Jona: eine Satire

(Diese Geschichte gibt es auch vorgetragen…)

Jona floh von der Gegenwart Gottes – das dachte er zumindest. Eigentlich rann er nur vor seiner Angst weg, Gott war ja trotzdem noch da.

Eines Tages dachte Jona: „Ich brauche dringend eine Auszeit, ich nehm sie mir einfach. Hey, ich kann doch machen was ich will! Es ist doch keine Sünde, nach Tarsis zu gehen, oder? Die Leute dort brauchen auch Gott.“ Und Gott sagte: „Stimmt. Nur dass ich dir ganz genau gesagt habe, dass du etwas anderes machen sollst. Es ist nicht deine Sache zu bestimmen, wie ich dich gebrauchen will.“ Und Jona antworte: „Ja … aber gibt es da … nicht ein bisschen Freiraum für spontane Änderungen? Du kannst mich doch auch in Tarsis gebrauchen, nicht wahr. Aber warum diskutiere ich eigentlich mit dir … ich mach jetzt einfach.“ Und er kaufte die Fahrkarte nach Tarsis, bestieg das Schiff und versteckte sich in seiner Kabine, bis das Schiff endlich ablegte. Da jubelte Jona: „Jetzt geht es los! Gott hat bestimmt seinen Plan geändert.“ Also ging er schlafen.

Er schlief so friedlich, dass selbst der gewaltige Sturm ihn nicht aufweckte. Das taten nämlich die Heiden, mit einer ungewöhnlichen Bitte: „Bete zu deinem Gott für uns!“ Jona streckte seine Brust raus. „Siehste, Gott bekehrt die Heiden in meinem Namen!“ Darum fing er an zu beten. Aber seine Gebete funktionierten irgendwie nicht so ganz: der Sturm wurde immer stärker. Nun fragten die Heiden Gott, wer der Auslöser für den Sturm war, und die Antwort war: Jona. Daraufhin löcherten sie Jona noch mehr, und Jona antwortete bereitwillig alle ihre Fragen. ‚Gott muss stolz sein auf mich. Ich bin so ein tolles Zeugnis. Nur … wie klären wir das mit dem Sturm? Hm, ok, wenn ich es bin, der ihn ausgelöst hat,‘ so überlegte Jona, ‚dann wird er sicher aufhören wenn ich sterbe. Ich werde ein Märtyrer, und sie bekehren sich. Und so muss ich nicht nach Ninive!‘

Aus diesem Grund befahl er ihnen, ihn mitten in die Wellen zu werfen. Sie zögerten: ‚Warum sollte ein solcher Gott der Liebe ein Menschenopfer fordern?‘ Aber naja, sie sahen keine andere Wahl. Alle anderen Möglichkeiten wurden ja schon ausprobiert, erfolglos. Also fiel Jona: er fiel tiefer, und tiefer, und noch tiefer, genau in die Arme Gottes.

Aber anstatt von Gott im Himmel begrüßt zu werden, wachte Jona an einem stinkenden, dunklen Ort auf. War das etwa die Hölle? Nein, stellte er fest, er lebte noch. In einem Fisch. Und plötzlich fiel er noch tiefer, aber diesmal nicht physisch: seine Seele fiel in den Abgrund der Angst, die noch immer in seinem Herzen war. Und er schrie: „Gott, hilf mir! Du bist meine einzige Hilfe. Warum habe ich deine Gnade verlassen? Bring mich wieder zu dem Ort, wo du wohnst! Ich werde tun, was auch immer dir wohl gefällt. Wahrscheinlich habe ich mich für das Prophetenamt disqualifiziert. Aber bitte, ich möchte dir dienen, egal wie!“

Und Gott gab ihm eine zweite Chance: als Jona wieder festen Boden unter den Füßen hatte, bekam er wieder das gleiche Amt, und den gleichen Auftrag. Und Jona vermasselte es noch einmal. Naja gut, je nachdem wie man es sieht: ja, er kam in Ninive an, und die Botschaft wurde tatsächlich aufgenommen und die Niniviter bekehrten sich sogar – aber Jona war immer noch wütend auf Gott. ‚Warum soll Gott den Todfeind Israels retten? Ich hätte vorher zu dem König gehen sollen, um ihm die Bedingung der Rettung zu erklären – nämlich, dass sie Israel gefälligst in Ruhe lassen sollen! Zu spät. Keiner kümmert sich um mich. Sie sind so glücklich, ihren neuen Gott anzubeten, meinen Gott, dass meine Existenz einfach in Vergessenheit geraten ist. Ich hätte gar nicht erst nach Ninive gehen sollen.‘

Und während er all diese Worte vor sich hin brummelte, unterbrach ihn Gott: „Jona, mein geliebter Prophet. Bist du sicher, dass du noch auf der richtigen Spur bist? Weißt du, diese Wut führt nirgendwo hin.“ Aber Jona antwortete nicht einmal. Er floh (wieder einmal) und erst als er die Stadt verließ, verlangsamte er seine Schritte. Er drehte sich zur Stadt um und beschloss zu warten. ‚Vielleicht überlegt es sich Gott ja noch. Er hat doch versprochen, alle Feinde Israels zu zerstören, nicht?‘ Er wartete. Und wartete. Es war ziemlich heiß. Nichts passierte.
Dann, eines Morgens, war plötzlich ein Baum da. Jona sah ein dass es vielleicht nicht so schlau ist, die ganze Zeit in der Sonne zu sitzen, und so rutschte er ein bisschen zum Baum hin. Aber nur Stunden später fielen alle Blätter zu Boden, und futsch war der tolle Schatten. „Gott, das ist doch unfair!“, rief Jona. „Bring mich um! Jetzt sofort!“

Und Gott sagte wieder: „Jona, bist du sicher, dass du auf der richtigen Spur bist?“ Jona tobte: „Ganz sicher! Ich bin wütend, jeder in meiner Lage wäre wütend! Du gabst mir Schatten, nur um ihn ein paar Momente später wieder wegzunehmen. Ich hab doch deinen Auftrag erfüllt! Hoffentlich war es dein letzter Auftrag für mich. Jetzt nimm mich endlich zu dir!“

Gott schwieg eine Weile, und dann fuhr er fort, genauso sanft wie vorher: „Jona, mein geliebter Prophet, wann wirst du es verstehen. Du machst dir Sorgen über Schatten haben oder nicht haben. Natürlich liebst du es, im Schatten zu sein, aber schau zu mir: siehst du nicht, wie sehr ich sie alle in Ninive liebe, sogar die Kühe?“

(Jona)

Theaterstücke moveCamp 2016

Für das diesjährige moveCamp habe ich ein paar 5-Minuten-Theaterstücke geschrieben:

Welche Kirche? (doc) (pdf)
Eine Begegnung auf der Straße: ein Unbekannter sucht eine Kirche, und stellt fest, dass die Kirchenlandschaft ziemlich unübersichtlich ist. Ein anderer macht ihm anschaulich, das Kirche letztlich einfach die Gemeinschaft der Gläubigen ist.

Das Reich Gottes ist wie ein Apfelkern (doc) (pdf)
Thomas und Petrus diskutieren, was Jesus mit Reich Gottes eigentlich meint. Jesus erklärt es anhand einer abgewandelten Form des Senfkorn-Gleichnisses.

Du bist auch König! (doc) (pdf)
Ein König, der seine Herrschaft teilt? Das wäre schon ziemlich krass …

Alle diese Theaterstücke dürfen gerne abgewandelt und aufgeführt werden.

Creative Commons Lizenzvertrag

Der liebende Vater (bzw. der verlorene Sohn)

5 benötigte Schauspieler: Vater, Sohn, Erzähler, sowie zwei Nebenrollen: Ober, Schweinebauer

Der verlorene Sohn“ haut ab, lebt in Saus und Braus, stürzt ab und stellt fest, dass er trotzdem immer noch zu Hause willkommen ist. Ein Erlebnistheaterstück für den Kindergottesdienst. (Nach Lukas 15, 11-32)

1. Station Hof: Der Abschied

Ort: Versammlungsraum?

Deko: Playmo-Tiere, Bauerhof

Requisiten: (Geld-Sack mit Spielgeld / Ess-Geld), Besen/Mistgabel/o.ä., Bauernkleidung

Erzähler: Jesus erzählt eine Geschichte: Bauernhof, 1 Bauer, 2 Söhne.

Sohn mit Mistgabel, arbeitet.

Sohn: Ich hab es satt. Immer den Hühnerstall ausmisten, den Kühen zu fressen geben, mit dem Traktor raus aufs Feld fahren, Äpfel pflücken … ich muss immer das machen, was mein Vater sagt. Ich will doch das machen, was ich will! … Ich hab eine Idee.

Geht zum Vater.

Sohn: Vater, ich hab da mal ’ne Frage.

Vater: Ja, mein Sohn?

Sohn: Also, der Bauernhof gehört doch dir. (Vater nickt.) Und wenn du eines Tages stirbst, dann gehört ein Teil von dem Bauernhof meinem Bruder, und ein Teil mir. (Vater nickt.) Können wir es nicht so machen, dass wir so tun als wärst du schon tot und du gibst mir meinen Teil und ich geh ihn verkaufen und dann bin ich reich!

Vater: Aber was willst du denn mit dem Geld machen?

Sohn: Ach, weiß nicht, auf Reise gehen, Party machen, mal gucken. Endlich kann ich machen was ich will…

Vater: traurig. Bist du dir da ganz sicher? Ich werde dich vermissen!

Sohn: Ja, das hab ich mir so überlegt. Rechne mir ganz genau aus, was mir gehören würde und wie viel Geld ich kriege. Ich pack‘ dann schon mal meine Koffer, und morgen gibst du mir das Geld, ok?

Vater: traurig. Ja.

Aktion: Geld + Kleidung sind im Raum versteckt. Kinder sollen Geld zum Vater und Kleidung zum Sohn bringen (damit der Sohn verreisen kann alles in seinen Rucksack rein), Vater/Sohn können ggf. helfen („ich brauch noch meine Hose, wo war die nochmal?“) Sohn zieht Jackett/Krawatte gleich an.

Vater: Hier, dein Geld. (Geld-Sack mit Spielgeld / Ess-Geld)

Sohn: Danke, und tschüss!

Erzähler: Und so machte sich der Sohn auf den Weg ins Ausland, weit, weit weg. Kommt mit, wir folgen ihm und sehen mal was er so erlebt…

2. Station Fremde: Endlich Party

Ort: Anderes Stockwerk? Alle setzen sich gemütlich, einige stehen vielleicht, Atmosphäre: im Restaurant des Hotels, Kinder können Teil der Szene sein (Salzstangen essen, Wasser trinken, dem Sohn zujubeln und zuprosten) (Vater kommt nicht mit)

Deko: Bar aus Tischen Kneipe/Restaurant

Requisiten: Becher mit Salzstangen, Wasser?, Sohn ist chic gekleidet, Rechnung, weißes Tuch für Ober.

Sohn: Das ist schon toll. Wenn man so viel Geld hat, hat man immer Freunde. Man kann essen, was man will, schlafen, wo man will, und so viel feiern, wie man will. Herr Ober, eine Runde Salzstangen für alle!

(Ober teilt aus, alle drumherum jubeln)

Erzähler: Nun ist er schon seit Wochen hier. Das scheint ja echt ein tolles Leben zu sein. Der hat’s echt richtig drauf dieser Sohn…

Sohn: Hier gefällt es mir: ein 5-Sterne-Hotel. Ich hab ja jetzt ganz viel Geld, da kann man sich das ruhig leisten.

Aktion: Sohn verteilt Kupfermünzen an die Kinder. Das Fenster wird geöffnet, unten steht ein Eimer und die Kids können „Geld aus dem Fenster werfen“ und den Eimer versuchen zu treffen

Sohn: Na, ist das nicht toll? Ich hab ’ne Idee: Ich lad euch alle zum Abendessen ein. Herr Ober, können Sie uns die Speisekarte bringen? Ich lade alle ein.

Ober: Können wir gerne machen. Aber erstmal sollten Sie diese Rechnung hier bezahlen.

Sohn: (guckt in seinen Geld-Sack). Oje, ob ich da noch genug hab … gestern war da doch noch viel mehr drin! (kramt im Geldsack, wird immer unsicherer)

Ober wird wütend. Sie wollen doch nicht etwa sagen, dass Sie nicht bezahlen können.

Sohn: Naja, hier sind meine letzten 3 Taler. Ich frag mal meine Freunde, ob sie mir was leihen können. … Hast du was? Nein? … Und du? …

Ober schmeißt alle raus.

3. Station Fremde: Schweine

Ort: Kann auf dem gleichen Stockwerk wie Station 2 liegen

Deko: dreckiger Bauernhof … Schwein aus Papier, Sparschweine?

Requisiten: Hirten-Stock (?), Sohn hat dreckige Kleidung an, Müllmatsch zum Umschaufeln für die Aktion! Strohhut für Bauer

Erzähler: Nachdem er aus dem Hotel geflogen ist, fragt sich der Sohn, wie es weitergeht, Schließlich hat er Hunger.

Sohn: jammert. Was mach ich denn jetzt nur? Ich hab kein Geld mehr, und meine Freunde helfen mir plötzlich auch nicht mehr … Dann muss ich wohl arbeiten gehen. He Sie, haben Sie Arbeit für mich? Nein? … Und Sie? …

Oje, da vorne ist ein Schweine-Bauernhof. Schweine sind so eklig. Bäh! Wenn ich nur dran denke. Wuää… (Sohn schüttelt sich und hält dann inne) Aber was soll’s, irgendwie muss ich ja mal wieder was essen …

Bauer: Du kannst gerne bei mir arbeiten. (führt ihn zu den Schweinen) Hier, pass‘ auf die Schweine auf! Und das da ist ihr Essen (Bauer zeigt auf den Müllmatsch), das kommt direkt aus unserem Mülleimer. Du schaffst jetzt das Essen in ihren Trog, damit sie fressen können.

Aktion: dreckig, stinkig, eklig. → Müllmatsch muss von A (Matsch auf Plane) nach B (Schweinetrog) umgeschaufelt werden. Dazu werden nur die Hände benutzt. Jeder darf mitmachen, muss aber nicht!!!

Sohn: Oh mann, das ist aber ein Abstieg. Hier stinkt es. Und ich habe Hunger! Der Bauer gibt mir nur ganz wenig Geld dafür. Aber die Schweine, die haben es gut, die faulenzen und essen den ganzen Tag … Guckt mal, was da Leckeres in ihrem Futtertrog ist … gut naja, richtig lecker ist es nicht, und die Schweine haben auch schon darin rumgewühlt, aber ich hab ja so Hunger! Ob ich es vielleicht mal probieren sollte? (Geht langsam auf den Trog zu und nimmt ein bisschen in die Hand.)

Bauer: Denk gar nicht dran! Das gehört den Schweinen, nicht dir!

Sohn: (zu sich) Das ist ja so gemein! Selbst den Schweinen geht es besser als mir! Bei meinem Vater zu Hause hätte es so etwas nicht gegeben!

Sohn: Mein Vater … Hat er nicht gesagt, „ich werde dich vermissen“? … Nein, der ist doch jetzt bestimmt ganz wütend auf mich. Wenn er wüsste, dass ich sein ganzes Geld schon ausgegeben habe! … Aber selbst seinen Arbeitern ging es besser als mir jetzt. Und woanders werd‘ ich keine Arbeit finden. Vielleicht kann ich ja wie ein Knecht für ihn arbeiten? … Ich muss es probieren. Dann hab ich zumindest was zu beißen, und muss hier nicht hungern…

Erzähler: So macht sich der Sohn wieder auf nach Hause. Au weia, was der Vater wohl sagt, wenn der so ankommt? Boah, der stinkt echt schlimm… Los, lasst uns mal sehen was passiert…

Unterwegs … der Sohn ist voll Angst und Scham.

Sohn: (an die Kinder) Soll ich mich wirklich trauen?

4. Station Hof: Begrüßung des Vaters

Ort: wie bei Station 1

Deko: wie am Anfang, nur mit Ecke für die Feier (von einigen Mitarbeitern umräumen lassen, z.B. Vater)

Requisiten: Waschschüssel mit Seifenwasser, Handtuch, leckeres Essen und Trinken,Kerzen, Girlanden

Sohn bleibt ein Stück vor dem Eingang stehen und wartet, bis die Kinder sich hinter ihn aufgestellt haben.

Vater kommt raus, hält Ausschau. Er ist bekümmert …

Vater: Wo ist denn nur mein Sohn? Habt ihr ihn gesehen? Da bist du ja! Vater rennt zum Sohn.

Vater: Komm, lass dich umarmen, mein Stinker! (umarmt ihn)

Sohn: Aber Vater … Du weißt doch noch gar nicht was passiert ist. Tut mir Leid … ich hab all dein Geld ausgegeben! Ich bin es nicht wert, dein Sohn zu sein. Lass mich doch einfach als Knecht hier mitarbeiten!

Vater: So ein Quatsch! Du bist und bleibst mein Sohn. Und ich bin ja so froh, dass du wieder zurückgekommen bist. (gibt Dienern Befehle um die Willkommens-Party zu organisieren.) Und jetzt gehst du dich erst mal waschen, ich lasse dir ordentliche Kleider bringen.

Aktion: Hände waschen und Party feiern (leckeres Essen und trinken)

Die Inspiration für das Theaterstück kam von allesumdiekinderkirche – dort sind auch noch mehr mögliche Aktionen vorgestellt.

Weitere Ideen für das Rahmenprogramm:

  • Kleingruppen: Warum hat Jesus diese Geschichte erzählt? Gott lädt alle Menschen ein.

  • Tier-Pantomime oder Tier-Geräusche-raten

  • Eimer mit Wasser, am Boden des Eimers steht eine Schüssel. Mit Münzen muss in die Schüssel getroffen werden (gar nicht so einfach wie es klingt …)

  • Ausmalbilder, Rätsel: Lektion 4: Der Vater wartet auf mich

  • Geländespiel: Lebensspiel verlorener Sohn (Semaja-Verlag)

Eigene Erfahrung

Wir hatten 14 Kinder von 4-10 Jahren, viel mehr hätten wir nicht sein dürfen damit nicht vollständiges Chaos ausbricht 🙂 (Die Herausforderung liegt vor allem darin, die Kids nach der Aktion oder Szenenwechsel zur Ruhe zu bringen, damit alle alles mitbekommen. Idee: wie beim Fernsehen eine Film-Klappe hörbar klappen lassen und „Action“ rufen. Die Schauspieler sollten durch Kleidung oder Requisiten als solche erkennbar sein.)

Die Kids waren begeistert und obwohl viele die Geschichte schon vorher kannten, waren sie von der Geschichte persönlich angerührt. Die beiden Nebenrollen Ober und Schweinebauer wurden von älteren Kindern gespielt.

Lizenz und Download

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Creative Commons Lizenzvertrag
„Der liebende Vater“ von Benjamin Pick und Benjamin Damm ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Das heißt, du darfst dieses Theaterstück sehr gerne in deiner Gemeinde aufführen.

Diese Geschichte habe ich auch für Erwachsene nacherzählt …

Gnade?!

(Ein anonymer Brief an Paulus.)

Lieber Paulus.

Deine Worte sind ja schon ziemlich krass. Willst du wirklich sagen, dass wir Menschen tot sind, obwohl wir doch leben? Naja, vielleicht meinst du das nur metaphorisch. Aber deine Begründung macht es nicht besser. Tot, weil … wir den Trends dieser Welt nachlaufen. Tot, weil … wir nur nach dem eigenen Glück streben, selbst wenn wir manchmal das Gegenteil behaupten. Tot, weil … wir gegen den Gott rebellieren, der uns geschaffen hat. Hoppla, geschaffen? Gut, damals gab es noch kein Darwin – aber vielleicht hättest du es trotzdem nicht anders formuliert. Aber kannst du nicht wenigstens statt „tot“ sagen, dass solch ein Leben „sinnlos“ ist, oder vielleicht „fehlgerichtet“, oder, was hältst du davon: wir verhalten uns wie „unerzogene Kinder“? Diese Kritik könnte ich wenigstens noch nachvollziehen.

Deine nächsten Sätze klingen noch arroganter. Nicht nur, dass du alle Menschen in denselben Topf wirfst, du nimmst dich auch noch selbst aus. Du wurdest ja „lebendig gemacht“. Das kann jeder sagen. Ist ja schön für dich, dass dein Glaube dein Leben verändert hat. Vielleicht sogar so sehr verändert, dass dir dein altes Leben „tot“ erscheint. Aber du merkst schon, dass du damit Tausende andere Menschen diskriminierst?!

Und jetzt kommt der Oberhammer. Als Begründung gibst du an – nichts. Du hast nicht die Relativitätstheorie erfunden, das Hunger-Problem gelöst oder eine Strategie gefunden, wie man erfolgreich gegen Krankheit und Tod kämpft. Laber du nur von Liebe, von Reichtum, von Güte, laber nur von deinem Gott der das angeblich alles zustande gebracht haben soll. Das ist doch alles nur Projektion.

Pff! Gnade! Von nichts kommt nichts. Gnade, das würde ja heißen, dass Gott mich beschenken will – obwohl ich ihn jeden Tag aufs Neue beleidige. Dass Gott wohlwollend über mich denkt – obwohl er meine Schattenseite ganz genau kennt. Dass Gott mein Leben zu einem guten Ziel führen will – obwohl ich mich immer wieder weigere.

Gnade, das wäre ein Vater, der über mir weint, als wäre ich sein einziges Kind, das von ihm weggelaufen ist. Gnade, das wäre ein Vater, der nach stundenlangem Streit einfach mit offenen Armen Versöhnung anbietet. Der sich darum kümmert, dass am Ende wirklich alles gut wird.

Das wäre zu gut, um wahr zu sein. Oder?

(Epheser 2, 1–10)

(Material für einen Hauskreis: Alles Gnade?!)

Das Jona-Lied

Stellt euch vor, Jona steht ganz betröppelt am Strand und fängt an zu formulieren:

Du hast den Wind aus meinen Segeln genommen
Jetzt steh’ ich hier und bin benommen.
Du hast mein Boot auf die Sandbank gesetzt
Und jetzt wart’ ich hier und bin entsetzt:

Wie lange, Herr, soll ich dir vertrau’n,
Ohne Anfang oder Ende zu schau’n.
Wie tief, Herr, muss ich noch sinken,
Bis ich merk’, dass ich in Güte ertrinke.

Deine Liebe ist besser als mein Leben
Deine Hoffnung besser als mein Licht
Deine Wege sind besser als mein Planen
Dein Erbarmen besser als ich.

Wie lange, Herr, soll ich dir vertrau’n,
Ohne Anfang oder Ende zu schau’n.
Wie tief, Herr, muss ich noch sinken,
Bis ich merk’, dass ich in Güte ertrinke.

Ich lass mich treiben im Meer deiner Liebe
Du bist so gut, so gut zu mir.
Ich will dich preisen mit meinem Leben
Hier bin ich, Herr, ich geb’ mich dir.

Für immer von deiner Liebe singen

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mich trägt. Wenn Schmerz und Dunkelheit mich einhüllen, flüsterst du mir zu: „Ich bin da.“

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mich tröstet. Trauer fühlt sich an wie ein unstillbarer Durst nach Frieden. Und nein, die Zeit heilt keine Wunden. Aber nach und nach hast du meinen Durst gestillt, und ich konnte loslassen.

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mir vergibt. Ich schieße immer wieder einen Bock ab. Und ich frage mich, ob du mir auch diesmal wieder vergeben wirst, schließlich bin ich der schlimmste aller Sünder. Aber du antwortest nur: gerade für DICH bin ich gestorben.

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mich ermutigt, Neues zu wagen. Aller Anfang ist schwer, aber mit dir an der Hand … für dich … mit Tränen in den Augen und zittrigen Knien … wage ich den ersten Schritt. Und den zweiten. Und den dritten. Und siehe da, die Reise hat begonnen.

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mir Kraft gibt zu vergeben. Meine Gedärme verkrampfen sich bei jedem Gedanken an „jene“ Person. Wie kann er nur so etwas tun, mir antun? Du legst deinen Arm um meine Schulter, und dein ruhiger Atem steckt mich an. Aber was soll ich machen, es tut so scheiß weh! Ja, sagst du, und deutest auf das Kreuz. Ich nicke, langsam, vorsichtig.

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mich zum Lachen bringt. Melancholie liegt mir nahe, aber ich möchte mich nicht im Dreck suhlen. Du hebst mich auf und bereitest mir ein Fest. Ein Fest, wie ich es mir schon immer gewünscht habe – ohne es zu wissen.

Deine Liebe ist Gnade. Unverdient. Unerhofft. Unerhört.

Du beschenkst mich über alle Maßen, mein Herz fließt über vor Dank. Deine Großzügigkeit macht mich großzügig. Deine Perfektion lässt mich immer wieder neu staunen. Deine Wunder verwundern mich.

Du hast mich gewählt. Ich gehöre dir.

Für immer!

Und deine Liebe wird nie aufhören.
Im Gegenteil, das Beste kommt noch.

Die Schöpfung (neu erzählt)

Manche Texte müssen wir in einem neuen Gewand hören, damit wir kapieren, wie revolutionär sie ursprünglich waren. Ich denke, das gilt auch für die Schöpfungsgeschichte: sie ist fundamental für das jüdisch-christliches Weltbild, und doch haben wir uns schon so an ihren Klang gewöhnt …

Im Anfang schuf Gott die sichtbare und unsichtbare Welt:

Die Erde war chaotisch und einförmig, und durch und durch dunkel, und überall Geist Gottes.
Und Gott sprach: „Licht, werde!“ Und es geschah. Und Gott trennte das Licht von der Finsternis, das Oberhalb und Unterhalb des Horizontes, das Trockene von dem Wasser.
Und Gott betrachtete sein Werk: gut.

Und Gott sprach: „Pflanzen, werdet!“ Und es geschah. Und er stattete sie mit der Fähigkeit aus, sich selbst zu vermehren.
Und Gott sprach: „Zeit, werde!“ Und es geschah. Und er setzte Sterne und Mond in ihre Umlaufbahnen, damit die Menschen in Raum und Zeit navigieren können.
Und Gott sprach: „Tiere, werdet!“ Und es geschah. Und er entwarf große und kleine Tiere, Wassertiere und Lufttiere, und Landtiere, und er gab ihnen den Auftrag, sich zu vermehren.
Und Gott betrachtete sein Werk: gut.

Und Gott sprach: „Wir wollen Menschen machen, die uns repräsentieren! Ihnen wollen wir unsere Macht delegieren über die Tiere und die ganze Erde.“ Und so machte Gott es. Er schuf den Menschen männlich und weiblich, als Mann und Frau, als Abbild seines Wesens. Und Gott sprach: „Ihr, Mann und Frau, seid meine Auserwählten. Vermehret euch, und herrscht über die ganze Erde in meinem Auftrag. Für eure Speise habe ich Kräuter und Obst gemacht, für die Tiere Gras.“
Und Gott betrachtete sein Werk: sehr gut.

Fertig. Es ist vollbracht. Auf diese Weise hat Gott die sichtbare und unsichtbare Welt fertiggestellt.
Und Gott machte eine heilige Pause. Darum soll jeder siebte Tag eine heilige Pause sein: denn sechs Tage lang schuf Gott, aber am siebten ruhte er aus.

(1. Mose 1-2,2)

Wer bin ich?

Mein ganzes Leben habe ich mich Gott geweiht, war ihm gehorsam, folgte ihm in die Wüste und ertrugt Gespött und Schande – und jetzt das. Er hätte mich doch retten können!

Als ich klein war, genoss ich es, so nah an Gott dran zu sein. Heute … ob sich das alles gelohnt hat? Man hat mich eingesperrt, und nun warte ich, warte auf den Tod. Oder auf Rettung? War da nicht das Versprechen, dass Gott einen Retter senden wird? Aber das ist schon Jahrhunderte her. Wer weiß, vielleicht war dieser Retter schon längst da, nur hat man ihn getötet wie alle Propheten vor ihm.

… Was sagt ihr da? Ach, lasst mich in Ruhe, mir braucht ihr keine Hoffnung mehr zu machen. Es ist schon in Ordnung. Selbst wenn der Retter wirklich leben würde, was hat das mit mir zu tun.

… Das stimmt, das habe ich gesagt. Aber wer kann das schon? In all den Jahren meines Dienstes sind mir zu viele Angeber begegnet. Sie reden über Heilung, aber finden irgendwelche theologischen Argumente warum sie doch nicht, in diesem Fall, möglich sei. Wenn er der Retter ist, dann gibt es keine Kankheit, die er nicht heilen kann. Dann … ja, dann gäbe es Hoffnung für die hoffnungslosen Fälle. Dann müsste ich nicht hier im Gefängnis versumpfen.

… Ist ja gut, ist ja gut, fragt ihn ruhig. Vielleicht kann er euch ja weiterhelfen.

(Lösung: siehe Lukas 7, 18-23)