Johannes schreibt einen Brief

(15) Liebt nicht die Welt1, noch das, was die Welt gerne tut. Wenn jemand die Welt liebt, dann liebt er den Vater nicht. (16) Manche Menschen tun gerne falsche Dinge. Sie wollen immer mehr Sachen für sich haben. Oder sie geben damit an, was sie haben und können. All das kommt nicht vom Vater, sondern von der Welt. (17) Denn die Welt und das, was sie tut, wird irgendwann sterben. Wer aber das tut, was Gott will, der lebt für immer.

1 Welt: Also ein Leben, das gegen Gott gerichtet ist und dem Bösen dient. Hier ist nicht die Erde oder alle Menschen gemeint.

(1. Johannes 2,15-17)

Aktuell bin ich dabei, den ersten Johannesbrief auf Kindersprache zu übersetzen. Neugierig? Schreib mir!

(Vorbild ist das noch recht junge Lukas-Evangelium vom Bibellesebund …)

Chaos im Tempel

Dieser … Jesus! Eine Unverschämtheit. Als ich heute morgen in den Tempel kam, bot sich ein grauenvolles Bild. Alle Tische waren umgeworfen, die Tauben liefen rum wie wild, reinstes Chaos. Ich fragte die anderen, was denn hier los war, und es war nicht schwer herauszufinden: Jesus. Wer sonst. Geht der da einfach rein, macht alles kaputt, und begründet es auch noch geistlich: „Dieses Haus soll ein Gebetshaus sein.“ Ist es doch! Mann, Jesus, deswegen brauchen wir doch die ganzen Tiere. Und das Tempel-Geld, um die Tiere zu kaufen. Ist doch logisch! Also … habe ich sofort die Tempelwache mitgenommen und bin zu ihm hin. „Jesus, was erlaubst du dir da eigentlich? Wer hat dir das erlaubt?“ Und da sagt er doch tatsächlich: „Gott! Mein Vater.“ Jesus… wie oft sollen wir es dir denn noch sagen! Gott ist nicht dein Vater! Anyway, darum geht’s gerade nicht.

Aber statt sich zu rechtfertigen, warum er das getan hat, fängt er doch tatsächlich an, uns eine Geschichte zu erzählen. Also gut, hören wir zu.

„Stellt euch vor, ein Vater hat zwei Söhne. Eines morgens geht er zum ersten Sohn hin und sagt ihm: ‚Hey, kannst du mir heute beim Holz hacken helfen?‘ Und der Sohn antwortete: ‚Nee, keine Zeit, kein Bock.‘ Und der Vater ging weg. Aber später hatte der Sohn dann doch ein schlechtes Gewissen und kam raus und half ihm. Am nächsten Tag ging der Vater dann zum anderen Sohn, und fragte ihn das Gleiche: ‚Hey, kannst du mir heute beim Holz hacken helfen?‘ Und er bekam zur Antwort: „Ja, klar, kann ich machen …“ Aber an diesem Tag arbeitete der Vater alleine, weil der Sohn irgendwie dann doch nicht kam. Ich frage euch: Wer von den beiden Söhnen hat das getan, was der Vater wollte?“

Ach Jesus, was soll das jetzt schon wieder. Ist doch easy. Der erste Sohn. Er hat’s gehört, und dann hat er’s nicht sofort gemacht, aber er hat’s gemacht.
Was Jesus dann sagte … Katastrophe.

„Der erste Sohn, das sind die Menschen, die ihr verabscheut, die Junkies und Obdachlosen. Denn sie haben mir geglaubt. Ja, sie haben Fehler gemacht. Aber das ist okay, bei mir darf man Fehler machen. Ihr aber, ihr strengt euch zwar an, aber ihr tut nicht das, was Gott will! Oh ja, ich sage euch: ihr solltet euch ein Vorbild an diesen Menschen nehmen. Sie haben’s kapiert. Ihr nicht.“

(Matthäus 21,12-13.28-32)

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Ich weiß viel über Gott, aber das reicht nicht.

Die Pharisäer waren die Theologen in der Zeit Jesu. Sogar eifrige Theologen, sie wollten ganz genau herausfinden was die Bibel sagt, und haben sich viele zusätzliche Regeln aufgestellt, um es auch wirklich umzusetzen. Aber als Jesus kam, entsprach er ganz und gar nicht ihren Erwartungen.

Gott kennen bedeutet: ich begegne einem König, den ich nie ganz verstehen werde.

Krank vor Liebe

Als ich früh morgens aufwachte, lagen fünf 100-Euro-Scheine auf meinem Nachttisch. Zunächst wunderte ich mich und griff nach dem 20-Euro-Schein, der einzeln daneben lag, der könnte von mir sein, aber als ich ihn in mein Portemonnaie stecken wollte war dort schon einer, und ich legte ihn wieder zurück. „Wer soll sich in dem Chaos zurechtfinden…“ Seit zwei Wochen lebte ich in einer Jugendherberge, zusammen mit 20 anderen Jugendlichen meines Alters. Die vier Jungs in meinem Zimmer könnten noch ein bisschen Nachhilfe in Punkto Ordnung vertragen. Da fiel mein Blick auf einen bunt bedruckten Briefumschlag, „Krankengeld“, mit dem Krankenkassenlogo und einer handschriftlichen 500. Maria, die im Raum war, beobachtet mich genau, und ich wies auf den Umschlag, „ach deswegen…“ – „Du kannst mir also auch nicht erklären, wo die 15 000 Euro herkommen?“ Ich verneinte, nahm mein Schreibheft und meine Handschuhe vom Tisch um sie zu verstauen, warf einen Blick in das Heft – der Briefumschlag war noch da und so dick wie immer – zog gedankenverloren einen Handschuh an und und legte mich noch einmal auf mein Bett. Da zischte sie leise: „Auch keine 150 000?“ Ich zuckte zusammen, und siedend heiß kam es über mich. In ihren Augen sah ich ein Funkeln. „Ich …. ich kann dir alles erklären.“, stammelte ich. – „Na dann los.“ Ich flüsterte, „Nicht hier…“ und blickte mich um. Noch schliefen meine Zimmer-Kumpanen, aber … „Ich will keine stundenlangen Erzählungen, nur eine Erklärung. Kannst du es in fünf Minuten sagen? In drei?“ – „Äh, ja, aber bitte nicht hier, gehen wir spazieren …“ Sie nickte und verschwand aus dem Zimmer, damit ich mich mir etwas anziehen konnte.

Wir verließen die Jugendherberge und trotteten den Berg hinauf. Nach einen tiefen Seufzer fing ich an:
„Du hast mir nur drei Minuten gegeben, also gibt es keine Zeit für … Zögern … Ich bin der Sohn eines Millionärs. Aber wie das so ist, ich habe mich in eine einfache Frau verliebt –
Also bin ich hierher gekommen, um … um ihr Herz zu gewinnen. Ach, wieso erzähl ich dir das alles. Ich hatte das Geld schon vergessen, um ehrlich zu sein, es gab irgendeinen Grund warum ich es damals schon abgehoben hatte, vielleicht um in der Bank vor Ort nicht aufzufallen, oder weil ich dachte, so ein bisschen Polster … Eigentlich waren sie für die Mega-Feier, wenn ich endlich dass ersehnte Ja höre.
Ach, du kannst die 150 000 gerne haben, ich brauche sie nicht. Ich fürchte nur, sie werden dein Leben genauso kaputtmachen wie meines. Aber wenn du sie in dem Briefumschlag gefunden hast, hast du dann auch gelesen …“
Ihr Gesicht rötete sich. „Das gibt es doch nicht, darauf stand eindeutig, an wen der Brief adressiert war, du kannst doch nicht einfach fremde …“ Sie unterbrach ihn: „Deine Liebesbriefe waren es, die mich dazu gebracht haben, mich einzumischen. Jedenfalls musst du hier weg.“
– „Warum?“
– „Du wirst verfolgt, seit Tagen.“
Ich sah betreten zu Boden. „Ich weiß. Ich hatte gehofft, dass er mir nicht in diesen Dreck folgen wird, aber seine Eifersucht war stärker als sein Stolz.“ Sie hob die Augenbrauen, fragte aber nicht weiter, sondern packte mich an der Hand: „Es dauert nicht mehr lange … ich kenne diese Kerle. Er konnte euch lang genug beobachten, … ach, ist sie denn eigentlich auch in Gefahr?“
– „Nein, äh … zumindest so lange er sich nicht sicher ist, dass sie es ist, die mein Herz verzaubert hat.“
– „Gut, dann bring ich dich zu meiner Höhle.“
– „Kann ich nicht noch mein Zeug holen…“
Sie wandte sich um. „Schlecht. Der Nebel ist inzwischen verschwunden, und …“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich bring ihn dir. Du meinst doch den Umschlag, oder?“

Als sie mein Zimmer betrat, war dort alles aufgewühlt, und die Jungs waren ausgeflogen. Sie suchte ein wenig, aber der Briefumschlag war verschwunden. Sie dachte, „Dann kommt also jetzt schon Teil 2 meines Plans … ich hatte gehofft, dass er nicht nötig werden würde … aber na gut.“ Schnellen Schrittes ging sie zu Lydia, die gerade noch ihre Haare machte. „Komm mit.“ Diese hatte nur Fragezeichen im Gesicht: „Warum?“ – „Na los, komm schon … jetzt.“ Wie gut, dass Maria den Befehlston bei ihren Geschwistern gelernt hatte… ohne weitere Fragen zog Lydia Schuhe und Mantel an. Als auch sie in den Feldern waren, erzählte Maria ihr die Geschichte ohne Umschweife, und Lydia wurde immer stiller. Schließlich fragte Maria: „Es gibt jetzt genau zwei Möglichkeiten. Entweder ich bringe dich zu ihm, oder in ein anderes Versteck, wo du allein sein kannst. Was willst du?“ – „Bring mich …“ Sie rang mit sich selbst. „Nein, nicht zu ihm.“ – „Wie du willst. Dort hinten steht mein Auto, es ist offen. Du setzt sich da rein und wartest auf mich.“ – „Aber, du …“ – „Ruhe! Vertraue mir.“

Endlich kam Maria wieder. Doch bevor sie los fuhren, reichte sie einen schwarzen Schal nach hinten: „Verbinde deine Augen. Es wird für alle einfacher sein, wenn du nicht weißt, wohin wir fahren.“
Den Großteil der Fahrt schwiegen sie. Lydia nahm missmutig Großstadtlärm zur Kenntnis, und ihr fiel auf, dass Maria zwar von einem Versteck geredet hatte, aber nicht, wo es ist. Warum sollte sie sich überhaupt verstecken? Glücklicherweise wurde es schließlich wieder ruhiger. Als der Motor aus war, sagte sie: „Bring mich zu ihm, ich muss ihm etwas sagen.“ Lydia konnte das breite Grinsen von Maria nicht sehen, und Maria rang mit sich, wie lange sie dieses Spiel noch spielen sollte, dann platzte sie heraus: „Genau das habe ich bereits gemacht.“ – „Oh, was für eine Unversch … danke.“

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Gott sagt zu Israel:
„Ich will dich für immer zu meiner Frau machen. Ich will dich rechtskräftig zu meiner Ehefrau machen und will dir meine unwandelbare Liebe und mein Erbarmen beweisen. Ich werde dir für immer treu sein und du wirst lernen, mich vollkommen als deinen Herrn anzuerkennen.“
(Hosea 2, 21-22)

Advent: Gott kommt zu uns. Er hätte uns befehlen können; aber er kam, um uns zu umwerben.

„Es ist eine Welt, die nicht lieben muss, obgleich sie durch Selbstentäußerung der Liebe geschaffen ist. Doch eben das ist das Wesen der Liebe. Sie beruft, aber sie unterwirft nicht. Wir wollen frei sein, wollen niemanden unterworfen sein und leiden doch zugleich darunter, dass wir uns von der Liebe befreien können. … Denn als Freiheit liebende Menschen haben wir zu entscheiden, ob wir uns einspannen lassen, um dienende, aufrichtige, wirklich anwesende Menschen zu sein. So leidet die Freiheit an der Liebe, wenn wir beginnen, ein Diener unserer Berufung zu sein.“
(Martin Schleske, „Der Klang“, Kapitel „Glaube an einen liebenden und leidenden Gott“, S. 199)

Müde? Einmal auftanken, bitte!

Kommt zu mir! Alle, die sich abmühen wie ein Lastesel, auf den man schwere Lasten geladen hat, sollen zu mir kommen. Und ich werde sie ausruhen lassen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir! Vertraut mir: ich bin sanftmütig und demütig von ganzem Herzen. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn das Joch, das ich euch gebe, passt gut zu euch, und meine Last für euch ist leicht.

(Nach Matthäus 11, 28-30)

Heute würde Jesus das vielleicht so formulieren: Du bist müde wie ein leer gefahrener Tank? Ich bin die Tankstelle. Bei mir kannst du erst mal Pause einlegen. Aber dann, fahr nicht einfach weiter, sondern ändere dein Leben. Weißt du, du musst dich nicht so abmühen. Arbeite doch für mich, ich habe eine Aufgabe für dich, die dir entspricht. Bist du bereit, von mir zu lernen? Schau mich an: sehe ich so aus, als könnte ich dich quälen? Vertrau mir, meine Aufträge für dich sind gut. Dann wird deine Seele ruhig.

Johannes Falk // Komm und ruh dich aus - live

Alles für Einen – Einer für Alle

Dies ist die Geschichte eines Gemeindemitgliedes. Nennen wir ihn Johann. Er ging regelmäßig in die Gemeinde, diente ehrenamtlich, und bis zu jenem Tag hätte jeder ihn als einen „guten Christen“ beschrieben: freundlich, hilfsbereit, und was sonst noch alles so dazugehört. Aber dann wurde er aus der Gemeinde ausgeschlossen. Warum? Ich will es dir erzählen.

Eigentlich fing es ganz banal an. Ein Streit eskalierte, und die Hierarchie war klar: die Frau war das Problem, weil sie die Leiterschaft kritisiert hatte. So wurde es zumindest von der Moderation im Gottesdienst dargestellt. Daraufhin ging Johann zu dem Gemeindeleiter und sagte zornig, aber ruhig: „Das geht so nicht. Das könnt ihr nicht machen. Gott hat ihr eine Würde gegeben, die ihr nicht verletzen könnt.“ Da der Gemeindeleiter den Konflikt nun nicht länger demonstrativ ignorieren konnte, machte er Johann zum Schuldigen. Und nach einiger Diskussion gab es ein ernstes Gespräch: „Raus! Lass dich nie wieder hier blicken!“

Mit aufrechtem Haupt verließ Johann den Raum und hielt sich tatsächlich der Gemeinde fern. Aber nur wenige Wochen später kamen die unterschiedlichsten Gemeindemitglieder zu ihm, weil ihre Herzen zerrissen waren und sie auf einen guten Rat hofften. Johann konnte ihre Probleme nicht lösen, aber er hörte zu, und er betete für sie. Und so bekam er einen guten Ruf in der Gemeinde.

Aber als die Gemeindeleitung einsehen musste, dass dies mehr als ein temporärer Trend war, wurde sie eifersüchtig. Am liebsten würden sie ihn umbringen lassen … aber wie, ohne dass der Rest der Gemeinde es mitbekommt? Also schickten sie Repräsentanten, um ihm auszurichten: „Das sind unsere Schafe. Sprich kein Wort mit ihnen.“ Aber er antwortete: „Alle Schafe gehören Gott.“ Und er fuhr fort, ihre inneren Wunden zu verbinden.

Einige Monate später gab es Gerüchte, dass sie ihre Elite-Einheit ausgesendet haben: die Sportschützen. Mit den Auftrag, ihn heimlich zu töten, wenn keiner es sieht. Johann und ein paar seiner engsten Freunde flohen in die Berge. Aber dort fanden ihn die Schützen, schafften es, ihn zu verwunden, aber töten konnten sie ihn nicht.

Wieder ein Monat später tauchte Johann wieder in seiner Herkunfts-Stadt auf. Die Leute erkannten ihn und hatten Angst: Der Elitetrupp ist ihm doch auf den Fersen, oder? Aber ein paar Mutige aus der Gemeinde kam zu ihm und fragte: „Wohin gehst du?“ Er sagte: „In die Freiheit, die Gott schenkt.“ Und sie deuteten in eine Richtung: „Dann hier entlang.“ Und plötzlich standen sie vor den Gemeinderäumen. Für den Fall, dass ein Gemeindeleiter gerade da ist, dachten sie sich folgende Strategie aus: sie nahmen ihm den Rucksack ab und führten ihn wie einen Gefangenen hinein.

Da stand Johann also, und die anderen um ihn herum, aber mit etwas Abstand. „Meine lieben Kinder…“ Betretenes Schweigen. Er versuchte, sie zu ermutigen, aber keiner traute sich zu antworten. Einer sieht aus dem Fenster: da, die Leitung kommt! Aber sie liefen an der Gemeinde dabei, suchten woanders, und die Gemeinde stellte sich so um den Gefangenen, dass er in der Menge unterging.

Wieder gab es einzelne Mutige; sie brachen zwar nicht das Schweigen, aber brachten ein Stück Brot und einen Becher Wein. Sie stellten es demonstrativ vor die Füße von Johann. Er lächelte zurück. Aber anstatt das Abendmahl auszuteilen, erklärte er ihnen noch einmal die Botschaft von Gottes Liebe.

Einer der leitenden Mitarbeiter, der zurückgeblieben war, kam ins Nachdenken. Er fragte: „Ich bin doch Apostel, eingesetzt von Anfang der Zeit?“ Johann sah ihn gütig an. Er spürte seine eigentliche Frage: ‚Wenn ich mich auf dich einlasse, wenn ich bei dir mitmache, werde ich dann immer noch diese Macht haben?‘ Und Johann schüttelte langsam den Kopf. „Diese Diskussionen hatten wir schon damals …“ Er deutete auf das Abendmahl. „Ich predige von der Gemeinschaft der Sünder. Die alles entscheidende Frage ist: Bist du ein Sünder?“ Der Mitarbeiter war überrascht: Sünder? Er? Kurz darauf verfinsterte sich sein Gesicht. „Du willst sagen, dass ich damals einen Fehler gemacht habe? Dass es falsch war, gegen dich zu stimmen?“ Johann schwieg und schaute ihm in die Augen. Dann nickte er. Der Älteste schrie: „Das ist ein Gotteslästerer! Ergreift ihn!“ Umstehende hielten Johann fest und führten ihn in einen dunklen Raum.

An jenem Tag musste Johann sterben. Aber seine Botschaft lebte weiter – bis heute.

„Nun ist es ja schon unwahrscheinlich genug, dass jemand sein Leben für einen unschuldigen Menschen opfert; eher noch würde man es vielleicht für einen besonders edlen Menschen tun. Gott hingegen beweist uns seine Liebe dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.“

(Römer 5, 7-8)

Das erste Abendmahl

Es war der Tag des Passahfestes. Jesus ging zu zwei von seinen Jüngern und sagte: „Organisiert uns einen Raum, damit wir heute abend zusammen das Fest feiern können.“ Wir beide waren erstaunt. „Jesus … also, ich meine, wenn du es bist … aber normalerweise feiert man das doch mit seiner Familie. Ich freu mich schon auf meine Vater, meine Mutter, meine Großeltern, meine Onkeln und Tanten, alle sind nach Jerusalem gekommen, damit wir zusammen feiern können.“ Jesus erwiderte nichts. Er sah uns nur weiter erwartungsvoll an. „Also gut. Aber Jesus, ist es jetzt nicht ein bisschen spät? Die Stadt ist proppevoll, ganz Israel ist hier, wo sollen wir da jetzt noch ein Saal herbekommen?“ Und Jesus antwortete: „Es ist alles vorbereitet. Geht einfach in die Stadt, und haltet Ausschau nach einem Mann, der einen Wasserkrug nach Hause bringt.“ Wir runzelten die Stirn: ein Mann trägt Wasser? Na gut, das ist wenigstens ein eindeutiges Zeichen. „Wenn ihr ihn seht, dann fragt ihn einfach: ‚Jesus schickt uns. Kannst du uns sagen, wo der Raum ist, wo wir heute Passah feiern können?‘ Und er wird euch eine Dachgeschoss-Wohnung zeigen, wo es genug Sitzmöglichkeiten für alle gibt.“ Das klingt ja so, als hätte Jesus das schon abgesprochen. „Aber, Jesus, Moment mal … hast du auch an das Lamm gedacht?“ Und wieder antwortete Jesus, „Es ist alles vorbereitet. Das Lamm … bringe ich mit.“ Ein Schmerz huschte über sein Gesicht. Jesus benimmt sich so seltsam die letzten Tage, so kennen wir ihn gar nicht … Auf geht’s.

Alles ist so passiert, wie er es gesagt hat. Der komplette Raum war schon gestellt! Sogar die Teller, das Brot, den Kelch, alles war schon da. Wir mussten nur noch zurück gehen und den anderen Jüngern Bescheid sagen.

Und so saßen wir da, es wirkte so unreal. Natürlich, wir sind jetzt auch so etwas wie Familie, aber trotzdem … Tradition ist Tradition. So wurde es uns von den Vätern gesagt. Apropos, wo ist denn nun das Lamm? Müssen wir nicht noch ein Feuer machen, um es zu rösten? Oh nein, Jesus hat es doch nicht vergessen?! Er beruhigte uns: „Alles ist so, wie es sein soll. Mein Auftrag an euch war doch nur, den Raum zu organisieren – um den Rest kümmere ich mich, keine Sorge.“ Schon wieder dieses „Vertrau mir einfach“. Lernen wir es nie?

Das Passah-Fest fing an. Ein Passah-Fest wie jedes andere, gut, bei den Stellen, wo die Kinder etwas fragen, mussten wir etwas improvisieren, aber ich denke das ist schon noch vertretbar. Nur beim Brot und Wein sagte Jesus die falschen Worte. Was soll das heißen, „Das ist mein Leib.“? Jesus erklärte: „So wie das Brot gebrochen wird, werde ich gebrochen.“ Na toll, er spricht wieder in Rätseln. Und dann, „Das ist mein Blut des Bundes.“? Wir sind doch keine Kannibalen! Blut – Bund – … das Lamm! Ich flüsterte Johannes zu: „Er meint doch nicht etwa, dass er das Lamm ist, das geschlachtet wird?“ Johannes wandte einen fragenden Blick an Jesus. Und wieder fügte er ein paar erklärende Worte hinzu: „Das ist der Anfang des neuen Bundes, den Gott mit den Menschen schließen will. Ich werde sterben, aber nach drei Tagen werdet ihr sehen, dass der Tod nicht das letzte Wort behalten hat.“ Mal wieder sprengte Jesus unsere Konzepte, aber sowas von. Aber das Schlimmste: er wird sterben? jetzt? Ich konnte mich nicht mehr beherrschen: „Jesus, du hast doch gesagt, dass das Reich Gottes kommt. Wo ist es denn jetzt? Ich dachte, du bist jetzt als König nach Jerusalem eingezogen, und jetzt geht es so richtig los.“ Und Jesus lächelte: „Hab ich euch nicht gesagt, das Reich Gottes ist wie ein Same?“ Oh nein, er wird wirklich sterben. Tränen kamen mir in die Augen. Er fuhr fort: „Seid nicht traurig. Es ist gut, dass ich gehe! Ich werde hingehen und eine Wohnung vorbereiten für euch, und eines Tages werden wir uns alle wiedersehen. Nein, ihr könnt nicht mitkommen. Aber“, er hob den Kelch hoch, „so sicher, wie ein Bräutigam seine Verlobte eines Tages zu sich holen wird, so sicher könnt ihr euch sein: ich werde diesen Bund erfüllen. Ihr gehört zu mir.“ – „Aber, wenn du weg bist, …“ Thomas sprach den Satz nicht zu Ende. „Habt keine Angst, ich lasse euch nicht alleine. Wenn ich weg bin, sende ich euch meinen Stellvertreter, den Heiligen Geist. Er wird euch alles lehren, was ihr braucht. Er wird euch trösten. Und er wird es möglich machen, dass die gute Botschaft an alle Enden der Welt getragen wird.“

Und wieder geschah es so, wie Jesus es gesagt hatte. Noch in derselben Nacht wurde er gefangen genommen, gefoltert, ausgelacht, und am nächsten Tag getötet. Es war grässlich. Obwohl Jesus uns vorgewarnt hatte, waren wir total neben der Kappe. Unser ganzes Leben war auf Jesus ausgerichtet, und jetzt war er weg! Wo sind jetzt alle seine Verheißungen? Vielleicht sollten wir wieder zurück zu unseren Fischnetzen. Aber plötzlich sahen wir Jesus wieder, wenn auch nur kurz. Er trug uns auf, in Jerusalem zu warten, bis der Heilige Geist kommt. Einer nach dem anderen reiste ab, aber wir blieben. Und warteten. Nichts passierte. Wieder hat Jesus nur das Minimum erklärt, wir hatten doch noch so viele Fragen. Vor allem stellten wir uns immer mehr die Frage: „Woher wissen wir, dass der Heilige Geist gekommen ist? Vielleicht haben wir ihn ja verpasst?“ Aber wenn wir damit ins Gebet gingen, bekamen wir wieder neuen Frieden. Und schließlich passierte es, der Heilige Geist kam. Aber das ist eine andere Story …

Jona: eine Satire

(Diese Geschichte gibt es auch vorgetragen…)

Jona floh von der Gegenwart Gottes – das dachte er zumindest. Eigentlich rann er nur vor seiner Angst weg, Gott war ja trotzdem noch da.

Eines Tages dachte Jona: „Ich brauche dringend eine Auszeit, ich nehm sie mir einfach. Hey, ich kann doch machen was ich will! Es ist doch keine Sünde, nach Tarsis zu gehen, oder? Die Leute dort brauchen auch Gott.“ Und Gott sagte: „Stimmt. Nur dass ich dir ganz genau gesagt habe, dass du etwas anderes machen sollst. Es ist nicht deine Sache zu bestimmen, wie ich dich gebrauchen will.“ Und Jona antworte: „Ja … aber gibt es da … nicht ein bisschen Freiraum für spontane Änderungen? Du kannst mich doch auch in Tarsis gebrauchen, nicht wahr. Aber warum diskutiere ich eigentlich mit dir … ich mach jetzt einfach.“ Und er kaufte die Fahrkarte nach Tarsis, bestieg das Schiff und versteckte sich in seiner Kabine, bis das Schiff endlich ablegte. Da jubelte Jona: „Jetzt geht es los! Gott hat bestimmt seinen Plan geändert.“ Also ging er schlafen.

Er schlief so friedlich, dass selbst der gewaltige Sturm ihn nicht aufweckte. Das taten nämlich die Heiden, mit einer ungewöhnlichen Bitte: „Bete zu deinem Gott für uns!“ Jona streckte seine Brust raus. „Siehste, Gott bekehrt die Heiden in meinem Namen!“ Darum fing er an zu beten. Aber seine Gebete funktionierten irgendwie nicht so ganz: der Sturm wurde immer stärker. Nun fragten die Heiden Gott, wer der Auslöser für den Sturm war, und die Antwort war: Jona. Daraufhin löcherten sie Jona noch mehr, und Jona antwortete bereitwillig alle ihre Fragen. ‚Gott muss stolz sein auf mich. Ich bin so ein tolles Zeugnis. Nur … wie klären wir das mit dem Sturm? Hm, ok, wenn ich es bin, der ihn ausgelöst hat,‘ so überlegte Jona, ‚dann wird er sicher aufhören wenn ich sterbe. Ich werde ein Märtyrer, und sie bekehren sich. Und so muss ich nicht nach Ninive!‘

Aus diesem Grund befahl er ihnen, ihn mitten in die Wellen zu werfen. Sie zögerten: ‚Warum sollte ein solcher Gott der Liebe ein Menschenopfer fordern?‘ Aber naja, sie sahen keine andere Wahl. Alle anderen Möglichkeiten wurden ja schon ausprobiert, erfolglos. Also fiel Jona: er fiel tiefer, und tiefer, und noch tiefer, genau in die Arme Gottes.

Aber anstatt von Gott im Himmel begrüßt zu werden, wachte Jona an einem stinkenden, dunklen Ort auf. War das etwa die Hölle? Nein, stellte er fest, er lebte noch. In einem Fisch. Und plötzlich fiel er noch tiefer, aber diesmal nicht physisch: seine Seele fiel in den Abgrund der Angst, die noch immer in seinem Herzen war. Und er schrie: „Gott, hilf mir! Du bist meine einzige Hilfe. Warum habe ich deine Gnade verlassen? Bring mich wieder zu dem Ort, wo du wohnst! Ich werde tun, was auch immer dir wohl gefällt. Wahrscheinlich habe ich mich für das Prophetenamt disqualifiziert. Aber bitte, ich möchte dir dienen, egal wie!“

Und Gott gab ihm eine zweite Chance: als Jona wieder festen Boden unter den Füßen hatte, bekam er wieder das gleiche Amt, und den gleichen Auftrag. Und Jona vermasselte es noch einmal. Naja gut, je nachdem wie man es sieht: ja, er kam in Ninive an, und die Botschaft wurde tatsächlich aufgenommen und die Niniviter bekehrten sich sogar – aber Jona war immer noch wütend auf Gott. ‚Warum soll Gott den Todfeind Israels retten? Ich hätte vorher zu dem König gehen sollen, um ihm die Bedingung der Rettung zu erklären – nämlich, dass sie Israel gefälligst in Ruhe lassen sollen! Zu spät. Keiner kümmert sich um mich. Sie sind so glücklich, ihren neuen Gott anzubeten, meinen Gott, dass meine Existenz einfach in Vergessenheit geraten ist. Ich hätte gar nicht erst nach Ninive gehen sollen.‘

Und während er all diese Worte vor sich hin brummelte, unterbrach ihn Gott: „Jona, mein geliebter Prophet. Bist du sicher, dass du noch auf der richtigen Spur bist? Weißt du, diese Wut führt nirgendwo hin.“ Aber Jona antwortete nicht einmal. Er floh (wieder einmal) und erst als er die Stadt verließ, verlangsamte er seine Schritte. Er drehte sich zur Stadt um und beschloss zu warten. ‚Vielleicht überlegt es sich Gott ja noch. Er hat doch versprochen, alle Feinde Israels zu zerstören, nicht?‘ Er wartete. Und wartete. Es war ziemlich heiß. Nichts passierte.
Dann, eines Morgens, war plötzlich ein Baum da. Jona sah ein dass es vielleicht nicht so schlau ist, die ganze Zeit in der Sonne zu sitzen, und so rutschte er ein bisschen zum Baum hin. Aber nur Stunden später fielen alle Blätter zu Boden, und futsch war der tolle Schatten. „Gott, das ist doch unfair!“, rief Jona. „Bring mich um! Jetzt sofort!“

Und Gott sagte wieder: „Jona, bist du sicher, dass du auf der richtigen Spur bist?“ Jona tobte: „Ganz sicher! Ich bin wütend, jeder in meiner Lage wäre wütend! Du gabst mir Schatten, nur um ihn ein paar Momente später wieder wegzunehmen. Ich hab doch deinen Auftrag erfüllt! Hoffentlich war es dein letzter Auftrag für mich. Jetzt nimm mich endlich zu dir!“

Gott schwieg eine Weile, und dann fuhr er fort, genauso sanft wie vorher: „Jona, mein geliebter Prophet, wann wirst du es verstehen. Du machst dir Sorgen über Schatten haben oder nicht haben. Natürlich liebst du es, im Schatten zu sein, aber schau zu mir: siehst du nicht, wie sehr ich sie alle in Ninive liebe, sogar die Kühe?“

(Jona)

Theaterstücke moveCamp 2016

Für das diesjährige moveCamp habe ich ein paar 5-Minuten-Theaterstücke geschrieben:

Welche Kirche? (doc) (pdf)
Eine Begegnung auf der Straße: ein Unbekannter sucht eine Kirche, und stellt fest, dass die Kirchenlandschaft ziemlich unübersichtlich ist. Ein anderer macht ihm anschaulich, das Kirche letztlich einfach die Gemeinschaft der Gläubigen ist.

Das Reich Gottes ist wie ein Apfelkern (doc) (pdf)
Thomas und Petrus diskutieren, was Jesus mit Reich Gottes eigentlich meint. Jesus erklärt es anhand einer abgewandelten Form des Senfkorn-Gleichnisses.

Du bist auch König! (doc) (pdf)
Ein König, der seine Herrschaft teilt? Das wäre schon ziemlich krass …

Alle diese Theaterstücke dürfen gerne abgewandelt und aufgeführt werden.

Creative Commons Lizenzvertrag

Der liebende Vater (bzw. der verlorene Sohn)

5 benötigte Schauspieler: Vater, Sohn, Erzähler, sowie zwei Nebenrollen: Ober, Schweinebauer

„Der verlorene Sohn“ haut ab, lebt in Saus und Braus, stürzt ab und stellt fest, dass er trotzdem immer noch zu Hause willkommen ist. Ein Erlebnistheaterstück für den Kindergottesdienst. (Nach Lukas 15, 11-32)

1. Station Hof: Der Abschied

Ort: Versammlungsraum?

Deko: Playmo-Tiere, … Bauerhof

Requisiten: (Geld-Sack mit Spielgeld / Ess-Geld), Besen/Mistgabel/o.ä., Bauernkleidung

Erzähler: Jesus erzählt eine Geschichte: Bauernhof, 1 Bauer, 2 Söhne.

Sohn mit Mistgabel, arbeitet.

Sohn: Ich hab es satt. Immer den Hühnerstall ausmisten, den Kühen zu fressen geben, mit dem Traktor raus aufs Feld fahren, Äpfel pflücken … ich muss immer das machen, was mein Vater sagt. Ich will doch das machen, was ich will! … Ich hab eine Idee.

Geht zum Vater.

Sohn: Vater, ich hab da mal ’ne Frage.

Vater: Ja, mein Sohn?

Sohn: Also, der Bauernhof gehört doch dir. (Vater nickt.) Und wenn du eines Tages stirbst, dann gehört ein Teil von dem Bauernhof meinem Bruder, und ein Teil mir. (Vater nickt.) Können wir es nicht so machen, dass wir so tun als wärst du schon tot und du gibst mir meinen Teil und ich geh ihn verkaufen und dann bin ich reich!

Vater: Aber was willst du denn mit dem Geld machen?

Sohn: Ach, weiß nicht, auf Reise gehen, Party machen, mal gucken. Endlich kann ich machen was ich will…

Vater: traurig. Bist du dir da ganz sicher? Ich werde dich vermissen!

Sohn: Ja, das hab ich mir so überlegt. Rechne mir ganz genau aus, was mir gehören würde und wie viel Geld ich kriege. Ich pack‘ dann schon mal meine Koffer, und morgen gibst du mir das Geld, ok?

Vater: traurig. Ja.

Aktion: Geld + Kleidung sind im Raum versteckt. Kinder sollen Geld zum Vater und Kleidung zum Sohn bringen (damit der Sohn verreisen kann → alles in seinen Rucksack rein), Vater/Sohn können ggf. helfen („ich brauch noch meine Hose, wo war die nochmal?“) Sohn zieht Jackett/Krawatte gleich an.

Vater: Hier, dein Geld. (Geld-Sack mit Spielgeld / Ess-Geld)

Sohn: Danke, und tschüss!

Erzähler: Und so machte sich der Sohn auf den Weg ins Ausland, weit, weit weg. Kommt mit, wir folgen ihm und sehen mal was er so erlebt…

2. Station Fremde: Endlich Party

Ort: Anderes Stockwerk? Alle setzen sich gemütlich, einige stehen vielleicht, Atmosphäre: im Restaurant des Hotels, Kinder können Teil der Szene sein (Salzstangen essen, Wasser trinken, dem Sohn zujubeln und zuprosten) (Vater kommt nicht mit)

Deko: Bar aus Tischen → Kneipe/Restaurant

Requisiten: Becher mit Salzstangen, Wasser?, Sohn ist chic gekleidet, Rechnung, weißes Tuch für Ober.

Sohn: Das ist schon toll. Wenn man so viel Geld hat, hat man immer Freunde. Man kann essen, was man will, schlafen, wo man will, und so viel feiern, wie man will. Herr Ober, eine Runde Salzstangen für alle!

(Ober teilt aus, alle drumherum jubeln)

Erzähler: Nun ist er schon seit Wochen hier. Das scheint ja echt ein tolles Leben zu sein. Der hat’s echt richtig drauf dieser Sohn…

Sohn: Hier gefällt es mir: ein 5-Sterne-Hotel. Ich hab ja jetzt ganz viel Geld, da kann man sich das ruhig leisten.

Aktion: Sohn verteilt Kupfermünzen an die Kinder. Das Fenster wird geöffnet, unten steht ein Eimer und die Kids können „Geld aus dem Fenster werfen“ und den Eimer versuchen zu treffen …

Sohn: Na, ist das nicht toll? Ich hab ’ne Idee: Ich lad euch alle zum Abendessen ein. Herr Ober, können Sie uns die Speisekarte bringen? Ich lade alle ein.

Ober: Können wir gerne machen. Aber erstmal sollten Sie diese Rechnung hier bezahlen.

Sohn: (guckt in seinen Geld-Sack). Oje, ob ich da noch genug hab … gestern war da doch noch viel mehr drin! (kramt im Geldsack, wird immer unsicherer)

Ober wird wütend. Sie wollen doch nicht etwa sagen, dass Sie nicht bezahlen können.

Sohn: Naja, hier sind meine letzten 3 Taler. Ich frag mal meine Freunde, ob sie mir was leihen können. … Hast du was? Nein? … Und du? …

Ober schmeißt alle raus.

3. Station Fremde: Schweine

Ort: Kann auf dem gleichen Stockwerk wie Station 2 liegen

Deko: dreckiger Bauernhof … Schwein aus Papier, Sparschweine?

Requisiten: Hirten-Stock (?), Sohn hat dreckige Kleidung an, Müllmatsch zum Umschaufeln für die Aktion! Strohhut für Bauer

Erzähler: Nachdem er aus dem Hotel geflogen ist, fragt sich der Sohn, wie es weitergeht, Schließlich hat er Hunger.

Sohn: jammert. Was mach ich denn jetzt nur? Ich hab kein Geld mehr, und meine Freunde helfen mir plötzlich auch nicht mehr … Dann muss ich wohl arbeiten gehen. He Sie, haben Sie Arbeit für mich? Nein? … Und Sie? …

Oje, da vorne ist ein Schweine-Bauernhof. Schweine sind so eklig. Bäh! Wenn ich nur dran denke. Wuää… (Sohn schüttelt sich und hält dann inne) Aber was soll’s, irgendwie muss ich ja mal wieder was essen …

Bauer: Du kannst gerne bei mir arbeiten. (führt ihn zu den Schweinen) Hier, pass‘ auf die Schweine auf! Und das da ist ihr Essen (Bauer zeigt auf den Müllmatsch), das kommt direkt aus unserem Mülleimer. Du schaffst jetzt das Essen in ihren Trog, damit sie fressen können.

Aktion: dreckig, stinkig, eklig. → Müllmatsch muss von A (Matsch auf Plane) nach B (Schweinetrog) umgeschaufelt werden. Dazu werden nur die Hände benutzt. Jeder darf mitmachen, muss aber nicht!!!

Sohn: Oh mann, das ist aber ein Abstieg. Hier stinkt es. Und ich habe Hunger! Der Bauer gibt mir nur ganz wenig Geld dafür. Aber die Schweine, die haben es gut, die faulenzen und essen den ganzen Tag … Guckt mal, was da Leckeres in ihrem Futtertrog ist … gut naja, richtig lecker ist es nicht, und die Schweine haben auch schon darin rumgewühlt, aber ich hab ja so Hunger! Ob ich es vielleicht mal probieren sollte? (Geht langsam auf den Trog zu und nimmt ein bisschen in die Hand.)

Bauer: Denk gar nicht dran! Das gehört den Schweinen, nicht dir!

Sohn: (zu sich) Das ist ja so gemein! Selbst den Schweinen geht es besser als mir! Bei meinem Vater zu Hause hätte es so etwas nicht gegeben!

Sohn: Mein Vater … Hat er nicht gesagt, „ich werde dich vermissen“? … Nein, der ist doch jetzt bestimmt ganz wütend auf mich. Wenn er wüsste, dass ich sein ganzes Geld schon ausgegeben habe! … Aber selbst seinen Arbeitern ging es besser als mir jetzt. Und woanders werd‘ ich keine Arbeit finden. Vielleicht kann ich ja wie ein Knecht für ihn arbeiten? … Ich muss es probieren. Dann hab ich zumindest was zu beißen, und muss hier nicht hungern…

Erzähler: So macht sich der Sohn wieder auf nach Hause. Au weia, was der Vater wohl sagt, wenn der so ankommt? Boah, der stinkt echt schlimm… Los, lasst uns mal sehen was passiert…

Unterwegs … der Sohn ist voll Angst und Scham.

Sohn: (an die Kinder) Soll ich mich wirklich trauen?

4. Station Hof: Begrüßung des Vaters

Ort: wie bei Station 1

Deko: wie am Anfang, nur mit Ecke für die Feier (von einigen Mitarbeitern umräumen lassen, z.B. Vater)

Requisiten: Waschschüssel mit Seifenwasser, Handtuch, leckeres Essen und Trinken,Kerzen, Girlanden

Sohn bleibt ein Stück vor dem Eingang stehen und wartet, bis die Kinder sich hinter ihn aufgestellt haben.

Vater kommt raus, hält Ausschau. Er ist bekümmert …

Vater: Wo ist denn nur mein Sohn? Habt ihr ihn gesehen? … Da bist du ja! Vater rennt zum Sohn.

Vater: Komm, lass dich umarmen, mein Stinker! (umarmt ihn)

Sohn: Aber Vater … Du weißt doch noch gar nicht was passiert ist. Tut mir Leid … ich hab all dein Geld ausgegeben! Ich bin es nicht wert, dein Sohn zu sein. Lass mich doch einfach als Knecht hier mitarbeiten!

Vater: So ein Quatsch! Du bist und bleibst mein Sohn. Und ich bin ja so froh, dass du wieder zurückgekommen bist. (gibt Dienern Befehle um die Willkommens-Party zu organisieren.) Und jetzt gehst du dich erst mal waschen, ich lasse dir ordentliche Kleider bringen.

Aktion: Hände waschen und Party feiern (leckeres Essen und trinken)

Die Inspiration für das Theaterstück kam von allesumdiekinderkirche – dort sind auch noch mehr mögliche Aktionen vorgestellt.

Weitere Ideen für das Rahmenprogramm:

  • Kleingruppen: Warum hat Jesus diese Geschichte erzählt? Gott lädt alle Menschen ein.

  • Tier-Pantomime oder Tier-Geräusche-raten

  • Eimer mit Wasser, am Boden des Eimers steht eine Schüssel. Mit Münzen muss in die Schüssel getroffen werden (gar nicht so einfach wie es klingt …)

  • Ausmalbilder, Rätsel: Lektion 4: Der Vater wartet auf mich

  • Geländespiel: Lebensspiel verlorener Sohn (Semaja-Verlag)

Eigene Erfahrung

Wir hatten 14 Kinder von 4-10 Jahren, viel mehr hätten wir nicht sein dürfen damit nicht vollständiges Chaos ausbricht 🙂 (Die Herausforderung liegt vor allem darin, die Kids nach der Aktion oder Szenenwechsel zur Ruhe zu bringen, damit alle alles mitbekommen. Idee: wie beim Fernsehen eine Film-Klappe hörbar klappen lassen und „Action“ rufen. Die Schauspieler sollten durch Kleidung oder Requisiten als solche erkennbar sein.)

Die Kids waren begeistert und obwohl viele die Geschichte schon vorher kannten, waren sie von der Geschichte persönlich angerührt. Die beiden Nebenrollen Ober und Schweinebauer wurden von älteren Kindern gespielt.

Lizenz und Download

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Creative Commons Lizenzvertrag
„Der liebende Vater“ von Benjamin Pick und Benjamin Damm ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Das heißt, du darfst dieses Theaterstück sehr gerne in deiner Gemeinde aufführen.

Diese Geschichte habe ich auch für Erwachsene nacherzählt …

Gnade?!

(Ein anonymer Brief an Paulus.)

Lieber Paulus.

Deine Worte sind ja schon ziemlich krass. Willst du wirklich sagen, dass wir Menschen tot sind, obwohl wir doch leben? Naja, vielleicht meinst du das nur metaphorisch. Aber deine Begründung macht es nicht besser. Tot, weil … wir den Trends dieser Welt nachlaufen. Tot, weil … wir nur nach dem eigenen Glück streben, selbst wenn wir manchmal das Gegenteil behaupten. Tot, weil … wir gegen den Gott rebellieren, der uns geschaffen hat. Hoppla, geschaffen? Gut, damals gab es noch kein Darwin – aber vielleicht hättest du es trotzdem nicht anders formuliert. Aber kannst du nicht wenigstens statt „tot“ sagen, dass solch ein Leben „sinnlos“ ist, oder vielleicht „fehlgerichtet“, oder, was hältst du davon: wir verhalten uns wie „unerzogene Kinder“? Diese Kritik könnte ich wenigstens noch nachvollziehen.

Deine nächsten Sätze klingen noch arroganter. Nicht nur, dass du alle Menschen in denselben Topf wirfst, du nimmst dich auch noch selbst aus. Du wurdest ja „lebendig gemacht“. Das kann jeder sagen. Ist ja schön für dich, dass dein Glaube dein Leben verändert hat. Vielleicht sogar so sehr verändert, dass dir dein altes Leben „tot“ erscheint. Aber du merkst schon, dass du damit Tausende andere Menschen diskriminierst?!

Und jetzt kommt der Oberhammer. Als Begründung gibst du an – nichts. Du hast nicht die Relativitätstheorie erfunden, das Hunger-Problem gelöst oder eine Strategie gefunden, wie man erfolgreich gegen Krankheit und Tod kämpft. Laber du nur von Liebe, von Reichtum, von Güte, laber nur von deinem Gott der das angeblich alles zustande gebracht haben soll. Das ist doch alles nur Projektion.

Pff! Gnade! Von nichts kommt nichts. Gnade, das würde ja heißen, dass Gott mich beschenken will – obwohl ich ihn jeden Tag aufs Neue beleidige. Dass Gott wohlwollend über mich denkt – obwohl er meine Schattenseite ganz genau kennt. Dass Gott mein Leben zu einem guten Ziel führen will – obwohl ich mich immer wieder weigere.

Gnade, das wäre ein Vater, der über mir weint, als wäre ich sein einziges Kind, das von ihm weggelaufen ist. Gnade, das wäre ein Vater, der nach stundenlangem Streit einfach mit offenen Armen Versöhnung anbietet. Der sich darum kümmert, dass am Ende wirklich alles gut wird.

Das wäre zu gut, um wahr zu sein. Oder?

(Epheser 2, 1–10)

(Material für einen Hauskreis: Alles Gnade?!)