Wie liebt ein guter Vater?

Text: Hosea 11,1-4
Kerngedanke: Gottes Liebe gibt niemals auf, uns zu lieben.

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Wie liebt ein guter Vater, gerade dann, wenn das Kind seine Liebe nicht annehmen will?

  • Wie liebt Gott Israel?
  • Wie lieben Eltern ihre Kinder?
  • Wie liebt ein Ehemann seine Frau?

Diese Predigt war für einen Familiengottesdienst, darum habe ich versucht, in meiner Sprache sowohl auf das jüngere als auch auf das ältere Publikum einzugehen.

Das darin enthaltene Impro-Theater mit dem guten Vater und dem 2-Jährigen müsst ihr euch leider selbst vorstellen … Hier ein Foto:

Impro-Theater: guter Vater, 2-Jähriger

Wer bist du? (Identität)

Jeder Mensch ist eine Person, jeweils mit einer Persönlichkeit, einem Charakter, mit Gaben (ich weiß, klingt selbstverständlich). Unsere Identität hat auch noch viele andere Aspekte: Herkunftsfamilie, Name, Aussehen, Stimme, …

(Moment, meine Herkunftsfamilie ist auch ein Teil meiner Identität? Ich finde schon. In der westlichen Kultur stellen wir vor allem die Frage, „Was unterscheidet mich von Anderen?“ (Individualität), und übersehen dabei viellleicht den immensen Einfluss, den die Familie und die Kultur auf uns hat, auch gerade in unserem Erwachsen-werden. In Gruppenkulturen ist dies selbstverständlich, da ist Identität immer auch „ein Teil von einer Familie, Stamm, …“ zu sein.)

Unsere Gaben und unser Charakter können sich im Laufe unseres Lebens verändern. Da stellt sich die Frage:

Gibt es einen Kern der Identität, der nicht veränderlich ist?

Das ist vor allem eine Frage der Weltanschauung. Als Christen glauben wir, dass Gott es ist, der uns ins Leben gerufen hat. Seine Berufung für uns verändert sich nicht – und damit meine ich sowohl die allgemeine Berufung für alle (z.B. ein Sohn / eine Tochter Gottes sein) als auch die spezielle Berufung für jeden Einzelnen (z.B. für Josua: „Du sollst diesem Volk das Land als Erbe austeilen.“, Josua 1,6) In der Bibel sieht man auch, wie der Name schon stark etwas darüber aussagt, wer das ist, z.B. „Israel – Du hast mit Gott gekämpft“ (1. Mose 32,38). Dies sind also Komponenten, die unerschütterlich sind – egal wie wir uns fühlen.

Wenn man alles Religiöse aus seiner Weltanschauung rausschmeißen will, gibt es solche unerschütterlichen, unveränderlichen Anteile der Identität nicht mehr. In der Postmoderne gibt es ja keine objektive Wahrheit mehr, nur subjektive Realitäten. Also auch keine Wahrheit mehr darüber, wer ich bin, unabhängig von anderen Dingen, wie z.B. meinen Gefühlen, den Erwartungen meiner Eltern, meinem sozialen Stand, etc. Was mich definiert ist dann also: was ich tue, wie ich mich fühle …

In diesem Sinne kann ich es auch nachvollziehen, warum manche Menschen sagen: „Wenn ich mich als Frau fühle, dann bin ich eine Frau.“ Das ist irgendwie konsequent.

Wie Gott uns sieht

Ich schreibe das nicht, um einen postmodernen Lebensstil zu verteidigen. (Wie gesagt, ich würde Identität anders beschreiben.) Was mir wichtig ist: Gott hat offene Arme für alle Menschen. Jesus wurde von seinen Feinden beleidigend „ein Freund der Zöllner und Sünder“ genannt (Lukas 7,34). Er wusste, wer er ist, und fühlte sich nicht bedroht von anderen Lebenskonzepten, von ansteckenden Krankheiten oder von Sünde (ist die auch ansteckend?). Er konnte Menschen wertschätzen, selbst wenn sie ihm nicht nachfolgen.

Als Jesus einmal auf einem Business-Meeting mit einigen Pharisäern war, kam ohne Vorwarnung eine Frau in den Raum und salbte ihm die Füße mit wertvollem Öl (Lukas 7,36-50). Die Pharisäer waren schockiert: „Wenn Jesus wüsste! Die ist eine Sünderin!“ Und für diese Benennung hatten sie sicher „gute Gründe“. Nur – Jesus sah die gleiche Frau an und erklärte: „Ich sehe sie als eine Frau, die eine riesige Liebe für mich hat.“

Diese göttliche „Um-Benennung“ sehen wir an vielen Stellen in der Bibel. Als z.B. Gideon gerade im Geheimen sein Weizen drosch, kommt Gott vorbei und sagt zu ihm: „Gott ist mit dir, du tapferer Held!“ (Richter 6,12) Es ist wahr, dass Gideon sich an dem Punkt noch nicht sehr tapfer verhalten hatte. Aber Gott sieht in sein Herz und sieht das Potential, das er in Gideon hineingelegt hat. Für ihn ist die Identität Gideons ein „tapferer Held“. Auch wenn er sich gerade nicht so fühlt.

Wer bist du – in seinen Augen?

Photo by Ximena Nahmias on Unsplash

Möglichkeiten

(English version)

Welche Möglichkeit soll ich wählen? Jetzt, da ich verheiratet bin, hängt die Antwort auf diese Frage oft auch mit der Liebe zu meiner Frau zusammen. Wie kann ich den Bedürfnissen meiner Frau begegnen und gleichzeitig auch meine eigenen Bedürfnisse respektieren?

Dies geht oft nur mit kreativen Lösungen … und um diese zu finden, brauchen wir ein tieferes Verständnis voneinander. Als fiktives Beispiel: „Dein Traum ist also mit mir Urlaub in Hawaii zu machen …“

  • „Wie könnte das aussehen?“
  • „Warum ist dir das wichtig?“
  • „Was würde dir das geben (emotional)?“

Und, wie David and Nancy Harper es schön formulierten: Über diese Möglichkeiten zu träumen kann uns auch in unserer Beziehung zu Gott herausfordern. Denn er hat immer Optionen für uns. Und was brauchen wir, um uns darin zurecht zu finden? Vertrauen. Und Geduld. Das sind genau die Disziplinen, die Gott unseren Herzen beibringen will.

Vielleicht ist das ja der Grund, warum er meine Fragen manchmal nicht sofort beantwortet!

Options

(Deutsche Version)

Which option should I choose? Now that I am married, the answer to this question often involves my love to my wife. How can I meet my partner’s needs while respecting my own needs?

Often, this is only possible with creative solutions … and in order to develop these, we need a deeper understanding of each other’s heart. For example: „So you dream to travel to Hawai …“

  • „How could this look like?“
  • „Why is it important to you?“
  • „What would this give you (emotionally)?“

And as David and Nancy Harper emphasized: Dreaming about these options can stretch us also in our relationship with God. Because He always has options available for us… What do we need to navigate these? Trust. And patience. Exactly the disciplines that he wants to grow in us.

Maybe that’s why he sometimes doesn’t answer my questions immediately!

Und das soll Liebe sein?!

Gottes Liebe fühlt sich oft so menschlich an: ein Vater, der seine Tochter hochhebt. Eine Mutter, die ihren Sohn stillt. Und sogar ein Partner, der immer wieder genau die „richtigen“ Knöpfe drückt – nämlich diejenigen, die uns die Verletzungen spüren lassen, die wir seit unserer Kindheit mit uns herumtragen.

Das soll Liebe sein?! Könnten unsere Spannungen und Konflikte des Alltags Gottes „Lauftraining“ sein?

Ich (Gott) aber hatte Ephraim (Israel) laufen gelehrt und sie (Israel) auf meine Arme genommen. Aber sie merkten nicht, dass ich sie heilte. Mit menschlichen Seilen zog ich sie, mit Stricken der Liebe.“ (Hosea 11,3-4a)

Es ist kein Zufall, dass meine Frau die „Fähigkeit“ hat, genau die richtigen Knöpfe in mir zu drücken (Aua!). Sie ist genau die richtige Frau für mich, damit ich „Laufen“ (Lieben) lernen kann. Gott hat sich in den Kopf gesetzt, um dein und mein Herz zu heilen, und er ist es, der uns – auch in solchen schwierigen Situationen – immer wieder anstupst: „Vertraust du mir? Lass deine Verletzung los und komme mit mir …“

Bevor ich geheiratet habe, wusste ich, dass noch Baustellen in meinem Herzen sind (zum Beispiel Einsamkeit). Aber ich hätte nicht gedacht, dass diese so schmerzhaft für die Person sein können, die ich liebe – und die mich liebt. Dahinter stehen Überlebensstrategien, für die ich mich in meiner Kindheit entschieden habe („Ich muss meine Gefühle selbst bewältigen.“). Diese Strategien sind jetzt wie Kleidung, die zu eng geworden ist: sie passen einfach nicht mehr.

So renne ich immer wieder zu meinem himmlischen Vater: „Ich weiß nicht weiter. Hilf du mir.“ Und zwar nicht nur in der konkreten Konflikt-Situation, sondern auch in der Heilung der Wunde, die da angestupst wurde. „Jahrelang habe ich die Lüge geglaubt, dass … (mich sowieso keiner richtig versteht). Papa, welche Wahrheit sprichst du mir zu?“ („Du bist mir wichtig. Bei mir bist du sicher.“)

Natürlich finde ich Konflikte immer noch anstrengend und unangenehm. Aber über bewältigte Konflikte freue ich mich nicht nur ironisch. Sie zeigen mir, wie sanft, geduldig und hartnäckig Gott an meinem Herzen arbeitet! Er ist wirklich der beste Vater!

Junge Liebe

(Englische Version)

Ich bin jetzt seit 9 Monaten verheiratet – und darum identifiziere ich mich mit dem, wie es Josef hier geht (Matthäus 1,19). Mein Herz sehnt sich, meine Braut zu lieben. Jedoch ist es unmöglich, sie aus meiner eigenen Kraft ordentlich zu lieben. Meine guten Vorsätze sind nicht genug.

Nur wenn meine Liebe zu Jesus größer ist als meine Liebe zu ihr, fühlt sie sich wirklich geliebt. Nur wenn ich sie als Geschenk Gottes an mich annehme, kann ich auch ein Geschenk von Gott für sie sein.

Ich will tiefer lernen, was es bedeutet, gut zu leiten. Leiten bedeutet Dienen. Und Dienen ist nur möglich, indem ich Jesus anschaue, was er tut. Vater – bitte lehre mich zu lieben.

(Standbilder von „Die Boten“, Weihnachts-Spezial von Staffel 2 von The Chosen, 04:47-06:50) – bisher nur mit deutschen Untertiteln

Young Love

(Deutsche Version)


I have been married for 9 months now … so, I can totally identify with the situation that Joseph was in (Matthew 1:19). My heart is aching to love my bride well. However, it is not possible to love her well out of my own strength. My good intentions are not enough.

It’s only when my love to Jesus is greater than my love to her, that she feels truly loved. It’s only when I receive her as a gift from God to me that I can be a gift from God to her.

I want to learn deeper what it means to lead her well. Leading is serving. Serving is only possible by looking at Jesus and doing what he tells me. Father – please teach me how to love.

(Stills from „The Messager“, Special Christmas Episode from Season 2 of The Chosen, 04:47-06:50)

Trost für Jerusalem

Predigt vom 03.04.2022 im Jesus-Haus, Herrnhut:

Benjamin Pick: Trost für Jerusalem (03.04.2022)

Mein geliebtes Jerusalem!
Ob du es hören willst oder nicht:
du bist schön.
Ich habe einen neuen Namen für dich:

Man hat dich „Verlassen“ genannt. → Ich nenne dich: „Geliebt“.
Man hat dich „Wüste“ genannt. → Ich nenne dich: „Bewässertes Land.“

Ja, ich heirate dich.
Ja, ich freue mich an dir!
Du wirst funkeln wie eine Krone.
Dein Licht wird strahlen zu allen Menschen.
Ich weiß, es ist ungerecht –
Fremde essen die Ernte auf, die du gesät hast
Fremde trinken den Wein, für den du gearbeitet hast
Aber das wird nicht so bleiben.
Halte durch. Ich schaffe Gerechtigkeit. Vertraue mir.
Du denkst, du wurdest von allen verlassen.
Nicht von mir. Ich werde dich retten.
Und alle Welt wird es sehen:

Das ist mein Volk. Das ist meine Stadt.

Man wird nach dir fragen:
Wo ist dieses Jerusalem, von dem wir schon so viel Gutes gehört haben?
Ob du es hören willst oder nicht:
du bist schön.
Die schönste Belohnung für mich
bist Du.

(Nach Jesaja 62)

Gewaltfrei kommunizieren

Kommunikation ist so wichtig. Marshall Rosenberg betont: das Wertvollste, was wir einander zu geben haben, sind wir selbst – mit allem, was uns beschäftigt.

In der Praxis läuft Kommunikation oft schief – der Eine sagt etwas, und der Andere hört etwas, und beide fühlen sich missverstanden. Dann ist es gut, wenn man einmal tief durchatmet und Schritt für Schritt vorgeht – denn oft vermischen wir in unserer Aufregung verschiedene Ebenen von dem, was wir mitteilen wollen:

  • Was ist passiert? Auf was beziehen wir uns?
  • Was fühlen wir dabei?
  • Warum ist uns das so wichtig? Welches Bedürfnis steht hinter diesen Gefühlen?
  • Worum bitten wir die andere Person?

Gerade für Hochsensible sind emotionale oder kognitive Zusammenhänge „offensichtlich“ sind, obwohl sie der Andere gar nicht offensichtlich findet. Darum finde ich es hilfreich, eine Methode vorzustellen, wie man hier Schritt für Schritt vorgehen kann.

Dafür habe ich ein neues Arbeitsblatt erstellt:

Arbeitsblatt 5: Selbstoffenbarung in vier Schritten (GFK)

Kommunikation kann man üben … Gerade in Konfliktgesprächen ist es wichtig, seine eigene Position darstellen zu können, ohne die andere Person damit zu bedrohen.

Download (PDF)

Impulse zur Erläuterung bzw. Vertiefung:

Mehr Arbeitsblätter…

Welche Person in der Bibel ist dir ein besonderes Vorbild? Warum? (Frage 6)

Frage 6: Welche Person in der Bibel ist dir ein besonderes Vorbild? Warum?

(Ich habe 25 christliche Hochsensible befragt … mehr Allgemeines über die Umfrage)

Die Umfrage-Teilnehmer nennen am häufigsten David genannt (4x), außerdem werden jeweils 2x genannt: Barnabas, Johannes der Jünger, Nehemia, und Ruth.

In den Erläuterungen werden oft Eigenschaften genannt, die mit Hochsensibilität in Verbindung stehen, manche Charaktere werden explizit hochsensibel genannt. Es fällt auf, dass gerade der Mut (9x) und die Demut (5x) dieser Personen fasziniert beschrieben werden. Demut wird dabei fast immer (4 von 5) gleichzeitg mit Mut erwähnt.

Beispiel-Antworten (anonymisiert):

Abigajil: Sie ist mutig, dienend, loyal, prophetisch, leitend und doch demütig.

Barnabas, der „Sohn des Trostes“, also ein guter Tröster – und ein guter Begleiter und Ausbilder von Johannes Markus.

David. Er hat vielen Begabungen und setzt sie auch ein. Er ist hochsensibel, kreativ, macht Fehler, steht dazu. Er ist stark, durchsetzungsfähig, reflektiert. Er nimmt die Herausforderung an, die Gott ihm zumutet (König zu sein) und bleibt Gott treu.

Ich liebe Maria, die zu Jesu Füßen sitzt. Da ist eine große Nähe da und sie verhält sich frei von den Umständen, auf die sie doch sofort anspringen könnte und sich um die Gäste kümmern könnte.

Nathan, der mit David über seine Schuld sprach. Er hat diese außerordentlich schwierige Situation in aller Stille mit Weisheit gelöst.

Wenn ich Nehemia lese, berührt mich sein Weitblick, seine Emotionalität und sein detailliertes Berichten – das alles atmet geradezu Hochsensibilität.

Mein Kommentar:

Wir Menschen brauchen Vorbilder. Und gerade historische Personen, die gewisse Ähnlichkeiten zu uns selbst haben, können dabei helfen – zum Beispiel ähnlich in ihrer Persönlichkeit oder ihrer Berufung.

Seminar-Teilnehmer oder Freunde fragen mich manchmal, welche Personen in der Bibel hochsensibel waren. Das ist eine schwierige Frage – nicht nur deswegen, weil es das Konzept „Hochsensibilität“ damals noch nicht so richtig gab. Bei den griechischen Philosophen gab es erste Persönlichkeits-Typologien, aber der normale Mensch wird sich sicher nicht viel Gedanken über solche Themen gemacht haben. Die Bibel ist andere Literatur als heutige Romane, sie beschreibt das Innenleben der erzählten Personen kaum – sondern hauptsächlich das Verhalten, in manchen Fällen auch die Gefühle, aber die persönliche Motivation und die dahinterstehende Persönlichkeit können wir meistens nur indirekt erschließen.

Darum habe ich die Frage etwas offener gestellt – man kann ja auch Personen als Vorbild haben, die vielleicht nicht hochsensibel sind. Spannend fand ich gerade die Begründungen, warum jemand eine bestimmte Person (oder mehrere) ausgewählt hat. Dass gerade Mut am Häufigsten beschrieben wird, könnte die Sehnsucht vieler Hochsensibler widerspiegeln, mutiger aufzutreten und kühner das zu tun, was ihnen wichtig ist. Bei diesem Mut geht es nicht darum, beliebige Risiken einzugehen – sondern Mut, der von Demut gekennzeichnet ist, zeugt von emotionaler Reife und tiefer Weisheit. Ich ermutige Hochsensible z.B. gerne (gerade wenn sie perfektionistische Tendenzen zeigen), sich nicht zu verzetteln und sich ihre Kämpfe gut auszusuchen.

Fragen zur selbstreflektion

  • Welche Personen sind dir ein Vorbild? Warum?
  • In welchem Bereich deines Lebens wünscht du dir mehr Vorbilder?
  • Bei welchen Personen in der Bibel hast du das Gefühl, dass sie hochsensibel sein könnten?
  • Wie würde ich (De)Mut beschreiben? Wann habe ich mich (de)mutig verhalten?