Wie der Sündenfall nicht endete: 6 Alternativen

„Sie nahm von den Früchten und aß. Dann gab sie auch ihrem Mann davon und er aß ebenso.“

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1) Und Gott sprach nicht:

„Soso, ihr habt also von der Frucht gegessen? Hm, macht nichts, ich kümmmer mich drum – aber macht das bitte nicht nochmal, ja?“

2) Und Gott sprach nicht:

„Wie, Ihr wollt euch vor mir verstecken? Dass ich nicht lache … Abstreiten hilft nix. Ihr habt von der Frucht gegessen, also werdet ihr sterben. Alles hat seine Konsequenzen. … Mitleid? Ihr seid witzig. Ich kann doch nicht die Gesetze des Universums aufheben, nur für euch …“

3) Und Gott sprach nicht:

„Sie haben das Gesetz übertreten und werden mit sofortiger Wirkung des Gartens verwiesen. Verschwinden Sie, ich will Sie nicht mehr sehen.“

4) Und Gott sprach nicht:

„WAAS? Seid ihr verrückt? Ich hatte euch doch gesagt, das ist VERBOTEN! Ich glaub’s nicht … Na dann, wenn ihr ohne mich leben wollt, viel Spaß! Und nur zur Info: ihr werdet mich auf Knien anbetteln, dass ich euch wieder in den Garten reinlasse … is‘ nicht.“

5) Und Gott sprach nicht:

„Oh nein, jetzt haben sie den Trick herausgefunden … Ich hab sie doch extra ein bisschen moralisch kurzsichtig gemacht, damit sie mir nicht den Platz streitig machen können. Ich weiß, was ich mache: ich baller‘ sie so mit Flüchen zu, dass sie keine Zeit haben, ihre Herrschaft aufzubauen.“

6) Und Gott sprach nicht:

„Meine Schätzelchen, das könnt ihr mir doch nicht antun! Dabei hab ich euch doch extra gewarnt, warum hört ihr denn nicht auf mich? Ihr habt es verbockt und könnt es nicht wiedergutmachen … was mach ich denn jetzt??“

Was Gott wirklich sprach, könnt ihr hier nachlesen.

Das Bild ist von Olga Filonenko (CC BY-SA 2.0).

Eine kleine Türschloss-Philosophie

„Technology incorporates worldview, because it is designed to solve a set of problems“
„Technik beinhaltet Weltanschauung, weil sie entworfen wurde, um bestimmte Probleme zu lösen.“
(John Dyer, „From the Garden to the City“, 2011)

Werkzeuge sind Dinge, mit denen wir unsere Fähigkeiten erweitern. Wir können uns bewegen, und mit dem Auto können wir uns schneller bewegen; wir können kommunizieren, und mit dem Telefon können wir über Kilometer hinweg kommunizieren; wir haben ein Zeitgefühl, und die Uhr hilft uns, dabei im Gleichtakt mit anderen zu bleiben.
Technik hat darum sehr viel mit Weltanschauung zu tun: welche Probleme sind uns so wichtig, dass wir kreativ neue Lösungen suchen? Und wie bei Kultur ist der Großteil der Technik, die wir verwenden, uns so geläufig, dass wir nicht über die eingebauten Werte nachdenken.

Zum Beispiel: Was ist die Philosophie hinter einem Türschloss?

Fragen, die uns dabei helfen können:
Wie würdest du dich fühlen, wenn es keine Türschlösser gäbe?
Wie hat sich diese Technik historisch entwickelt, und warum?
Auf welche Art kann ich überprüfen, ob die Technik funktioniert?
Welches Problem versucht die Technik zu lösen?
Wie könnte eine konsequente Weiterentwicklung in der Zukunft aussehen?
Wie wird die Realität anhand dieser Technik wahrgenommen, existiert eine geistliche bzw. nicht-materielle Welt?

Und schließlich:
Was ist der wichtigste Wert, der in dieser Technik ausgedrückt wird?

Das Schloss vermittelt Sicherheit, vor Dieben, Gewalttätern und unerwarteten Unterbrechungen. Es trennt eine Sphäre des Privaten von einer öffentlicheren Sphäre. Diese Grenze darf nur von den Personen übertreten werden, die entweder natürlich oder temporär dazugehören, also entweder weil sie einen Schlüssel haben (Familie) oder weil sie reingelassen wurden (Besucher). Früher wurde diese Aufgabe von Wächtern erledigt; durch das Türschloss musste man nicht mehr reich sein, um diesen Schutz zu empfangen. Gleichzeitig ging dadurch aber auch der Beziehungsaspekt verloren: das Vertrauen, das vorher Personen geschenkt wurde (entweder den Wächtern oder den Nachbarn), wird jetzt diesem Ding entgegengebracht. Außerdem kann ein Türschloss nur vor materiellen Gefahren beschützen (zum Vergleich: in China haben Hauseingänge eine Schwelle, damit die Geister darüber stolpern).

In die Zukunft gedacht könnte diese Haltung dazu führen, dass die öffentliche Sphäre wie bei einem Computerspiel in verschiedene, durch Türen getrennte Bereiche geteilt wird; und jeder kann nur genau dorthin, wo er auch ein berechtigtes Anliegen hat: in Richtung Turnhalle kann er nur dann, wenn er auch beim Sport angemeldet ist usw. Dieses Verfahren wird in Hochsicherheits-Gebäuden und Computerprogrammen bereits eingesetzt. Der Schlüssel könnte als Chip implantiert werden, so kann er weder verloren gehen noch geklaut werden, und man kann die Zugangsberechtigungen beliebig oft verändern. Auf diese Weise wird die Gefahr des Fremden minimiert. Es wäre vorhersagbar, strukturiert, steril und … langweilig. Unkommunikativ. Die Vielfalt der Alltagsbegegnungen wäre deutlich geringer.

Vielleicht kann man die Philosophie des Türschlosses also so zusammenfassen: ich muss mich vor anderen Menschen schützen.

(© Photo by Håkan Dahlström – CC BY 2.0)

Es werde Zeit! Und sie ward.

Theologen sprechen von einem ewigen Gott, außerhalb unserer Zeit-Dimension. Für mich war das lange Zeit zu abstrakt. Aber nun habe ich eine Entdeckung gemacht, die ich mit-teilen möchte.

Im Unterricht reflektierten wir: Einstein lernte, dass Zeit nicht vorgegeben, unveränderbar, „ewig“ ist. Die Relativitätstheorie sagt, dass die Geschwindigkeit von Licht konstant ist, und darum Zeit nicht immer gleich schnell vergeht. Und so können wir davon ausgehen, dass Zeit ebenfalls Teil der Welt ist, die Gott geschaffen hat. Und dann macht es plötzlich Sinn: derjenige, der die Zeit geschaffen hat, kann sie natürlich auch beeinflussen.

Später, in der Uhren-Abteilung im Zwinger (Dresden) wurde mir bewusst, dass auch unsere Wahrnehmung von Zeit sich über die Jahrhunderte verändert hat. Wer keine Minuten messen kann, misst sein Leben nicht in Minuten. Die treibende Kraft, immer genauere Uhren zu entwickeln, war die Astronomie: um besser die Bewegungen der Himmelskörper verstehen zu können. Und tatsächlich sagt die Schöpfungsgeschichte, dass genau das die Aufgabe der Sterne ist (1. Mos 1:14).

(© Photo by Leo Reynolds – CC BY-NC-SA 2.0)

Hat Gott Humor?

Ich weiß, die Frage klingt witzig. Vermutlich wird sie meistens von Kindern gestellt, die Erwachsenen sind schon zu sehr im Ernst des Lebens gefangen. Aber jetzt mal ernst: Gott zeigt Gefühle, die Bibel ist voll davon. Er weint, lacht, freut sich, ist zornig, traurig, eifersüchtig; und manche Verse legen sogar nahe, dass er tanzt. Warum haben wir solche Probleme, uns das vorzustellen?

Schuld sind, wie so oft im Westen, die alten Griechen. Aristoteles stellte sich Gott als Ursprung aller Bewegung vor: die Menschen bewegen Objekte, die Sterne bewegen die Menschen, und der „unbewegte Beweger“ bewegt die Sterne. Einige Theologen im Mittelalter fand diese Philosophie so spannend, dass sie sie benutzten, um den christlichen Glauben zu erklären. In dieser strikten Hierarchie der Dinge ist aber kein Platz für ein Gott, der von Menschen „bewegt“ wird: warum sollte ein allmächtiger Gott über den Zustand der Menschheit weinen? Weil er liebt.

Zurück zur Ursprungsfrage. Die Bibel sagt nichts über Humor (wie auch, das Wort gibt es in dieser Form erst seit einigen Jahrhunderten) und wenig über Witze. Einige Passagen sind definitiv sarkastisch gemeint oder stark übertrieben; es gibt Wortspiele und viel Situationskomik (siehe unten, S. 9). Aber witzigerweise klingt nicht alles in jeder Übersetzung witzig – vielleicht haben die Bibelübersetzer es manchmal zu ernst genommen?

All diese Indizien legen nahe, dass Gott Witze verstehen kann. Vermutlich hat er unseren Humor geschaffen. Natürlich gibt es auch Humor, der für falsche Zwecke eingesetzt wird: er überschreitet Grenzen und lacht den aus, der ihn dafür bestrafen will. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott solche unverantwortlichen Witze mit uns macht, wofür hat er uns denn die „Würde des Menschen“ gegeben. Und so ist es auch unsere Aufgabe, Humor konstruktiv einzusetzen.

Und ich habe das Gefühl, dass in unserer derzeitigen Gesellschaft Humor überbewertet wird. Nicht umsonst reden wir von einer „Entertainment“-Gesellschaft. Aber wenn Gott Humor hat und uns Humor schenkt, will ich lernen, es als gute Gabe anzunehmen und auszuüben.

 

Diese Gedanken sind eine Zusammenfassung meiner Seminar-Arbeit. Wer sie lesen möchte und gut genug englisch kann, ist herzlich dazu eingeladen:

Why on Earth – Laughter? A seminar paper about Raymund M. Smullyan: „Planet Without Laughter“

(© Photo by carnifex82 – CC BY-NC-SA 2.0)

Stärker als der Sturm (Theater für den Kindergottesdienst)

(für mind. 9 Personen: Jesus + Petrus, Johannes, Andreas, Bartholomäus, Jakobus, Matthäus, Simon, Thaddäus)

Jesus sitzt im Boot ganz hinten, die Jünger steigen nacheinander ein.

Petrus:

Habt ihr gehört, was Jesus gesagt hat? Wir fahren jetzt auf die andere Seite des Sees.

Johannes:

Dann können wir uns endlich ausruhen. Hoffentlich sind da nicht schon wieder ganz viele Menschen, die auf Jesus warten.

Andreas:

Hey Petrus, kannst du mir mal helfen, das Segel zu hissen?

Jesus

legt sich auf ein Kissen und schließt die Augen.

Philippus:

Seht ihr die dunklen Wolken da hinten?

Jakobus:

Oh nein, das sieht schlecht aus. Und der Wind wird immer stärker!

Matthäus:

Die Wellen werden immer höher!

Johannes:

Ich habe Angst! Wir könnten untergehen, ich kann doch nicht schwimmen!

Petrus:

Ach, das ist erst der Anfang … ich habe schon viele Stürme erlebt, glaubt mir …

Andreas:

Leute, wo war unser Eimer, wir müssen das Wasser rausschöpfen!

Simon:

Mir ist so übel …

Johannes:

Wo ist denn eigentlich Jesus?

Simon:

Da hinten liegt er und schläft. Das gibt’s doch gar nicht.

Andreas:

Nicht reden, schöpfen!

Matthäus:

Da hinten, eine riesige Welle!

Jakobus:

Oh nein, was machen wir jetzt?

Petrus:

Festhalten!

Matthäus:

Hilfe!!!

Johannes:

Hilf uns, Jesus!

Bartholomäus

geht schwankend zu Jesus und rüttelt ihn wach.

Bartholomäus:

Meister, du musst uns helfen, wir ertrinken!

Jesus

sieht die Jünger nacheinander an, dann das Wasser, und ruft:

Jesus:

Wind und Wellen! Schweigt, seid still!

Alle Jünger

…

Jesus:

Warum habt ihr so viel Angst? Ich bin doch da.

Alle Jünger

…

Jakobus:

Boah. Habt ihr das gesehen? Das kann doch gar nicht sein …

Philippus:

Was ist denn das für ein Mensch, der dem Sturm Befehle geben kann?

Thaddäus:

Wow. Unser Meister ist eben Chef über alles. Sogar über die Natur.

Andreas:

An diesen Sturm werde ich mich mein ganzes Leben lang erinnern.

Petrus:

Ich bin begeistert! Das war klasse, wie du das gemacht hast, Meister!

Bartholomäus:

Jesus, ich bin auch froh, dass du uns geholfen hast. Aber am meisten freue ich mich, dass ich ganz nah bei dir sein darf, jeden Tag.

Material zum Download:

Skript (DOC-Format)

Skript (PDF-Format)

Praktische Hinweise:

Dieses Theaterstück habe ich geschrieben, um mit den Kindern gemeinsam die Geschichte zu erleben. Ein Mitarbeiter war Jesus, und die Kinder haben die Jünger gespielt. Petrus, Johannes, Andreas sind Hauptrollen, die anderen Jünger haben nur ein oder zwei Einsätze. Wenn weniger Kinder mitspielen wollen, können diese Nebenrollen auch kombiniert werden.

Wir haben mit Teppichflicken ein Boot angedeutet, in das die Jünger und alle anderen Kinder sich hineinsetzen konnten. Eine Plastikplane könnte Wasser andeuten.

Creative Commons Lizenzvertrag
„Stärker als der Sturm“ von Benjamin Pick ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Bigger than the storm

(Deutsches Original)

The storm is raging, the waves are crashing. There’s an uneasy feeling in the stomach. When Jesus said it was time to leave, didn’t he see the dark clouds on the horizon? Wait, actually – where is he? Didn’t he enter the boat before us?

The waves continue to rise. Oh no, it starting to rain. Navigator, are we still on target? Captain, is our boat still safe? Jesus, Master … where is he?

Sleeping? Peacefully. He doesn’t fear the storm. Look, he’s even smiling.

Or maybe he’s just indifferent? Is he so tired that even this storm doesn’t bother him? Wake up, you have to help us! Master, Master, help us, we’re sinking! There, water is flooding our ship!

He opens his eyes and gives us an bewildered look. Doesn’t he see the danger we’re in? No, I’ve seen that look before. He is looking for something else, something in our eyes. He opens his mouth to speak, but he doesn’t speak to us. He turns to the sea and shouts: „Be still!“

Is it coincidence? Could it be? The rain is weakening, the waves grow calm. We breath a sigh of relief. He sits down and waits, waits for our eyes to rest on him. Finally! he’s going to explain what just has happened. But when he begins to speak, he looks into my eyes and asks:

„Why were you so afraid? Don’t you believe? Our heavenly father is bigger. Bigger than the waves.“
I can’t believe my ears. I had every right to be afraid, with a storm like this! Yet he rebukes me? Who does he think he is? Who is he to command me?

Yet he commanded the storm and it obeyed. Who is he?!? He’s the one who speaks to us in the midst of the storm and says: „Be Still. Trust me and have faith. Know that I am with you. Always.“

Wissenschaft ohne Glauben?

Es gibt keine „pure“ Wissenschaft. Ich weiß, wir versuchen alles zu vermessen und zu verstehen, aber in Wahrheit können wir unsere Messungen nicht interpretieren, ohne auf unsere Weltsicht zurückzugreifen.

Kennt ihr die Geschichte vom Apfel von Isaac Newton? Newton stellte fest, dass der Apfel immer wieder zum Boden fiel, und versuchte herauszufinden, warum – und entdeckte dabei die Gravitationskraft. Aber rein wissenschaftlich gesehen kann er nur feststellen, dass der Apfel jetzt schon 100-Mal hintereinander in die gleiche Richtung gefallen ist. Er geht davon aus, dass es dahinter ein ewiges und überall gültiges Prinzip gibt, weil er an einen Gott glaubt, der ewig gleich bleibt, und der das Universum nicht willkürlich, sondern mit Charakter und Regelmäßigkeit regiert.

Die Evolutionstheorie glaubt an den Zufall als treibende Kraft innerhalb eines geordneten Wettkampf-Systemes („Auslese“). Aber wenn alles aus Zufall entstanden ist, woher kommen diese Regeln? Auch Darwin von christlichem Gedankengut geprägt und glaubte an Gott als Ursprung.

Ganz ehrlich, wenn heute jemand tatsächlich an eine Welt ohne Gott glaubt, dann muss er auch konsequenterweise feststellen, dass er selbst (inklusive seiner Gedanken) ein Produkt des Zufalls ist, und dass er also seiner Wahrnehmungen, Gedanken und Empfindungen nicht vertrauen kann. Die einzige Alternative zu Religion ist also nicht Wissenschaft, sondern Verrücktsein.

(Eine ausführliche Version dieser Argumentation findet ihr in C.S. Lewis, The Abolition of Man, dt. Die Abschaffung des Menschen)

(© Photo by Sergei Golyshev – CC BY 2.0)

Wissen ist nicht genug

Ich gehe in eine Schule. Und dennoch ist mein Ziel nicht, mehr Wissen zu sammeln: Wissen (Informationen, Zusammenhänge) ist nicht genug. Wikipedia ist eine riesige Sammlung an Wissen, aber was mache ich damit? Um es auch lebensbringend anwenden zu bringen, brauche ich Weisheit.

Das gilt auch für theologische Fragen. Natürlich ist es interessant, darüber zu diskutieren, ob unser Leben wie eine Maschine (theoretisch) vorhersagbar ist, oder wir wie ein vollständig autonomer König in der Mitte des Universums sitzen und alles bestimmen können. Aber die eigentliche Frage ist doch, wie wir damit umgehen. Manchmal diskutieren wir eigentlich nur deswegen darüber, was wirklich gut ist, weil wir uns vor der offensichtlichen Antwort drücken wollen: es ist unmöglich, Gottes Maßstab von Güte zu genügen. Täglich erlebe ich im Kleinen und im Großen, dass ich nicht liebe, wie er liebt. Dass ich anderen nicht den Wert gebe, den Gott ihnen gibt.

„7 Früher hielt ich all diese Dinge für außerordentlich wichtig, aber jetzt betrachte ich sie als wertlos angesichts dessen, was Christus getan hat.
8 Ja, alles andere erscheint mir wertlos, verglichen mit dem unschätzbaren Gewinn, Jesus Christus, meinen Herrn, zu kennen. Ich habe alles andere verloren und betrachte es als Dreck, damit ich Christus habe
9 und mit ihm eins werde. Ich verlasse mich nicht mehr auf mich selbst oder auf meine Fähigkeit, Gottes Gesetz zu befolgen, sondern ich vertraue auf Christus, der mich rettet.“

(Philipper 3,7-9)

Also brauche ich Gott. Er ist bereit, mich lebenslang lernen zu lassen. Ich hänge an seinen Lippen: was wird er sagen? was wird er tun? Und wenn er eines Tages sagt: „Danke. Das hast du gut gemacht.“ (Matthäus 25, 21), dann hat sich alles gelohnt.

(© Photo by angusware – CC BY 2.0)
Es handelt sich um die Stoa in Athen; sie wurde in der Antike von Philosophen verwendet, um ihre Schüler auszubilden.

Ich brauche Hilfe.

Diese Worte kommen nur selten aus meinem Mund; schließlich möchte sich selbständig (ok), unabhängig (verdächtig) und niemandem eine Last (nicht ok) sein.

Es war heiß in Athen, vor allem in der U-Bahn. Ich habe zu viel gegessen. Und plötzlich wird mir schwindelig, ich fange an zu schwitzen, und versuche meine Freunden mitzuteilen, dass ich dringend auf die Toilette muss. Als wir kurz darauf aussteigen, habe ich es endlich laut genug ausgesprochen, um ihre Aufmerksamkeit zu erreichen. Ich lasse mich auf einen der Bahnsteig-Stühle fallen. „Ist alles in Ordnung?“ Ich sagte leise Nein, und sie nahmen mich ernst. „Leg dich einfach hin“ – dabei wollte ich mich doch gar nicht hinlegen, ich wollte doch eine Toilette suchen?!

In diesem Moment traf ich eine Entscheidung: ich vertraute ihnen. Es war schrecklich, ich war lange nicht mehr so verzweifelt – aber ich spürte auch, ich brauche ihre Hilfe, alleine schaffe ich es nicht. Und tatsächlich, nachdem ich eine kurze Zeit auf dem Boden lag (umringt von besorgten Gesichtern, fremden Stimmen, ein nasses Tuch wurde mir auf die Stirn gelegt, die Bahnhof-Security kam dazu), war zumindest der Schwindel so weit weg dass ich wieder gehen konnte. Ich wurde von der Security zur Behinderten-Toilette eskortiert (es gab keine öffentliche Toilette in der Nähe) und nachdem ich mich endlich erleichtern konnte, fuhren wir unsere Heimreise fort.

Es war ein intensives Erlebnis. Ich fühlte mich wie ein Baby: bedürftig, und ohnmächtig, dieses Bedürfnis selbst zu stillen. C.S. Lewis („Was man Liebe nennt“) redet von Bedürfnis-Liebe: Hilfe annehmen kann genauso ein Ausdruck von Liebe/Vertrauen sein wie Hilfe geben. Ich habe mich fallen gelassen, und ein Netz aus Freundschaft hat mich aufgefangen. Und selbst wenn ich gerade alleine unterwegs gewesen wäre, ist da immer noch ein anderes Netz: mein Gott, der es gut mit mir meint.

„No man is an island“ – seltsam, dass wir das in unserer Gesellschaft wieder neu lernen müssen. Mindestens ich.

(© Photo by Let Grow Therapy and Counseling – Helping Children to Thrive – CC BY 2.0)

Ich bin dein. Du bist mein. (Oder: Der Vertrag)

Eines Tages kam Gott zu mir, und in all seinem Reichtum sagte er: „Ich bin dein. Hier, nimm – es ist für dich bestimmt. Alles habe ich vorbereitet.“ Er reichte mir eine Urkunde, die bereits unterzeichnet war:

Ich, Gott, verpflichte mich bis ans Ende der Zeiten, dich, ______, zu ehren, zu schätzen und zu lieben. Wenn du lachst, lache ich mit dir; wenn du weinst, weine ich mit dir. Jede Sekunde ist dir meine Aufmerksamkeit sicher – ich bin da. Alle Sorgen und Bedürfnisse, ich bin stark und gut genug, um sie zu füllen. Wohin du gehst, werde ich gehen; meine Hand und meine Wunder werden durch dich sichtbar werden. Ich schreibe dies mit meiner eigenen Hand, entschließe mich aus freien Stücken dazu, immer für dich da zu sein. Ich bin dein. – i.A. Jesus

„Gibt es denn da gar kein Haken? Das ist ja ein ziemlich einseitiger Vertrag, was du mir da alles schenken willst, hast du keine Angst, ausgenutzt zu werden?“
– „Du hast die Überschrift nicht gelesen.“
„Welche Überschrift?“
– „Ich teile alles mit dir.“
„Was meinst du mit teilen?“
– „Was mein ist, ist auch dein.“
„Wow.“

– „Ich habe noch einen anderen Vertrag, den ich dir zeigen möchte: willst du mein Partner werden?“
„Partner mit dem König der Welt?“
– „Ich bin Souverän, ich kann mir meine Partner aussuchen wie ich will. Und ich will dich.“

„Und was heißt das genau?“
Er schwieg. Ich ahnte, dass mir eine schwierige Entscheidung bevorstehen sollte, darum fragte ich schnell: „Kann ich nicht einfach nur Beschenkter sein?“
– „Es steht dir frei. Aber vielleicht verpasst du gerade dann das größte Geschenk.“
„Nämlich?“
– „Ich lade dich ein, mit mir zu träumen, zu weinen, zu lachen. Lerne mich kennen, lass dich von mir ausbilden, und arbeite den Rest deines Lebens bei mir.“
„Wie meinst du das, nur für dich?“
Ohne Worte legte er mir den anderen Zettel hin:

Ich, ______, schließe ein Bündnis mit dir, Gott. Auf Grundlage deines Bündnisses mit mir will ich leben und arbeiten. Wohin du gehst, will ich gehen. Wenn du Stopp rufst, will ich gehorchen. Jeden Tag will ich dich, deine Wege und deine Geliebten mehr kennenlernen. Was immer dein Auftrag für mich ist, will ich mein Bestes geben, um ihn auszuführen. Meine Zeit, mein Geld, mein Charakter, meine Ambitionen, sogar meine Vorlieben, alles gehört nun dir; ich bin nur der Verwalter dessen, was du mir anvertraust. Dein Plan soll mein Plan sein, und für immer will ich dich ehren für das Privileg, mit dir leben zu dürfen. Ich bin dein.

Schweigend nahm ich den Stift. Das verlangt viel von mir. Aber hat er nicht auch alles mir gegeben?

„Ich vertraue dir“, sagte ich und unterschrieb.

Mein Geliebter gehört mir
und ich gehöre ihm.
(Hohelied 2, 16)