Hochsensible Mitarbeiter in der Gemeinde

Artikel (PDF) im Magazin Offene Türen von Forum Wiedenest, Ausgabe 3/2018 (Juni 2018)

Potenzial-Entdecker, hohes Einfühlungsvermögen, engagiert und hilfsbereit, gute Wahrnehmung von geistlichen Situationen – wer möchte nicht solche Mitarbeiter? Mit diesen Worten beschrieben im März 2018 die 82 Teilnehmer einer Umfrage, welche Aspekte sie an der Zusammenarbeit mit hochsensiblen Mitarbeitern schätzen.

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Alle Befragten waren sich darin einig, dass es wichtig ist, dass Menschen, die von Hochsensibilität (auch Hochsensitivität genannt) betroffen sind, diese Thematik kennenlernen. Denn für eine gute Zusammenarbeit ist es grundlegend, dass sich alle Beteiligten ihrer besonderen Stärken und Schwächen bewusst sind. Hochsensibilität bedeutet vor allem, dass die wahrgenommenen Ideen, Gefühle und Eindrücke überdurchschnittlich tief und lange verarbeitet werden. Zum Beispiel: In einer wichtigen Gruppendiskussion werden Mitarbeiter mit dieser Veranlagung zunächst intensiv zuhören, die jeweiligen Anliegen der Personen in sich aufnehmen, das Wahrgenommene intuitiv mit anderen Erfahrungen verknüpfen und innerlich kreative Problemlösungen erarbeiten. So kann es passieren, dass sie anschließend extrem erschöpft sind, obwohl sie kein Wort gesagt haben. Oder auch, dass ihnen Stunden oder Tage später plötzlich eine Lösung einfällt. In einer erfolgreichen Zusammenarbeit können solche Mitarbeiter erfahren, dass ihre Gedanken und Empfindungen den Leitern wertvolle Informationen geben können, auch wenn ihre Vorschläge vielleicht nicht unverändert umgesetzt werden.

Wie wichtig ist es dabei, reif mit sich selbst umzugehen! Dieses Thema wurde auch von einem Umfrage-Teilnehmer genannt: „Ich finde, Hochsensibilität ist eine wundervolle Gabe Gottes, die man wie andere Gaben auch pflegen und weiterentwickeln muss …“ Am Anfang steht folgende Erfahrung: Wir brauchen die Ergänzung durch andere – und sind selbst fähig und bereit, andere zu unterstützen. Wenn Gott uns spezielle Gaben schenkt, haben wir auch die Verantwortung, herauszufinden, wie wir diese Gaben für sein Reich einsetzen können. Nur so kann Gemeinde wie ein lebendiger Körper funktionieren (1. Korinther 12). Mein Ziel für die nächsten Jahre ist es, Hochsensible in ihrem Reifungsprozess zu unterstützen, damit sie mit dieser Gabe ihrer Gemeinde dienen können.

In meiner Abschlussarbeit stelle ich die Umfrageergebnisse ausführlicher vor und gebe weitere Tipps für eine gelungene Zusammenarbeit.

Stärken (Hauptamtliche)

Antworten der Gemeinde-Mitarbeiter auf die Frage: Welche positiven Erfahrungen hast du mit hochsensiblen Mitarbeitern in deiner Gemeinde gemacht? (Mehr in der Abschlussarbeit) (vergrößern)

Heiligkeit in Kindersprache erklärt: Gott ist größer, als es in mein Kopf passt

Kennt ihr die Geschichte von Mose? Mose war ein Prinz in Ägypten. Dabei war er gar nicht Ägypter, sondern Israelit. Das war zu der Zeit, als alle Isrealiten für den Pharao arbeiten mussten.

Mose ist vom Königspalast weggelaufen und wohnt jetzt im Ausland. Da ist es ganz trocken, fast schon eine Wüste. Er hat da sein ganz normales Leben: er hat geheiratet, hat Kinder, und ist Hirte. Jeder Tag sieht gleich aus: er steht auf, betet zu Gott, holt die Schafe aus dem Stall, wandert mit ihnen zu einem Ort, wo es ein bisschen Gras gibt, wartet auf die Schafe … Und er überlegt: „Es ist jeden Tag das Gleiche. Ich weiß, wie das Leben funktioniert.“ Und die Schafe haben gefressen und er geht mit ihnen weiter zu einem Brunnen, gibt ihnen etwas zu trinken, und wartet wieder: „Es ist jeden Tag das Gleiche. Ich weiß, wie das Leben funktioniert. Ich weiß, wer Gott ist, und was ich tun muss.“ (Manchmal haben wir auch das Gefühl: ich kenne diese Geschichten doch schon. Ich weiß das doch schon alles. Ging es euch schon mal so?) Und so wurde Mose ziemlich alt. Aber eines Tages passierte etwas ganz Besonderes:

Wieder steht er auf, betet zu Gott, holt die Schafe aus dem Stall und führt sie zu einer Stelle, wo es noch Gras gibt. Als er in die Ferne sieht, sieht er ein Feuer, und denkt sich nichts besonderes: vielleicht macht da jemand ein Lagerfeuer oder so. Er geht mit den Schafen weiter zu dem Brunnen, gibt ihnen zu trinken, und wartet wieder … Und wieder denkt er: „Es ist jeden Tag das Gleiche. Ich weiß, wie das Leben funktioniert, wer Gott ist, und was ich tun muss.“ Er erinnert sich an das Feuer und schaut nochmal in diese Richtung, und sieht: hm, das ist ja gar kein Lagerfeuer, das ist einfach ein Busch, der brennt. Naja, kann passieren, es ist ja ziemlich heiß hier, das war bestimmt die Sonne. Und er bricht auf und nimmt die Schafe mit. Aber dann fällt ihm ein: Moment, das ist ja schon ein paar Stunden her, wo ich den Busch das erste Mal gesehen habe! Und er schaut nochmal genau hin, und stellt fest: der brennt zwar, aber das Feuer wird gar nicht kleiner! Das verbrennt ja gar nicht, das ist ja komisch!

Jetzt ist er neugierig, lässt die Schafe stehen und geht zu dem Busch. Als er schon fast da ist, hört er plötzlich eine Stimme die aus dem Busch kommt: „Moses, Moses!“ – (Stirnrunzeln) „Ja, hier bin ich?“ – „Moses, geh keinen Schritt weiter, und zieh deine Schuhe aus! Denn der Ort, auf dem du stehst, ist ein heiliger Ort, ein Ort, der zu mir gehört!“ Der Busch redet?! Er zieht seine Schuhe aus. Und dann hört er etwas ganz Krasses: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“ Das ist Gott! So hat er sich Gott aber nicht vorgestellt! Und dieser Tag hat sein Leben ziemlich verändert.

Und deswegen erzähle ich euch diese Geschichte: Gott ist sooo groß! Er ist so viel größer, er passt einfach nicht in unser Kopf rein! Auch wenn ich Gott schon jahrelang kenne, lerne ich immer wieder Neues über ihn. Weil er so groß ist, dass ich immer nur ein kleines bisschen von ihm verstehen kann.

(Nach 2. Mose 2-3)

Wer ist der verlorene Sohn? (Gnade ohne Grenzen)

(Teil dieser Predigt, 35min)

„Irgendetwas ist komisch mit diesem Jesus.
Er ist mitten unter diesen …
Ich weiß nicht wie ich sie nennen soll…
Ich trau mich fast nicht es zu sagen, aber dieses Wort passt wohl am Besten …
Er ist mitten unter diesen Pennern.
Ich meine: diesen Obdachlosen, Alkoholikern, Junkies …
diesen Abschaum der Gesellschaft,
diese Müllhalde der Menschen …

Und Jesus fühlt sich da wohl? Und sie fühlen sich wohl bei ihm?
Ich sag euch, da stimmt doch was nicht!

Ich meine, ja, es ist schon gut, dass sie das Evangelium hören,
irgendjemand muss ja da hin gehen und sie missionieren,
aber … er redet ja nicht nur mit ihnen. Jesus geht zu ihnen nach Hause, isst mit ihnen, streichelt ihre Schafe und manchmal spielt er sogar Schach mit ihnen.
Ist das etwa Gott wohlgefällig? Ist das das, was das Gesetz von uns verlangt?
Wir sind doch die Gerechten. Er sollte mit uns Zeit verbringen, nicht mit denen.“

Das sagten sich einige Pharisäer, die Jesus beobachteten.
Sie haben schon viel von Jesus gehört,
und jetzt sind sie persönlich hingegangen, um ihn zu sehen,
und sie sind total verwirrt.
Sie wissen nicht, was sie von ihm halten sollen.
Und deswegen beschließen sie: wir gehen jetzt einfach zu Jesus und fragen ihn.

Verlorener Sohn Teil 1

„Jesus, Rabbi, warum isst du mit diesen Sündern?!“

Jesus drehte sich zu ihnen, sah wieder auf die Volksmenge um ihn herum, und setzte sich hin.
Er muss wohl etwas Wichtiges zu sagen haben.
Alle setzten sich und spitzten die Ohren. Jesus sagte:

„Ich möchte euch eine Geschichte erzählen.
Da war ein Hirte, der hatte 100 Schafe.
1 Schaf davon ging ihm verloren, also hatte er noch 99 übrig.
Als er zu Hause nachzählte und bemerkte, dass ihm ein Schaf fehlt, dachte er sich:
‚Naja, macht nichts, ist ja nur ein Schaf. Ich hab ja noch 99.‘

Nein, natürlich nicht! Er stand auf, ging den Weg zurück, den er gekommen ist,
‚Vielleicht hat sich das Schaf verlaufen,
oder es dachte, das Gras sei grüner auf der anderen Seite des Grabens …
Mein Schaf ist verloren! Ich muss es finden!‘

Und als es Abend wurde, hörte er ein Blöken, das er kannte.
Und er rennt zu dem Busch, befreit das Schaf aus den Dornen,
nimmt es auf den Arm und trägt es nach Hause.
Und als er wieder ankommt, ist er ganz aus dem Häuschen und erzählt allen Nachbarn:
‚Ich hab mein Schaf wieder gefunden! Ich hab mein Schaf wieder gefunden!
Freut euch mit mir, ich hab mein Schaf wieder gefunden!‘

Ja, wirklich, ich sage euch:
so freut sich der ganze Himmel, wenn ein Sünder umkehrt.
Das ist ein Grund zur Freude.
Darüber freut sich der Himmel mehr als 99 Gerechte, die schon immer zu Gott gehört haben.“

Verlorener Sohn Teil 2

Die Pharisäer zuckten zusammen. Hatte Jesus ihnen etwa vorher zugehört? Sie schauten einander an und überlegten, was sie Jesus jetzt antworten könnten. Aber bevor jemand eine gute Idee hatte, redete Jesus weiter.

„Ich möchte euch noch eine Geschichte erzählen.
Da war eine Frau, die hatte 10 Münzen.
Aber als sie nachzählte, merkte sie, dass es plötzlich nur noch 9 sind – 1 Münze fehlte!
Also steht sie auf, durchwühlt den Sandboden, schaut hinter alle Möbel und unter alle Krüge,
und schließlich … da ist sie. Die verlorene Münze.
Sie ist so aus dem Häuschen, sie erzählt allen Nachbarn:
‚Ich hab die Münze wiedergefunden! Ich hab die Münze wiedergefunden!
Freut euch mit mir, ich hab die Münze wiedergefunden!‘

Ja, wirklich, ich sage euch: so freut sich der ganze Himmel, wenn ein einziger Sünder umkehrt.“

Verlorener Sohn Teil 2 copy

Die Pharisäer stöhnten. Das hatten sie doch gerade. Das hat Jesus doch schon mal gesagt, hält er sie etwa für dumm? Aber Jesus redete einfach weiter.

„Ich möchte euch noch eine Geschichte erzählen.
Da war ein Vater, der hatte zwei Söhne,
einen älteren Sohn und einen jüngeren Sohn.
Der jüngere Sohn ging zum Vater und sagte:
‚Wenn du stirbst, werde ich meinen Teil von all dem bekommen, was jetzt dir gehört.
Ich will das Zeug jetzt schon haben.‘

Wie muss sich der Vater wohl dabei gefühlt haben? Dem Sohn war das egal.
Er bestand auf sein Recht, und sobald er konnte, füllte er seinen Geldbeutel mit diesem Erbe.
Und schon ein paar Tage später packte er seinen Rucksack und ging weit, weit weg.
Er machte einfach genau das, worauf er gerade Lust hatte – das Geld dazu hatte er ja.
Eine Zeit lang zumindest. Bis er eines Tages pleite war. Wie sollte er weiterleben?

Er suchte einen Job zum Geldverdienen, aber die Wirtschaft sah gerade echt mau aus,
und schließlich fand er einen Job – aber was für einen.
Schweine hüten (Nase zuhalten).
Und davon konnte er sich nicht einmal satt essen.“

Ein Pharisäer konnte sich nicht mehr zurückhalten und rief: „Geschieht ihm recht! So eine Schande für die Familie!“ Jesus zögerte. Dann fuhr er fort:

„Das war kein schönes Leben. Schweine!
Und so fing der jüngere Sohn an, nachzudenken.
Wie gerne würde er das alles rückgängig machen.
Hätte er doch nicht ganz so verschwenderisch gelebt!
Hätte er sich doch früher darum gekümmert, einen Job zu finden!
Wäre er doch gar nicht auf Reisen gegangen!
Hätte er sich das Erbe doch nicht auszahlen lassen …
Er sagte sich: ‚Jetzt ist es zu spät. Ich hab es voll verbockt.
Aber vielleicht … mein Vater ist ja ein guter Chef.
Vielleicht … vielleicht gibt er mir ja einen besseren Job als das hier. … (Nase zuhalten)
Und so brach er auf. Reich ging er weg, arm kam er zurück.
Ich weiß, verdient hab ich das nicht. Aber ich muss es probieren.
Ich .. werde ihn ganz freundlich fragen, ich werde ihn sogar siezen,
und wenn er mich wegscheucht … keine Ahnung. Aber alles ist besser als das hier.‘ (Nase zuhalten)
Und so brach er auf. Reich ging er weg, arm kam er zurück.

Der Vater sah seinen Sohn von der Ferne.
Und als er ihn sah, fing er an zu rennen, er rannte und rannte und fiel ihm um den Hals.
Damit hatte der Sohn nicht gerechnet. Er spulte die Sätze ab, die er sagen wollte:
‚Vater, ich hab es verbockt, ich bin komplett unwürdig, aber bitte, könnte ich vielleicht…‘
Aber da unterbrach ihn der Vater.
Er sah ihm in die Augen und sagte: ‚Du bist und bleibst mein Sohn.‘

Dann rief er einen seiner Knechte zu sich und sagte ihm:
‚Das ist mein Sohn. Mein Sohn ist wieder da!
Sorg dafür, dass er neue Kleider bekommt!
Schlachte mein Kalb, das beste Kalb das wir haben, und lade das ganze Dorf ein!
Jetzt wird gefeiert! Mein Sohn war wie tot, und jetzt lebt er wieder! Wir müssen ihn feiern!‘

Der ältere Sohn kam erst spät von der Arbeit heim. Er hörte den Partylärm von draußen und fragte nach: ‚Warum wird da gefeiert?‘ Und als er hörte, dass sein jüngerer Bruder der Ehrengast war, wurde er wütend. Er weigerte sich, mitzufeiern. Er blieb einfach stehen.

Der Vater bekam das mit und ging nach draußen,
um mit seinem älteren Sohn zu reden.
‚Warum bist du wütend?‘

– ‚Das ist so ungerecht!
Ich schufte Jahr für Jahr für dich,
und für mich gibst du keine Party.
Und dann kommt da eines Tages dieser dahergelaufene ⚡?⚡
und tut einfach so, als wäre er nie weg gewesen.
Verstehst du das denn nicht? Das ist ungerecht!‘

Der Vater hörte ihm geduldig zu,
und als der ältere Sohn bereit war, eine Antwort zu hören, sagte er:
‚Hättest du es dir von mir gewünscht, hätte ich dir auch eine Party gemacht.
Darum geht es doch gar nicht.
Guck mal: dein Bruder ist zurück! Er war wie tot, und jetzt lebt er wieder!
Müssen wir das nicht feiern?‘ “ …

Verlorener Sohn Teil 2

[Hier hört der Bibeltext einfach auf. Was könnte danach passiert sein?]

Alle Zuhörer schwiegen. Wie wird die Geschichte ausgehen?
Aber Jesus spricht nicht weiter. Stille. …

– „Und so hört die Geschichte also auf?!“
Einer der Pharisäer hatte die Arme verschränkt und forderte Jesus heraus.
„Wer von den beiden Söhnen sollen wir denn bitteschön sein??“
Aber sein Freund neben ihm stupste ihn an und sagte:
„Stell nicht so dumme Fragen!
Komm, wir verschwinden, bevor es noch peinlicher wird …
wenn das Volk versteht, was Jesus da gesagt hat …“

Aber der Pharisäer hob seine Nase noch höher und rief:
„Wie bitte?! Ich soll mich darüber freuen, dass diese Junkies ihren Weg zu Gott finden? Die haben es doch gar nicht verdient! Nie-mals.“ Und er drehte sich um, und ging weg.

Und Jesus schaute ihm hinterher,
wie ein Vater, der gerade seinen Sohn verloren hat.

(Nach Lukas 15)

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Reflexions-Fragen:

  • Wo findest du dich in der Geschichte, wer oder was bist du?
  • Versetze dich in diese Rolle: Vor was hast du Angst? Auf was hoffst du?

Videos über Gnade von den SkitGuys (englisch):

  • Gnade ist … Heimat. (The Prodigal)
  • Gnade ist … Gottes verrückte Liebe zu uns. Jesus gibt Petrus einen Neu-Anfang. (Grace)
  • Gnade ist … Du bist Gottes Meisterstück. Denkst du wirklich, du bist Müll?(God‘s chisel)

Passende Lieder:

  • Reckless Love
  • Good, good, Father
  • Turn your eyes upon Jesus …

Bibliolog:

  • Du bist der ältere Sohn, der gerade von der Arbeit heimkommt und erfährt, dass sein Bruder wiedergekommen ist. Was fühlst du? Was denkst du? Was würdest du an seiner Stelle denken?
  • Du bist der jüngere Sohn, du hast alles verschwendet, Schweine gehütet, und jetzt beschlossen, wieder zurück zu gehen. Zum … „Vater“, nun ja, vielleicht kannst du ja als Knecht bei ihm arbeiten. Als du den Bauernhof von der Ferne siehst, rennt dir der Vater entgegen, er rennt und rennt, bis er vor dir steht und dich einfach ganz fest drückt. Was denkst du? Wie fühlt sich das an?
  • Du bist der Vater. Jahrelang hast du gewartet, und endlich, endlich ist der Sohn wieder bei dir. Du umarmst ihn und willst ihn am liebsten gar nicht mehr loslassen. Aber schließlich lässt du ihn los, gehst einen Schritt zurück, schaut dem Sohn in die Augen und sagst: „Du bist und bleibst mein Sohn.“ Dein Herz fließt über … Was fühlst du? Was hoffst du? Was erwartest du?
  • Du bist der jünger Sohn. Die Party hat begonnen, du bist frisch gebadet und schick angezogen. Da erinnerst du dich plötzlich an deine Zeit bei den Schweinen. Wie siehst du diese Zeit jetzt? Was fühlst du, wenn du an sie denkst?

s.a. Kindergottesdienst-Entwurf

Hochsensibilität und Christsein

Hochsensibilität – was ist das?

Hochsensible Menschen (manche nennen sie auch „hochsensitiv“) verarbeiten das, was sie wahrnehmen, sehr gründlich und tief. Das liegt an der Art, wie das Gehirn funktioniert: von den Tausenden Informationen, die über unsere Sinne auf uns einströmen, können alle Menschen nur einen kleinen Bruchteil bewusst wahrnehmen, wir filtern uns automatisch heraus, was uns relevant erscheint. Bei Hochsensiblen sind diese Filter nicht ganz so stark ausgeprägt, so dass sie feinfühlig auf Nuancen reagieren – aber auch schneller überfordert sind, weil ihnen „alles zu viel“ wird. Musik, Geräusche, Emotionen, Gerüche lösen in ihnen starke Gedanken und Gefühle aus, die dann erst mal sortiert werden wollen, und daher verhalten sie sich oft anfangs sehr vorsichtig und zurückhaltend. Dieses Persönlichkeitsmerkmal ist also Stärke und Schwäche zugleich.

Konkret?

Bei mir sieht das so aus:

  • Auf kognitiver Ebene nehme ich Ideen und Konzepte nicht isoliert wahr, sondern ziehe ständig Querverbindungen zu anderen Wissens-Domainen. (Am liebsten würde ich in meiner Ausbildung weniger Fächer gleichzeitig lernen, um mehr Zeit für die Verarbeitung zu haben.) Wenn ich Texte in eine andere Sprache übersetze, bemerke ich, dass ich sehr viel in Bildern und Gefühlen denke und diese versuche zu übertragen. Ich bin ein Sinn-Sucher: bei allen Plänen suche ich nach der Motivation und ordne es in das Gesamt-System ein, und wenn ich keinen Sinn entdecke, fällt es mir extrem schwer, meine Aufgabe zu erledigen. Und ich liebe Qualität: was ich sage, muss erst durchdacht und von vielen Perspektiven beleuchtet sein, bevor ich es weitergebe. (Hier mehr dazu: Was ist kognitiv hochsensibel?)
  • Auf emotionaler Ebene nehme ich oft Gefühle in den Augen und Verhalten von anderen wahr, und sie hallen in mir noch Stunden nach, wie ein Echo. Kunst spricht mich tief an. Damit ich nicht von meinen Gefühlen überfordert bin, muss ich sie immer wieder kreativ verarbeiten – ich geh dann Klavier spielen, Tagebuch schreiben oder malen. Intuitiv bemerke ich, welche Erwartungen in der Luft liegen – und ich bin dabei zu lernen, mich abzugrenzen, denn es ist unmöglich, allen Erwartungen gerecht zu werden.
  • Diese intensive Reizverarbeitung ist manchmal sehr anstrengend (aber ein Tag ohne solche Herausforderungen wäre auch langweilig). Darum brauche ich 8-9h Schlaf und einsames Spazieren durch die Natur, um mit innerem Frieden und freudiger Erwartung durch die Welt gehen zu können.

Hochsensibilität in Gemeinde (und anderen Teams)

Für mich hat es viele Jahre gedauert, bis ich mit diesen meinen Besonderheiten gut umgehen konnte – und der Prozess geht weiter. Aber immer wenn es mir gelingt, mit meinen Stärken der Gemeinschaft zu dienen, bin ich glücklich: wir Menschen brauchen einander in unserer Vielfalt. Jede Gabe ist wichtig. Und so möchte ich nun anderen helfen, diesen Prozess zu gehen.

Wozu? Da gibt es ein geniales Bild in der Bibel: alle Christen sollen wie ein Körper zusammenarbeiten. Das ist auch meine Überzeugung, was Hochsensibilität betrifft: Hochsensible und Nicht-Hochsensible müssen einander besser verstehen, damit sie Seite an Seite für Gottes Gerechtigkeit kämpfen können

Es ist wie in Herr der Ringe: Gimli, der Zwerg, tötet die Elefanten, indem er kraftvoll und beharrlich auf sie mit seinem Schwert eindrischt. Legolas, der Elb, spannt seinen Bogen, zielt mehrere Sekunden lang, und trifft dann genau die Stelle, an dem der Elefant verwundbar ist. Keine Methode ist an sich „besser“ oder „wichtiger“. Zwar zählen sie mit, wie viele Elefanten jeder erlegt hat, aber sie wissen genau: ohne den anderen hätte ich keine Chance. Und das ist auch die Gesamtbotschaft des Romans: die Gefährten brauchen einander, obwohl … oder gerade weil sie so unterschiedlich sind.

Mein Ziel ist also größer als hochsensiblen Menschen ein glückliches, beschwerdefreies Leben zu ermöglichen. (Wäre in dieser Welt auch ziemlich utopisch.) Sondern: wenn sie begreifen, dass sie einen Vater im Himmel haben, der es wirklich gut mit ihnen meint, dann werden sie sich erlauben, Kind zu sein. Sie werden sich lieben lassen, ihre Bedürfnisse ernst nehmen und an die richtige Adresse gehen, um sie zu stillen. Und dadurch werden sie reif, Gottes Liebe an andere weiterzugeben. Lieben und sich lieben lassen gehört zusammen.

In der Bibel gibt es noch ein wunderschönes Bild dafür: Christen sind wie eine Braut, die sich auf ihre Hochzeit mit Jesus vorbereitet. Zur Zeit des Neuen Testamentes war es üblich, dass der Bräutigam nach der Verlobung in seine Heimatstadt reiste, um alles zu klären, und dann zurück kam – aber man wusste nicht wann. Wie aufregend! Wie erwartungsvoll!

Das ist mein Lebenstraum: zu sehen, wie die Gemeinde Jesu auf der ganzen Welt in dieser Erwartungshaltung lebt. Das ist der Schmuck, den sie anlegen soll: das volle Vertrauen auf Gott. Und wenn sie sich darauf fokussiert, wird sie andere Dinge einfach weglassen, weil diese unnötig oder sogar hinderlich sind. Simply trust.

Und jetzt?

Wenn dich mehr interessiert, was Hochsensibilität / Hochsensitivität mit dir zu tun hat, habe ich einige Arbeitsblätter zur Selbstreflektion erstellt, die dir bei dieser Entdeckungsreise helfen können.

Wie finde ich meine Berufung – Moments when I felt alive

Manchmal bricht ein Sonnenstrahl durch die Wolkendecke, die man „Alltag“ nennt. Der Zeitpunkt wird ein besonderer Moment, und schließlich eine kostbare Erinnerung. Und im Nachhinein kann ich darin lesen: Ach so, dafür lebe ich.

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Es sind schöne Momente. Momente, in denen ich neue Kraft, neue Hoffnung schöpfe. Es sind Gipfelerfahrungen, in denen ich mir neu Orientierung verschaffe. Sie sind rar – und dafür umso willkommener.

Und doch entstehen sie nur dann, wenn ich über meinen Schatten springe und etwas wage. Sie sind Geschenke – ich kann sie nicht erzwingen. Und immer sind sie „work in progress“, eine Baustelle mitten im Leben, nichts Endgültiges oder Gott-Ähnliches.

Vor allem aber: sie sind wie Hinweistafeln, die auf den Traum zeigen, den Gott in mich hinein gelegt hat.

„The place where God calls us is the place where our deep joy and the world’s deep hunger meet.“ (Frederik Buechner, Wishful Thinking: A Seeker’s ABC. – Der Ort, an den Gott uns beruft, ist da, wo unsere tiefe Freude und der tiefe Hunger der Welt sich treffen. – Diese Wahrheit wurde wunderbar illustriert von Bruce Wilkinson: Schöpfer der Träume)

Aber letztendlich ist selbst diese Berufung nicht das Wichtigste in meinem Leben. Meine erste Berufung ist: „Liebe Gott. Lass dich von ihm lieben. Und tu das, was in dieser Liebe steckt.“

Wann hast du dich das letzte Mal so richtig lebendig gefühlt?

Seit vielen Jahren habe ich ein Büchlein, in dem ich solche Momente sammle. Wie kannst du dafür sorgen, dass du deine Lichtblick-Momente nicht vergisst?

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Hier eine Beispiel-Seite:

LICHTBRINGER

Wie Hände, die eine Kerzenflamme vor dem Wind schützen,
wie Füße, die Licht-Spuren hinterlassen,
wie Sonnenschein, beständig sanft und radikal.
Wie ein Wächter, der auf Missstände aufmerksam macht,
wie ein Liebender, dessen Hoffnung nicht endet,
wie ein Priester: Gottes Reich komme!

Nov 2011 – Vor der Uni zetert und weint jemand. Zunächst ließ ich mich nicht in meiner Unterhaltung mit einem Freund stören. Ok, ich hatte auch Angst: vielleicht kenn ich die Person sogar. Aber als ich dann alleine war und anfangen wollte zu arbeiten, ließ ich mich rufen und kehrte um. Was kann ich denn tun? Zuhören.

Und so ging ich auf sie zu, und hörte zu. Sie war verzweifelt, weil sie scheinbar alles versucht hat, kein Job, kein Geld, keine Freunde. Nach einer Weile frage ich, wonach sie eigentlich sucht, und sie gesteht ein, dass sie das alles aushalten würde, wenn sie stabile Beziehungen hätte. Am Ende sagte ich: „Ich werde für Sie beten.“ – „Schon wieder einer von diesen Christen … aber wenigstens sagst du nicht, dass ich beten soll.“ Und schließlich wünschte ich ihr ein „normales“ Leben, das, wonach sie sich sehnt.

Meine Stärken:

  • Mitleid, Empathie
  • Intensiv zuhören aber innerlich den Blick auf Gott
  • Sensibilität: was sage ich (nicht)?
  • Ruhe ausstrahlen

Ähnliche Situationen:

  • Brief: „Du bist wertvoll“
  • Alkoholiker S-Bahn

 

(Photo: James Wheeler, CC BY-NC-SA)

Hochsensible sind wie Roh-Diamanten – Investieren Sie jetzt.

Haben Sie schon einmal ein Roh-Diamanten gesehen? Ziemlich sicher.

Roh-Diamanten sind unscheinbar; kein Laie könnte sie von Glas unterscheiden. Es wäre dumm, wenn man mehr als einen Flohmarkt-Preis dafür zahlt. Aber das geschulte Auge eines Experten erkennt den Wert, das Potential, die brillante Schönheit, die der Schliff hervorbringen kann. Sind Sie ein solcher Experte? Sie können es werden.

In jedem Mensch steckt ein unglaublicher Wert. Aber es gibt Menschen, die sich „unter Wert verkaufen“: sie tun das, was von ihnen verlangt wird – nicht das, was sie am besten können. Sie verstecken ihr Potential. Sie sind Meister der Anpassung. Warum sollte man das machen? Nun, haben Sie schon einmal ihre Ideen verschwiegen, weil Sie Angst hatten, damit anzuecken?

Stellen Sie sich nun vor, das wäre nicht einmalig, sondern Alltag. Und es sind nicht nur ihre Gedanken, sondern ihre Gefühle, ihr Verhalten, … – alles ist irgendwie „anders“, als wären Sie in einer fremden Kultur. Stellen Sie sich vor: Neben Ihnen quietscht eine Bremse, Sie fahren erschrocken zusammen, aber ihre Freunde schauen Sie nur verwirrt an – wenn sie die Bremse überhaupt gehört haben. Oder: In ihnen herrscht ein Gefühlschaos, weil eine Person, die Ihnen wichtig ist, sie „schräg“ angeschaut hat – Sie versuchen sich zu beruhigen, vielleicht ist sie ja gar nicht auf mich wütend, aber die zerstörerische Kraft „wütet“ bereits in Ihnen. Und abends fallen Sie erschöpft ins Bett: so viele Eindrücke! So viele Emotionen! Und so viel Ablehnung … Kennen Sie solche Situationen?

Hochsensible Menschen sind damit ihr Leben lang aufgewachsen. Sie nehmen Ideen, Gefühle, Wahrnehmungen und Übernatürliches intensiver wahr als die übrigen 80% der Bevölkerung, weil ihre Wahrnehmungsfilter reduziert sind. Jeder filtert seine Wahrnehmung, ganz automatisch, nur unterschiedlich stark. Hochsensible sind Präzisionsinstrumente: sie sind geschaffen für den Zweck, feine Details zu erkennen. Viele sind kreativ, philosophisch oder sozial-empathisch stark. Und ihr ganzes Leben ist eine Frage an die Gesellschaft: „Darf ich sensibel sein? Darf ich dir helfen, das zu sehen, was du über-siehst? Können wir zusammenarbeiten?“ Werden Sie eine solche Zusammenarbeit wertschätzen?

In dieser Welt laufen viele Roh-Diamanten herum, nicht nur hochsensible: jeder ist schön, und kann lernen, mit seiner Persönlichkeit so umzugehen, dass sein Potential der Gemeinschaft zugutekommt. Davon träume ich: Dass zerbrochene Herzen wieder heilen. Dass Einsame wieder integriert werden. Und dass die Schönheit, die Gott in uns angelegt hat, wie ein Same aufkeimt, wächst, und schließlich Früchte bringt. Glauben Sie, dass das möglich ist? Wie viel sind Sie bereit, dafür zu zahlen?

Nur zusammen sind wir stark.

Kommt zu mir … und ich werde euch Ruhe geben

Gott liebt Schwache. Jesus lädt gerade sie ein: „Kommt her zu mir!“ (Matthäus 11,28-30)

Wenn also dein Lebens-Akku gerade leer läuft, lass dich davon nicht in Panik versetzen. Du musst nicht stark sein, Gott ist stark in dir. Er verschafft dir Zeiten des Durchatmens, und führt dich zu den Aufgaben, die er für dich hat.

Predigt (24min):

God meets you in your weakness, not in your strength. He comforts those who mourn, not those who live above desperation.

Gott begegnet dir in deiner Schwäche, nicht in deiner Stärke. Er tröstet die, die trauern – nicht die, die über alle Verzweiflung erhaben sind.

Allender & Tremper (2016): „the cry of the soul“, p. 9

Wachsen – wie geht das?

(Ein Gastbeitrag von Edith)

Wachsen – wie geht das? Schau auf Ihn, und werde verwandelt. Ja, er ist wunderschön. Ich möchte auch so gerne so sein, wie du, Herr.

Am Anfang habe ich die Luft angehalten, wenn jemand das gesagt hat: Ich möchte so werden wie Jesus. Ist das nicht zu hoch gegriffen? Habe ich gedacht! So sein wie Gott? Wollte das nicht auch Eva und ist genau daran gescheitert? Richtig, sie hat auf das Böse gehört und nicht auf dich Herr.

Hermann Hesse sagte: Versuche das Unmögliche, dann erreichst du das Mögliche.

Ist das vielleicht so gemeint? Aus eigener Kraft? Eher nein!

Also, ich stell mich DIR zur Verfügung, bitte hier bin ich… ich höre: was möchtest DU, das ich tue?

Lieben.

Ok. Ja, das mache ich so gut, wie ich kann. Bin alles andere als perfekt darin, aber ich möchte…

Ich mache mich auf die Suche, meine Geschwister sagen: du musst trainieren. Lies mal Dallas Willard. Du musst umsetzen was du gelernt hast. Weiterlesen →

Jesus, der Frauen-Held?!

Eines Tages sind Jesus und seine Jünger auf einer Party eingeladen.
Sie unterhalten sich, und essen, und plötzlich
wird es ganz still. Die Augen richten sich zur Tür, denn bei der Tür ist eine Frau, und jeder weiß: das ist eine Prostituierte. Was macht die denn hier?

Es ist absolut still im Raum.
Fast hört man die Herzen schlagen, denn
alle sind aufgeregt,
aus verschiedenen Gründen:

Zuerst sind da die anderen Gäste auf der Party, die aus der Stadt kommen. Sie sind verwirrt. „Sind wir hier nicht bei einem Pharisäer zu Besuch? Was macht diese Frau hier? Ich meine, auf Parties gibt es schon manchmal Prostituierte, ok, aber bei einem Gottesfürchtigen? Irgendwas stimmt hier nicht.“

Dann der Gastgeber, Simon, der Pharisäer. Er ist entrüstet. „Was sollen denn die Gäste von mir denken? Wie ist die denn hier reingekommen? Womöglich glauben sie, dass ich diese Frau gerufen hat – mein Ruf ist ruiniert.“ Simon weiß gar nicht, was er sagen soll. Am Besten, er hätte Jesus gar nicht erst eingeladen.

Unter den Gästen befindet sich auch ein Reporter, und innerlich reibt er sich die Hände: „Das wird mal wieder so ein richtig schöner Skandal.“ Er zückt den Notizblock und lässt die Frau nicht aus den Augen.

Die Jünger haben Angst, Angst um Jesus. „Ist das schon wieder so eine Falle, in die Jesus tappen soll? Wird er ihnen diesmal auf den Leim gehen?“

Der Einzige, der ganz ruhig bleibt, ist Jesus.
Aber auch Jesus schaut die Frau an. Er nimmt sie wahr.

Und so – alle Augen sind auf die Frau gerichtet, und sie …
sie weiß nicht, ob sie sich trauen soll, was sie sich vorgenommen hat, aber
jetzt ist sie schon hier,
jetzt hat sie es schon so weit geschafft,
jetzt zieht sie es durch.

Langsam
geht sie auf Jesus zu.
Ein Raunen geht durch die Menge: „Hat Jesus … sie gerufen?
Kann das sein?“
Sie schauen Jesus an – aber sein Blick verrät es nicht.
Auch die Frau ist verunsichert
und weiß nicht, ob sie willkommen ist,
in seinen Augen, in Jesu Augen,
aber egal, sie zieht‘s jetzt durch, sie macht das jetzt einfach:

Sie nimmt ein Fläschchen aus ihrer Jackentasche,
und wieder
ist das Publikum schockiert:
Öl! Nard-Öl! Kostbares, teures Nard-Öl!
Was hat sie damit vor?

Die Frau bricht in Tränen aus.
Sie gießt das Öl, alles davon, auf die Füße von Jesus,
und das Parfüm erfüllt den ganzen Raum.
Man würde diesen Duft sogar genießen – wenn es nicht so eine heikle Situation wäre.

Die Männer aus der Stadt wissen immer noch nicht, was sie davon halten sollen.
Hat Simon das jetzt organisiert oder nicht? Oder war es vielleicht Jesus?

Egal, die Frau … die Frau gießt das Öl auf die Füße von Jesus,
und ihre Tränen mischen sich mit dem Öl,
sie küsst seine Füße, wieder und immer wieder,
und dann
sie ist verlegen, sie hat vergessen ein Handtuch mitzubringen.
Sie wollte ihm doch die Füße waschen! Aber jetzt hat sie das Handtuch vergessen!

Egal,
jetzt ist sie hier, jetzt zieht sie‘s durch,
sie macht … sie macht ihr Haar auf
Das gibt‘s doch nicht, sie hat ihr Haar aufgemacht!

Spätestens jetzt hat der Reporter schon 17 Seiten Notizen gemacht,
und Simon, der Gastgeber, ist drauf und dran, sowohl Jesus als auch die Frau rauszuschmeißen,
ein Skandal ist das.
Ein „richtig schöner“ Skandal, wie der Reporter sagen würde.

Sie macht die Haare auf,
und trocknet die Füße von Jesus mit ihren Haaren.
Es ist egal, dass alle Leute zuschauen, sie macht es einfach.

Und an dieser Tat
begreifen alle:
sie hat Jesus lieb.
Das ist das, was sie getrieben hat.
Das ist das, warum sie sich in das Haus geschlichen hat,
warum sie das Öl mitgebracht hat,
warum sie die Blicke der vielen Männer ausgehalten hat,
warum sie zu Jesus hingegangen ist,
warum sie das Öl ausgegossen hat,
warum sie seine Füße küsst, immer noch und immer wieder,
warum sie weint und warum
sie jetzt die Füße – die dreckigen, staubigen Füße von Jesus –
mit ihren Haaren trocken rubbelt.

Der Gastgeber Simon ist total überfordert.
„Was soll das? Weiß Jesus nicht, dass sie eine Prostituierte ist? Warum lässt er das zu?“
Aber er sagt nichts. Er starrt einfach auf eine Traube vor sich auf dem Tisch.

Jetzt ist sie fertig
und steht nur noch da.
Und wartet auf eine Reaktion von Jesus. Sie hat alles getan, was sie tun wollte.
Und ihre Augen fragen Jesus immer noch: „Was soll ich jetzt tun?“
Sie ist bereit, jede Strafe auf sich zu nehmen,
jeden Zorn oder was auch immer,
aber was denkt Jesus von ihr?
Dieser Blick … Jesus sieht sie an. Er verurteilt sie nicht.

Jesus
wendet sich zu dem Pharisäer und sagt:
„Simon, ich muss dir etwas Wichtiges sagen.“

Simon sieht auf und wundert sich. „Ja, Jesus?“

Jesus beginnt zu erzählen:
„Stell dir vor, Simon: ein reicher Mann hat Geld verliehen, an zwei Leute: dem einen hat er 50 Euro gegeben, dem anderen 500 Euro. Und beide können es nicht zurückzahlen. Und weil sie es nicht bezahlen können, ist er großzügig und zerreißt die Schuldscheine, beide. Wer von den beiden wird nun den reichen Mann mehr ehren in seinem Herzen?“

Simon checkt nicht, was das mit der Situation hier zu tun haben soll. Aber Jesus hat ja gesagt, dass es etwas Wichtiges ist. Also antwortet er: „Äh … also … ich vermute mal … der mit den 500 Euro? … Weil ihm mehr Geld erlassen wurde.“

Und ein Lächeln huscht über das Gesicht von Jesus: „Genau richtig. Du hast es kapiert.
Und nun, was die Frau angeht … schau sie dir an. Schau hin, was fällt dir auf?
Du bist doch der Gastgeber.
Warum hast du mir nicht Wasser zum Füße waschen gegeben? Diese Frau hat meine Füße mit ihren Tränen gewaschen.
Warum hast du mir keinen Kuss zur Begrüßung gegeben? Diese Frau hat meine Füße geküsst, wieder und immer wieder.
Warum hast du mir nicht einen Tropfen Öl zur Erfrischung gegeben? Diese Frau hat dieses teure Nardöl für mich dahingegeben.“

Und dann sagt er etwas, was sich wie ein Pfeil in das Herz der Frau gräbt:
„Ihr wurde viel vergeben. Darum liebt sie viel.“
Ihr wurde vergeben?
Ihr wurde vergeben!
Ihr wurde vergeben!

Am liebsten wäre sie Jesus um den Hals gefallen.
Sie ist glücklich. Jesus kennt ihre Geschichte, und er vergiebt.
Und ja, sie liebt Jesus. Sie weiß nicht wohin mit dieser Liebe, aber sie gießt sie einfach aus. Volle Kanne.
Und Jesus freut sich an ihr.
Und das ist alles, was zählt. Jesus freut sich an mir!
Oh Jesus, oh Jesus, ich liebe dich …

Jesus sieht sie immer noch an, und sie schaut zurück. Wenn dieser Moment doch nie aufhören würde. Aber schließlich sagt Jesus: „Meine Tochter, nimm meinen Frieden mit, wenn du nach Hause gehst.“
Und sie versteht das Signal und
erhobenen Hauptes verlässt sie den Raum.
Diesen Abend wird sie nie vergessen.

Das Publikum ist immer noch schockiert.
Der Reporter hat aufgehört zu schreiben,
die Leute aus der Stadt überlegen sich: „Boah! Wenn ich das meinem Nachbarn erzähle!“
Simon denkt sich: „Was?! ‚Ihr wurde vergeben?‘ Das auch noch?! Ist Jesus größenwahnsinnig?“
Und er überlegt hin und her, ob er Jesus und seine Jünger doch noch rauswerfen muss, um seine Ehre zu retten.

Aber Jesus
Jesus fährt einfach fort zu essen, er nimmt sich ein Stück Fleisch
und gibt damit zu verstehen: „Das wars. Es ist alles vorbei, der Vorhang ist gefallen.“
Und langsam kehrt wieder Normalität ein,
alle essen, tuscheln und reden.

Schließlich
geht der Pharisäer zu Jesus und sagt nur diesen einen Satz:

„Du
bist ein besonderer Mann.“

Wer ist Jesus
für dich?

(Nach Lukas 7,36-49)

„Jesus, der Frauen-Held?!“ von Benjamin Pick ist lizenziert Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen.

Vergebung ist wie ein Stein loswerden

Ziel: Die Kinder begreifen, dass Vergebung wichtig ist.

Requisiten:

  • Brotzeitdose
  • Großer Stein, Edding
  • Rucksack / Schulranzen
  • 2 Käppis (für 2 Kinder, die als Statisten mitmachen)

Wir sind in der Schule. Das ist Simon, das ist Hans. Simon hat eine Dose dabei, was da wohl drin ist?

Simon: „Ich hab für jeden ein Gummibärchen mitgebracht ….“ Eins für Adelheid, eins für Berta, … Christian, Doris, Ela, Friedrich, und eins für Gunnar. Oh nein, Hans gibt es ja auch noch! Den hab ich ja ganz vergessen!“

Hans ist beleidigt. „Alle bekommen ein Gummibärchen, nur ich nicht!“

Simon: „Oh nein, Entschuldigung, das tut mir leid! Vergibst du mir?“

Jetzt muss Hans sich entscheiden. Vergibt er ihm?

Er hat keine Lust drauf. Darum verschränkt Hans die Arme und sagt trotzig: „Nein!“

Simon entschuldigt sich noch ein paar Mal und geht dann nach Hause, und vergisst es.

Aber Hans vergisst es nicht! Denn als Hans Nein gesagt hat, ist etwas passiert, was man normalerweise nicht sehen kann. Aber in unserer Geschichte mach ich das jetzt mal sichtbar. Es ist wie als hätte Hans einen Stein genommen und darauf geschrieben: „Simon gibt mir nie Gummibärchen.“ (ein Gummibärchen malen) damit er sich immer daran erinnern kann, wie gemein Simon zu ihm war. Und diesen Stein hat er dann in seinen Schulrucksack gelegt und überall mit hin geschleppt. Der ist zwar ein bisschen schwer, aber egal.

Und so, als Simon am nächsten Tag zu Hans kommt und fragt: „Willst du mit mir spielen?“, sagt Hans wieder: „Nein!“ Und er denkt sich: „Simon mag mich nicht. Er hat mir kein Gummibärchen gegeben.“ Und es stimmt zwar, dass Simon etwas Falsch gemacht hat … aber eigentlich mag Simon Hans. Deswegen wollte er ja mit ihm spielen gehen. Aber Hans sagt Nein und trägt seinen Stein weiter: „Simon gibt mir nie Gummibärchen.“

Als Hans nach Hause kommt, trägt er immer noch den Stein. Und seine Mutter frägt ihn: „Hans, warum bist du so wütend?“ Und Hans sagt ganz laut: „Ich bin doch gar nicht wütend!“ Hans ist nämlich schon wütend, er will es nur nicht zugeben. Und weil Mama ihren Sohn kennt, fragt sie ihn: „Was ist los, habt ihr euch gestritten?“ Und Hans denkt an das Gummibärchen und erzählt der Mama alles. Und Mama sagt: „Ich verstehe dass dir das weh getan hat. Aber willst du diesen Stein jetzt dein ganzes Leben lang mit dir rumtragen? Vergib ihm doch seinen Fehler, dann könnt ihr auch wieder zusammen spielen.“

Und jetzt hat er wieder die Entscheidung: vergibt er Simon? Oder soll er den Stein weiter mit sich rumschleppen? Was meint ihr, was ist besser?

(Dann den Stein aus dem Rucksack nehmen, das Gummibärchen auf dem Stein durchkrizzeln und den Stein wegtun.) So ist es doch viel besser, wenn man es nicht mehr rumtragen muss, oder?

(Bei mir hat das Kind geantwortet, dass es nicht vergeben will. „Dann musst du den Stein aber dein Leben lang behalten.“ – „Ja, ich weiß…“ Mein Schlusssatz war dann, „Es ist unsere Entscheidung, ob wir vergeben oder nicht …“)