen Namen für dich:

Man hat dich „Verlassen“ genannt. → Ich nenne dich: „Geliebt“.
Man hat dich „Wüste“ genannt. → Ich nenne dich: „Bewässertes Land.“

Ja, ich heirate dich.
Ja, ich freue mich an dir!
Du wirst funkeln wie eine Krone.
Dein Licht wird strahlen zu allen Menschen.
Ich weiß, es ist ungerecht –
Fremde essen die Ernte auf, die du gesät hast
Fremde trinken den Wein, für den du gearbeitet hast
Aber das wird nicht so bleiben.
Halte durch. Ich schaffe Gerechtigkeit. Vertraue mir.
Du denkst, du wurdest von allen verlassen.
Nicht von mir. Ich werde dich retten.
Und alle Welt wird es sehen:

Das ist mein Volk. Das ist meine Stadt.

Man wird nach dir fragen:
Wo ist dieses Jerusalem, von dem wir schon so viel Gutes gehört haben?
Ob du es hören willst oder nicht:
du bist schön.
Die schönste Belohnung für mich
bist Du.

(Nach Jesaja 62)

Gewaltfrei kommunizieren

Kommunikation ist so wichtig. Marshall Rosenberg betont: das Wertvollste, was wir einander zu geben haben, sind wir selbst – mit allem, was uns beschäftigt.

In der Praxis läuft Kommunikation oft schief – der Eine sagt etwas, und der Andere hört etwas, und beide fühlen sich missverstanden. Dann ist es gut, wenn man einmal tief durchatmet und Schritt für Schritt vorgeht – denn oft vermischen wir in unserer Aufregung verschiedene Ebenen von dem, was wir mitteilen wollen:

  • Was ist passiert? Auf was beziehen wir uns?
  • Was fühlen wir dabei?
  • Warum ist uns das so wichtig? Welches Bedürfnis steht hinter diesen Gefühlen?
  • Worum bitten wir die andere Person?

Gerade für Hochsensible sind emotionale oder kognitive Zusammenhänge „offensichtlich“ sind, obwohl sie der Andere gar nicht offensichtlich findet. Darum finde ich es hilfreich, eine Methode vorzustellen, wie man hier Schritt für Schritt vorgehen kann.

Dafür habe ich ein neues Arbeitsblatt erstellt:

Arbeitsblatt 5: Selbstoffenbarung in vier Schritten (GFK)

Kommunikation kann man üben … Gerade in Konfliktgesprächen ist es wichtig, seine eigene Position darstellen zu können, ohne die andere Person damit zu bedrohen.

Download (PDF)

Impulse zur Erläuterung bzw. Vertiefung:

Mehr Arbeitsblätter…

Welche Person in der Bibel ist dir ein besonderes Vorbild? Warum? (Frage 6)

Frage 6: Welche Person in der Bibel ist dir ein besonderes Vorbild? Warum?

(Ich habe 25 christliche Hochsensible befragt … mehr Allgemeines über die Umfrage)

Die Umfrage-Teilnehmer nennen am häufigsten David genannt (4x), außerdem werden jeweils 2x genannt: Barnabas, Johannes der Jünger, Nehemia, und Ruth.

In den Erläuterungen werden oft Eigenschaften genannt, die mit Hochsensibilität in Verbindung stehen, manche Charaktere werden explizit hochsensibel genannt. Es fällt auf, dass gerade der Mut (9x) und die Demut (5x) dieser Personen fasziniert beschrieben werden. Demut wird dabei fast immer (4 von 5) gleichzeitg mit Mut erwähnt.

Beispiel-Antworten (anonymisiert):

Abigajil: Sie ist mutig, dienend, loyal, prophetisch, leitend und doch demütig.

Barnabas, der „Sohn des Trostes“, also ein guter Tröster – und ein guter Begleiter und Ausbilder von Johannes Markus.

David. Er hat vielen Begabungen und setzt sie auch ein. Er ist hochsensibel, kreativ, macht Fehler, steht dazu. Er ist stark, durchsetzungsfähig, reflektiert. Er nimmt die Herausforderung an, die Gott ihm zumutet (König zu sein) und bleibt Gott treu.

Ich liebe Maria, die zu Jesu Füßen sitzt. Da ist eine große Nähe da und sie verhält sich frei von den Umständen, auf die sie doch sofort anspringen könnte und sich um die Gäste kümmern könnte.

Nathan, der mit David über seine Schuld sprach. Er hat diese außerordentlich schwierige Situation in aller Stille mit Weisheit gelöst.

Wenn ich Nehemia lese, berührt mich sein Weitblick, seine Emotionalität und sein detailliertes Berichten – das alles atmet geradezu Hochsensibilität.

Mein Kommentar:

Wir Menschen brauchen Vorbilder. Und gerade historische Personen, die gewisse Ähnlichkeiten zu uns selbst haben, können dabei helfen – zum Beispiel ähnlich in ihrer Persönlichkeit oder ihrer Berufung.

Seminar-Teilnehmer oder Freunde fragen mich manchmal, welche Personen in der Bibel hochsensibel waren. Das ist eine schwierige Frage – nicht nur deswegen, weil es das Konzept „Hochsensibilität“ damals noch nicht so richtig gab. Bei den griechischen Philosophen gab es erste Persönlichkeits-Typologien, aber der normale Mensch wird sich sicher nicht viel Gedanken über solche Themen gemacht haben. Die Bibel ist andere Literatur als heutige Romane, sie beschreibt das Innenleben der erzählten Personen kaum – sondern hauptsächlich das Verhalten, in manchen Fällen auch die Gefühle, aber die persönliche Motivation und die dahinterstehende Persönlichkeit können wir meistens nur indirekt erschließen.

Darum habe ich die Frage etwas offener gestellt – man kann ja auch Personen als Vorbild haben, die vielleicht nicht hochsensibel sind. Spannend fand ich gerade die Begründungen, warum jemand eine bestimmte Person (oder mehrere) ausgewählt hat. Dass gerade Mut am Häufigsten beschrieben wird, könnte die Sehnsucht vieler Hochsensibler widerspiegeln, mutiger aufzutreten und kühner das zu tun, was ihnen wichtig ist. Bei diesem Mut geht es nicht darum, beliebige Risiken einzugehen – sondern Mut, der von Demut gekennzeichnet ist, zeugt von emotionaler Reife und tiefer Weisheit. Ich ermutige Hochsensible z.B. gerne (gerade wenn sie perfektionistische Tendenzen zeigen), sich nicht zu verzetteln und sich ihre Kämpfe gut auszusuchen.

Fragen zur selbstreflektion

  • Welche Personen sind dir ein Vorbild? Warum?
  • In welchem Bereich deines Lebens wünscht du dir mehr Vorbilder?
  • Bei welchen Personen in der Bibel hast du das Gefühl, dass sie hochsensibel sein könnten?
  • Wie würde ich (De)Mut beschreiben? Wann habe ich mich (de)mutig verhalten?

In welchen Aspekten/Erfahrungen hat es dir in deinem Glauben geholfen zu wissen, dass du hochsensibel bist? (Frage 9)

Frage 9: In welchen Aspekten/Erfahrungen hat es dir in deinem Glauben geholfen zu wissen, dass du hochsensibel bist?

(Ich habe 25 christliche Hochsensible befragt … mehr Allgemeines über die Umfrage)

4 Teilnehmer erklären, dass ihr Glaube ihnen geholfen hat, sich selbst so anzunehmen wie sie sind – weil Gott sie ja auch so liebt, wie sie sind. 2 weitere Teilnehmer sagen, dass ihnen der Glaube hilft, ihren Perfektionismus (zu dem sie aufgrund ihrer kognitiven Hochsensibilität tendieren) zu begrenzen.

2 Teilnehmer erwähnen, dass es ihnen schwer fällt, ihre Empfindungen aufgrund der Hochsensibilität von ihren geistlichen Empfindungen / prophetischen Eindrücken zu trennen (dazu empfehle ich übrigens einen interessanten Vortrag von Johannes Hartl). Eine solche Unterscheidung (ist dieser Eindruck von mir oder von Gott?) ist auch auf emotionaler Ebene wichtig. Durch den Glauben können sie besser einschätzen, was ihre eigenen Gefühle sind und was sie empathisch in anderen wahrnehmen, und was also ihre Rolle oder Verantwortung in dieser Situation ist.

2 weitere Teilnehmer erläutern, dass ihnen das Wissen um diese Gabe schon in einigen seelsorgerlichen Gesprächen geholfen hat.

Bei der Beantwortung dieser Frage scheint besonders viel Unsicherheit zu existieren. 2 Teilnehmer antworten, dass sie die Frage nicht verstehen; 2 Teilnehmer sagen, dass Hochsensibilität nichts mit ihrem Glauben zu tun haben, und ein weiterer Teilnehmer antwortet mit „dazu kann ich nichts sagen“.

Beispiel-Antworten (anonymisiert):

Gott liebt mich so wie ich bin. Er fordert mich heraus, ohne mich zu überfordern und gibt mir Frieden.

Ich habe mich selber plötzlich ganz anders verstanden. Dabei lerne ich immer mehr zu unterscheiden was meine eigene Emotion/Glaube und was die Emotion/der Glaube der anderen oder einer ganzen Gruppe ist. Dann zu schauen und mutig zu handeln / andere damit zu ehren/segnen lerne ich immer mehr.

Ich kann dem Glauben eine tiefe Logik abgewinnen, auch wenn er für „normales“ menschliches Denken nicht immer logisch erscheint. Wenn ich predige, bekomme ich oft die Rückmeldung, dass da „viel drinstecke“.

Meine hohen Anforderungen an mich selbst zu relativieren.

Wenn mir etwas nicht differenziert genug beschrieben wird, zu wissen, dass meine tiefere Sicht möglicherweise genau richtig ist und ich mich nicht irritieren lassen muss. Gleichzeitig aber auch meine eigenen Gedanken und oft intensiven Gefühle nicht zu ernst zu nehmen.

Mein Kommentar:

Glaube ist keine Privatsache. Der Glaube und die Weltanschauung einer Person prägt sein gesamtes Leben: seine Werte, seine Wahrnehmung und seine Einstellung, und damit auch sein Verhalten. Darum hat mich in dieser Frage interessiert, inwiefern Hochsensibilität auch für das Glaubensleben als relevant erkannt wird.

An den Antworten erkenne ich aber auch, dass die Frage nicht ganz eindeutig gestellt war: geht es um den Einfluss der Hochsensibilität auf den Glauben oder umgekehrt? Tatsächlich haben mich beide Richtungen interessiert, aber das hätte ich deutlicher formulieren müssen.

Am Beispiel-Thema „Perfektionismus“ lässt sich dieses Zusammenspiel zwischen Hochsensibilität und Glauben gut erläutern:

  • Weil ich hochsensibel bin, tendiere ich zu Perfektionismus.
  • Weil ich von Gott geliebt bin, kann ich mich auch mit diesem Persönlichkeits-Aspekt annehmen.
  • Und weil ich akzeptiere, dass ich manchmal perfektionistische Gedanken / Gefühle habe, kann ich diese relativieren und besser einordnen.

Insgesamt wird deutlich, dass der Wissen um die eigene Hochsensibilität die Einstellungen zu sich selbst verändert. Und wenn ich mich selbst annehmen und verstehen kann, hilft das auch, anderen zuzuhören und zu dienen.

Fragen zur selbstreflektion

  • Inwiefern hängt mein Glaube und meine Hochsensibilität zusammen?
  • Wenn ich an den Prozess denke, als ich entdeckt habe, dass ich hochsensibel bin … Hat dies auch meinen Glauben verändert? (Oder umgekehrt: Hat der Prozess, Gott mehr kennenzulernen, auch mein Selbstbild als hochsensible Person verändert?)
  • Mag Gott mich? Mag ich mich?

Um was es bei Ehe geht / Wie buchstabiert man Liebe? (Timothy Keller)

Seit kurzem bin ich verheiratet. Aber schon viele Jahre vorher fing ich an, Ehebücher zu lesen – klingt verrückt? Fand ich zumindest damals, als ich ein Buch rezensieren sollte – und erst bei Ankunft des Buches realisierte, dass es um Ehe geht. Warum soll ich als Single, der noch gar nicht ernsthaft nach einer Beziehung suchte, mich damit beschäftigen? Aber als ich dann anfing, es zu lesen, veränderte es meine Vorstellung davon, wie eine gute Ehe aussieht, und warum es sich lohnt, dafür Zeit und Energie zu investieren.

Dieses Buch sagt sogar im Vorwort, dass es explizit für Singles geschrieben ist – Timothy Keller war Pastor einer Gemeinde, die größtenteils Singles hatte, und hatte dort eine Predigtreihe über Ehe gehalten. Ich liebe dieses Buch, so sehr, dass ich es gleich mehrmals hintereinander gelesen habe. Wenn du nur ein Buch über Ehe lesen möchtest, nimm dieses.

Keller konfrontiert Vorurteile über Ehe mit gesellschaftlichen Studien, mit biblischen Überlegungen und bringt praktische Beispiele dazu. Genial! Und vor allem: er zeichnet ein brutal realistisches, und gleichzeitig anziehendes Bild, um was es bei Ehe geht.

Zum Beispiel:

Wenn zwei Ehepartner einen Tag miteinander verbringen, kann sich die Frage, wer das Vergnügen bekommt und wer nachgibt, alle paar Minuten stellen. Und dann gibt es 3 Möglichkeiten:
– Du kannst dem Anderen mit Freude deinen Dienst anbieten
– Du kannst dieses Angebot kaltherzig oder mit Widerwillen machen
– Oder du kannst selbstsüchtig auf das bestehen, was du willst.
Nur dann, wenn beide Partner häufig auf die erste Art darauf reagieren, kann die Ehe aufblühen. Aber wie schwer das ist!

Im Original: If two spouses are spending a day together, the question of who gets each’s pleasure and who gives in can present itself every few minutes. And when it does, there are 3 possibilities: You can offer to serve the other with joy, you can make the offer with coldness or resentment, or you can selfishly insist on your own way. Only when both partners are regularly responding to one another in the first way can the marriage thrive. But how hard that is! (Timothy Keller, The Meaning of Marriage, p. 54)

Was ich von dem Buch vor allem gelernt habe: bei Liebe geht es wirklich um mein ganzes Leben. Es klingt echt anstrengend – aber es lohnt sich total.

In dem ganzen Prozess, in dem meine Beziehung zu Lydia gewachsen ist, und auch jetzt, waren die Worte dieses und anderer Ehe-Bücher wichtige Impulse, die meine Vorstellungskraft geprägt haben: wie ist Liebe, konkret ausbuchstabiert? Wie kann ich liebevoll reagieren, wenn ich eine Antwort höre, die nicht dem entspricht was ich mir wünsche? Wie kann ich eine geduldige und dienende Haltung leben? Etc.

Jemand sagte: „Schreibe deine Liebesgeschichte so, dass du sie deinen Enkeln erzählen willst.“ Lydia und ich erzählen unsere Liebesgeschichte sehr gerne! Sie war nicht perfekt, aber immer wieder ist Gottes Liebe und Gnade in unserer Beziehung deutlich sichtbar geworden.

Nach unserer Hochzeit fragte uns einmal ein Single: „Was ist das Schönste daran, verheiratet zu sein?“ Und meine Antwort war: Dass wir einander Gnade geben können, immer und immer wieder. Wir kommen immer wieder an unsere Grenzen – z.B. an die Grenzen unserer Kraft, ich bin schusselig und etwas geht kaputt, oder ich spüre dass meine Persönlichkeit ihr gerade auf die Nerven geht. Jetzt, da man so eng zusammen lebt, spürt man noch deutlicher, wo man noch so seine Baustellen hat … Und dann ist es so befreiend zu erleben, dass Lydia mir immer wieder vergibt und die Freiheit gibt, ich selbst zu sein. Das macht mutig, mich selbst als wertvoll zu behandeln. Und das alles ist nur möglich, weil wir beide aus der unendlichen Gnade Gottes schöpfen. Irgendwie hört er wirklich nie auf, uns zu lieben. Und mit dieser bedingungslosen Liebe wollen wir lernen, einander zu lieben.

Gottes Botschaften an Hochsensible

Ich finde es gut und wichtig, von psychologischen Erkenntnissen zu lernen, aber auch, sie kritisch zu reflektieren. Vieles in der heutigen psychologische Forschung ist stark humanistisch geprägt, das bedeutet: der Mensch steht im Mittelpunkt. Klingt erstmal ganz gut, aber …

Du schaffst das!

Humanistische Psychologie hat die Botschaft: „Wenn du nur genug übst, kannst du es schaffen. Du kannst dein Leben verbessern.“ Das klingt ermutigend und gut, kann aber auch diejenigen verzweifeln lassen, die schon jahrzehntelang versuchen, ihre Lebensqualität irgendwie zu verbessern. Diese Botschaft gibt es übrigens auch in „christlicher“ Sprache: „Wenn du nur genug glaubst, würde dich dieses Problem nicht mehr plagen. Du kannst perfekt werden, und da, wo du es noch nicht bist, musst/darfst du noch mehr Glauben lernen.“ Für meine Ohren klingt das nach Leistungsdruck, Manipulation und letztlich bring es Heuchler hervor, die ihre Schwächen unter den Teppich kehren müssen. Selbstoptimierung ist nur sehr begrenzt möglich.

Du bist wertvoll!Christliche Psychologie (die als Grundlage ein Menschenbild verwendet, das von der Bibel geprägt wird), dagegen drückt aus: „Der Retter ist Jesus, nicht du selbst. Er hat dich erkauft, ohne seine Hilfe bist du aufgeschmissen.“ Im Zentrum der Überlegungen steht hier nicht der Mensch und seine Fähigkeiten, sondern Jesus, und wir in der Beziehung zu ihm. Der Mensch ist wertvoll, weil Gott ihm diesen Wert zuspricht – egal was dieser Mensch kann und macht. Beziehungen und Begegnungen sind wertvoll, weil Gemeinschaft auf Gottes Herzen liegt und wir dadurch das einüben, was bei ihm ganz normal ist. Angelehnt an Martin Buber („Der Mensch wird am Du zum Ich“): ohne die Initiative und das göttliche Gegenüber könnte der Mensch gar nicht leben und erleben, wer er selbst ist. Manchmal, so habe ich das Gefühl, führt Gott uns sogar bewusst in Situationen, die ohne ihn unmöglich zu bewältigen sind. Humanistisch macht das keinen Sinn. In seiner Beziehungslogik schon: so lernen wir, seine Hilfe anzunehmen.

Was sagt Gott besonders zu hochsensiblen Menschen?

Oder: Welche christliche Botschaften sind für hochsensible Menschen besonders wichtig?

Hier eine Liste, was ich darüber bereits gelernt habe:

  1.  „Gott hat dich wunderbar gemacht.“ Weil Gott dich so akzeptiert wie du bist, kannst auch du das akzeptieren, was in dir ist. Diese Grundbotschaft vermittle ich in meinen Seminaren implizit – indem ich praktische Beispiele erzähle, wie ich mit mir selbst und mit anderen umgehe.
  2. „Gott hat die Menschen mit vielfältigen Gaben ausgestattet. Deine Gabe ist wichtig.“ Es ist gut, wenn hochsensible Menschen solche wertschätzenden Worte immer wieder hören. Die vielfältigen Gaben sind so wichtig: ein Gimli und ein Legolas brauchen einander!
  3. „Das schwächere Gefäß ist besonders wertvoll.“ In der Bibel bekommen die Kleinen, Armen, Traurigen, Hilfsbedürftigen, … Gottes besondere Aufmerksamkeit und Zuneigung. Gott beschützt sie. Ich finde diese Botschaft für Hochsensible besonders relevant, weil sie oft mit Selbstzweifeln kämpfen, wenn sie nicht die gleiche „Leistung“ wie „normale“ Menschen bringen können. Dabei können gerade sie ganz besondere Dinge hervorbringen … z.B. Warum Hochsensible gut mit Krisen umgehen können
  4. „Gott trocknet deine Tränen ab.“ Es ist Gottes Herzensanliegen, die Wunden der Vergangenheit zu heilen. Inmitten von Krisen und schwierigen Zeiten hilft mir das, seine Hoffnung für mein Leben wahrzunehmen. Wer zerbrochen ist, kann sein Erbarmen noch tiefer erleben – und weitergeben (2. Korinther 1,4).
  5.  „Vergebung ebnet den Weg zur Veränderung.“ Versöhnung braucht die Bereitschaft von beiden Beteiligten, aber Vergebung ist immer wieder eine individuelle Entscheidung. Nämlich die Entscheidung zu vertrauen: „Ich lasse das Grummeln in mir los. Das Endergebnis liegt nicht in meiner Hand, sondern in Gottes Hand.“ Und so hat man seine Hände wieder offen für Neues. (Soll man vergeben oder konfrontieren? Erst vergeben, dann konfrontieren. Dann geht es dir beim Konfrontieren nämlich nicht mehr um „Ich habe Recht, sieh das doch endlich ein!“, sondern dann kann man mutig und neugierig austauschen, welche Gefühle und Bedürfnisse sich hinter dem Konflikt versteckt haben.)

Diese Liste ist sicher unvollständig … schreibt mir gerne eure Gedanken dazu! 😉

Wie kann man Hochsensibilität als Gabe in der Gemeinde einsetzen? (Auswertung Umfrage, Frage 10)

Wie kann man sich selbst dazu überreden, ein Projekt anzufangen, das man schon monatelang eigentlich anfangen wollte – wie zum Beispiel die Auswertung meiner Umfrage? Nun, indem man es einfach tut. Am Besten sucht man sich eine kleine Teil-Aufgabe aus, die einen gerade anspricht weil sie eher einfach oder persönlich interessant ist.

Also gut. Auch wenn es gegen mein Perfektionismus geht (ich will doch erstmal alles optimal fertig haben) – ich werde die Umfrage nach und nach auswerten, Schritt für Schritt, das ist besser als gar nicht. Und ich fange mittendrin an:

Frage 10: Wie nutzt du deine Gabe Hochsensibilität, um Gott und der Gemeinde zu dienen?

(Ich habe 25 christliche Hochsensible befragt … mehr Allgemeines über die Umfrage)

3 Teilnehmer schreiben, dass sie ihre Hochsensibilität bisher noch nicht in der Gemeinde einsetzen, und 2 weitere, dass sie aktuell nicht wissen wie sie dies tun können. Die übrigen Teilnehmer nennen vor allem: Fürbitte, Ermutigung, Seelsorge, Zuhören/Gesprächsführung, und Kreativität.

Beispiel-Antworten (anonymisiert):

Vorrangig, um zwischenmenschliche Probleme innerhalb der Gemeinde zu lösen und zu vermitteln. Also die Einheit zu stärken (Hirtenamt).

Ich bin im Gebetsteam und bete für Menschen nach dem Gottesdienst. Gott dienen findet nicht nur in der Gemeinde statt. Ich habe viele andere Gelegenheiten im Alltag, wo ich Gott dienen kann und „einfach da“ bin für jemanden, ihm ein ermutigendes Wort zuspreche…

In Team-Sitzungen ist es hilfreich, den einen dem anderen zu erklären (was er eigentlich damit ausdrücken will). Zu spüren, aus welcher Motivation/Geist heraus jemand etwas sagt/fühlt/denkt. Die Grundsituation und Stimmung der Gemeinde einzufangen um es der Gemeindeleitung weitergeben zu können. Und anders herum.

Ich habe einen Dienst in der Gemeinde (Büchertisch), der jedoch eher unabhängig von meiner Hochsensibilität ist. Dennoch glaube ich doch, dass diese meine Auswahl der Bücher beeinflusst.

Eigentlich nicht. Im Blick auf die Gemeinde funktioniere ich eher und tue alles, was anfällt.

Mein Kommentar

Hochsensible haben „echt was zu geben“ … Natürlich alle anderen auch. Aber was ich meine ist: Hochsensible müssen nicht erst „weniger sensibel“ werden, bevor sie etwas zu geben haben. Die Hochsensibilität selbst kann eine Gabe sein, die anderen dient. Aber wie?

Durch ihre tiefe Verarbeitung von allem, was sie hören und sehen, können sie z.B. oft:

  • wahrnehmen, was benötigt wird
  • behutsam kommunizieren
  • andere ermutigen
  • Brücken schlagen
  • den Weg in die Tiefe ebnen

Diese Aspekte ihrer Hochsensibilität und viele anderen können in vielen verschiedenen Bereichen eingebracht werden! Und sie können anderen (der Gemeinde, Freunden, etc.) total helfen.

Für mich stellt sich vor allem die Frage: wie kann ich gerade den Menschen helfen, die noch nicht wissen wie sie das tun können? Ich würde anfangen, mit ihnen zu entdecken:

  • Was ist deine Gabe, was kannst du gut (z.B. ermutigen)?
  • In welchem Kontext kannst du diese Gabe einsetzen (z.B. Gemeindecafé, Freunde, …)?
  • Freut sich Gott darüber, was ist ihm wichtig? Welche Leidenschaft hat er in dein Herz gelegt?

Oft ist in diesem Entdeckungsprozess auch eine Veränderung im Selbstbild notwendig („Meine Gabe ist wichtig für andere, weil …“). In meinen Seminaren stelle ich fest, dass dabei oft praktische Beispiele und persönliche Vorbilder weiterhelfen.

Fragen zur selbstreflektion

  • Was sind meine Stärken?
  • Wo setze ich diese Stärken bereits ein?
  • Was benötige ich, um diese Gabe bewusst einsetzen zu können?
  • Wer könnte mir dabei helfen, die ersten Schritte zu gehen?

Wenn du möchtest, schreibe mir gerne, was dich in diesem Prozess besonders beschäftigt!