Das Jona-Lied

Stellt euch vor, Jona steht ganz betröppelt am Strand und fängt an zu formulieren:

Du hast den Wind aus meinen Segeln genommen
Jetzt steh’ ich hier und bin benommen.
Du hast mein Boot auf die Sandbank gesetzt
Und jetzt wart’ ich hier und bin entsetzt:

Wie lange, Herr, soll ich dir vertrau’n,
Ohne Anfang oder Ende zu schau’n.
Wie tief, Herr, muss ich noch sinken,
Bis ich merk’, dass ich in Güte ertrinke.

Deine Liebe ist besser als mein Leben
Deine Hoffnung besser als mein Licht
Deine Wege sind besser als mein Planen
Dein Erbarmen besser als ich.

Wie lange, Herr, soll ich dir vertrau’n,
Ohne Anfang oder Ende zu schau’n.
Wie tief, Herr, muss ich noch sinken,
Bis ich merk’, dass ich in Güte ertrinke.

Ich lass mich treiben im Meer deiner Liebe
Du bist so gut, so gut zu mir.
Ich will dich preisen mit meinem Leben
Hier bin ich, Herr, ich geb’ mich dir.

Für immer von deiner Liebe singen

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mich trägt. Wenn Schmerz und Dunkelheit mich einhüllen, flüsterst du mir zu: „Ich bin da.“

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mich tröstet. Trauer fühlt sich an wie ein unstillbarer Durst nach Frieden. Und nein, die Zeit heilt keine Wunden. Aber nach und nach hast du meinen Durst gestillt, und ich konnte loslassen.

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mir vergibt. Ich schieße immer wieder einen Bock ab. Und ich frage mich, ob du mir auch diesmal wieder vergeben wirst, schließlich bin ich der schlimmste aller Sünder. Aber du antwortest nur: gerade für DICH bin ich gestorben.

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mich ermutigt, Neues zu wagen. Aller Anfang ist schwer, aber mit dir an der Hand … für dich … mit Tränen in den Augen und zittrigen Knien … wage ich den ersten Schritt. Und den zweiten. Und den dritten. Und siehe da, die Reise hat begonnen.

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mir Kraft gibt zu vergeben. Meine Gedärme verkrampfen sich bei jedem Gedanken an „jene“ Person. Wie kann er nur so etwas tun, mir antun? Du legst deinen Arm um meine Schulter, und dein ruhiger Atem steckt mich an. Aber was soll ich machen, es tut so scheiß weh! Ja, sagst du, und deutest auf das Kreuz. Ich nicke, langsam, vorsichtig.

Ich habe erlebt, wie deine Liebe mich zum Lachen bringt. Melancholie liegt mir nahe, aber ich möchte mich nicht im Dreck suhlen. Du hebst mich auf und bereitest mir ein Fest. Ein Fest, wie ich es mir schon immer gewünscht habe – ohne es zu wissen.

Deine Liebe ist Gnade. Unverdient. Unerhofft. Unerhört.

Du beschenkst mich über alle Maßen, mein Herz fließt über vor Dank. Deine Großzügigkeit macht mich großzügig. Deine Perfektion lässt mich immer wieder neu staunen. Deine Wunder verwundern mich.

Du hast mich gewählt. Ich gehöre dir.

Für immer!

Und deine Liebe wird nie aufhören.
Im Gegenteil, das Beste kommt noch.

Die Schöpfung (neu erzählt)

Manche Texte müssen wir in einem neuen Gewand hören, damit wir kapieren, wie revolutionär sie ursprünglich waren. Ich denke, das gilt auch für die Schöpfungsgeschichte: sie ist fundamental für das jüdisch-christliches Weltbild, und doch haben wir uns schon so an ihren Klang gewöhnt …

Im Anfang schuf Gott die sichtbare und unsichtbare Welt:

Die Erde war chaotisch und einförmig, und durch und durch dunkel, und überall Geist Gottes.
Und Gott sprach: „Licht, werde!“ Und es geschah. Und Gott trennte das Licht von der Finsternis, das Oberhalb und Unterhalb des Horizontes, das Trockene von dem Wasser.
Und Gott betrachtete sein Werk: gut.

Und Gott sprach: „Pflanzen, werdet!“ Und es geschah. Und er stattete sie mit der Fähigkeit aus, sich selbst zu vermehren.
Und Gott sprach: „Zeit, werde!“ Und es geschah. Und er setzte Sterne und Mond in ihre Umlaufbahnen, damit die Menschen in Raum und Zeit navigieren können.
Und Gott sprach: „Tiere, werdet!“ Und es geschah. Und er entwarf große und kleine Tiere, Wassertiere und Lufttiere, und Landtiere, und er gab ihnen den Auftrag, sich zu vermehren.
Und Gott betrachtete sein Werk: gut.

Und Gott sprach: „Wir wollen Menschen machen, die uns repräsentieren! Ihnen wollen wir unsere Macht delegieren über die Tiere und die ganze Erde.“ Und so machte Gott es. Er schuf den Menschen männlich und weiblich, als Mann und Frau, als Abbild seines Wesens. Und Gott sprach: „Ihr, Mann und Frau, seid meine Auserwählten. Vermehret euch, und herrscht über die ganze Erde in meinem Auftrag. Für eure Speise habe ich Kräuter und Obst gemacht, für die Tiere Gras.“
Und Gott betrachtete sein Werk: sehr gut.

Fertig. Es ist vollbracht. Auf diese Weise hat Gott die sichtbare und unsichtbare Welt fertiggestellt.
Und Gott machte eine heilige Pause. Darum soll jeder siebte Tag eine heilige Pause sein: denn sechs Tage lang schuf Gott, aber am siebten ruhte er aus.

(1. Mose 1-2,2)

Wer bin ich?

Mein ganzes Leben habe ich mich Gott geweiht, war ihm gehorsam, folgte ihm in die Wüste und ertrugt Gespött und Schande – und jetzt das. Er hätte mich doch retten können!

Als ich klein war, genoss ich es, so nah an Gott dran zu sein. Heute … ob sich das alles gelohnt hat? Man hat mich eingesperrt, und nun warte ich, warte auf den Tod. Oder auf Rettung? War da nicht das Versprechen, dass Gott einen Retter senden wird? Aber das ist schon Jahrhunderte her. Wer weiß, vielleicht war dieser Retter schon längst da, nur hat man ihn getötet wie alle Propheten vor ihm.

… Was sagt ihr da? Ach, lasst mich in Ruhe, mir braucht ihr keine Hoffnung mehr zu machen. Es ist schon in Ordnung. Selbst wenn der Retter wirklich leben würde, was hat das mit mir zu tun.

… Das stimmt, das habe ich gesagt. Aber wer kann das schon? In all den Jahren meines Dienstes sind mir zu viele Angeber begegnet. Sie reden über Heilung, aber finden irgendwelche theologischen Argumente warum sie doch nicht, in diesem Fall, möglich sei. Wenn er der Retter ist, dann gibt es keine Kankheit, die er nicht heilen kann. Dann … ja, dann gäbe es Hoffnung für die hoffnungslosen Fälle. Dann müsste ich nicht hier im Gefängnis versumpfen.

… Ist ja gut, ist ja gut, fragt ihn ruhig. Vielleicht kann er euch ja weiterhelfen.

(Lösung: siehe Lukas 7, 18-23)

Wie der Sündenfall nicht endete: 6 Alternativen

„Sie nahm von den Früchten und aß. Dann gab sie auch ihrem Mann davon und er aß ebenso.“

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1) Und Gott sprach nicht:

„Soso, ihr habt also von der Frucht gegessen? Hm, macht nichts, ich kümmmer mich drum – aber macht das bitte nicht nochmal, ja?“

2) Und Gott sprach nicht:

„Wie, Ihr wollt euch vor mir verstecken? Dass ich nicht lache … Abstreiten hilft nix. Ihr habt von der Frucht gegessen, also werdet ihr sterben. Alles hat seine Konsequenzen. … Mitleid? Ihr seid witzig. Ich kann doch nicht die Gesetze des Universums aufheben, nur für euch …“

3) Und Gott sprach nicht:

„Sie haben das Gesetz übertreten und werden mit sofortiger Wirkung des Gartens verwiesen. Verschwinden Sie, ich will Sie nicht mehr sehen.“

4) Und Gott sprach nicht:

„WAAS? Seid ihr verrückt? Ich hatte euch doch gesagt, das ist VERBOTEN! Ich glaub’s nicht … Na dann, wenn ihr ohne mich leben wollt, viel Spaß! Und nur zur Info: ihr werdet mich auf Knien anbetteln, dass ich euch wieder in den Garten reinlasse … is‘ nicht.“

5) Und Gott sprach nicht:

„Oh nein, jetzt haben sie den Trick herausgefunden … Ich hab sie doch extra ein bisschen moralisch kurzsichtig gemacht, damit sie mir nicht den Platz streitig machen können. Ich weiß, was ich mache: ich baller‘ sie so mit Flüchen zu, dass sie keine Zeit haben, ihre Herrschaft aufzubauen.“

6) Und Gott sprach nicht:

„Meine Schätzelchen, das könnt ihr mir doch nicht antun! Dabei hab ich euch doch extra gewarnt, warum hört ihr denn nicht auf mich? Ihr habt es verbockt und könnt es nicht wiedergutmachen … was mach ich denn jetzt??“

Was Gott wirklich sprach, könnt ihr hier nachlesen.

Das Bild ist von Olga Filonenko (CC BY-SA 2.0).

Stärker als der Sturm (Theater für den Kindergottesdienst)

(für mind. 9 Personen: Jesus + Petrus, Johannes, Andreas, Bartholomäus, Jakobus, Matthäus, Simon, Thaddäus)

Jesus sitzt im Boot ganz hinten, die Jünger steigen nacheinander ein.

Petrus:

Habt ihr gehört, was Jesus gesagt hat? Wir fahren jetzt auf die andere Seite des Sees.

Johannes:

Dann können wir uns endlich ausruhen. Hoffentlich sind da nicht schon wieder ganz viele Menschen, die auf Jesus warten.

Andreas:

Hey Petrus, kannst du mir mal helfen, das Segel zu hissen?

Jesus

legt sich auf ein Kissen und schließt die Augen.

Philippus:

Seht ihr die dunklen Wolken da hinten?

Jakobus:

Oh nein, das sieht schlecht aus. Und der Wind wird immer stärker!

Matthäus:

Die Wellen werden immer höher!

Johannes:

Ich habe Angst! Wir könnten untergehen, ich kann doch nicht schwimmen!

Petrus:

Ach, das ist erst der Anfang … ich habe schon viele Stürme erlebt, glaubt mir …

Andreas:

Leute, wo war unser Eimer, wir müssen das Wasser rausschöpfen!

Simon:

Mir ist so übel …

Johannes:

Wo ist denn eigentlich Jesus?

Simon:

Da hinten liegt er und schläft. Das gibt’s doch gar nicht.

Andreas:

Nicht reden, schöpfen!

Matthäus:

Da hinten, eine riesige Welle!

Jakobus:

Oh nein, was machen wir jetzt?

Petrus:

Festhalten!

Matthäus:

Hilfe!!!

Johannes:

Hilf uns, Jesus!

Bartholomäus

geht schwankend zu Jesus und rüttelt ihn wach.

Bartholomäus:

Meister, du musst uns helfen, wir ertrinken!

Jesus

sieht die Jünger nacheinander an, dann das Wasser, und ruft:

Jesus:

Wind und Wellen! Schweigt, seid still!

Alle Jünger

…

Jesus:

Warum habt ihr so viel Angst? Ich bin doch da.

Alle Jünger

…

Jakobus:

Boah. Habt ihr das gesehen? Das kann doch gar nicht sein …

Philippus:

Was ist denn das für ein Mensch, der dem Sturm Befehle geben kann?

Thaddäus:

Wow. Unser Meister ist eben Chef über alles. Sogar über die Natur.

Andreas:

An diesen Sturm werde ich mich mein ganzes Leben lang erinnern.

Petrus:

Ich bin begeistert! Das war klasse, wie du das gemacht hast, Meister!

Bartholomäus:

Jesus, ich bin auch froh, dass du uns geholfen hast. Aber am meisten freue ich mich, dass ich ganz nah bei dir sein darf, jeden Tag.

Material zum Download:

Skript (DOC-Format)

Skript (PDF-Format)

Praktische Hinweise:

Dieses Theaterstück habe ich geschrieben, um mit den Kindern gemeinsam die Geschichte zu erleben. Ein Mitarbeiter war Jesus, und die Kinder haben die Jünger gespielt. Petrus, Johannes, Andreas sind Hauptrollen, die anderen Jünger haben nur ein oder zwei Einsätze. Wenn weniger Kinder mitspielen wollen, können diese Nebenrollen auch kombiniert werden.

Wir haben mit Teppichflicken ein Boot angedeutet, in das die Jünger und alle anderen Kinder sich hineinsetzen konnten. Eine Plastikplane könnte Wasser andeuten.

Creative Commons Lizenzvertrag
„Stärker als der Sturm“ von Benjamin Pick ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Bigger than the storm

(Deutsches Original)

The storm is raging, the waves are crashing. There’s an uneasy feeling in the stomach. When Jesus said it was time to leave, didn’t he see the dark clouds on the horizon? Wait, actually – where is he? Didn’t he enter the boat before us?

The waves continue to rise. Oh no, it starting to rain. Navigator, are we still on target? Captain, is our boat still safe? Jesus, Master … where is he?

Sleeping? Peacefully. He doesn’t fear the storm. Look, he’s even smiling.

Or maybe he’s just indifferent? Is he so tired that even this storm doesn’t bother him? Wake up, you have to help us! Master, Master, help us, we’re sinking! There, water is flooding our ship!

He opens his eyes and gives us an bewildered look. Doesn’t he see the danger we’re in? No, I’ve seen that look before. He is looking for something else, something in our eyes. He opens his mouth to speak, but he doesn’t speak to us. He turns to the sea and shouts: „Be still!“

Is it coincidence? Could it be? The rain is weakening, the waves grow calm. We breath a sigh of relief. He sits down and waits, waits for our eyes to rest on him. Finally! he’s going to explain what just has happened. But when he begins to speak, he looks into my eyes and asks:

„Why were you so afraid? Don’t you believe? Our heavenly father is bigger. Bigger than the waves.“
I can’t believe my ears. I had every right to be afraid, with a storm like this! Yet he rebukes me? Who does he think he is? Who is he to command me?

Yet he commanded the storm and it obeyed. Who is he?!? He’s the one who speaks to us in the midst of the storm and says: „Be Still. Trust me and have faith. Know that I am with you. Always.“

Ich bin dein. Du bist mein. (Oder: Der Vertrag)

Eines Tages kam Gott zu mir, und in all seinem Reichtum sagte er: „Ich bin dein. Hier, nimm – es ist für dich bestimmt. Alles habe ich vorbereitet.“ Er reichte mir eine Urkunde, die bereits unterzeichnet war:

Ich, Gott, verpflichte mich bis ans Ende der Zeiten, dich, ______, zu ehren, zu schätzen und zu lieben. Wenn du lachst, lache ich mit dir; wenn du weinst, weine ich mit dir. Jede Sekunde ist dir meine Aufmerksamkeit sicher – ich bin da. Alle Sorgen und Bedürfnisse, ich bin stark und gut genug, um sie zu füllen. Wohin du gehst, werde ich gehen; meine Hand und meine Wunder werden durch dich sichtbar werden. Ich schreibe dies mit meiner eigenen Hand, entschließe mich aus freien Stücken dazu, immer für dich da zu sein. Ich bin dein. – i.A. Jesus

„Gibt es denn da gar kein Haken? Das ist ja ein ziemlich einseitiger Vertrag, was du mir da alles schenken willst, hast du keine Angst, ausgenutzt zu werden?“
– „Du hast die Überschrift nicht gelesen.“
„Welche Überschrift?“
– „Ich teile alles mit dir.“
„Was meinst du mit teilen?“
– „Was mein ist, ist auch dein.“
„Wow.“

– „Ich habe noch einen anderen Vertrag, den ich dir zeigen möchte: willst du mein Partner werden?“
„Partner mit dem König der Welt?“
– „Ich bin Souverän, ich kann mir meine Partner aussuchen wie ich will. Und ich will dich.“

„Und was heißt das genau?“
Er schwieg. Ich ahnte, dass mir eine schwierige Entscheidung bevorstehen sollte, darum fragte ich schnell: „Kann ich nicht einfach nur Beschenkter sein?“
– „Es steht dir frei. Aber vielleicht verpasst du gerade dann das größte Geschenk.“
„Nämlich?“
– „Ich lade dich ein, mit mir zu träumen, zu weinen, zu lachen. Lerne mich kennen, lass dich von mir ausbilden, und arbeite den Rest deines Lebens bei mir.“
„Wie meinst du das, nur für dich?“
Ohne Worte legte er mir den anderen Zettel hin:

Ich, ______, schließe ein Bündnis mit dir, Gott. Auf Grundlage deines Bündnisses mit mir will ich leben und arbeiten. Wohin du gehst, will ich gehen. Wenn du Stopp rufst, will ich gehorchen. Jeden Tag will ich dich, deine Wege und deine Geliebten mehr kennenlernen. Was immer dein Auftrag für mich ist, will ich mein Bestes geben, um ihn auszuführen. Meine Zeit, mein Geld, mein Charakter, meine Ambitionen, sogar meine Vorlieben, alles gehört nun dir; ich bin nur der Verwalter dessen, was du mir anvertraust. Dein Plan soll mein Plan sein, und für immer will ich dich ehren für das Privileg, mit dir leben zu dürfen. Ich bin dein.

Schweigend nahm ich den Stift. Das verlangt viel von mir. Aber hat er nicht auch alles mir gegeben?

„Ich vertraue dir“, sagte ich und unterschrieb.

Mein Geliebter gehört mir
und ich gehöre ihm.
(Hohelied 2, 16)