Reformation fängt mit Träumen an

Ich habe einen Traum.
Von einer Kirche, die Wahrheit als Person versteht, nicht als Konzept.
Von Gläubigen, die Leidenschaft und Schönheit mehr nachjagen als ihrem eigenem Komfort.
Von Glaube, wild, ungezähmt, authentisch, und unbeirrbar Gott-zentriert.
Von Liebe, die alle Angst überwindet.
Von Hoffnung, größer als Institutionen und kleiner als falsch verstandene Würde.
Von Sehnsucht, die verrückt-kreative Lösungen sucht.
Von Menschen, die nicht von ihrer Unzulänglichkeit davonlaufen, sondern dem Ruf ihres Meisters folgen.
Von geliebten Kindern Gottes, die innerlich frei Gott und ihr Leben feiern.
Von einer Kirche, die alles tut, um das Tun Gottes zu begleiten und zu unterstützen.
„Gott ist in der Mitte, alles in uns schweige, und sich innigst vor ihm beuge.“

Vielen Dank, Fabian Vogt, für deine Vorträumereien. Dein Roman hat mal wieder alle meine Erwartungen übertroffen.

Zeitsparer

Wie kann es sein, dass wir immer mehr Zeit sparen, aber immer weniger Zeit übrig haben? Oder, wie es die Kinder in „Momo“ formulieren: „Zeit spahren? Aber für wehn?“

Ich möchte Zeit verschenken, wer will sie haben?

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Strength is for service, not status.

(Romans 15:2 The Message)

Unbezahlbar

Die Luft, die ich atme,
die Sonne, die mein Gemüt erhellt,
die Freundlichkeit, die ich empfange,
die Natur, wild und atemberaubend,
die Inspiration, überraschend und kreativ,
ein Danke, Ermutigung im Alltag,
der Lohn, seinen Idealen gefolgt zu sein,
der Stolz, anderen zu helfen,
die Zeit, lernen zu dürfen,
der Mut, arbeiten zu dürfen,
das Öl, das Mutter Erde uns gibt,
Autobahnen, frei von Stau,
Menschen, frei von Abhängigkeit,
eine Blume, entdeckt am Straßenrand,
das Privileg, in einer Technik-Gesellschaft aufzuwachsen,
Nichtstun, gemeinsam mit anderen,
Freundschaften, haltbar über Zeit und Raum,
Umarmungen, kosten- und erwartungslos,
Schönheit, Ausdruck von Freude und Lebenskraft,
Happiness, meinem Gott zu gehören,
Überraschungen, ein liebes Wort zur rechten Zeit,
Kinderlachen, Kinderfragen, Kindersorgen,
Konfliktlösungen, die Synergie freisetzen,
der Stress, der das Beste von einem fordert,
die Sicherheit, auch ohne Leistungen geliebt zu werden,
Zähne, auf die man sich verlassen kann,
Texte, die Altes erklären, und Neues schaffen,
Musik, in der man sich verlieren kann,
die Fremde, in der man sich verirren kann,

all dies ist
unbezahlbar –
das Geschenk zu leben.

danke
schön.

Söntgen: Na, dann bieten Sie ihm weniger, wenn er (lacht) durch zu viel Geld störrisch wird. Wie war Nadolt?
Dr. Borsig: Zuerst war er auch heikel, aber als ich ihn einmal soweit hatte, da wusste er plötzlich, wieviel er wert war… […] Es ist so merkwürdig mit diesen Leuten: ihre Phantasie ist großartig […] — aber es kommt dann ein Punkt, wo sich ihre Phantasie auch des Geldes bemächtigt …“ (S. 215f)
Dr. Borsig: Es gibt auch noch die dritte Möglichkeit: daß er nichts mehr mit uns zu tun haben will. (Leiser) Es gibt wirklich Leute, die keinen Preis haben.
Söntgen (lacht): Wenn Sie mal so einen auftreiben, so würde ich mich freuen, ihn kennenzulernen.“ (S. 213)
(Heinrich Böll: Zum Tee bei Dr. Borsig, in: Heinrich Böll – Erzählungen, Hörspiele, Aufsätze, 1961)

Sprüche für Heute

Iss kein Brot von einem gierigen Discounter,
versuch nicht, das Schnäppchen des Monats zu machen.
Denn du weißt nicht, was sein Hintergedanke ist.
Natürlich sagt er: „Greif zu!“, aber nicht aus Wohltätigkeit.
Wenn du sein Brot isst, wirst du es wieder auskotzen müssen, und alles war umsonst.

(nach Sprüche 23,6-8)

Besser ein Tag mit Ohrwurm,
als ein Leben ohne Musik.

Bildung ist Herzenssache

Wie jeder bayrische Schüler habe ich die Verfassung bei mir zu Hause rumliegen. Außer der formell vorhandenen Todesstrafe (die inzwischen abgeschafft wurde, siehe 123recht und Focus) fand ich immer schon interessant, wie sie Bildung definiert:

Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.

Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungs­gefühl und Verantwortungs­freudigkeit, Hilfs­bereitschaft, Auf­geschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungs­bewußtsein für Natur und Umwelt.

(BayV Art. 131 Abs. 1-2)

Natürlich wurde das zu einer Zeit der religiösen Rückbesinnung geschrieben, die Präambel sagt: „Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden des zweiten Weltkrieges geführt hat …“. Und es ist auch fraglich, inwieweit unser heutiges Bildungssystem diese Ziele widerspiegeln.

Und dennoch rückt es Bildung in ein glänzendes Licht: es geht eben nicht nur um Wissen (dafür gibt es ja jetzt Wikipedia und, wenn das nicht hilft, Google), sondern persönliche Charakterentwicklung. Wie aber lehrt man „Erfurcht vor Gott“, oder „Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne“? Indem man es vor-lebt, und die Schüler einlädt, es auch zu er-leben. Wie ein Kunst-Lehrer, der eine Museums-Exkursion plant.

In Frankreich gibt es kein Religionsunterricht, nur „Philo“ (Philosophie/Ethik). Sie lernen mehr Theorien kennen als wir, aber persönlich auseinandersetzen tun sich damit nur die, die selbst daran interessiert sind. Zum Bestehen reicht Auswendiglernen, und Diskussion im Unterricht wird auch kaum gefördert.

Mein bester Lehrer ist immer noch Gott selbst … 🙂

Empathie mit Asylbewerber

Ich wusste schon manches über das Flüchtling-Sein, aber selbst einer zu sein, wenn auch nur in einem Spiel, ist plötzlich nochmal etwas anderes. Man lernt, irgendwie zu überleben, und verschiebt die Hoffnung auf ein gutes Leben auf später. Nachts aufzuwachen, schwitzen, die Erinnerungen bleiben.

Und dann: wer sagt, „Willkommen in Deutschland“? „Komm, ich helf dir, zeig dir die Welt…“ „Wann immer du willst, komm auf ein Kaffee vorbei …“ Eine einfache Freundschaft ist plötzlich soo wertvoll.

Together.

Why Do We Dream?

Asking for the roots of dreaming seems like asking „why do we eat“ or „why do we need friends“ – we’re meant to live this way. In my opinion, the real question is: Is a dream significant, is it meaning something?

I would say, in this case the radical constructivist approach makes sense: you create its meaning by believing in it. If you believe, dreaming is nonsense, then you will rarely remember „special dreams“. If you think, dreaming is processing reality on another (subconscious) level, then you actively allow this processing to happen. And if you think, dreams are forecasting reality in some way, you will look back and actually find similarities.

Maybe the difference between dreams and day dreams is not as big as we may think. Both refer to our innermost values and attitudes, so deep inside we often don’t even realize them. And both can cause humans to break out of their tracks, beginning to write a new history.

If you really want my personal opinion on that: dreaming is like living in another world, with different laws of gravity. And sometimes it’s scary to see how much and how little at the same time is depending on my personal will in this world. Sometimes I feel like a supreme king, sometimes like a chased cat. But most of the time, I feel like a child receiving a present and playing with it freely. It’s like eating: without it, I would gradually starve.

So do dreams have meaning? They can. Are they reflections of day experiences? Sometimes. And sometimes, even God can speak through them, bringing new ideas and behaviours.

Farewell, dreamer!

Gedankensplitter

Was wär wenn die Welt
Bestünde aus Gedichten
Blitzendes Glatteis

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Und Zitate zu Künstliche Intelligenz (KI):

„KI ist Software, die Verhalten imitiert, welches – von Menschen ausgeübt – als intelligent betrachtet werden würde“
(Gerry Stahl et al., Computerunterstütztes Kollaboratives Lernen: Eine historische Perspektive)

Manche sind da optimistischer:

„Vielleicht behalten sie uns ja als Haustiere.“ (Marvin Minsky)

Konstruierte Wahrheit?

Erst dreht sich die Sonne um die Erde, dann war es andersherum, und jetzt dreht sich das ganze Universum um das Individuum. (So wie der Mathematiker eine Kuh einzäuhnt: er spannt den Stacheldraht um sich selbst, und definiert, er sei außen.)

Dabei begann alles mit einer simplen Frage: ist die Realität tatsächlich objektiv/eindeutig, ist Zuschauen an sich nicht schon interpretieren? Geht es also mehr um Bedeutungszuweisung als um Wahrheit? Leider ist diese These (Konstruktivismus) genauso wenig beweisbar wir ihr Gegenteil (Positivismus). Auch ihre Auswirkung ist nur selbst-bestätigend: Je komplexer das gesellschaftliche System, desto komplexer halten wir es, desto komplexer verhalten wir uns. Darum Luhmann’s Theorie, dass der hauptsächliche Sinn von Organisationen ist, irgendeinen Konsens zu finden, um die Komplexität und damit die Unsicherheit unserer Umwelt zu verringern. Träumen wir nicht alle von einer Welt, in der genau das passiert, was wir uns vorstellen?

Es ist Nostalgie, Utopie, und vielleicht gar keine schöne. Denn: man müsste selbst perfekt und gut sein, um die Welt perfekt und gut zu regieren. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: entweder ich gebe den Anspruch auf, die Welt Stück für Stück zu verbessern, in verschiedenen Formen: Agnostik („Ich weiß, dass ich nichts weiß“), Hedonismus („Hauptsache, es geht mir gut.“) oder Determinismus („Was geschehen soll, wird geschehen“) – oder ich definiere mein Leben um, als Mond, der nicht selbst gut ist, sondern Güte widerspiegelt. „Ich weiß es nicht, aber ich muss es auch nicht wissen.“ Und damit stehe ich dem Konstruktivismus sogar näher als dem Positivismus, der Wissenserwerb als Fleißaufgabe sieht („Je genauer und aufwändiger, desto wahrscheinlicher, dass eine Gesetzmäßigkeit erkannt wird.“ Darum auch der Fortschrittsoptimismus). Ich vertraue meinem Vater & Freund, er hat mich bis hierhin geführt, und er wird es weiter tun.
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You love me again today, Lord?
Is there no depth to the well that is you?
There is no depth to the well of need that is me.

– Sheila Walsh, „Outrageos Love“