Hochsensibel vs. hochsensitiv, was ist richtig?

Es ist kompliziert. Und es gibt viele Meinungen dazu.

Fangen wir mit Elaine Aron an. Sie nannte dieses Persönlichkeitsmerkmal highly sensitive, und in ihren wissenschaftlichen Veröffentlichungen inzwischen auch Sensory-Processing Sensitivity (SPS). Ihr ist vor allem wichtig, dass dieses Merkmal angeboren ist – und sogar bei Tieren nachgewiesen werden kann. Im wissenschaftlichen Bereich gibt es tatsächlich noch eine Unmenge anderer Begriffe, die inhaltlich das gleiche Konzept beschreiben: Environmental Sensitivity, Orchids and Dandelions, Differential Susceptibility

Auf Deutsch haben verschiedene Autoren verschiedene Begriffe verwendet (z.B. auch hypersensibel oder hypersensitiv). Es gibt sogar Autoren, die einen Unterschied machen zwischen hochsensibel und hochsensitiv – hochsensibel für sensorische Sensibilität und hochsensitiv für empathische und spirituelle Sensibilität. Ihr Ansatz geht in die esoterische Richtung, sie kombiniert hochsensitiv mit Vorahnung und sechster Sinn. Dabei finde ich wichtig, zwischen meinen „Ahnungen“ und „geistlichen Eindrücken“ zu unterscheiden – das eine kommt aus der eigenen Intuition, das andere etwas, das von Gott kommt. (vgl. Johannes Hartl: Hochsensibel oder prophetisch?). Hochsensibel als einheitlichen Begriff mit verschiedenen Ausprägungen zu verwenden klingt für mich ganzheitlich – Körper und Gefühle und Geist sind sehr stark miteinander verbunden, aber nicht gleich.

Der englische Begriff sensitive heißt auf Deutsch „sensibel“. Der deutsche Begriff sensitiv ist eher ein Fachwort und wird deutlich seltener benutzt. Das englische Wort sensible bedeutet dagegen etwas ganz anderes, es geht eher in die Richtung von „sinnvoll, vernünftig“. Also bitte nicht in „highly sensible person“ zurück übersetzen!

Manche deutsche Autoren bevorzugen hochsensitiv, weil „sensibel“ für sie zu negativ konnotiert ist – wie in „du bist viel zu sensibel“ oder sogar „ein Sensibelchen“. Kann ich nachvollziehen. Aber inhaltlich bleibt es das gleiche Konzept – deshalb bringt die Umbenennung meiner Meinung nach nicht viel. Im Gegenteil, der Duden definiert sensitiv als „überempfindlich“ – klingt negativer als sensibel! Das Wort sensitiv macht aber gerade einen Bedeutungswandel durch, es wird heute deutlich häufiger verwendet als vor 30 Jahren – nicht nur bei Shampoos.

Für mich sind hochsensibel und hochsensitiv einfach Synonyme. Ich benutze eher das Wort hochsensibel, weil es gesellschaftlich gebräuchlicher geworden ist – aber es ist Geschmackssache.

Die Wolke hinter der Word Cloud wurde von Gemini generiert, Prompt: „underlay the words in the attached image with a cloud (of similar shape) and blue sky around/behind. This is supposed to be a pun (because it’s a word cloud) but also to illustrate the word confusion (like mist).“ ChatGPT hat den gleichen Prompt komplett missverstanden und ließ sich auch nicht von mir korrigieren.

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