Wozu Kunst?

Wenn mir jemand sagt, Kunst existiere um sich selbst willen, so würde ich es nicht ganz treffend finden. Ich finde: Kunst existiert, um Schönheit zu zeigen.

Alle Kunst, die großartig bezeichnet wird, ist es nur deswegen, weil sie Saiten in uns berühren, von der wir vergessen haben, dass sie existieren. Weiterlesen →

Greifen nach den Sternen

Siehst du die Sterne?
– Ja.
Einer davon könnte mir gehören.
– Was meinst du?

Ich könnte einen Rakete bauen, zum Himmel fliegen, bis zu meinem Stern; dann würde ich meine Schatulle aufmachen, den Stern hineinlegen, die Schatulle wieder schließen; und wenn ich wieder auf der Erde bin, verstecke ich die Schatulle in meinem Keller.
– Bist du sicher, dass das möglich ist?
Heutzutage ist alles möglich. Die Technik, mein Lieber …

– Und wenn eine solche Rakete, mit der du zu einem Stern fliegen kannst, noch nicht existiert: würdest du sie erfinden?
Benjamin denkt nach. Nein., sagt er schließlich.
– Warum nicht? Weiterlesen →

Gott ist wie … eine Schuldenberatungsstelle

Dieu est comme … un bureau de surendettement

Als ich noch in Stuttgart wohnte, gab es da eine Hausecke, die mich immer wieder faszinierte: denn in dem untersten Geschoss des Gemäuers war ein Schaufenster, auf dem stand geschrieben: SCHULDENBERATUNGSSTELLE, in weißen, großen Buchstaben. Nicht dass ich es nötig hätte, ich meine, ich habe zwar ein paar Kreditkarten, mein Konto ist manchmal überzogen, aber daran ist ja nichts Ungewöhnliches. Und dennoch strahlte dieses Geschäft seinen Reiz aus; sei es, weil es seriös wirkt; sei es, weil ich die Innen-Einrichtung als warm empfinde.

Eines Tages beobachtete ich, dass ein Mann vor dem Schaufenster stehen blieb, zögert, und schließlich eintrat. Ich dachte mir: „So, der ist also verschuldet? Obwohl er einen Anzug an hat ?“ Aber gut, jedem das Seine. Er ging also hinein, und der Mann hinter dem Schreibtisch begrüßte ihn und bot ihm – ohne Witz – einen Kaffee an. Jener lehnte höflich ab, er sei kein Kaffeetrinker, ob es denn Tee gäbe? Natürlich. Und sie redeten über dieses und jenes, ich lernte, dass der – sagt man: Schuldenberater? – dass seine Frau krank ist, Grippe, nichts schlimmes. Plötzlich schaute der – der Beratene? der Kunde? – wie auch immer, er sah auf seine Uhr und sprang auf, er habe noch einen wichtigen Termin, und stürmte aus dem Laden. Ich schüttelte den Kopf: „So, dafür geht man also in die Schuldnerberatungsstelle ?!“ Weiterlesen →

Als du heute morgen aufwachtest …

Als du heute morgen aufwachtest, dauerte es ein paar Sekunden, bis ich dir wieder einfiel. Ein Lächeln bildete sich auf deinem Gesicht, und energisch standest du auf.
Lohnt es sich, für mich zu leben?

Noch bevor du dir den Kaffee machtest, durchblätterstest du deinen Terminkalender, wann wir uns das nächste Mal sehen werden. Am liebsten wäre dir, jetzt gleich, sofort … obwohl unrasiert, ungeduscht, und vor allem: schläfrig.
Ist dir ein Leben mit mir so viel wert?

Während das Wasser durchlief, nahmst du dein Handy in die Hand, um mich anzurufen. Aber du besinntest dich, nicht immer bin ich schon um 7.30 Uhr wach. Also schriebst du mir eine SMS – einfach so, natürlich, weil dir gerade langweilig war.
Bist du verliebt?

Als du, dein Brötchen in der Hand, die Morgenpost überflogst, ließ dich alles kalt, ja, du dachtest nicht einmal darüber nach, was du gelesen hattest. Denn deine Gedanken waren bei mir.
Bin ich dir so viel wert? Willst du wirklich den kritischen Teil deines Lebens mir schenken? Unwiderruflich?

Dann bin ich dein Gott.

Das große Sterben, oder: die Rückkehr der Vögel

Es ist still über den Dächern von Paris. Die Autos plärren nicht, die Menschen schlafen noch: es ist Sonntag morgen. Heiliger Sonntag? Nein, das nicht – aber ausschlafen, das ist heilig. Wenigstens einmal die Woche. Oder zweimal. Oder öfter, wenn man Student ist.

Es ist ruhig in den Straßen. Vereinzelt: ein Auto, ein Fahrrad, ein Fußgänger, ein Pärchen, eine Gruppe Polizisten. Nur die Vögel schreien: Hallo, hier sind wir, dieser Wohnraum ist auch unser Wohnraum!

Dabei haben sie mehr Überlebenschancen als wir. Warum? Weil sie das Übermaß nicht kennen. Sie fressen Würmer, ja, aber nur einen pro Tag. Sie werden gejagt, ja, von Katzen, die zu faul geworden sind, Mäuse zu jagen; zu dick, um auf Bäume zu klettern; und überhaupt so tun als wäre die Menschheit ihnen untertan; etwas, was ihnen zu essen bringt, heute, morgen, immer. Vielleicht werden sie auch von Hunden gejagt, die noch weniger die Intention haben, sie zu fressen; und selbst wenn sie einem größerem Vogel zum Opfer fallen, dann nicht alle auf einmal. Das Ökosystem ist erstaunlich selbstregulativ, selbstheilend.

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Der Wettkampf mit mir selbst

Ich fühle mich wie auf einer Wiese; jemand hat mich dorthingeführt, und bevor ich die Augen aufmache, erklärt er mir nochmal die Regeln: „Ganz einfach. Es gibt nur eine Regel: du musst so schnell wie möglich zum Ziel, und selbst wenn du nicht so weit kommst, je weiter du kommst, desto besser.“ Ein Rennen also. „Ein Marathon?“, frage ich. „Naja, so ähnlich, du hast halt nur 90 Minuten Zeit, dann wird abgebrochen. Hast du geübt?“

„Natürlich habe ich geübt!“ antwortete ich stolz, dabei hatte ich nur vor einer Woche angefangen, joggen zu gehen.

„Noch eine Regel: sobald du die Augen aufmachst, kannst du mich nichts mehr fragen. Hast du also noch eine Frage?“ Ich überlege scharf, aber eigentlich ist alles vorbereitet: ich habe meine Turnschuhe an, eine Käppi, falls die Sonne scheint, und einen Regenumhang, falls es anfängt zu schütten … „Ach ja … wie ist das Wetter gerade, ich meine, ich seh ja nix …“ – „Das Wetter ist perfekt.“ – „Gut, danke. Dann kann es losgehen.“

„Oke … Auf die Plätze, fertig … los!“ Ich nehme die Augenbinde ab, und als meine Augen sich an die Helligkeit gewöhnen, komme ich nicht mehr aus dem Staunen heraus. Ich dachte, es wäre eine Bahn vorbereitet worden, Absperrungen und so … ich meine, immerhin ist das Fernsehen da! … nichts. Um mich nur grüne Wiese, dort ein Wald, hier ein See, und am Himmel Wolken, die Regen versprechen.

„Wohin soll ich denn laufen?“ Er antwortete nicht, sondern ging zurück zu seinem Auto. „Bis später!“, rief er lächelnd.

(Hier geht es nicht um meine Identitätsfindung, sondern nur um eine Klausur … )

Der Kommt-Drauf-An-Sager

Ja sagen ist einfach, wenn man vergessen hat, was Nein sagen bedeutet.

Schwieriger haben es die, die immer beide Seiten der Medaille sehen wollen; aber nur ihnen fällt auf, dass die Münze auch eine Kante hat, auf der sie stehen bleiben könnte.

J’aime pas ta notion de presque … (Ich mag dein Konzept von „fast“ nicht …)

… er meinte, dass er sich von meiner Genauigkeit, die „fast“ richtige Lösungen nicht stehen lässt, etwas genervt fühlt. Aber wie gesagt, das hat auch Vorteile.

Die Prinzessin und das Krokodil

Die edle Prinzessin Adelheid schritt dem Strand entlang und dachte an ihren Geliebten, den Prinz. Doch was ist da: zwei Krokodilsaugen luren aus dem Schilf. Sie entdeckten ihr neues Opfer und Mr. Crocodile verliebte sich unsterblich ins sie.

Als Mamsell um die Ecke kam, dachte er, jetzt sei der Moment gekomen, sich zu zeigen – natürlich von seiner besten Seite, um der Prinzession schöne Augen zu machen. Also legte er seinen langen Schwanz dezent vor sie auf den Weg.

Das Unglück ließ nicht lange auf sich warten: Mademoiselle la Princesse stolperte über selbigem, und als sie erblickte, was sie zum Stolpern brachte, wurde sie sandbleich.

„Erschrecken Sie nicht“, sagte das Krokodil, und sein Mund sabberte. „Ich bin ihr neuer Beschützer und würde sie gerne heiraten.“ Die Prinzessin fand keine Worte. „Ich gebe ja zu, meine Apparence ist ein wenig … sagen wir … gewöhnungsbedürftig, aber tief innen drin bin ich ein guter Kerl.“ Die Prinzessin antwortete stotternd: „Sie wollen also sagen, dass …“ – „Ja, genau.“ Plötzlich entdeckte Croco in den Augen der Prinzessin eine Entschlossenheit, die ihm Angst machte, und tatsächlich: beherzt und geschwind hob sie ihre Handtasche auf, holte damit aus und pfefferte sie dem Krokodil an die Stirn, dem Krokodil blieb vor Schreck das Herz stehen und starb.

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Les Misérables: Ein Buch für ganz normale Weltveränderer

Les Misérables (Die Elenden) zu lesen, ist eine Reise in ein fernes, unbekanntes Land: wer kennt Paris von 1800-1835, und vor allem, wer kennt die Geschichte des unpriviligierten Volkes? Victor Hugo entführte mich in eine Welt von Dieben, Bischhöfen, Bettlern, Obdachlosen, Polizisten – die ganz normale Welt. Und weil sie so normal ist, geschieht auch Außergewöhnliches: ein Galerensklave wird Bürgermeister, ein für seine Gesetzestreue bekannter Polizist lässt Gnade walten, eine verzweifelte Frau gibt ihr Kind ab, um arbeiten gehen zu können, ein junger Student träumt von der Republik.

Und inmitten dieser (Un)Möglichkeiten ist Gott: obwohl nur selten erwähnt, spürt man, dass Er Herzen verändert, Schicksale lenkt, Befreiung anbietet. Der Erzähler erzählt nicht nur; er philosophiert und beschreibt, er psychologisiert, zieht Lehren und vor allem: stellt den Leser vor Rätsel und Entscheidungen. Denn die Frage zwängt sich auf: was ist gut? welches Leben ist lebens-wert? wie hätte ich reagiert, diesen Konflikt gelöst?

Ein Buch für Menschen, die mitten im normalen Leben die Welt verändern wollen. Ihr seid Helden.