Ein neues Hohelied der Liebe

Manche sagen, 1. Korinther 13 (oder in moderner Sprache) sei das Hohelied des neuen Testamentes. Und tatsächlich flüstert es wie ein Verliebter in das Ohr Gottes: was wäre ich ohne dich?

Was aber, wenn Gott auch uns zuflüstern würde: was wäre ich nur ohne dich?

Wenn ich dir beibringen würde, alle Menschen-Sprachen, und selbst die der Engel zu sprechen – und zwar perfekt! – aber ich habe dich nicht, dann bist du mir eine Trompete ohne Trompeter, ein Radio ohne Radiosendung.

Und wenn ich dir die Gabe der Prophetie gäbe, alle Geheimnisse erklären würde, die gesamte Wissenschaft, die der Mensch jemals lernen wird, und wenn ich dir beigebracht hätte, wie Jesus zu glauben und spektakulärere Taten als er zu tun – aber ich habe dich nicht, dann bin ich umsonst für dich gestorben.

Und wenn ich dir Barmherzigkeit gegeben hätte, mehr als je einem Menschen zuvor : alle deine Habe würdest du teilen und nichts für dich behalten, jede Minute den Armen, Kranken, Außenseitern der Gesellschaft dienen – aber wenn du mich nicht liebst, wenn du dein Herz nicht erobern lässt, dann war alles umsonst.

Ende …

Zum Abschluss meines deutsch-französischem Studiums ein Link zu einem Video, mit dem wir die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland & Frankreich erklären wollten:

Deutsch-Französische Symphonie

(Interviewt werden zwei dt-frz. Studenten (Politikwissenschaften und Musik) und der Präsident der Deutsch-Französischen Hochschule.)

Und wenn ich so zurückblicke, und mal den Nostalgie-Faktor abschalte, würde ich sagen: ich würde es wieder machen. Nicht alles war perfekt, schön, genial, aber es waren spannende Zeiten. Wenn man sich plötzlich unsicher fühlt, ob das was man macht eigentlich kulturell angepasst ist, lernt man auch die Sicherheit, sich nicht unbedingt anpassen zu müssen. Ich lernte Gelassenheit, dass man vieles auch auf den letzten Drücker organisieren kann (auch wenn ich es vermeide), stellte überrascht fest, dass man in Frankreich überfahren werden kann selbst wenn die Fußgängerampel grün zeigt, und viele Ausdrucksweisen und Einstellungen habe ich noch in meinem Wortschatz, wenn ich deutsch rede.

Letztendlich freut mich am meisten, viele Leute dort kennengelernt zu haben, weil ich mich auf sie eingelassen haben (und sie auf mich). Noch zwei Wochen, und dann kommt etwas Neues. Soll ich weinen oder vor Freude schreien?

Farbige Tage

(Sorry, I prefer to read it in english.)

Eines Tages, als ich aufstand, war der Tag nicht ganz so grau wie sonst. Ich ging frühstücken, sah auf die Uhr, ja, ich hab noch ein paar Minuten Zeit um etwas zu lesen, und rannte dann zum Zug. Als ich dort eingestiegen war, kam mir dieses bisschen Farbe wieder …

Manche Tage sind grün. Dabei meine ich nicht das Wetter, es hängt mehr von meiner inneren Einstellung ab. Solche Tage sind ruhig, friedlich, und irgendwie glücklich. Wie grünes Gras. Wilde Wälder, die darauf warten, erforscht zu werden. Kühe, Eichhörnchen, Vögel faszinieren mich, als würden sie mir zurrufen: Hey, mir gehts super, und dir?

Andere Tage sind rot. Vielleicht sind sie nicht in den Medien, aber trotzdem fühlen sie sich wie Katastrophen an. Ein vergessenes Passwort. Zoff in der Arbeit. Persönliche Herausforderungen, bei denen ich am liebsten weglaufen würde. Eine offizielle Antwort, die sich ungerecht anfühlt. Oder einfach nur die Bedrohung, sich jetzt ganz schnell entscheiden zu müssen. Sie fühlen wie Wirbelstürme in mir an, die Bäume biegen sich, sie kämpfen hart, Vögel sind verstummt, und nur noch Musik kann meine Seele berühren.

Aber in der letzten Zeit waren meine einfach nur grau. So wie die Stadt, in der ich lebe. Natürlich, Stetigkeit ist wichtig, Selbstdisziplin und so, aber meine Seele sehnt sich nach Schönheit, Wachstum, Begegnungen, Kinder, mit denen ich spielen kann, und Freunde, mit denen ich mein Leben teile. Nichts davon scheint zu passieren. Jeden Tag, so fühlt es sich an, stehe ich auf um x Uhr, frühstücke bis x+30min, fahre zur Arbeit bis x+1,5h Uhr, arbeite bis x+9,5h, dann wieder essen, dann meine Emails anschauen, ein bisschen rumhängen, schlafen. Und wieder von vorne. Irgendwie grau. Im Hintergrund ringen Ölpest und Waldbrände um meine Aufmerksamkeit.

Versteh mich nicht falsch, ich bin nicht gegen graue Tage, ich möchte nicht in einer nur-grünen Welt leben. Ich könnte weiterhin lila (spirituelle), blaue (wissengefüllte) und gelbe (organisationelle) Tage beschreiben, und so ein paar weiße Tage, wo die Zeit stillsteht, sind ziemlich erfrischend. Ich brauche eine Mischung von allen. Aber wie ich sagte, in letzter Zeit ist meine Welt ein Schwarz-Weiß-Film geworden, verschwommen, und trotzdem Aufmerksamkeit fordernd.

Aber heute kamen kleine Tropfen rot, grün, blau, gelb in mein Bild – wo kamen sie her? Von oben? Nur ein Wunschtraum?

Und ich hörte die Stimme meines Vaters: „Ich bin mit dir. Mach weiter so. Lebe das Leben, das ich dir gebe, aber vergiss nicht, für wen du lebst. Ich kümmere mich um dich. Vertrauen.“ Und das Fenster schloss sich wieder, und der Alltag war wieder da. Wird es ein besonderer Tag sein? Um Himmels willen ist mir das egal. Ich werde Ihm folgen. In die Wüste oder ans Meer, auf Teeplantagen oder Ghettos, Wälder oder Betondörfer, egal; in deinen Armen bin ich geborgen. Ja, du bist mein Leckerbissen, das, was ich begehre; und du wirst meine Begehren erfüllen. (Psalm)

Days like colours

(Übersetzung ins Deutsche ist hier)

One day, as I woke up, the day was less grey than usual. I took my breakfast, watched my clock to see if there are some minutes left to read something, and then rushed to catch my train. Once inside, this little colour peeked back into my mind …

Some days are green. And I’m not talking about weather here, it may more depend on my inner attitude to it. Those days are calm, peaceful, and in a weird, silent way: happy. Like fresh grass. Wide forest to be explored. Cows, squirrels, birds, they fascinate me, as if they were saying: I’m fine, how are you? Weiterlesen →

Über den Horizont blicken

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?
– Niemand!
Und wenn er aber kommt?
– Dann laufen wir davon! …
(Nur so eine Frage: wenn ihr keine Angst habt, warum lauft ihr dann davon?)

Dinge, die unseren Erfahrungshorizont übersteigen, werden so genannt: Außerirdische, UFOs … Vielleicht aber auch andersherum: was wir nicht kennen, nennen wir so?

Arte – Der Tag, an dem die Weißen kamen (52 min)

Der Aborigines-Stamm in diesem gut erzählten Dokumentar-Film hatte bis 1964 nie Kontakt mit Weißen. Darum nannten sie diese Menschen „Dingos, denen man die Haut abgezogen hat“ und Autos „rollende Steine“, Scheinwerfer „Monster“. Und dabei ist die Mission der Weißen, diesen Leuten zu erklären, dass sie schnell hier weg müssen – bald wird hier eine Rakete kontrolliert abstürzen. Rakete? Das war ihnen so gruselig, sie hatten nicht einmal ein Wort dafür. Weiterlesen →

Vermisst: Einfachheit

(English, plz …)

Ich hasse es zu suchen. Jedenfalls, wenn es um phyische Gegenstände geht: wo hatte ich meinen Schlüssel nochmal hingelegt? „Die Büroklammer ist in dem großen Schrank im Büro“. Jetzt könnten meine Besucher einwenden, „In dem Chaos (und ihre Augen schweifen in meinem Zimmer umher) möchte ich auch nicht leben …“ aber das entspricht nur halb der Wahrheit; nach jedem Aufräumen finde ich erstmal weniger als vorher. Ich hab wohl etwas von den Messies geerbt.

Andererseits, wenn es um innere Dinge geht, bin ich sehr ordnungsliebend. Weiterlesen →

Lost & Wanted: simplicity.

(Deutsche Entsprechung)

Sometimes I miss simplicity. I mean, I don’t really know whether I want it back or not, naivety is certainly not my goal. But … it’s just that the world god incredibly complex. I gave up understanding it. Maybe that’s what I want back: the curiosity of wanting to know more, understanding everything around me, and penetrating every mystery that I encounter. Inspite of my idealism, I settled a bit. „I don’t have to understand everything, just get along with it“, could it be that it got my motto? Nobody said that everything will be perfect, but we should try, shouldn’t we? Weiterlesen →

Ein Tag ohne Strom

(english, please…)

Auf Plinky wurde gefragt: Heute bist du dran, du darfst die Regeln festlegen. Und ich dachte an manche Länder, die regelmäßig Katastrophenübungen machen, und ich dachte, warum nicht? Und ich legte fest:

Einen Tag lang keinen Strom, für alle. Na gut, Krankenhäuser und so bekommen eine Ausnahmegenehmigung.

Und ich wäre so freundlich und würde den Stromausfall so einen Monat vorher ankündigen, so dass sich alle darauf vorbereiten können. (Einen Generator kaufen zählt nicht!) Stell dir nur vor: kein Internet, keine Banken, keine Flüge, keine Kaufhäuser … keine Ampeln, keine Kameras, kein Nintendo, kein Todesrisiko wenn man auf Strommasten klettern … und Milliarden CO2 gespart! Das wäre ein kleines Experiment, vielleicht entdecken wir so Ecken und Winkel, an denen wir lächerlicherweise von Strom abhängig sind. Und wer weiß, vielleicht könnte unser gesamter Stromverbrauch dann ausnahmsweise mal sinken?

Und dann möchte ich nicht nur, dass die elektrischen Schiebetüren zu bleiben, sondern auch, dass die Haustüren aufgehen. Ich meine, was soll man zu Hause machen, nicht einmal der Ferseher geht noch! Spieleabend organisieren sich spontan; die glücklichen Gasherdbesitzer laden die Nachbarn ein, bei ihnen zu kochen; der Stapel der irgendwann-zu-lesenden Bücher wird kleiner; die ausstehende Steuererklärung wird erstellt, zur Not zieht man den Nachbarn zu Rate (anrufen kann man ja keinen); und Kinder und Hunde sind glücklich, weil sie ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen.

P.S. Dass ich als Techniker Technik skeptisch gegenüber stehe, habe ich ja schon geschrieben.

New rule: No electrical power for anybody. For one day.

(auf Deutsch)

In some countries, there are emergency exercises regularly. What if ? How would society, and each individual in it, react? So here we go:

No electrical power for anybody. For one day. Well, hospitals and the like may get an exception.

And I would be kind, I would announce the power shortage a month beforehand, so that everybody can get prepared. Getting a generator is cheating! But just imagine: no internet, no banks, no flights, no shopping malls … no traffic lights, no cameras, no Playstation, no risk of dying when climbing the high-voltage poles … and billions of tons of CO2 saved! I would see it as an experiment, to detect spots where we ridiculously rely on electricity. Who knows? It could break the trend of using more and more energy every year.

And then I don’t only want the electric sliding doors to stay closed, but I also want the front doors to open. I mean, what can you do at home, not even TV is working! Game evenings are organizing themselves spontaneously, the happy owner of gas cookers invite others to cook at their place; the pile of yet-to-read-book diminishes; the yet-to-do tax return gets done, asking the neighbour for help if necessary (telephone lines are dead, too); and dogs and children are happy to get undivided attention.


Schönheit

Schöne Worte: Beauty and Affliction

Aber was ist denn jetzt Schönheit? Kann ich Schönheit erzeugen, indem ich über sie nachsinne? Das klingt genauso blöd wie Liebe „erzeugen“ zu wollen. Ist Schönheit heilig, unantastbar? Und doch kann ich die Blume am Wegrand zertrampeln. Was bedeutet Schönheit, für die, die sich bewusst sind, dass jederzeit jemand mit Maschinengewehr um die Ecke stürmen könnte?

Schönheit will entdeckt werden. Sie sucht sich ihren Weg in unsere Herzen, manchmal steigt sie auch durch Fenster ein, wenn wir ihr die Tür nicht öffnen. Aber sobald wir ihr sagen: Verschwinde! löst sie sich ins Nichts auf. Wie Planeten, die um eine Sonne kreisen, kreisen unsere Leben um Schönheiten, die wir vermuten. (Und gerade weil das so viele unterschiedliche Gravitationspunkte sind, wird die Bewegung so komplex – das sagen auch die Physiker (Dreikörperproblem)). Irgendwie kann Schönheit auch hin-manipuliert werden – das gefällt meinem Idealisten-Sein gar nicht. Sie ist sehr stark und doch zerbrechlich. Universell bekannt und für jeden individuell anders. Und vielleicht eine Wiederspiegelung der Ewigkeit, die in unser Herz gelegt wurde (Prediger 3:11).