Ich finde es gut und wichtig, von psychologischen Erkenntnissen zu lernen, aber auch, sie kritisch zu reflektieren. Vieles in der heutigen psychologische Forschung ist stark humanistisch geprägt, das bedeutet: der Mensch steht im Mittelpunkt. Klingt erstmal ganz gut, aber …

Humanistische Psychologie hat die Botschaft: „Wenn du nur genug übst, kannst du es schaffen. Du kannst dein Leben verbessern.“ Das klingt ermutigend und gut, kann aber auch diejenigen verzweifeln lassen, die schon jahrzehntelang versuchen, ihre Lebensqualität irgendwie zu verbessern. Diese Botschaft gibt es übrigens auch in „christlicher“ Sprache: „Wenn du nur genug glaubst, würde dich dieses Problem nicht mehr plagen. Du kannst perfekt werden, und da, wo du es noch nicht bist, musst/darfst du noch mehr Glauben lernen.“ Für meine Ohren klingt das nach Leistungsdruck, Manipulation und letztlich bring es Heuchler hervor, die ihre Schwächen unter den Teppich kehren müssen. Selbstoptimierung ist nur sehr begrenzt möglich.
Christliche Psychologie (die als Grundlage ein Menschenbild verwendet, das von der Bibel geprägt wird), dagegen drückt aus: „Der Retter ist Jesus, nicht du selbst. Er hat dich erkauft, ohne seine Hilfe bist du aufgeschmissen.“ Im Zentrum der Überlegungen steht hier nicht der Mensch und seine Fähigkeiten, sondern Jesus, und wir in der Beziehung zu ihm. Der Mensch ist wertvoll, weil Gott ihm diesen Wert zuspricht – egal was dieser Mensch kann und macht. Beziehungen und Begegnungen sind wertvoll, weil Gemeinschaft auf Gottes Herzen liegt und wir dadurch das einüben, was bei ihm ganz normal ist. Angelehnt an Martin Buber („Der Mensch wird am Du zum Ich“): ohne die Initiative und das göttliche Gegenüber könnte der Mensch gar nicht leben und erleben, wer er selbst ist. Manchmal, so habe ich das Gefühl, führt Gott uns sogar bewusst in Situationen, die ohne ihn unmöglich zu bewältigen sind. Humanistisch macht das keinen Sinn. In seiner Beziehungslogik schon: so lernen wir, seine Hilfe anzunehmen.
Was sagt Gott besonders zu hochsensiblen Menschen?
Oder: Welche christliche Botschaften sind für hochsensible Menschen besonders wichtig?
Hier eine Liste, was ich darüber bereits gelernt habe:
- „Gott hat dich wunderbar gemacht.“ Weil Gott dich so akzeptiert wie du bist, kannst auch du das akzeptieren, was in dir ist. Diese Grundbotschaft vermittle ich in meinen Seminaren implizit – indem ich praktische Beispiele erzähle, wie ich mit mir selbst und mit anderen umgehe.
- „Gott hat die Menschen mit vielfältigen Gaben ausgestattet. Deine Gabe ist wichtig.“ Es ist gut, wenn hochsensible Menschen solche wertschätzenden Worte immer wieder hören. Die vielfältigen Gaben sind so wichtig: ein Gimli und ein Legolas brauchen einander!
- „Das schwächere Gefäß ist besonders wertvoll.“ In der Bibel bekommen die Kleinen, Armen, Traurigen, Hilfsbedürftigen, … Gottes besondere Aufmerksamkeit und Zuneigung. Gott beschützt sie. Ich finde diese Botschaft für Hochsensible besonders relevant, weil sie oft mit Selbstzweifeln kämpfen, wenn sie nicht die gleiche „Leistung“ wie „normale“ Menschen bringen können. Dabei können gerade sie ganz besondere Dinge hervorbringen … z.B. Warum Hochsensible gut mit Krisen umgehen können
- „Gott trocknet deine Tränen ab.“ Es ist Gottes Herzensanliegen, die Wunden der Vergangenheit zu heilen. Inmitten von Krisen und schwierigen Zeiten hilft mir das, seine Hoffnung für mein Leben wahrzunehmen. Wer zerbrochen ist, kann sein Erbarmen noch tiefer erleben – und weitergeben (2. Korinther 1,4).
- „Vergebung ebnet den Weg zur Veränderung.“ Versöhnung braucht die Bereitschaft von beiden Beteiligten, aber Vergebung ist immer wieder eine individuelle Entscheidung. Nämlich die Entscheidung zu vertrauen: „Ich lasse das Grummeln in mir los. Das Endergebnis liegt nicht in meiner Hand, sondern in Gottes Hand.“ Und so hat man seine Hände wieder offen für Neues. (Soll man vergeben oder konfrontieren? Erst vergeben, dann konfrontieren. Dann geht es dir beim Konfrontieren nämlich nicht mehr um „Ich habe Recht, sieh das doch endlich ein!“, sondern dann kann man mutig und neugierig austauschen, welche Gefühle und Bedürfnisse sich hinter dem Konflikt versteckt haben.)
Diese Liste ist sicher unvollständig … schreibt mir gerne eure Gedanken dazu! 😉





Vor tausenden von Jahren macht Gott einem Menschen ein Versprechen. Ein riesiges Versprechen. Er sagte: „Siehst du die Sterne am Himmel? Zähl sie mal. So viele Kinder deiner Kinder und Kinder deren Kinder … werde ich dir schenken. Und ein Land, in dem sie alle wohnen.“ Es gab nur ein kleines Problem: dieser Mensch war schon über 80 Jahre alt, und seine Frau nicht viel jünger. Wie soll das gehen? Konnte er Gott vertrauen? Er war sich nicht sicher. Also fragte er nach: „Gott, wie kann ich wissen, dass das wirklich das ist, was du vorhast?“

Warten. Immer noch warten. Ein Schritt nach vorne, und wieder: warten. Im Alltag ertragen wir solche Warte-Situationen als wohl notwendiges Übel: wenn ich etwas kaufen will, muss ich mich anstellen. Wenn ich mit dem Chef sprechen will, muss ich ein Termin ausmachen. Aber auf Gott warten … (stöhn) … wozu? Gibt es nicht irgendeine Möglichkeit, jetzt sofort … du kannst doch was machen? Und so sind wir mindestens irritiert, manchmal richtig wütend, dass Gott uns Situationen zumutet, in denen wir warten müssen.
Die verbotene Praline