Hochsensibilität kurz vorgestellt

Vor einiger Zeit wurde ich vom Veranstalter „Christliche Gästehäuser Monbachtal“ für ihr Magazin befragt. Der Leiter Armin Jans stellte mir dabei folgende Fragen:

  • Du machst nun schon zusammen mit Esther Münch
    das dritte Jahr im Monbachtal eine Informations-
    und Einkehrwoche für hochsensible Menschen.
    Wie bist Du in Berührung gekommen mit dem
    Thema „Hochsensibilität“?
  • Warum war das Thema in unserer Gesellschaft so
    lange „unter der Decke“?
  • Welche besonderen Chancen haben Menschen,
    die hochsensibel sind?
  • Worauf sollten Menschen achten, die täglich mit
    Hochsensiblen zu tun haben?

Neugierig? Hier ist das PDF:

2020 musste das Seminar leider aufgrund der Corona-Bestimmungen ausfallen – wir hoffen, dass es 2021 möglich sein wird:

7.-10. Juni 2021 – Sensibilität als Stärke erleben: Informations- und Einkehrtage im Monbachtal (Nähe Stuttgart) mit Esther Münch

Geschlachtet, für uns

toter vogelVor tausenden von Jahren macht Gott einem Menschen ein Versprechen. Ein riesiges Versprechen. Er sagte: „Siehst du die Sterne am Himmel? Zähl sie mal. So viele Kinder deiner Kinder und Kinder deren Kinder … werde ich dir schenken. Und ein Land, in dem sie alle wohnen.“ Es gab nur ein kleines Problem: dieser Mensch war schon über 80 Jahre alt, und seine Frau nicht viel jünger. Wie soll das gehen? Konnte er Gott vertrauen? Er war sich nicht sicher. Also fragte er nach: „Gott, wie kann ich wissen, dass das wirklich das ist, was du vorhast?“

Erstaunlicherweise war Gott nicht beleidigt über diese Frage. Er antworte: „Bereite alles vor. Ich will einen Bund mit dir schließen.“ Abraham wusste, was er meinte. Und so brachte er die Tiere, schlachtete sie, und legte sie auf dem Boden, so wie man einen solchen Bund in seiner Zeit eben schloss: die Hälfte der Kuh links, die andere Hälfte rechts. Die Hälfte der Ziege links, die andere Hälfte rechts. Die Hälfte des Schafbocks links, die andere rechts. Die Vögel aber zerteilte er nicht, das macht man nicht. Als er fertig war mit den Vorbereitungen schauerte es ihm: als Nächstes kam der Schwur. Die beiden, die den Bund schließen, gehen durch die Tierhälften hindurch – erst der Stärkere, dann der Schwächere – und versprechen damit jeder dem Anderen: „Wenn ich mein Versprechen nicht einhalte, dann gehe es mir so wie diesen Tieren.“

Plötzlich fiel Abraham ein: „Moment! Gott hat ja gar keinen Körper, wie soll er denn da durch gehen, geht das überhaupt?“ Keine Ahnung. Gott ist jedenfalls zuerst dran, der stärkere Bündnispartner zuerst. Abraham wartete einfach, was als Nächstes passierte. Und als Nächstes passierte … nichts. Stundenlang.

Der Abend kam. Die Raubvögel hatten die Tierleichen schon entdeckt, und so rannte Abraham hin und her, um sie zu verscheuchen. Schließlich, als die Sonne untergegangen war, schlief er erschöpft ein. Einfach so, auf dem Boden. Angst überfiel ihn. Was hatte er falsch gemacht? Hatte er Gott falsch verstanden? Er träumte unruhig, und plötzlich sprach Gott zu ihm … und er sah die geschlachteten Tiere wieder. Und da, ein Feuer ging durch die Hälften hindurch, nein zwei Feuer: ein großes wie ein Ofen, und ein kleineres wie eine Fackel. Er spürte: das muss Gott sein. Also wollte er aufstehen und selbst ebenfalls durch die Hälften hindurchgehen, aber – es ging nicht. Er konnte sich nicht bewegen. Wahrscheinlich träumte er noch.

Und da fiel ihm auf: Gott ist ja zweimal hindurch gegangen! Einmal sagte er: „Ich werde mein Versprechen einhalten. Ganz sicher.“ Und das zweite Mal sagte er: „Ich gehe für dich da durch. Selbst wenn du dein Versprechen nicht einhälst, werde ich für dich sterben.“

Echte Liebe schrickt vor nichts zurück. Selbst vor dem Tod.

(Nach 1. Mose 15)

Photo by Chris Slupski on Unsplash

Gott wirbt um dein Vertrauen

Was ist Vertrauen?
(In der Theorie ganz einfach: Eine Person mach der anderen Person ein Versprechen – und die andere Person entscheidet sich zu vertrauen, dass die erste Person ihr Versprechen wahr machen wird.)

Und vor allem: Wie lernt man vertrauen?
(Tipp: Indem man es tut.)

Text: Ausschnitte aus Hebräer 10-12

Vertrauen: Ein Versprechen wird gegeben, die andere Person kann sich entscheiden zu vertrauen

Auf YouTube (41min – du kannst an den Anfang zurück spulen wenn du noch ein bisschen Lobpreis mitbekommen möchtest…):

 

Dazu passt dieses Lied prima:

God Math

More? God math is different than human math.

Human math is with finite numbers: If I have 10 Haribo bears, and I give away 6, then only 4 are left for me. God math is infinite: If God has infinite sweets, and he gives you 600 Haribo bears, he still has infinite Haribo left!

That’s why there is always more. And not only more for ourselves.

Our live is a vessel. We receive so much grace from above, but we can only handle a certain amount. All the rest gets „spilled“ to the ground. (And I mean „spilled“ in quotes, because: God doesn’t care. He’s generous anyway.) But then, how can we increase our „grace capacity“?

Now another wondrous God math operator kicks in. Actually, only by giving away what you have. If you hold on to the many gifts God gives you, and you are very careful to not „spill“ it anywhere – well, it will die inside of you. Maybe it will even get moldy. Instead: Receive the goodness – then pass it on. Receive, pass it on. Receive, pass it on. And then you realize: huh, somehow this fun! (Because you are made for it.) So you share generously, because he is generous to you. And without you even realizing at first, your vessel capacity is expanding. Your gifts are sharpening, and your heart is more and more capable to love.

Come, Holy Spirit, come. Transform our lives. Make our hearts responsive to your self-giving love. Not only for our sake – we need it – but also for the world around us.

More!

Photo by Zac Harris

Erde an Gott: Wozu soll ich warten?

Warten. Immer noch warten. Ein Schritt nach vorne, und wieder: warten. Im Alltag ertragen wir solche Warte-Situationen als wohl notwendiges Übel: wenn ich etwas kaufen will, muss ich mich anstellen. Wenn ich mit dem Chef sprechen will, muss ich ein Termin ausmachen. Aber auf Gott warten … (stöhn) … wozu? Gibt es nicht irgendeine Möglichkeit, jetzt sofort … du kannst doch was machen? Und so sind wir mindestens irritiert, manchmal richtig wütend, dass Gott uns Situationen zumutet, in denen wir warten müssen.

Wozu musste Israel, nachdem Gott sie aus Ägypten gerettet hat, so viele Jahre in der Wüste verbringen, bevor sie ins verheißene Land einziehen durften? Gott antwortet diese Anfrage so:

Als der Pharao das Volk endlich ziehen ließ, führte Gott sie nicht am Mittelmeer entlang und durch das Land der Philister, obwohl das der kürzeste Weg gewesen wäre. Gott dachte: »Wenn das Volk dort auf Widerstand stößt und kämpfen muss, ändert es seine Meinung und kehrt wieder nach Ägypten zurück.« (2. Mose 13,17)

Die äußere Situation hatte sich geändert: Israel war nicht mehr versklavt. Aber das Herz der Israeliten war noch nicht so, dass sie das Land verwalten könnten. Sie erhielten eine Verheißung, aber bis diese wahr wurde, mussten sie – warten.

Und so geht es auch uns immer wieder: Wir bekommen ein Versprechen, eine Berufung, einen verheißungsvollen Anfang. Wie ein Same, der in den Boden gepflanzt wird. Aber dann scheint erst einmal eine lange Zeit nichts zu passieren. Wächst der Same, oder ist er tot? Wir können das Wachstum in unserem Herzen nicht messen, nicht quantifizieren. Erst viel später wird man die Früchte sehen.

Warten ist notwendig, weil Wachstum Zeit braucht.

Warten fordert unser Vertrauen, dass sich das Warten am Ende lohnen wird.

Warten offenbart unsere tiefen Herzensmotive, das, was uns wichtig ist.

Und im Warten verändert Gott uns. (Römer 5,3-5)

Jedes Mal, wenn wir uns entscheiden, ihm zu vertrauen, passiert etwas. (Jesaja 55,10-11)

Mit dem Mut, mit dem er uns ermutigt, werden wir auch anderen neuen Mut machen können. (2. Korinther 1,4)

Unsere Aufgabe während dem Warten ist einfach nur: nahe an Ihm zu bleiben. (Johannes 15,5)

Wenn also Gott entscheidet, dass ich warten muss, dann möchte ich die Güte in dieser Entscheidung entdecken. Das Warten vertieft meine Beziehung mit meinem guten Hirten: er weiß, wonach ich mich sehne, und er wird mich mit allem versorgen, was ich brauche. Er kennt alle Details. Er hat den Überblick. Und er meint es wirklich, wirklich gut mit mir.

Vielleicht werde ich im Nachhinein erahnen, wozu das Warten war. Vielleicht auch nicht. Aber es wird sich gelohnt haben.

(Dass es wichtig für einen reifen Menschen, warten zu können, sagt übrigens auch die Psychologie, siehe Frustrationstoleranz und delayed gratification/Belohnungsaufschub)

Photo von Caleb Lucas auf Unsplash

 

Musik-Video: Ein Weg durch die Wüste

Mein erstes Musik-Video 😉

(Audio-Version unten)

Psalm 138, 7:
„Selbst wenn man mich schwer bedrängt, belebst du mich. Du nimmst mich in Schutz vor der Wut meiner Feinde, deine mächtige Hand wird mich retten.“

Selbst wenn man mich schwer bedrängt, wirst du neue Kraft geben
Selbst wenn man mich schwer bedrängt, belebst du mich neu
Selbst in den mächtigen Widerstände, du gibst neue Kraft — neue Hoffnung

Du gibst neue Kraft, du gibst neue Hoffnung
Einen Weg durch die Wüste

Du gibst neue Kraft, du gibst neue Hoffnung
Einen Weg wo man keinen Weg sieht

Du versorgst, du versorgst selbst in der Wüste
Wasser in der Einöde, zu trinken genug
Die Tiere werden sich freuen
Schakale werden jauchzen vor Freude
Von den Wassermassen in der Wüste
die du schickst, um dein Volk zu tränken

Einen Weg durch die Wüste, und Wasser genug
Und Manna genug, und Fleisch genug

Du versorgst, du versorgst, wir vertrauen ganz
Auch mitten in der Wüste

Du machst alles neu, du machst alles neu,
einen Weg durch die Wüste

Denkt nicht an das Früher, vergesst es einfach!
Seht, es sprosst schon auf, das Neue kommt jetzt!
Oh, vergesst Ägypten, vergesst die Sklaverei!

Alles wird neu, alles wird neu,
denn Gott hat gesprochen
Gott hat gesprochen — er wird retten!

Einen Weg durch die Wüste …

Jesaja 43,18-20:
„Denkt nicht an das, was früher war, / achtet nicht auf das Vergangene!
Seht, ich wirke Neues! / Es wächst schon auf. / Merkt ihr es nicht? / Ich bahne einen Weg durch die Wüste, / lege Ströme in der Einöde an.
Schakale und Strauße, die Wüstentiere ehren mich, / weil ich der Wüste Wasser gab / und Ströme in der Öde fließen ließ, / damit mein auserwähltes Volk zu trinken hat.“

Er bahnt einen Weg durch die Wüste

Text: Jesaja 43 / 2. Mose 14

Gott sagt: „Du bist mein.“ – zu den Israeliten, die durch das rote Meer ziehen; und zu uns, die wir durch andere unsichere Gewässer navigieren.

Und dazu eine Impro-Aufnahme aus dem Gebetsraum:

Was ist Liebe? Folge 1: Die verbotene Praline (Feedback gewünscht)

Echte Liebe ist ein Kunstwerk. Sie ist so schön, aber auch so zerbrechlich. Verändere nur ein Strich davon, und du zerstörst das ganze Bild.
Echte Liebe ist Begegnung. Nicht eine mathematische Realität, die man definieren kann. Nur indem man sie gibt, wird sie sichtbar.
Und darum erzählen viele kleine Geschichten in meinem Leben von der Entdeckungsreise, was Liebe ist – und was Liebe nicht ist.

Die verbotene Praline

Früh morgens wachte ich auf. Blitzidee! Da, in der Süßigkeitenbox war doch eine Praline, die sooo lecker aussieht! Leise kletterte ich aus meinem Hochbett, damit meine Eltern nicht aufwachen (ich war so ca. 8 Jahre alt). Ich schlich mich in die Küche, mühte mich ab, die Blechbox mit den Süßigkeiten geräuschlos zu öffnen, und … da war sie. Mmmh! Golden! Bestimmt mit Schokolade und einer tollen Füllung!

Es gab nur ein Problem. Ich bekam zwar jeden Tag nach dem Mittagessen etwas aus dieser Box, musste aber unbedingt vorher fragen. Das ging jetzt gerade nicht, meine Eltern schlafen ja noch. Überhaupt, sie würden es mir wahrscheinlich eh nicht erlauben, noch vor dem Frühstück … aber ich wollte sie doch jetzt haben! Sie glitzerte doch so schön!

Ich horchte nochmal, ob vielleicht meine Eltern gerade kommen, entfernte vorsichtig die Goldfolie und voller Vorfreude … bäh! die schmeckt ja gar nicht! die ist ja mit Alkohol! Schnell räumte ich alles wieder auf, um keinen Verdacht zu erwecken, und legte mich wieder in mein Bett. Aber ich konnte nicht schlafen! Mein schlechtes Gewissen quälte mich!

Schließlich stand ich auf, holte meinen Geldbeutel mit dem Taschengeld, nahm die größte Münze, die ich besaß (5 Mark), und legte sie (vorsichtig) dorthin, wo die Praline vorher gewesen ist. Ich dachte, so können meine Eltern wenigstens Ersatz kaufen.

Eigentlich wollte ich mir Vergebung kaufen. Aber das eigentliche Problem war ja nicht, dass die Praline jetzt gegessen war, sondern dass ich meinen Eltern ungehorsam war. Und so nahm ich mir vor: das nächste Mal frage ich bestimmt. Auch wenn ich warten muss, bis sie aufstehen.

(Diese Geschichte erzählte ich Jahre später immer wieder den verschiedenen Kindern im Kindergottesdienst. Als ich sie irgendwann auch meiner Mutter erzählte, sagte sie, dass sie davon gar nichts mitbekommen hatte. Wahrscheinlich hatte sie sich nur über die 5 Mark gewundert.)

Was ich gelernt habe: Echte Liebe ist Vertrauen. Wenn ich mir einfach das nehme, was ich gerade will, weil ich es will, schmeckt es gar nicht.


Feedback gewünscht:

Vor ein paar Tagen habe ich entschieden, aufzuschreiben, wo ich in meinem Leben Facetten von der echten Liebe kennengelernt habe – die Liebe, die ich von Gott bekomme, die in mir wirkt, und die ich weitergebe.

Wenn du möchtest, dass ich diese Serie fortführe, schreibe mir bitte!

Warum Hochsensible gut mit Krisen umgehen können

In meinen Seminaren und Gesprächen betone ich immer wieder, das Hochsensibel-Sein nicht nur anstrengend ist, sondern auch prima Stärken hat. Gerade auch beim Umgang mit Krisen.

In gewisser Weise mag ich Krisen: sie brechen Gewohnheiten auf, sie ermöglichen Veränderung. Denn Krisen sind wie Wegkreuzungen: Situationen, in der man entweder nach links oder nach rechts gehen kann, aber Veränderung kommt so oder so. Es gibt große und kleine Krisen, kurze und länger andauernde, mit wenigen oder vielen Betroffenen … und immer stellt die Krise an uns die Frage: „Rennst du vor dieser Herausforderung weg, oder entscheidest du dich aktiv, ob du nach links oder rechts gehen möchtest?“ Wenn du wegrennst, wird die Entscheidung sich irgendwann automatisch ergeben – und wahrscheinlich wird sich das für dich nicht gut anfühlen.

Stell dir vor, du bist der Kapitän in einem Boot, das in einen großen Sturm gerät. Die Krisen-Frage ist: wird das Boot den Sturm aushalten? Wenn du von Angst total überwältigt bist (Panik), wirst du dich vielleicht einfach in deine Kajüte flüchten und abwarten, bis der Sturm vorbei ist. Aber wenn du die entsprechenden Kompetenzen gelernt hast, kannst du ein paar Dinge tun, um das Risiko zu minimieren: das Segel einholen, den Anker auswerfen, das Funkgerät bereithalten, …

So ähnlich kann man lernen, gut mit Lebenskrisen umzugehen. Und dabei haben Hochsensible super Startbedingungen. Warum?

1) Empathie ist für sie normal

Unser Gehirn hat eine faszinierende Funktion: wenn wir jemandem zuschauen, der sich weh tut, werden fast die gleichen Neuronen aktiv wie wenn wir den Schmerz selbst erleben. Und gerade Hochsensible sind geübt darin, auch den Schmerz darin zu spüren: sie nehmen die schmerzhaften Emotionen des Anderen wahr, oder die Reibungspunkte, wo die andere Person irgendwie nicht ganz in die bestehende Struktur reinpassen, wo es „unstimmig“ ist. Das ist eine geniale Fähigkeit! Sie schlüpfen in die Rolle des Anderen und können aus ihrer Perspektive mit-denken. Dadurch beleuchten sie das Problem von vielen Seiten aus, bevor sie eine Entscheidung treffen. Gerade in Krisensituationen ist es so wichtig, dass die involvierten Menschen sich Zeit nehmen, zuzuhören, was der andere fühlt und will – da sind Hochsensible oft ein gutes Vorbild für andere.

2) Sie lernen gut durch Beobachten und Zuhören

Diese Gabe, die Dinge leicht aus der Perspektive des Anderen sehen zu können, hat noch einen anderen Vorteil: Sie beobachten nicht nur ganz genau, sie hören nicht nur ganz genau zu, sondern sie werden auch dadurch verändert. Zum Beispiel liebe ich es, gute Bücher zu lesen, in denen meine Lebens-Muskeln herausgefordert werden: was hätte ich an ihrer Stelle gemacht? Möchte ich diese Reaktion weiterhin beibehalten oder nicht? Das ersetzt die eigenen Erfahrungen nicht, aber es ist eine prima Übungsfeld. Auch in meinen Träumen verarbeite ich oft, welche Handlungsoptionen ich habe und was die Konsequenzen davon sein könnten. Dadurch können auch meine Gefühle schon einmal intensiv verarbeiten und damit neue Situationen vorbereiten.

3) Sie „wittern“ mögliche Krisen

Weil sie alle Informationen tief verarbeiten, haben sie manchmal intuitiv eine „Vorahnung“, dass da etwas Krisenhaftes kommen könnte – zu einem Zeitpunkt, wo andere noch völlig unbeschwert weitergehen. Dadurch können sie vorausdenken, vorsichtig kommunizieren und manchmal sogar schon Probleme lösen, die andere noch gar nicht als Problem erkannt haben.

Diese Gabe sorgt oft für Stress: beide Seiten fühlen sich unverstanden, weil sie die Situation unterschiedlich einschätzen und darum unterschiedliches Verhalten als angemessen sehen. Hier ist es also wichtig, dass sowohl die Hochsensiblen als auch die Nicht-Hochsensiblen vertrauen können: „Du siehst die Situation anders als ich – aber vielleicht hast du recht.“ Ganz praktisch: Wenn du offen ausgesprochen hast, was dir Sorgen macht, und der Verantwortliche dafür reagiert darauf nicht – dann versuche nicht, das „Ruder“ (die Leitungs-Verantwortung) an dich zu reißen. Wenn es dir wirklich wichtig ist, sprich es so oft an, bis der Verantwortliche vielleicht doch mal hinschaut, ob da was dran sein könnte. Ansonsten: lass es los – du hast deinen Teil getan.

4) Sie können unter Stress immer noch gute Entscheidungen treffen

Weil Hochsensible schneller überfordert sind von dem, was sie wahrnehmen, haben sie schon ihr Leben lang geübt, mit Stress-Situationen umzugehen. Natürlich, sie sind nicht perfekt darin, und es ist oft immer noch sehr anstrengend, aber bei Krisen ist genau diese Fähigkeit gefragt. Dadurch schaffen sie es, vor Panik den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern weiterhin aktiv das Leben zu gestalten. Andere erleben intensiven Stress vielleicht nur in ganz selten in ihrem Leben, und sind darum in dieser Extremsituation plötzlich komplett „blockiert“ – sie lenken von dem Problem ab oder machen irgend etwas, ohne darüber nachzudenken, ob das wirklich hilfreich ist.

Als ich diesen Aspekt in der Fachliteratur gelesen habe, konnte ich es erst selbst nicht glauben: Hochsensible als Stress-Experten? Aber inzwischen sind mir ein paar krasse Krisensituationen eingefallen, wo ich genau das erlebt habe: um mich herum ist geschäftige Panik ausgebrochen, aber ich konnte weiter das tun, was jetzt nötig und wichtig ist. Hinterher, nach der Krise, war es andersherum: um mich herum ist schon wieder Alltag eingekehrt, und ich war total platt, weil ich in der Krise alle Energiereserven aufgebraucht habe.

Damit Hochsensible in einer Krise gute Entscheidungen treffen können, müssen sie vor allem darauf achten, nicht selbst in Panik auszubrechen. Sie nehmen in diesen Situationen sehr viel wahr, was Angst oder Sorge auslösen könnte, vor allem wenn sie in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen mit negativen Ergebnissen gemacht haben. Also stellt sich die Frage: Was hilft dir, solche Gefühle immer wieder herunter zu regulieren, so wie man die Lautstärke niedriger einstellen kann? Dazu gibt es viele konkrete Strategien (z.B. Achtsamkeit, Emotionsregulation), die du ausprobieren und einüben kannst. Aber vor allem: Vergiss nicht, vor lauter Problem-Lösen auch deine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, und dir Zeiten zu gönnen, in denen du einfach das tun kannst, was dir gut tut. Ansonsten kannst du auch anderen nicht helfen.

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Vielleicht gibt es auch mehr als diese 4 Vorteile, die Hochsensible in einer Krise haben. Und gleichzeitig: Auch Nicht-Hochsensible haben natürlich wichtige Voraussetzungen, um Krisen gut zu bewältigen. Zum Beispiel ist es manchmal ist es Zeit, Dinge klipp und klar auszusprechen, ohne Subtilität und Komplexität – das können Nicht-Hochsensible meistens besser. Beide können Krisen gut bewältigen. Und beide können voneinander lernen: Nicht-Hochsensible können sich in Empathie üben und Hochsensible in klarer Ausdrucksweise. Trotzdem bleiben Herangehensweise und Charakter verschieden. Wie gut!

Jeder von uns kommt mit einem anderen Cocktail aus Stärken und Schwächen auf die Welt – das ist kein Zufall. Gott hat sich etwas dabei gedacht. Es gibt etwas, was du der Welt geben kannst, was niemand anders tun könnte. Und darum brauchen wir einander.

Mein Traum ist, dass wir Menschen so stark miteinander verbunden sind, dass es ganz natürlich ist, uns gegenseitig zu ergänzen. Wie kommen wir da hin? Der erste Schritt ist: Wertschätzung. Schätze deinen Wert hoch ein, und ebenso den Wert des Anderen. Dann können wir auch Krisen durchstehen. Und danach feiern, dass wir es geschafft haben. Gemeinsam.

David und Saul: Echte Freunde vergeben

Diese Theaterstücke sind für ein Camp zum Thema „Wer ist ein echter Freund?“ entstanden, darum der Schwerpunkt auf David (+ Jonathan).

Personen: Saul, später: David, noch später: Jonathan, 1 Statist („jemand“)
Requisiten: Fahrtenmesser, Stück Stoff das David bei Saul abschneiden kann mit sicherheitsnadel angeheftet,
Programm: Lobpreis-Lieder, evt. Bilder Jubiläum
Text: 1. Samuel 24,4 – David trifft Saul in der Höhle
Kerngedanke: Freunde vergeben und machen einen neuen Anfang

Als das Programm anfängt: Saul ist wütend, sucht David überall. (David-Schauspieler nicht anwesend.) Saul verschwindet, um woanders zu suchen.

Nach dem Programm: Kinder sollen sich für Nachtwanderung bereit machen. Währenddessen taucht David auf und treibt zur Eile: „Wir müssen hier weg! Wir sind in Gefahr! Ihr seid ja meine Freunde, deswegen seid ihr auch in Gefahr!! Saul will mich umbringen, und er ist schon ganz in der Nähe!“ Aus der Ferne hört man Saul ein Shofar blasen – David erklärt: der Krieg hat begonnen. Sucht sich bestimmt ganz viele Kämpfer, die mit ihm kämpfen.

Nachtwanderung – wir verstecken uns beim Hutberg im Wald. Saul ist manchmal von der Ferne zu hören, er kommt immer näher. Schließlich ist er in Sichtweite und „pinkelt“ (Wasserflasche mit Loch im Deckel), jemand fordert David auf, „Hast du dein Messer dabei? Das ist deine Chance! Jetzt kannst du dem Ganzen ein Ende bereiten! Gott ist so gut, er hilft dir!“ David holt sein Messer heraus, zögert aber.

[ Hier Cut – helleres Licht? David zieht seinen Umhang aus. „Bevor die Geschichte weitergebt, möchte ich erzählen, wo ich etwas ähnliches erlebt habe.“ (ein Zeugnis über Vergebung … ggf. statt hier nach dem Theaterstück) ]

David schleicht sich an Saul heran, streckt das Messer aus, schneidet aber nur ein Stück vom Umhang ab. Leise zu seinen Männern: „Wehe, ihr tut Saul irgendetwas!!“

Saul ist fertig mit pinkeln und bricht wieder auf und geht aus dem Wald raus.

David ruft: „Hey, Saul!“

Saul dreht sich um, versucht David in der Dunkelheit zu erkennen … „Ist das nicht David? Wo bist du, zeig dich, wenn du dich traust!“

David bleibt im Wald: „Saul, ich hab da etwas in der Hand, was von dir ist …“

Saul läuft in Richtung Wald. David tritt heraus und zeigt den Stoff-Zipfel. Saul erstaunt: „Das … ist ja ein Stück Stoff, genauso wie der Umhang, den ich gerade anhabe! Wo hast du den denn her?!“

David: „Von deinem Gewand abgeschnitten!“

Saul: „Tatsächlich … da fehlt ein Stück … aber … warum?!“

David: „Saul, Saul, Saul (beruhigend) … Warum glaubst du, dass ich dir etwas Böses tun will? Ich hätte dich umbringen können, aber ich habe es nicht getan. Gott hat dich zum König gemacht, und darum werde ich deine Königsherrschaft nicht beenden. Ich habe dir vergeben. Du wolltest mich umbringen, aber ich werde dich nicht umbringen. Warum verfolgst du mich? Ich bin doch nur so ein kleiner Hund, der draußen im Garten wohnt.“

Saul: „David? Ist das wirklich mein Sohn David? Du bist ein echter Freund. Du hättest mich umbringen können, aber du hast es nicht getan. Du hast gezeigt, dass ich dir wichtig bin. Wow.“

Saul und David umarmen sich.

Saul: „Ich weiß, Gott hat dich zum König berufen. Versprich mir, dass du meine ganze Familie und mich niemals umbringen wirst!“

David: „Klar. Das verspreche ich dir gerne. Freunde für immer!“

Saul: (zögert) „Ja. Freunde für immer.“ Saul verschwindet.

Jemand sagt an: Jetzt können wir ja zum Ratsfeuer gehen. Zeit zum Entspannen/lockeres Zusammensein.

Jonathan gesellt sich später zum Feuer dazu. David erzählt Jonathan (mit Hilfe der Kinder), was passiert ist.

„Das sind echte Freunde. Wir sind mal sauer – aber wir versöhnen uns. Wir kämpfen nicht gegeneinander – sondern miteinander. Und das können wir nur, wenn wir uns immer wieder das vergeben, was wir falsch machen. Freunde für immer …“

David: „Aber warum bist du eigentlich gekommen?“

Jonathan: „Ach, ich wollte dich einfach ein bisschen aufmuntern. Ich weiß, dass man manchmal Ermutigung braucht … und Stärkung.“ (Holt Gummibärchen hervor – verteilen aber noch nicht essen!)

David: „Ermutigung? Oh, ja, die brauche ich.“

Jonathan: „Ich finde es so toll, dass du so viel Zeit mit mir verbracht hast, du hast mir so viel vertraut, obwohl das mit Saul nicht immer einfach war. etc.“

David: „Wow. Aber ich finde auch, dass du ein echt toller Freund bist … etc.“

Ab.

Reflektion / Anwendung:

  • Leider hält das Versprechen von Saul nicht lange an. Echte Freunde sind treu und stehen zu dem, was sie versprochen haben.
  • Ermutigung ist so wichtig … Zu zweit: ein gutes Wort über den anderen aussprechen. Segnen (Gutes beten)

  • Regeln: Nur Gutes, Ernstgemeintes sagen. Und dafür das Gummibärchen verschenken.

  • Ggf. Beispiel auf der Bühne, einer wertschätzt eine anderen Mitarbeiter