Was, ich soll 77 Mal vergeben?!

klopapierrollen (Kopie)Ich bin ja schon gespannt, was heute in unserer Geschichten-Kiste drin ist. Hm, eine Klopapierrolle? Was hat die denn mit Gott zu tun? Gucken wir mal. Kann mir jemand eine Bibelstelle vorlesen? – Matthäus 18,21-22:

21 Da wandte sich Petrus an Jesus und fragte: »Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er immer wieder gegen mich sündigt? Siebenmal?« – 22 »Nein«, gab Jesus ihm zur Antwort, »nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal!« (o. siebzigmal siebenmal, je nach Übersetzung, ist aber inhaltlich egal)

Was passiert da? Stell dir vor, mein Freund kommt zu mir … du, komm mal kurz her … und sagt: „Tschuldigung dass ich dir das Bein gestellt habe … das war blöd. Vergibst du mir?“ Ich bin überrascht, schlucke meinen Ärger herunter – schließlich ist es ja mein Freund – und sage: „Okay.“

Am nächsten Tag kommt er wieder und sagt: „Tschuldigung dass ich dir das Bein gestellt habe … “ Und diesmal fällt es mir schon etwas schwerer, ihm zu vergeben. Aber schließlich sage ich: „Okay. Aber machs nicht wieder!“ Und er antwortet: „Ja, verspreche ich dir.“

Das Problem ist nur – am nächsten Tag macht er es trotzdem. Und jetzt soll ich ihm schon wieder vergeben?

Und das war erst drei Mal! Ich zeig euch das mal mit dem Klopapier (drei Blatt abreißen). Wir sollen nicht nur so oft vergeben, sondern … (Klopapierrolle auf Besenstil, einem Kind in die Hand drücken – die Rolle abrollen, am Anfang mitzählen) … so oft! Noch öfter!

Und deswegen fragt sich Petrus: 77 (bzw. 490, s.o.) Mal soll ich vergeben??! Jesus, wie kannst du das von mir verlangen?

Da erzäht Jesus eine Geschichte…

Ein Chef ruft seinen Angestellten ins Büro: „Ich habe dir vor einem Jahr 10 Millionen Euro gegeben, damit du eine neue Maschine einkaufen kannst (Schuldschein hochhalten) – erzähl mal, was hast du damit gemacht?“ Der Angestellte schaut ganz betröppelt: das Geld hat er für sich selbst ausgegeben … Wer möchte mir helfen, die Geschichte als Theater zu spielen? Ich brauche einen Chef und einen Angestellten. (Die Kinder spielen pantomimisch mit, ggf. kann der Erzähler ihnen helfen.)

Der Chef sagt zu seinem Arbeiter: „Gib mir das Geld zurück!“ (die unterstrichen Sätze sollten vorher als einzelne Karteikarten vorbereitet werden; sie werden den Kindern in dem Augenblick die Hand gedrückt, wenn sie sie brauchen – und sie lesen das dann vor.)

Aber der Angestellte antwortete kleinlaut: „Sorry, das geht nicht ….“ Das Problem war nämlich, dass das Geld alles ausgegeben hatte: er war mit seiner Familie im Urlaub, in den teuersten Restaurants, auf dem Oktoberfest, er hat es so richtig genossen dass er viel Geld hatte. Aber jetzt war alles weg …

Da wurde sein Chef laut und rief: Dann verkauf ALLES was du hast.“ Und mit alles meinte er wirklich alles: dein Auto, dein Smartphone, deine Kleider, deine Stifte, …. alles alles.

Der Angestellte wurde ganz verzweifelt. Selbst wenn er das alles verkaufen würde, das reicht doch nie! Also fiel er auf seine Knie und bat ihn: „Bitte, bitte, vergib mir!“ Er bat um „Ent-schuldigung“, denn Entschuldigung bedeutet: „Bitte mach meine Schuld weg!“.

Der Chef überlegt. Er soll ihm vergeben? Einfach so? Was meint ihr, wird der Chef sich darauf einlassen? Tatsächlich. Er zerreißt den Schuldbrief (machen lassen) und geht nach Hause. (Das Kind, das den Chef spielt, sich hinsetzen lassen)

Der Angestellte ist total erleichtert. Und glücklich. Gerade hatte er noch 10 Millionen Euro Schulden, und jetzt ist er frei! Er muss sie nie wieder zurück zahlen!

Als die Arbeit vorbei ist, trifft er einen Kollegen. Sein Freund. (Wer spielt den Freund?) Dieser Freund schuldete dem Angestellten 100 Euro, weil er vor einem Monat für seine Familie einkaufen gehen war.

Und als dem Angestellten einfiel, dass sein Freund ihm immer noch nicht dieses Geld zurück gegeben hat, rief er ärgerlich: „Gib mir sofort mein Geld zurück!“

Aber das ging nicht. Es war gerade wieder Ende des Monats, sein Geldbeutel war leer und auf dem Konto war auch nichts mehr, erst in einer Woche gibt es wieder das Gehalt vom Chef. Und so antwortete der Freund genauso wie vorher der Angestellte: „Bitte, bitte, vergib mir!“

Was meint ihr, wird er vergeben? Nein, er rief: Ich verklage dich!“ Er kämpfte vor Gericht so lange, bis er die 100 Euro in der Hand hatte – auch wenn sein Freund dafür sein Fernseher und sein Bett verkaufen musste. (Beide Kinder setzen sich)

Was wird wohl der Chef dazu sagen, wenn er davon hört? Er bekam er es tatsächlich mit, und er war wütend. Er schrie den Angestellten an: „Ich hab dir doch die Schuld erlassen – warum hast du das nicht bei ihm genauso gemacht?!“

Und als Petrus diese Geschichte hörte, kapierte er: 77 (490) Mal vergeben ist nicht viel. Dass Gott uns vergibt, ist viel mehr. Gott hat uns 10 Millionen Euro vergeben, die wir nie hätten zurückzahlen können: wir verbocken es ständig. Aber Gott macht es möglich, dass wir trotzdem sein Freund sein dürfen. Und darum, wenn dann jemand kommt und uns 100 Euro schuldet und es nicht zurückzahlen kann, dann ist das Pipifax.

Kommen wir nochmal zurück zur Klopapier-Rolle: Dieses Klopapier steht für Vergebung. Denn egal wie groß die Kacke ist, die wir bauen – Gott kann sie wegmachen. Gott vergibt uns! Und wenn dann jemand zu uns kommt und sagt: „Sorry … das war kacke …“, dann müssen auch wir bereit sein zu vergeben.

[ Und als Erinnerung habe ich ganz viele Klopapier-Rollen mitgebracht, für jeden von euch eine. Da steht auch was drauf, kann das jemand mal vorlesen? (VERGEBUNG mit Filzstift auf die Rolle geschrieben) Wenn das Programm vorbei ist, darf jeder von euch hier vorbei kommen und sich eine mit nach Hause nehmen. Damit ihr euch daran erinnern könnt: Vergebung ist wie Klopapier. Es macht Kacke weg. ]

Ziele:

  • Verstehen: Vergebung bedeutet, dass ich seine Schuld nie mehr gegen ihn verwenden werde
  • Fühlen: Es ist gut zu vergeben, auch wenn es manchmal schwer ist.
  • Tun: Die Kinder sind bereit, anderen zu vergeben

Benötigte Requisiten:

Vorgeschlagene Lieder:

  • Du bist treu, Herr (… auch wenn ich versag)
  • 10.000 Gründe (… Du liebst so sehr und vergibst geduldig …)

Fragen an die Kleingruppenleiter zur Vorbereitung:

Falls die Kids Fragen in diese Richtung stellen, ist es wichtig, dass ihr euch vorher Gedanken über eure Meinung gemacht habt.

  • Wo hast du Vergebung erlebt oder Vergebung gegeben?
  • Wie würdest du erklären, was Vergebung ausmacht?
  • Warum ist Vergebung in der Bibel keine Empfehlung („weil es dir gut tut“), sondern ein Gebot („weil Gott dir vergeben hat“)?
  • Wenn ich mich weigere zu vergeben, bin ich dann noch gerettet? (Dieses Thema klammere ich ein bisschen aus, indem ich die Verse 34+35 nicht erzählt habe.)
  • In dem Beispiel mit dem Bein stellen, was könnte man tun wenn der Freund sein Verhalten nicht ändert? (Vergebung ist notwendig, aber weises Verhalten / Grenzen setzen auch.)

Fragen für die Kleingruppenzeit an die Kinder:

Bei diesem Thema müsst ihr besonders sensibel mit den Redebeiträgen mit den Kindern umgehen: ist das Niveau an Offenheit der Gruppe angemessen? In manchen Fällen ist es besser, das Gespräch abzubrechen und unter 4 Augen fortzuführen (z.B. ein Mitarbeiter geht mit dem Kind raus, der andere führt das Gespräch weiter). Aber selbst da: Trauma-Therapie dürfen nur ausgebildete Psychologen machen, und das ist gut so. In dem Fall könnt ihr dem Kind nur anbieten, mit ihm zusammen die Experten zu suchen.

Evt. die Geschichte in der Bibel nachlesen und gemeinsam zusammenfassen. (Matthäus 18,23-33)

  • Fallen dir Beispiele ein, wo du jemanden vergeben musstest? z.B. Streit mit Freund, …
  • Was ist danach passiert? Welche Auswirkung hat Vergebung?
  • Warum ist Vergebung für echte Freunde ultra wichtig?
  • Was kann man machen, wenn es einem schwer fällt, zu vergeben? (Beten, Mit Eltern/Mitarbeitern darüber reden, …)

Mögliche Aktionen in den Kleingruppen:

  • Fangen mit Variante: der Fänger darf die Gefangenen freimachen, indem er sich bei ihnen entschuldigt (Aus allesumdiekinderkirche.de)
  • Einen geheimen Brief an Gott schreiben: „Was bedrückt mich“ → am Ende Gebet und Briefe zerstören (Aus allesumdiekinderkirche.de)

„Was, ich soll 77 Mal vergeben?!“ von Benjamin Pick ist lizenziert Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen.

Das heißt: Du darfst gerne diesen Text anpassen und sogar verändert veröffentlichen, solange mein Name genannt wird (und am Besten ein Link auf diese Seite) und dort ebenfalls dieser Creative-Commons-Hinweis erscheint.

Erfahrungen:

  • Einige Kinder haben angemerkt, dass es damals noch gar keine Smartphones gab – ich finde das ein gutes Zeichen, dass sie merken, dass es so nicht in der Bibel stehen kann. Der Rest der Geschichte ist ja ebenfalls modernisiert und auf unsere Kultur übertragen. Ermutigt die Kinder ruhig, die Geschichte nochmal selbst nachzulesen!
  • Ich hatte beim Theater ein Kind vorne, das noch nicht so gut lesen konnte. Damit es für ihn nicht so frustrierend wird, habe ich ihm den Satz eingeflüstert. An einer anderen Stelle wollte ich nochmal die Emotion des Satzes betonen: ich habe mich hinter das Kind gestellt und es an seiner Stelle gesagt.
  • Eure Erfahrungen könnt ihr gerne auch bei den Kommentaren hinterlassen … die nächsten freuen sich 🙂

4 Gedanken zu „Was, ich soll 77 Mal vergeben?!

  1. Ist ja in Ordnung so weit. Mir hat nur die offensichtliche und ehrliche Reue in Matthäus 18:26 im ganzen Stück gefehlt, ohne die hätte die Vergebung in diesem Fall garnicht stattgefunden.
    Der Herr vergibt ja auch nur, wenn man ehrliche Reue zeigt.
    Sonst kommt man noch auf die Idee, dass man auch nur so tun kann.
    1. Samuel 16:7b ist ganz wichtig.

    Ich wollte jetzt auch nicht zu direkt auftreten 😁
    Ich bin eben nur der Meinung, dass Reue und
    Vergebung Hand in Hand gehen aber und
    ich hab auch -ernsthaft- keine Ahnung von
    pädagogischer Arbeit mit Kindern
    aber vielleicht setzt wahrhafte Vergebung auch
    die Kunst wahre Reue zu erkennen voraus.
    Nicht das man die Kinder zur blinden Vergebung erzieht.
    Danke das du mich angeschrieben hast und
    weiterhin gutes Gelingen.
    Jeder der versucht Jehova Kindern näher zu bringen,
    tut den Dienst den Jesus uns aufgefordert hat
    zu tun.

    Entschuldige meine letztens schroff gewählten Worte.
    😃👍

    👋

  2. Die eigentliche Moral die da transportiert werden möchte ist. Wenn Gott deine Reue annimmt, dann solltest du seinem Beispiel folgen und auch Reue von anderen annehmen. Wenn du das nicht tust, dann sündigst du vor Jahwe, dem Schöpfer allen Lebens, der der den Himmel über uns gespannt hat und die Erde in das Nichts gehängt hat. Matthäus 18 hat etwas mit Unschuld und dessen Bewahrung zu tun (Matthäus 18:1-6), mit dem Willen dem Schlechten zu widerstehen (Matthäus 18:8;9), verlorene Seelen zu suchen und zu retten (Matthäus 18:12;13), usw.

    In 18:26 war das auf jedenfall keine gelebte Reue. Seine Reue hatte er in 18:28 wieder verwirkt. In dieser Geschichte geht es nicht um Vergebung, es geht eigentlich um die Tatsache, dass wenn der letzte König der Juden, Jesus Christus, seinen Sklaven vergibt, wenn man wirklich bereut, dann erwartet er von ihnen -weil er uns in 1. Petrus 2:21 aufforderte es ihm gleich zu tun- den Anderen auch bei ehrlicher Reue zu vergeben.
    Weil man ansonsten die Güte Jahwe verschmäht.

    Das Wort Sklave wird in der Bibel des Herrn oft von Gläubigen verwendet, welche sich in die Hände Jahwes begaben.

    Viel weiteren Erfolg dabei und das meine ich vollkommen ernst 👍

    Jahwe ist an deiner Seite.

  3. Vielen Dank, Interessierter, für deine Gedanken dazu. Dieses Thema habe ich ein bisschen angedeutet mit der Kleingruppen-Frage:

    In dem Beispiel mit dem Bein stellen, was könnte man tun wenn der Freund sein Verhalten nicht ändert? (Vergebung ist notwendig, aber weises Verhalten / Grenzen setzen auch)

    Ich finde, es gibt einen Unterschied zwischen Vergeben und Versöhnen. Vergeben ist einseitig – „ich vergebe dir weil Gott mir vergeben hat“; Versöhnen braucht die Bereitschaft von beiden Parteien – „wir stellen unsere Beziehung wieder her“. Darum heißt die Anweisung ja, im Shalom mit allen zu leben „soweit es an euch liegt“ (Römer 12,18).

    Wenn Vergebung echte Reue vorraussetzt, wie kann Jesus dann sagen: „Vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun?“ (Lukas 23,34) Meiner Meinung nach hat Jesus die Vergebung für alle möglich gemacht. Es ist nur so, wer dieses Vergebung nicht annimmt, hat nicht viel davon. Stell dir vor, jemand will dir etwas Gutes tun, aber du vertraust dieser Person nicht – sie wird es schwer haben, dir das Geschenk zu geben. Das Geschenk ist da – Jesus hat uns vergeben „als wir noch Sünder waren“ (Römer 5,8). Im Prototyp der Erlösung, der Auszug aus Ägypten, war die Bedingung: „Wenn ich das Blut sehe, werde ich an euch vorübergehen und euch verschonen.“ (2. Mose 12,13) Zu dem Zeitpunkt waren viele Ägypter schon voller Ehrfurcht vor dem Gott Israels – was meinst du, wenn ein Ägypter Blut an seine Tür gestrichen hätte, weil er gesehen hat die Isrealiter machen das und vielleicht sogar erfragt haben warum, wird der Engel dann dort ebenfalls vorübergehen? Wir wissen es nicht, wir wissen allerdings dass sich beim Auszug „viele Nichtisraeliten“ (V. 38) angeschlossen haben, ähnlich wie Rahab sind sie durch ihr Vertrauen ein Teil des Volkes Gottes geworden.

    Zurück zu dieser Lektion: Mir ist es wichtig, dass die Kinder verstehen: Vergeben ist schwer, aber Jesus will, dass ich vergebe. Woher können sie denn wissen, ob die Reue ihres Freundes echt ist oder nicht? Vor allem, wenn er es tatsächlich 7×70 Mal macht? Jesus kann in unsere Herzen sehen und die Echtheit der Reue beurteilen, aber wir sehen nur das Verhalten. Und klar, wenn sie sehen, der bereut ja gar nicht wirklich, dann würden sie auch Konsequenzen ziehen müssen (z.B. nicht mehr mit diesem Freund spielen) – aber trotzdem nicht zurück ein Bein stellen oder Schlimmeres. Das ist es ja, was Nicht-Vergeben erzeugt: Bitterkeit, Rachegedanken, …

    Eine weitere Geschichte dazu:
    https://benjaminpick.de/2017/11/06/vergebung-ist-wie-ein-stein-loswerden/

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