Die Geduld des Bräutigams

Ich kann mich noch erinnern, an einem Tag, ich war in einer Kirche, viele Gäste um mich – war es meine Hochzeit? war es meine Verlobung? – Ich saß da, im Gang, und wartete, ich wartete auf meine Braut. Ständig kommt sie zu mir, schaut mich an, huscht wieder in die Küche, redet mit den Leuten im Gang, kommt wieder zu mir, zwei Sekunden später verschwindet sie aufs Klo … Wie schön ihr Kleid war!

Wieder einmal stellte sie sich vor mich, und ich zog sie auf meinen Schoß. Doch schon bald stand sie wieder auf, wie ein Kreisel, der nicht zur Ruhe kommen will.

Es war wieder ein wenig später, und sie trat vor mich und sagte: „Ich liebe dich nicht mehr.“ Und es verwirrte mich nicht, sondern ich antwortete: „Selbst wenn es so wäre, müssten wir lernen, uns zu lieben.“ Doch sie reagierte verzweifelt: „Ich glaube nicht, dass es ein weiter gibt!“

So stand ich auf, ging in den Raum nebenan, ich wollte ein Teelicht wieder anzünden und leerte es dabei aus … Ich ging zu ihr hin und sagte: „Ich gebe dir eine beliebig lange Zeit, es dir zu überlegen. Ruf mich dann an wenn du soweit bist.“ (Und wie gerne hätte ich hinzugefügt: „Aber bitte, bitte, bitte! entscheide dich für mich …“) Und ich ging zur U-Bahn, und noch immer spürte ich diese Sehnsucht nach ihr …

Als ich am Bahnsteig stand und wartete, legten sich plötzlich zwei Hände auf meine Augen, und nicht nur an der Zierlichkeit ihrer Hände, sondern auch in meinem Geist spürte ich: das ist sie!

Seitdem weiß ich, dass es sich lohnt, zu warten.

Du bist schön

„Du bist schön.“ sage ich und setze mich hinter sie. „Du bist schön und keiner erkennt das an. Das ist ungerecht.“ Sie hält inne und betrachtet sich im Spiegel. „Wie meinst du das?“

„Ich meine“, versuche ich mich zu verteidigen, denn ich ahne, dass ich gerade etwas Dummes gesagt habe, „ich meine, es gibt so viele Models, die von allen für ihre Schönheit bewundert werden, und du …“ Maria fährt fort, sich zu kämmen. „Meine Haare glänzen nur für dich.“ sagt sie bedächtig. Mein Blick wird starr. „Wie habe ich das verdie…“ Sie unterbricht mich. „Natürlich hast du es nicht verdient, was verdient man sich heutzutage noch. Aber …“ – „Ja?“

Sie holt Luft und sagt leise: „Aber ich liebe dich.“ Die Sonne kommt hinter den Wolken hervor und strahlt plötzlich durch das Fenster. Tatsächlich, ihr Haar glänzt. „Ich liebe dich auch.“ antworte ich.

Sie dreht sich um und schaut mir in die Augen. „Jedenfalls, Matthias, bist du auch schön.“ und fügt schnell hinzu, als sie die Runzeln in meiner Stirn sieht, „In meinen Augen.“

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„Es gibt Liebe, die liebt, weil sie etwas Wertvolles sieht – und es gibt Liebe, die wertvoll macht, was sie liebt.“

(John Ortberg, „Die Liebe nach der du dich sehnst.“)

Es ist fertig

Es ist fertig, die Examen, der Unterricht! Hey, es ist fertig, die Jungs!

Das ist Isfatessien, ein undefinierbares mélange zwischen Französisch und Deutsch. In diesem Fall wollte ein Franzose sagen: „C’est fini les examens, les cours! Hé, c’est fini les gars!“ Auf Benjamin-Deutsch heißt das:

Er überquerte die Ziellinie. Die Zeit wurde noch nicht bekannt gegeben, aber nicht das ist das Wichtigste. Was zählt, ist … Da, sein Trainer kommt auf ihn zu, erschöpft lässt er sich in seine Arme fallen. „Du hast alles gegeben, mein Junge. Bravo.“ Und er nickt, außer Atem, und Schwäche überfällt seinen Körper. Glück überfällt seine Seele: er ist hier, im Stadium, rannte die 10 000m, auf die er sich schon Monate vorbereitete. Er hat es geschafft.

Und in Klartext heißt das:

Meine Semesterferien haben begonnen. (Aber das habe ich noch nicht realisiert.)

Gott ist … Gerechtigkeit

Zwei Diebe unterhalten sich.

Meinst du, Gerechtigkeit ist allgegenwärtig?

– Natürlich.

Warum sieht man sie dann so selten? Das letzte Mal als sie auftauchte, waren sie viele, hatten grüne Mützen auf und kamen mit Handschellen auf mich zu …

– Das ist nicht Gerechtigkeit, das ist nur ihre Anwaltschaft.

Na siehste. Gerechtigkeit hat eine hohe Nase und käseweise Haut … oder sie ist blind.

– Das würde ich so nicht sagen.

Wie dann?

– Das Gericht ist noch nicht einberufen worden. Wie soll Gerechtigkeit für ihre Durchführung sorgen, wenn ihre Zeit noch nicht gekommen ist? Wir leben in einer Zeit der freiwilligen Gerechtigkeit. Im Gericht werden die letzten Worte gesprochen. … Welche Rolle wirst du im Gerichtssaal haben?

Ähm …. Zeuge.

– Du hast Recht, wir sehen viel Ungerechtigkeit, aber meistens, weil wir es sind, die sie tun. Natürlich siehst du viele Diebstähle …

Aber du doch auch!

– War es jemals gerecht, Vergleiche anzustellen? Ist es gerecht, ein Flugzeug zu beneiden, weil es so viel schneller ist als meine Ente? Außerdem, wer sagt dir, dass du mit den richtigen Maßstäben vergleichst? Die Ägypter hatten Gerechtigkeit anders gemalt, als wir es getan hätten. Wer hat mehr von Gerechtigkeit gesehen?

Ach du, die Zeitungen, heute, wir sind ziemlich gut informiert.

– Wir kennen jede Ungerechtigkeit.

Genau.

– Und was ist Gerechtigkeit? Wenn all das nicht passieren würde?

Öhm, naja … zumindest wäre das Leben dann viel ruhiger.

– Du könntest auch aufhören, die BILD zu lesen, dann wird das Leben schon ruhiger.

Was ist denn nun Gerechtigkeit?

– Eine Person.

Die Straßenbahn fährt vorbei, die Autos bremsen, eine Frau schreit auf: „Mein Schlüssel!“

Warum sehe ich diese Person nicht? Sag bloß, du glaubst an … Moment, wir sind schon so lange zusammen, wir drehen die schönsten Dinger, und du sagst, dass … ?

– Ein andermal, Fred.

Und Ed stand auf, bezahlte seinen längst ausgetrunkenen Kaffee und ging nach Hause.

Gott ist wie … Musik

Gott ist …

… wie Musik in dem Lärm unsrer Tage

(Du bist einzigartig)

Ich lebe in einer lauten Welt. Die Autos fahren und bremsen, die Smalltalks überfluten und ebben ab, die Todo-Listen bedrohen mich zu ertränken, sobald die Deadline gekommen ist; der Mikrowellen-Linseneintopf schmeckt nicht, die Busse haben Verspätung und die französische Univerwaltung ist chaotisch. Und plötzlich, inmitten diesem Lärm, entdecke ich eine Melodie; und es ist nicht der Lärm, der diese Melodie erzeugt. Ich höre sie, aber ich weiß nicht, woher sie kommt; ich verfolge sie, aber ich weiß nicht, wohin sie geht.

Maria Theresa wurde von einem Journalisten gefragt: „Wenn Sie beten, was sagen sie Gott dann, normalerweise?“
– „Ich höre ihm zu.“
Der Journalist ist verwirrt. „Und Gott, was sagt er Ihnen dann?“
– „Er hört mir zu.“

Denn ich habe mir meine Klarinette geschnappt und bin Teil des Orchesters geworden, dessen Dirigent unsichtbar ist. Ich gehe durch die Straßen und treffe manchmal andere Musiker, meistens am Sonntag, und weil die Musik, die uns der Dirigent gegeben, erfasst hat, tauschen wir begeistert einige Worte aus. Und wir gehen weiter, und wir spielen weiter. Der Lärm um uns ist nicht leiser geworden, aber die Musik, die uns verzaubert, ist nun in uns.

ich muss verrückt sein

PDF-Version

Eines Tages hatte Paul einen Traum: ein Kartenhaus, ein großes Kartenhaus, ein Kartenhaus bis an die Decke. Und er suchte seine Spielkarten aus dem Schrank, räumte seinen Schreibtisch frei und fing an zu bauen. Aber, oh nein! wie schwierig war es schon, zwei Karten aneinanderzulehnen ohne sie umzustoßen!

Nach einer Stunde schaute er auf die Uhr: Oh! ich muss in die Universität gehen! Und er stand auf, packte sein Kram und ging.

Als er wieder nach Hause kam, fiel sein Blick auf das Kartengewirr auf dem Tisch, und plötzlich erinnerte er sich an seinen Traum. Begeistert schmiss er seinen Ranzen in die Ecke und fuhr fort, einen Turm zu bauen. Und immerhin schaffte er schon eine Etage, mit fünf Kartendächern nebeneinander. Doch er hatte Hunger und irgendwann muss man schließlich auch was essen.

Einige Wochen später, Paul hatte sich schon drei Kartensets gekauft, empfand er ein tiefes Glück: 11 Etagen. Jetzt fehlen nur noch 37 und ich bin an der Decke. Voller Freude ging er in die Uni, und wäre Freude ansteckend, hätte der Ärztesektor am Tag darauf einen Zuwachs von 7000 Klienten zählen können.

Welch Schreck, als er nach Hause kam! Er öffnete die Tür zu seinem Zimmer, sah seine kleine Schwester ihre Hausaufgaben machen, sah die Hefte auf seinem Schreibtisch, sah die Karten auf dem Boden neben seinem Schreibtisch. Und leise, aber innerlich wütend schloss er die Tür wieder, rannte hinaus, hinaus in den Wald, rannte, bis sein Äußeres so erschöpft war wie sein Inneres.

Und er stöhnte, kreischte, und schließlich lag er am Boden, tot. So platt wie eine Karte, so platt wie die Karten, die seine Schwester zur Seite gefegt hatte.

10 Minuten. Es war still, der Wind streichelte Gräser und Paul, und plötzlich begriff er, dass sie nicht seinen Traum zerstört hatte, nur dessen Frucht. Und dass man wieder von vorne anfangen kann, einfach so.

Und so, als er wieder vor seinem Schreibtisch saß, und baute, stellte er fest: Nein, ich habe nicht von vorne angefangen. Ich habe von Null angefangen, aber meine Erfahrungen sind geblieben.

(Dieser Text ist unter creative commons frei benutzbar.)

Schau hin

Unser Professor in „Bases de données“ (Datenbanken) hat heute, die Einleitungsstunde, ein wenig über alles geredet, Informatik, Informationsgesellschaft, künstliche Intellegenz, Geräte zur Wahrnehmungsunterstützung von Behinderten (z.B. Internet für Blinde), Manipulation durch Medien, etc., etc., vier Stunden lang. Aber was mich fasziniert hat …

Er erzählte, er war in irgendeinem Entwicklungsland, Indien glaub ich, und seine Aufgabe bestand darin, ein Programm zu entwickeln um den Kindern lesen und schreiben beizubringen. Und weil sein erster Versuch nicht geklappt hat, hat er ein anderes Konzept versucht.

Er sagte, die Kinder sind Gewalt von sich zu Hause gewöhnt. Also hat er auch Gewalt in sein Spiel eingebaut. Ich denke mir: was für ein komisches Konzept. Ich kann doch keinem Liebe beibringen, indem ich ihn schlage. Aber er führte weiter aus: die Spielidee war, man muss ein Kind aus einer brutalen Welt retten, und dafür muss man diesem Kind schreiben und rechnen beibringen, nach und nach.

Wow. Das bedeutet, dass die Botschaft dieses Spieles implizit war: du kannst aus diesem System ausbrechen, wenn du dir Mühe gibt und dich bildest. Aber noch bevor das Kind diese Botschaft bewusst versteht, hat es sich schon gebildet, weil es in sich die Hoffnung findet und darum unbedingt diesem Kind im Computer helfen will, das zu erreichen, was ihnen unmöglich ist.

Ob ich diese Botschaft gut finde, weiß ich nicht. Aber le fait que (ähm …. alleine dass) dieses Spiel Hoffnung vermittelt, begeistert mich. Es ist also doch möglich.

Geld – Geiz – Gier – Gebirge

Eine Truppe von Arbeitern ist unterwegs in den Bergen, um Seilbahnen zu bauen. Aber nach und nach wurde die Atmosphäre unter uns unerträglich: das Geld in unseren Hosentaschen wurde zu schwer, denn unser Herz hing daran. Eifersüchtig schauten wir auf das Geld des anderen. Wir stritten uns, und schließlich schlossen wir uns zusammen, um den Chef zu stürzen.

Wir stiegen auf einen Berg, um ihn in eine Falle zu locken. Doch der Weg war lang, und erschöpft machten wir Pause. Als der Chef die Kasse rausholte, dachten wir: „aah, es gibt wieder Gehalt.“ Aber er tat es nicht. Er sagte: „Jeder zahlt zwei Euro, oder er geht.“ Wie bitte, zahlen? Hast du dich da nicht versprochen oder so? Aber er blieb hartnäckig, und zähneknirschend taten wir jeder seinen Teil in die Kasse.

Wir stiegen weiter hinauf, und wieder machten wir Pause, und wieder will er zwei Euro von jedem. Was wird er bloß mit diesem Geld machen? Ist das nicht unfair? Und wir kletterten weiter den steilen Berg hinauf, und immer wieder zahlten wir die unumgänglichen zwei Euro. Und unsere Herzen wurden leichter, denn es war unser Chef, der sie trug, die Kasse; wir mussten nur noch den Rest unseres Körpers hochschleppen.

Wir kamen an eine Lichtung. Ein wunderbarer Ausblick, und da! ein 200 Meter tiefer Abgrund. Und wir lächelten, und wir staunten, und der Chef stand auf, mit unserem Geld. Und unser Plan, ihn den Berg herunterzustoßen, war jetzt weit weg, jetzt, wo sich die Gelegenheit dazu böte. Jetzt, wo er doch geradewegs auf den Abhang zugeht … Stopp, er geht auf den Abhang zu, mit meinem Geld? Nicht dafür habe ich es in die Kasse gezahlt, dass …

Und er tat es. Er warf die Dose, und unsere Herzen standen still. Die unsichtbaren Fäden des Geldes zogen uns hinterher … aber wir blieben stehen. Einen Moment war da ein Funken Vertrauen in unseren Chef, und der unsichtbare Faden riss einen Teil unseres Herzens heraus. Blutend setzten wir uns hin, uns war schwindelig. Ein Jahresgehalt war da den Bach heruntergegangen! Hatten wir uns nicht deswegen hier gemeldet, um Geld verdienen zu können?

Der Chef setzt sich zu uns, ernst. Er sagte: „An wem euer Herz hängt, dem gebt ihr die Kontrolle über euer Leben. Ihr wolltet Geld verdienen, um unabhängig zu sein? Nun, das Geld hat euch abhängig gemacht. Ich habe das Geld getötet, damit es nicht euch tötet. Meine Freunde, …“

Und Tränen springen aus seinen Augen, und er spricht nicht weiter. Und Philipp stand auf, ging zu ihm hin, umarmte ihn, flüsterte: „Danke.“ Und als Philipp sich wieder setzte, haftete unser Blick an ihm, voller Bewunderung und … Dankbarkeit. Ja, wir waren ihm dankbar, dass er ausgedrückt hatte, was unsere heilenden Herzen fühlten. Und wir standen auf, wir alle, und gingen zum Chef; und weil wir ihn nicht alle gleichzeitig umarmen konnten, hoben wir ihn hoch: unsere Arme bildeten seinen Thron.

Und gemeinsam stiegen wir den Berg hinunter, und gemeinsam bewunderten wir die Schönheit der Landschaft, den fast verblühten Mohn, den spiegelglatten Gebirgssee. Wir waren wieder Freunde …

Gott ist wie … ein Blankoscheck

Mit Gott ist es wie mit einem Vertrag, einem seltsamen Vertrag: Gott hat ihn schon unterschrieben, und nun hält er ihn dir hin. Du schaust hin und liest: Hiermit verpflichte ich, Gott, mich, dich zu schützen, dich zu Reichtum zu bringen, dich mit Freude und Friede zu füllen, deinem Namen Ehre zu geben. Hiermit verpflichte ich mich, dein Bestes zu wollen. Du bist schockiert: „Nein! Kann nicht sein!“ Doch … es ist so seltsam wie ein Blankoscheck: Gott hat ihn unterschrieben und hält ihn dir hin. Er schaut dir in die Augen und wartet, wartet auf dich.

Du bist sprachlos, immer noch. Schließlich sagst du: „Aber was ist der Preis? Wie soll ich bezahlen?“ Ja, auch Jesus wurde die Frage gestellt: „Was soll ich tun?“ (Lukas 10, 25) Und er hat nicht geantwortet, „Bete 100 Mal das Vater-Unser“, er hat nicht geantwortet, „gehe jeden Sonntag in die Kirche“, nicht einmal, „Sei dem Papst treu.“ Nur eines: „Liebe. Liebe Gott, liebe dich selbst, liebe deine Mitmenschen.“

Ich nahm den Blanko-Scheck an. Und ich antwortete darauf, indem ich ihm einen Blankoscheck ausstellte. Ich habe ihm versprochen, ihn zu lieben, ihn über alles zu lieben.

Was soll ich sagen? Das ist alles. Das ist Alles.